Darmstadt Jazz News

1. - 30. NOVEMBER 2008


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30. November 2008

Detlef Landeck

Der Posaunist Detlef Landeck wurde gestern abend während eines Konzerts in Darmstadt mit dem Hessischen Jazzpreis 2008 ausgezeichnet (HR-online.de). Der Preis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro dotiert. Landeck wurde für seine Verdienste als vielseitiger Jazzmusiker ausgezeichnet, aber auch für sein Engagement in der nordhessischen Region, in der er zu den Mitgründern des Fördervereins Kasseler Jazzmusik gehört und an der Organisation vieler Konzerte beteiligt war und ist. Nach der Preisvergabe spielte Landeck mit seinem Trio aus Posaune, Kontrabass und Schlagzeug (orientiert an einem seiner Vorbilder, Albert Mangelsdorff, der in den 1970er Jahren in ähnlicher Besetzung spielte), unterstützt als Gast von einem Turntable-Künstler.

The trombonist Detlef Landeck received the Hesse Jazz Award 2008 last evening during a concert in Darmstadt (HR-online.de). The award comes with prize money of 10.000 Euro. Landeck has been honored for his achievements as a versatile jazz musician as well as for his engagement in the region he lives in, where he was one of the co-founders of the Förderverein Kasseler Jazzmusik and has been involved in the organization of many concerts. After receiving the award Landeck performed with his trio consisting of trombone, double bass and drums (and thus mirroring a similar trio one of Landeck's idols, Albert Mangelsdorff in the 1970s) supported by a guest turntablist.

29. November 2008

Elisabeth Kontomanou

Jazz sei nicht spanisch, russisch oder französisch, sagt die Sängerin Elisabeth Kontomanou im Interview mit Nadia Khouri-Dagher (Afrik). Jazz sei Amerikas klassische Musik, und ihre Vorbilder seien amerikanische Musiker. Ihr Vater kam aus Guinea, ihre Mutter aus Griechenland. Sie selbst wurde in Frankreich geboren und sah den Jazz als eine Möglichkeit der Identitätsfindung in einem Land, das zu ihrer Jugendzeit kaum eine afrikanische Musikszene besaß. Sie erzählt weiterhin von Bluessängerinnen, die sie sich kürzlich angehört habe, um ihr aktuelles Programm vorzubereiten, Ma Rainey, Bessie Smith, Sister Rosetta Tharpe, über Stevie Wonder, der ein früher Einfluss auf sie gewesen sei, sowie über Schweden, wo sie heute lebt und wo sie die Ruhe und das entspannte Verhältnis zwischen den Geschlechtern genieße.

Jazz is not Spanish, Russian or French, says singer Elisabeth Kontomanou in an interview with Nadia Khouri-Dagher (Afrik). It is America's classical music, and her role models are American musicians. Her father came from Guinea and her mother from Greece. She was born in France and saw jazz as some kind of identity for herself in a country that at the time of her youth hardly had an African music scene. She further talks about some blues singers she listened to recently to prepare her current program, Ma Rainey, Bessie Smith, Sister Rosetta Tharpe, about Stevie Wonder who influenced her early on, and about Sweden, where she lives at the moment and where she enjoys the tranquility and the so much more relaxed relationship between men and women.

Joe Romano (Tenorsaxophon / tenor saxophone)
(b: 17.Apr.1932, Rochester/NY; d: 26.Nov.2008, Rochester/NY)

Nachruf / Obituary: Rochester Democrat and Chronicle.

28. November 2008

The Wire

Julian Weber berichtet über "The Wire", das britische Musikmagazin oder wie er sagt "das beste Musikmagazin der Welt" (die tageszeitung). Ihm gefällt, das The Wire über Musik berichtet, die von anderen Magazinen zu jazz oder zeitgenössischer Musik höchstens am Rande behandelt werden. The Wire habe 20.000 Leser, von denen viele die Zeitschrift von außerhalb Großbritanniens abboniert hätten. Wire-Herausgeber Tony Herrington betont, dass er sich auf dem gleichen sozialen Level wie die Musiker sehe, über die er und seine Kollegen berichteten. Er sieht The Wire als ein kritisches Magazin ohne die branchenüblichen Verbindungen zur Plattenindustrie. Herrington spricht über den unabhängigen Journalismus in Großbritannien und über einige der Autoren, die für das Magazin schreiben. Weber geht allerdings fehl in der Annahme, dass die Kolumne "Invisible Jukebox" von anderen Magazinen kopiert werde: Diese Kolumne ist schon selbst eine Kopie, und zwar des legendären "Blindfold Test" von Leonard Feather.

Julian Weber reports about the "The Wire", the British music magazine, or as he says, "the best music magazine in the world" (die tageszeitung). He likes the fact that The Wire focuses on music usually only viewed peripherally by other magazines on jazz and contemporary music. The Wire has 20.000 readers, many of them subscribers from out of Britain. Wire editor Tony Herrington sees himself on the same social level as the musicians he and his colleagues report about. He sees The Wire as a critical magazine with no apparent links to the record industry. Herrington talks about independent British journalism and about some of the authors regularly writing for his magazine. Weber is wrong, though, in his assumption that The Wire's "Invisible Jukebox" has been copied by other magazines: that column itself, of course, is a takeoff on Leonard Feather's famous "Blindfold Test".

27. November 2008

Jozef Dodo Šošoka (Schlagzeug / drums)
(b: 16.Mar.1943, Hronske Kosihy/CSSR; d: Nov.2008, Slovakia)

Der slowakische Schlagzeuger und Perkussionist Jozef Dodo Šošoka starb im Alter von 65 Jahren an Krebs. Er war seit 1956 als professioneller Musiker aktiv, hatte am Berklee College of Music studiert und zählte zu den bekanntesten Jazzmusikern der Slowakei. Nachruf: Radio Slovakia International.

The Slovak drummer and percussionist Jozef Dodo Šošoka died from cancer at the age of 65. He had been playing publicly since 1956, had studied at Berklee College of Music and was one of Slovakia's foremost jazz musicians. Obituary: Radio Slovakia International.

26. November 2008

Sonny Rollins

Der Tenorsaxophonist Sonny Rollins kommt für ein paar Konzerte nach Deutschland, und Sascha Krüger spricht mit ihm in Bilbao, Spanien (Die Welt). Rollins erklärt, dass er vor jedem Konzert immer noch eine gewisse Art von Lampenfieber habe. Es gäbe heute ein größeres Publikum, das wirklich zuhöre. Er fühle sich mit der Heldenverehrung nicht ganz wohl, die ihm oft begegne, wenn er die Bühne betrete und die ihn manchmal daran hindere, jene Standards zu erreichen, die er erreichen wolle. Nach Konzerten sei er oft sehr selbstkritisch. Selbstgefälligkeit sei der kreative Tod. Er habe mal eine Weile aufgehört, über seine eigenen Unzulänglichkeiten und inneren Probleme nachzudenken -- das sei die schwächste Periode seines Lebens gewesen. Er wisse, dass er der letzte der ersten Garde des Jazz sei und den Leuten noch etliches zu sagen habe. Thelonious Monk habe ihm einmal mitgegeben, immer ehrlich zu bleiben. Das versuche er bis heute.

The tenor saxophonist Sonny Rollins comes to Germany for a couple of concerts, and Sascha Krüger talks to him in Bilbao, Spain (Die Welt). Rollins explains that he still has a certain kind of stage fright before concerts. There exists a larger audience for jazz today than before that is really listening. He is not only happy about the hero worship he feels when he enters the stage, though, as it can confuse him and thus interfere with reaching the musical standards he usually strives for. After a concert he tends to be self-critical. Self-satisfaction, he says, equals creative death. There was a time in his career when he stopped concentrating on his own inner turmoil -- and it had been the weakest creative period in his life. He knows that he is one of the last torch bearers of a jazz history that still needs to be told and related to the people. Thelonious Monk once told him always to stay true to himself. He always tried to do just that.

25. November 2008

500.000 Euro

Auf Initiative der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wurde das Budget der "Intiative Musik" um 500.000 Euro auf eine Gesamtsumme von 1.5 Millionen Euro pro Jahr erhöht (Neue Musik Zeitung). Die zusätzlichen Mittel sollen konkret in Jazzprojekten fließen, die von der Initiative Musik, einer Fördereinrichtung der Bundesregierung für die Musikwirtschaft in Deutschland, unterstützt werden. Die SPD-Sprecherin Monika Griefahn betonte die Bedeutung der Unterstützung von Jazz und improvisierter Musik und ergänzte, dass es nun wichtig sei, "mit den zusätzlichen Mitteln ein wirkungsvolles Spielstättenförderprogramm" umzusetzen, das Clubs und Spielorte helfe, die für eine lebendige Jazzszene unbedingt vonnöten seien. Mehr über die Initiative Musik: www.initiative-musik.de.

The Social Democratic Party (SPD) in Germany has supported a motion to increase the budget for the "Initiative Musik" by 500.000 Euro to a total of 1.5 million Euro annually (Neue Musik Zeitung). The additional money is specifically directed towards jazz projects supported by the Initiative Musik, a funding agency set up by the German federal government to promote the music industry in Germany. SPD spokeswoman Monika Griefahn is certain that this move will support the infrastructure for jazz and improvised music and specifically asks for the establishment of support program for clubs and venues which are necessary for a lively jazz scene. More about the Initiative Musik: www.initiative-musik.de.

24. November 2008

Computer music

Der norwegische Informatik-Doktorand Øyvind Brandtsegg hat ein Computerprogramm geschrieben, das improvisieren kann, wie Roland Piquepaille berichtet (ZDNet) und dabei auf einen Artikel in der Zeitschrift Gemini verweist, die von der Norwegian University of Science and Technology herausgegeben wird. "Sein 'Computerinstrument' kann jeden aufgenommenen Sound als Input nehmen und ihn in eine Menge sehr kleiner Soundpartikel zerlegen, von denen eine jede zwischen 1 und 10 Millisekunden dauert. 'Diese Fragmente können dann unendlich neu zusammengesetzt werden, so dass man die Musik unendlich variieren kann, ohne das zugrundeliegende Thema zu verändern.'" Es scheint also, dass Brandtseggs Programm sich darin doch erheblich von dem unterscheidet, womit sich Forscher wie George E Lewis befassen, die vor allem an den interaktiven Möglichkeiten der Computerprogrammierung arbeiten (vgl. beispielsweise das Interview mit Lewis im britischen Magazin Resonance aus dem Jahr 1997 oder seinen Beitrag zum 8. Darmstädter Jazzforum 2003, veröffentlicht in unserem Buch "improvisieren...").

The Norwegian PhD student Øyvind Brandtsegg has developed a computer program for improvisation, as Roland Piquepaille reports (ZDNet) referring to an article in the Norwegian University of Science and Technology journal Gemini. "His ‘computer instrument’ can take any recorded sound as input and split it into a number of very short sound particles that can last for between 1 and 10 milliseconds. ‘These fragments may be infinitely reshuffled, making it possible to vary the music with no change in the fundamental theme.'" It seems, thus, that Brandtsegg's program is quite different from what other researchers such as George E. Lewis have done who concentrate on the interactive possibilities of computer programming (see for instance Lewis's interview for the British Resonance magazine from 1997 or his paper at the Darmstadt Jazzforum 2003, published in our book "improvisieren... ").

23. November 2008

Kenny Ball

Der Trompeter Kenny Ball feiert das 50jährige Bestehen seiner Band, Kenny Ball and the Jazzmen (Ilford Recorder). Ball hatte sein Debut als Musiker 1951 in der Band von Sid Phillips und machte sich bald einen Namen auf der Londoner Jazzszene. 1961 hatte er einen Hit in den Charts mit seiner Version des Bing-Crosby-Hits "Samantha". Seine Band spielte 1981 auch zur Hochzeit von Prince Charles und Princess Diana. Ball ist bis ins Jahr 2010 gebucht, und auch sein Sohn hat eine Musikerkarriere begonnen, als Schlagzeuger und Sänger.

The trumpeter Kenny Ball celebrates the 50th anniversary of his band, Kenny Ball and the Jazzmen (Ilford Recorder). He made his professional debut in 1951 with the Sid Phillips Band and soon became a respected figure on the London jazz scene. In 1961 he had a chart hit with a version of the Bing Crosby song "Samantha". His band also played Prince Charles' and Princess Diana's wedding ball in 1981. He has bookings till 2010 and his son has started a career in music as well, as a drummer and singer.

22. November 2008

Jackie Paris

Der Regisseur Raymond De Felitta berichtet über den Sänger Jackie Paris und wie es dazu kam, dass er einen Dokumentarfilm über ihn drehte (The Guardian). Er hatte in einem Jazzlexikon gelesen, dass Paris angeblich 1977 gestorben sei und fand dann heraus, dass der Sänger 2004 in einem New Yorker Club auftrat. Er erzählt von dem Treffen, den Gesprächen und davon, wie es ihm gelang, einige der Erinnerungen auf Band und Video festzuhalten.

The film director Raymond De Felitta reports about the singer Jackie Paris and how he came to make a documentary about him (The Guardian). He had learned from a biographical dictionary on jazz that Paris had died in 1977 and then discovered him singing at a New York club in 2004. He talks about meeting him, then talking to him and catching some of his reminiscences on tape and video.

21. November 2008

Lawrence Wheatley (Piano)
(b: 28.Dec.1934, Washington/DC; d: 19.Oct.2008, Washington/DC)

Der Pianist Lawrence Wheatley starb am 19. Oktober in seinem Haus in D.C. im Alter von 73 Jahren. Wheatley war eine legendäre Persönlichkeit der Jazzszene Washingtons, Vorbild und Mentor für viele jüngere Musiker und regelmäßig bei den Jam Sessions der Stadt präsent. Er machte seine einzige kommerzielle Plattenaufnahme 1955 mit Gene Ammons, lehnte es ansonsten ab, auf Platte festgehalten zu werden. "Er fand es wichtiger, dass die Menschen rauskamen und seine Musik live hörten", erklärt sein Sohn. Nachruf: Washington Post.

The pianist Lawrence Wheatley died October 19th at his home in D.C. at the age of 73. Wheatley was a memorable and legendary figure on the Washington jazz scene, a mentor to many younger musicians, a mainstay at jam sessions in the city. He only recorded commercially with Gene Ammons in 1955, otherwise was not interested in being caught on record. "He was more interested in getting people to come out and hear his live music", explains his son. Obituary: Washington Post.

20. November 2008

Örjan Fahlström

Hans-Jürgen Linke spricht mit Örjan Fahlström, dem neuen musikalischen Leiter der hr Bigband, der Bigband des Hessischen Rundfunks in Frankfurt (Frankfurter Rundschau). Fahlström berichtet über die schwedische Jazzszene, in der er mit verschiedenen Bandprojekten aktiv war und außerdem die Norbotten Bigband gegründet hatte, eine von zwei professionellen schwedischen Bigbands. Fahlström erklärt den Unterschied zwischen der NDR Bigband, die mehr ein Solistenorchester sei und dem Frankfurter Klangkörper, der eher der konventionellen Bigband-Idee entspreche. Er sei sehr froh, mit vielen jungen Musikern in der Band zu tun zu haben, und er hoffe, in seiner Amtszeit auch mit dem hr Sinfonieorchester zusammenarbeiten zu können. Er wolle mehr europäische Solisten als Gaststars einladen, und er fände es schade, nur einen Dreijahresvertrag zu haben, da er viel lieber langfristiger planen würde.

Hans-Jürgen Linke talks to Örjan Fahlström, the new musical director of the hr Bigband, the radio big band of Hessen Radio, based in Frankfurt, Germany (Frankfurter Rundschau). Fahlström tells about the jazz scene in Sweden, where he had played in different bands and founded the Norbotten Bigband, one of two professional big bands in Sweden. Fahlström explains that the NDR Big Band in Hamburg is more of a soloists' band whereas the Frankfurt orchestra follows the conventional direction of the big band idea. He is happy with the younger age of the big band's musicians, and he hopes to be able to play joined concerts with hr symphony orchestra. He plans to invite more European guests and regrets that his contract is limited to three years as he would love to plan in longer terms.

19. November 2008

Tony Reedus (Schlagzeug / drums)
(b: 1959, Memphis/TN; d: 16.Nov.2008, New York)

Der Schlagzeuger Tony Reedus starb am 16. November an einer Lungenembolie auf dem Weg ins Krankenhaus. Der 49 Jahre alte Musiker war auf dem JFK-Flughafen zusammengebrochen, nachdem er von einem Konzert in Bologna, Italien, zurückgekehrt war. Reedus hatte mit 13 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen und wurde mit 20 Mitglied der Band von Woody Shaw. Er spielte außerdem mit Milt Jackson, Benny Golson und Freddie Hubbard. In den letzten Jahren arbeitete er regelmäßig in der Band des Gitarristen Dave Stryker und mit dem Organisten und Pianisten Mike LeDonne, mit dem er auch beim Konzert in Bologna aufgetreten war. Nachruf: New Jersey Star-Ledger.

The drummer Tony Reedus died November 16th of pulmonary embolism en route to the hospital. The 49 year old musician had collapsed at JFK airport after returning from a concert in Bologna, Italy. Reedus picked up the drums at the age of 13 and joined Woody Shaw's band at 20. He also played and recorded with Milt Jackson, Benny Golson and Freddie Hubbard. In recent years he had worked with guitarist Dave Stryker's band and with the organist and pianist Mike LeDonne with whom he had also played the Bologna concert. Obituary: New Jersey Star-Ledger.

James Last

Torsten Thissen spricht mit dem Bandleader und früheren Jazzbassisten James Last (Welt Online). Der erzählt, dass er einmal durch Immobilienspekulationen 15 Millionen Dollar verloren habe. Ihm gefalle AC/DC und Timbaland, und er könne sich auch vorstellen, etwas aus Metallica oder Rap für seine Band zu machen. Die Musiker seiner Bands hörten alle aufeinander, da käme es nicht vor, dass einer ein Solo spiele und danach wieder vor sich hinträume. Das Leben müsse swingen, das schaffe man, wenn man nicht alles so ernst nähme.

Torsten Thissen talks to the band leader and former jazz bassist James Last (Welt Online). Last tells of financial losses in some real estate speculations he was involved in and in which he lost 15 million dollars. He likes AC/DC and Timbaland and he could imagine to arrange some Metallica or rap music for his band. The musicians of his bands listen to each other, no musician will start to be woolgathering after having played his solo, he says. Life has to swing, that's possible if you don't take everything that seriously.

18. November 2008

Hank Jones

Unter den diesjährigen Empfängern der National Medal of Arts war auch der 90jährige Pianist Hank Jones, wie The Associated Press berichtet (Washington Post). Auch die Fisk University Jubilee Singers erhielten einen Orden. Und hier ein Foto aus dem Weißen Haus.

Among the recipients of the National Medal of Arts this year is the 90 year old pianist Hank Jones, as The Associated Press reports (Washington Post). The Fisk University Jubilee Singers also received a Medal. And here is a photo from the White House.

17. November 2008

Donald Harrison

Der Altsaxophonist Donald Harrison spielt die Rolle in "Rachel Getting Married", einem neuen Spielfilm des Regisseurs Jonathan Demme, wie Larry Blumenfeld berichtet (Reuters).

Alto saxophonist Donald Harrison plays the role of a jazz musician in the new movie "Rachel Getting Married" directed by Jonathan Demme, as Larry Blumenfeld reports (Reuters).

16. November 2008

Frank Wess

Der 86-jährige Saxophonist Frank Wess spielt im Kennedy Center Jazz Club in Washington, D.C., und wird am Samstag zusammen mit dem Pianisten Billy Taylor über ihre Jugend und ihre ersten Jazzerfahrungen in dieser Stadt erzählen, wie Matt Schudel berichtet (Washington Post). Wess findet, dass die Erfahrungen auf der Straße nötig seien, um Jazz zu spielen. Taylor war in seiner Jugend von dem legendären Jelly Roll Morton musikalisch herausgefordert worden, bevor er 1942 nach New York zog. Wess spielte mit Earl Hines und Billy Eckstine, blieb aber bis in die Mitt-1950er Jahre in Washington, als er Mitglied im Orchester Count Basies wurde.

86 year old saxophonist Frank Wess plays at Washington, D.C.'s Kennedy Center Jazz Club and on Saturday will publicly reminisce with pianist Billy Taylor about their youth and jazz upbringing in that city, as Matt Schudel reports (Washington Post). Wess thinks that in order to play jazz, a certain street knowledge is necessary. Taylor was challenged by the legendary Jelly Roll Morton in his youth, and left for New York in 1942. Wess played with Earl Hines and Billy Eckstine but stayed in DC into the mid-1950s when he joined Count Basie's orchestra.

15. November 2008

Don Byron

Der Klarinettist Don Byron sei ein "Trendsetter und eine wichtige Figur" der New Yorker Jazzszene geworden, schreibt Martin Johnson (Wall Street Journal). Seine musikalischen Interessen seien eklektisch und bewegten sich zwischen "Klezmer, afro-kubanischer und anderer karibischer Musik, Kompositionen von Stephen Sondheim, Filmmusik aus den 'Blaxploitation'-Movies der frühen 70er Jahre und anderen Klängen, die nicht unbedingt zum Jazz-Mainstream gehörten". Byron spricht über die verschiedenen Phasen und wichtigsten Aufnahmen seiner Karriere, über Einflüsse von Mickey Katz bis Lester Young und darüber, dass er ganz glücklich mit seinem eigenen Einfluss auf den Jazz sei.

Clarinetist Don Byron has become a "trendsetter and a pivotal figure" in the New York jazz scene, writes Martin Johnson (Wall Street Journal). His musical interests are eclectic and easily move between "Klezmer, Afro-Cuban and other Caribbean music, the works of Stephen Sondheim, the soundtrack music of early '70s 'blaxploitation' movies and other sounds far from the jazz mainstream". Byron talks about the different phases and major recordings of his career, about influences from Mickey Katz to Lester Young and "being pleased with his influence on jazz".

14. November 2008

Rosetta Reitz (Kritikerin, Produzentin / critic, producer)
(b: 28.Sep.1924, Utica/NY; d: 1.Nov.2008, New York)

Die Produzentin und Kritikerin Rosetta Reitz starb am 1. November in New York. Reitz war in der feministischen Bewegung aktiv gewesen und fand, dass viele Musikerinnen des Jazz von der Jazzgeschichte übersehen worden seien. 1979 gründete sie ihr eigenes Plattenlabel, Rosetta Records, auf dem sie vor allem thematische Compilations veröffentlichte, besonders in ihrer "independent women's blues"-Reihe. Nachruf: New York Times.

Rosetta Reitz, who created her own record label dedicated to jazz and blues recorded by female musicians, has died in New York on November 1st. Reitz had been active in the feminist movement and decided that many of the female musicians in jazz had been overlooked by jazz history. She started her record label Rosetta Records in 1979, issuing mostly theme-oriented compilations, especially in her "independent women's blues" series. Obituary: New York Times.

Mae Mercer (Sängerin / vocalist)
(b: 12.Jun.1932, Battleboro/NC; d: ca. 29.Oct.2008, Northridge/CA)

Nachruf / Obituary: San Francisco Chronicle, The Independent.

Mel Graves (Bass, Komponist / bass, composer)
(b: Parkersburg/WV; d: 8.Nov.2008, Petaluma/CA)

Nachruf / Obituary: San Francisco Chronicle.

Mitch Mitchell (Schlagzeug / drums)
(b: 9.Jul.1947, Ealing; Middlesex/England; d: 12.Nov.2008, Portland/OR)

Der Schlagzeuger Mitch Mitchell, der letzte überlebende Musiker der legendären Band Jimi Hendrix Experience, starb am 12. November in seinem Hotelzimmer in Portland, Oregon, im Alter von 61 Jahren. Mitchell hatte auch mit Musikern wie Muddy Waters, Eric Clapton, Keith Richards, John Lennon und Jack Bruce gespielt. Nachrufe: The Guardian (1), The Guardian (2), The Independent(1), The Independent (2), San Francisco Chronicle.

The drummer Mitch Mitchell who had been the last surviving musician of the legendary Jimi Hendrix Experience band, died November 12th in his hotel room in Portland, Oregon, at the age of 61. Mitchell had also played with musicians such as Muddy Waters, Eric Clapton, Keith Richards, John Lennon and Jack Bruce. Obituaries: The Guardian (1), The Guardian (2), The Independent(1), The Independent (2), San Francisco Chronicle.

13. November 2008

Wolfgang Schmid

Der E-Bassist Wolfgang Schmid feiert seinen 60sten Geburtstag, und Oliver Hochkeppel unterhält sich mit ihm über seine Karriere im Fusion-Jazz (Süddeutsche Zeitung). Schmid war Gründungsmitglied in Klaus Doldingers Band Passport gewesen, die, wie er sagt, keine Vorbilder hatte: "Wir haben den [unseren?] Fusion-Sound erfunden, indem wir alte Jazz-Platten gehört haben und dann versuchten, den Stücken einen neuen Groove zu geben." Schmid arbeitet daneben auch als Komponist, Produzent und Studiomusiker. Zum Geburtstag gibt er drei Konzerte in München: mit Passport, seiner eigenen Band Kick sowie mit dem Pianisten Wolfgang Dauner.

The electric bassist Wolfgang Schmid turns 60s, and Oliver Hochkeppel talks to him about his career in fusion jazz (Süddeutsche Zeitung). Schmid had been a founding member of Klaus Doldinger's band Passport which, he says, had no role model: "We invented the [our?] fusion sound by listening to old jazz records and trying to give the pieces a new groove." Schmid also works as a composer, producer and studio musician. For his birthday celebration in Munich he can be heard in three concerts: with Passport, his own band Kick and with the pianist Wolfgang Dauner.

12. November 2008

Charlie Mariano

Der Altsaxophonist Charlie Mariano wird heute 85 Jahre alt, wie Martin Woltersdorfer berichtet (Kölner Stadtanzeiger). Mariano wuchs in Boston auf, wurde von Charlie Parker beeinflusst und nahm seine erste Platte für das Prestige Label im Jahr 1951 heraus. Er spielte mit dem Stan Kenton Orchester, zog 1956 an die Westküste, arbeitete 1962 mit Charles Mingus, unterrichtete an der Berklee School of Music und tourte regelmäßig durch Asien und Europa, wo er sich bald permanent niederließ und seither in Köln lebt.

The alto saxophonist Charlie Mariano turns 85 today, as Martin Woltersdorfer reports (Kölner Stadtanzeiger). Mariano grew up in Boston, had been influenced by Charlie Parker and first recorded in 1951 for the Prestige record label. He had played with the Stan Kenton orchestra, moved to the West Coast in 1956, worked with Charles Mingus in 1962, taught at Berklee School of Music and regularly toured Asia and Europe where he soon moved permanently, living in and working from Cologne, Germany.

Tin Pan Alley

Ed Pilkington berichtet, dass der Häuserblock auf der 28sten Straße in New York, der zu Beginn des 20sten Jahrhunderts als Tin Pan Alley, Zentrum der amerikanischen Musikindustrie, bekannt wurde, zum Verkauf steht (The Guardian). Potentielle Investoren könnten allerdings eher den Abriss des ganzen Blocks in unmittelbarer Nähe zum Broadway planen, um dort Bürogebäude errichten zu lassen. Die musikindustrielle Geschichte des Blocks begann 1893, als der Musikverlag M. Witmark & Sons hier einzog und in der Folge auch andere Verlage sich in dem Block niederließen. George & Ira Gershwin hatten hier ein Büro, aber auch Scott Joplin, Cole Porter und Fats Waller. Anwohner und Musikfreunde plädieren dafür, den Block dem Denkmalschutz zu unterwerfen, um ihn vor dem Abriss zu schützen.

Ed Pilkington reports that the block on New York's 28th Street known as Tin Pan Alley, the center of the American music industry in the early 20th century, is for sale (The Guardian). Potential buyers of the buildings close to Broadway might intend to knock them down in order to replace them with an office block. The music history of the block started in 1893 when the music publishing house of M. Witmark & Sons moved here, attracting other firms to follow. George & Ira Gershwin had an office here, as did Scott Joplin, Cole Porter and Fats Waller. Neighbors and music lovers are pressing for permanent landmark status for the buildings.

11. November 2008

New Amsterdam Musical Association

Clem Richardson berichtet über die New Amsterdam Musical Association, eine Musikerinitiative, deren montägliche Jam Session bereits seit 1922 stattfindet (New York Daily News). Die NAMA wurde bereits 1901 von schwarzen Musikern gegründet, denen die Mitgliedschaft in der örtlichen Musikergewerkschaft verwehrt worden war. Zu den bekannteren Mitgliedern gehörten etwa James Reese Europe, Eubie Blake, Henry Minton und Jelly Roll Morton.

Clem Richardson reports about the New Amsterdam Musical Association, a musicians' initiative whose regular jam session takes place every Monday and did so since 1922 (New York Daily News). NAMA was founded in 1901 by Black musicians who had been barred from joining the local musicians' union. Among its better known members were musicians such as James Reese Europe, Eubie Blake, Henry Minton and Jelly Roll Morton.

10. November 2008

Miriam Makeba (Sängerin / vocalist)
(b: 4.Mar.1932, Johannesburg/South Africa; d: 9.Nov.2008, Castel Volturno/Italy)

Die Sängerin Miriam Makeba starb am 9. November in einem Krankenhaus in Castel Volturno, Italien, wohin sie gebracht worden war, nachdem sie bei einem Benefizkonzert mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen war. Makeba begann ihre Karriere im Südafrika der 1950er Jahre als Jazzsängerin und gehörte zu den ersten südafrikanischen Musikern, die in den 1960er Jahren die westliche Welt bereisten. Sie sprach sich öffentlich gegen die Apartheid aus, worauf ihr 1960 die Wiedereinreise in ihr Heimatland verwehrt wurde. 1967 hatte sie einen großen Hit mit "Pata, Pata", heiratete den Black-Power-Aktivisten Stokely Carmichael und musste in der Folge die Vereinigten Staaten verlassen. Sie ließ sich in Guinea nieder, wo sie einen Diplomatenpass erhielt. Erst 1990 kehrte sie wieder nach Südafrika zurück. Makeba wurde oft als "Mama Africa" bezeichnet; sie war eine der bekanntesten und beliebtesten Künstler des Kontinents. Nachrufe: Frankfurter Rundschau, The Guardian, The Independent, Le Monde, New York Times, die tageszeitung (TAZ), Washington Post (1), Washington Post (2).

The singer Miriam Makeba died November 9th in a hospital in Castel Volturno, Italy, at the age of 76 after she had collapsed from a heart attack after a benefit concert. Makeba started as a jazz singer in 1950s South Africa and was one of the first South African musicians to tour Western countries in the 1960s. She always was outspoken against Apartheid and was barred from re-entry to her home country in 1960. She had a big hit with "Pata, Pata" in 1967, married the Black Power activist Stokely Carmichael in 1968, subsequently having to leave the United States, settling in Guinea where she received a diplomat's passport. She only returned to South Africa in 1990. Makeba was often referred to as "Mama Africa"; she was one the continent's most prominent and beloved musicians. Obituaries: Frankfurter Rundschau, The Guardian, The Independent, Le Monde, New York Times, die tageszeitung (TAZ), Washington Post (1), Washington Post (2).

9. November 2008

Mark Anthony Turnage

John Lewis spricht mit dem Komponisten Mark Anthony Turnage über das Verhältnis zwischen klassischen Komponisten und Musikern und dem Jazz (The Guardian). Es gäbe in der klassischen Welt recht viele Missverständnisse über die Kunst der Jazzimprovisation, sagt er. Er erklärt, wie Jazz in seiner eigenen musikalischen Entwicklung eine große Rolle gespielt habe. Auch viele seiner Lieblingskomponisten hätten sich immer wieder in anderen musikalischen Genres bedient, Strawinsky etwa oder Aaron Copland und Darius Milhaud. Andere Komponisten hätten eher etwas "hilflos" geklungen, wenn sie Jazzelemente verwendet hätten, sagt er, und nennt Sir Michael Tippett oder auch Leonard Bernstein. Er selbst habe immer gern mit Jazzmusikern zusammengearbeitet und betont, dass er bei Jazzmusikern immer mehr Respekt für die klassischen Kollegen gefunden habe als andersherum.

John Lewis talks to the composer Mark Anthony Turnage about collaboration between classical composers and musicians and jazz (The Guardian). There are many misconceptions about the art of jazz improvisation within the classical world, he says. He explains how jazz played a big part in his own musical education. Also, many of his favorite classical composers had borrowed from other forms of music, Stravinsky, for instance, Aaron Copland, Darius Milhaud. Other composers tend to sound more "clumsy" when using jazz elements, he says, and names Sir Michael Tippett, but also Leonard Bernstein. He himself has always loved to work with jazz musicians, and he points out that he has found more respect from jazz musicians for their classical colleagues than vice versa.

8. November 2008

Peter Brötzmann

Unterschiedliche Wahrnehmungen: Peter Brötzmann spielte beim Jazzfest Berlin sowie beim Enjoy Jazz Festival in Mannheim. Maxi Sickert findet, Brötzmann, Schlagzeuger Michael Wertmüller und den Gitarristen Keiji Haino hätten die drei anderen Musiker des Sextetts "an die Wand" gespielt (die tageszeitung). Hans-Jürgen Linke hörte da ein ausgeglicheneres Sextett, "jung, austrainiert und mit jener Rückhaltlosigkeit ausgestattet, die Brötzmann seit je auch auszeichnet" (Frankfurter Rundschau). Der Rezensent des Mannheimer Morgen schließlich hörte eine Hälfte des Konzerts als einen einzigen kollektiven Urschrei. Er findet, dass Trompeter Peter Evans sich als Virtuose des Mikrofons erwiesen habe, und dass Haino, von Sickert hochgelobt, "sehr dilettantisch" geklungen habe.

Different perceptions: Peter Brötzmann played at the Jazzfest Berlin as well as at the Enjoy Jazz festival in Mannheim. Maxi Sickert thinks that Brötzmann, drummer Michael Wertmüller and the guitarist Keiji Haino upstaged the three other members of the sextet (die tageszeitung). Hans-Jürgen Linke hears a balanced sextet, "young, well-conditioned and endowed with that specific unreservedness which Brötzmann always has excelled in" (Frankfurter Rundschau). The reviewer of the Mannheimer Morgen hears one half of the concert as a single collective primal scream. He describes the trumpeter Peter Evans as a virtuoso at the microphone and thinks that Haino whom Sickert praised highly sounded like a dilettante.

7. November 2008

Marcus Belgrave / Franz Jackson

Der Trompeter Marcus Belgrave spielt ein Konzert zu Ehren des verstorbenen Saxophonisten Franz Jackson (South Bend Tribune). Belgrave spricht über Jacksons Bühnenpräsenz und darüber, dass er einer der Tenorsaxophon-Helden Chicagos war. Er erzählt auch von seinen Tourneen mit Ray Charles und davon, dass viele Popstars wie etwa Smokey Robinson, als Jazzsänger beginnen hätten. Belgrave selbst arbeitete für einige Motown-Projekte und lehrt heute am Oberlin College. Am Jazz möge er die Freiheit, am R&B die Kameraderie, die er bei Motown erfahren habe.

Trumpeter Marcus Belgrave will play a tribute to the late saxophonist Franz Jackson (South Bend Tribune). Belgrave talks about Jackson's stage presence and how he was one of the kings of the tenor sax in Chicago. He also talks about his own time traveling with Ray Charles and that popular stars such as Smokey Robinson started as jazz singers. Belgrave was involved in some Motown projects, and today teaches at Oberlin College. In jazz he likes the freedom, in R&B the camaraderie of Motown.

Georg Graewe

Chris Waddington berichtet, dass New Orleans nicht nur die Geburtsstadt des Jazz sei, sondern auch eine experimentelle Szene habe (New Orleans Times-Picayune). Der deutsche Pianist Georg Graewe wird Anfang nächster Woche für vier Tage dort spielen und erzählt im Gespräch, wie er durch Fats Domino zur afro-amerikanischen Musik gekommen sei, dann die Beatles und Cream entdeckt habe und schließlich Peter Brötzmann, Albert Mangelsdorff und andere. Man könne sowohl von Jelly Roll Morton als auch von Johannes Brahms lernen, sagt er und freut sich auf das Zusammentreffen mit New Orleanser Musikern wie Johnny Vidacovich, James Singleton und anderen.

Chris Waddington explains that apart from being the birthplace of jazz, New Orleans also sports a lively avantgarde scene (New Orleans Times-Picayune). German pianist Georg Graewe will play here for four days next week and explains how he fell in love with Fats Domino before discovering the Beatles, Cream, Peter Brötzmann, Albert Mangelsdorff and others. One can learn from Jelly Roll Morton just as from Johannes Brahms, he says and looks forward meeting New Orleans musicians such as Johnny Vidacovich, James Singleton and others.

6. November 2008

Billy Bang

Der Geiger Billy Bang war 21 Jahre alt, als er eingezogen wurde, seinen Militärdienst ableistete und in Vietnam kämpfte, wie er Bob Karlovits erzählt (Pittsburgh Tribune-Review). Der Irakkrieg ließ ihn seine Vietnamerfahrungen neu beleuchten; das Ergebnis ist sein Album "Vietnam. The Aftermath". Musik hat ihm geholfen, "mit einem großen Teil meiner Schmerzen fertigzuwerden", und er hofft, wie Karlovits schreibt, dass seine Musik auch anderen in ähnlicher Weise helfen kann.

Violinist Billy Bang was 21 when he was drafted, served and fought in Vietnam, as he tells Bob Karlovits (Pittsburgh Tribune-Review). The current Iraq war made him re-examine his Vietnam experiences, leading to the album "Vietnam. The Aftermath". Music had helped him "to deal with a big part of my hurt", and he hopes, as Karlovits writes, that his material can be used by others the same way.

5. November 2008

Nils Landgren

Jens-Christian Rabe spricht mit dem Posaunisten Nils Landgren, der zugleich der künstlerische Leiter des Jazzfest Berlin ist, das heute beginnt und bis zum Wochenende dauert (Süddeutsche Zeitung). Landgren betont die improvisatorische Natur des Jazz. Er glaubt, dass man die amerikanische Jazztradition nach wie vor brauche, spricht davon, dass es mittlerweile auch amerikanische Musiker gäbe, die europäischen Jazz spielten. Rabe und Landgren diskutieren darüber, was das Amerikanische und das Europäische im Jazz ausmache. Landgren erzählt, dass er im Free Jazz mehr Regeln als sonstwo im Jazz gefunden habe und dass er keine Probleme damit habe, wenn Jazzmusiker auch auf den kommerziellen Markt schielten. Wenn man ein festes Konzept davon habe, was Jazz sei, dann könne man leicht meinen, der Jazz sei tot; wenn man aber offen bleibe, würde man sehen, dass der Jazz überall neue Wege finde. Landgren war ein gefragter Gesprächspartner im Vorfeld des Jazzfests. Auch Maxi Sickert interviewt ihn für Die Zeit. Hier spricht er über das Zustandekommen des Programms in Kooperation mit den ARD-Anstalten, die am Festival beteiligt sind. Er habe sich nicht an der Diskussion vergangener Jahre beteiligt, ob der europäische Jazz interessanter sei als der amerikanische. Der Jazz sei viel vielfältiger, als das amerikanische Medien darstellten; aber die amerikanische Tradition dürfe man darüber nicht vergessen.

Jens-Christian Rabe talks to the trombonist Nils Landgren who is musical director of the Jazzfest Berlin which begins today and lasts through the weekend (Süddeutsche Zeitung). Landgren stresses the improvisational nature in jazz. He thinks that the American jazz tradition is still needed within this music, but also suggests that there are American musicians who play European jazz. In the discussion Rabe and Landgren discuss some of the stereotypes of Americaness and Europeaness in jazz. Landgren says he found more rules and regulations in free jazz than elsewhere in jazz, and he doesn't mind jazz musicians aiming at the commercial market. If you have a clear concept of what jazz is you might think it's dead; but if you're open you will discover jazz finding new directions everywhere. Landgren is a much asked-for interview partner these days. Maxi Sickert, too, talks to him for Die Zeit. He talks about how the festival program is planned in close cooperation with the public radio stations involved. He never took part in the discussions of recent years about whether European jazz is more interesting than American jazz. Jazz has many facets, a fact often neglected by the American press; yet one should never forget the American tradition.

4. November 2008

extempore

Von der anderen Seite der Welt (zumindest von unserem Schreibtisch aus) stammt ein neues Magazin, dessen erste Ausgabe uns vor zwei Wochen erreichte. "extempore" ist ein zweimal im Jahr erscheinendes buch-dickes Magazin mit jazzbezogenen Artikeln, Rezensionen, Kurzgeschichten, Gedichten, Features, Interviews, Grafiken und Fotos. Ein Focus des neuen Journals ist natürlich der Jazz in Australien -- jedes Heft kommt mit einer Bonus-CD, die Jazz und improvisierte Musik aus Australien enthält. Unter den Autoren finden sich renommierte Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten, aber auch Musiker, Dichter und Fotografen. Mehr: www.extempore.com.au.

A new journal has been started on the other side of the world (at least from where we write). "extempore", the first issue of which came to our desk just two weeks ago, is a bi-annual book-length journal of jazz-related writing and artworks including reviews, short stories, poetry, features, interviews, prints and photography. One of its focuses, of course, is jazz in Australia -- a bonus CD of Australian jazz and improvised music will accompany each issue. Among the contributors are renowned scholars, writers and journalists, but also musicians, poets and photographers. More: www.extempore.com.au.

3. November 2008

Willem Breuker

Man möge meinen, sie nähmen sich selbst nicht allzu ernst, aber mit der Musik sei es ihnen durchaus ernst, sagt Willem Breuker im Gespräch mit Doug Fischer (The Ottawa Citizen). Breuker half in den 1970er Jahren ein Subventionssystem für improvisierte Musik in den Niederlanden einzuführen, das heute in ganz Europa als Modell gehandelt wird. "Ich habe es geschafft, dass sie mich als ein holländisches Produkt sahen -- Ich spiele keine amerikanische Jazzmusik -- und das zeigten wir nun auch überall auf der Welt", sagt er. "Ich glaube fast, die Holländer sind ein wenig stolz auf uns geworden."

They seem to not always take themselves too seriously, but they are serious about their music, says Willem Breuker while talking to Doug Fischer (The Ottawa Citizen). Breuker helped instigate a Dutch government subsidy program in the 1970s for improvised music that is emulated across Europe today. "I made them see what we do is a Dutch product -- I am not playing American jazz music -- and we take that to other places in the world," he says. "I think the Dutch people have become a little proud of us."

Deutsches Jazzfestival Frankfurt

(Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wormser Zeitung)

2. November 2008

Studs Terkel (Kritiker / critic)
(b: 16.May 1912, New York; d: 31.Oct.2008, Chicago/IL)

Der Autor, Historiker und Rundfunkmoderator Studs Terkel starb am 31. Oktober in Chicago im Alter von 96 Jahren. In seinen Büchern portraitierte Terkel das Nachkriegs-Amerika, und der Jazz spielte in seinem Leben und seiner Musiksicht eine wichtige Rolle. 1956 veröffentlichte er das Buch "Giants of Jazz". Nachrufe: New York Times (I), New York Times (II), Chicago Tribune, Washington Post, The Guardian, The Independent, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, die tageszeitung.

The author, historian and broadcaster Studs Terkel died October 31st in Chicago at the age of 96. In his books, Terkel portrayed postwar America, and jazz played an important role in his life and his view on music. In 1956 he published the book "Giants of Jazz". Obituaries: New York Times (I), New York Times (II), Chicago Tribune, Washington Post, The Guardian, The Independent, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, die tageszeitung.

John Fell (Kritiker / critic)
(b: Westfield/NJ; d: 9.Oct.2008, Larskpur/CA)

Der Filmprofessor an der San Francisco State University John Fell starb am 9. Oktober im Alter von 81 Jahren nach einem Schlaganfall. Fell war außerdem Jazzhistoriker und spielte Jazzklarinette. Er hat ein Buch über Strideklavier geschrieben: "Stride! - Fats, Jimmy, Lion, Lamb and all the Other Ticklers". Nachruf: San Francisco Chronicle.

The San Francisco State University film professor John Fell died October 9th at the age of 81 after a stroke. Fell also was a jazz historian and a jazz clarinetist. He had written a book on stride piano: "Stride! - Fats, Jimmy, Lion, Lamb and all the Other Ticklers". Obituary: San Francisco Chronicle.

Juul Anthonissen (Kritiker / critic)
(b: 31.Jul.1931, Belgium; d: Oct.2008, Wiekevorst/Belgium)

Der belgische Kritiker Juul Anthonissen starb im Alter von 77 Jahre. Er hatte 1955 den Hnita-Jazz Club gegründet, Konzerte mit Toots Thielemans, Chet Baker, Charles Mingus und Keith Jarrett präsentiert, arbeitete für das belgische Kulturministerium und als Journalist für die Tageszeitung De Standaard. Nachruf: RTL Info.be.

The Belgian critic Juul Anthonissen died at the age of 77. He had formed the Hnita-Jazz Club in 1955, presented concerts with the likes of Toots Thielemans, Chet Baker, Charles Mingus and Keith Jarrett, had worked for the Belgian culture department and as a journalist for the newspaper De Standaard. Obituary: RTL Info.be.


1. November 2008

Herb Geller

Der Altsaxophonist Herb Geller wird am 2. November 80 Jahre alt. Geller, geboren 1928, begann seine Karriere mit sechzehn Jahren in der Band von Joe Venuti. Er arbeitete mit den Bigbands von Claude Thornhill, Benny Goodman, Shorty Rogers und Maynard Ferguson und war in den 1950er Jahren Teil der lebendigen West Coast Szene. Nach dem Tod seiner ersten Frau zog er 1958 erst nach Paris, wurde dann 1962 Mitglied der RIAS Big Band Berlin. 1965 zog er nach Hamburg, wo er die nächsten 28 Jahre in der NDR Big Band spielte. Er lehrte außerdem als Professor an der Hamburger Musikhochschule. Geller, der sich 1994 von seinem Bigbandjob zur Ruhe setzte, spielt seither mit seinem eigenen, jungen Quartett. Gratulationen sind in der Frankfurter Rundschau sowie der Frankfurter Allgemeine Zeitung zu lesen.

The alto saxophonist Herb Geller turns 80 November 2nd. Geller, born in 1928, started his musical career in Joe Venuti's band at the age of 16. He worked with the big bands of Claude Thornhill, Benny Goodman, Shorty Rogers and Maynard Ferguson, and was part of the vivid West Coast scene in the 1950s. After his first wife's death in 1958 he moved to Paris before becoming a member of the RIAS Big Band Berlin in 1962. In 1965 he moved to Hamburg where he played with the NDR Big Band for the next 28 years. He also taught as a professor at Hamburg's Musikhochschule. Geller who has retired from his big band job in 1994 and since then performs with his own, young quartet. Congratulations can be read in Frankfurter Rundschau and Frankfurter Allgemeine Zeitung.


 


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