Jazz News
Jazz Nachrichten


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31. Oktober 2007

Gabe Essien (Klarinette / clarinet)
(b: 1935, Liverpool/England; d: 2007, England)

Der Klarinettist Gabe Essien starb im Alter von 72 Jahren. Der Sohn eines nigerianischen Seemanns und einer in Liverpool geborenen irischen Mutter hatte zum "wahren" Jazz erst im Alter von 19 Jahren gefunden und sein erstes Instrument erst mit 26 gekauft. Er kopierte den Stil von George Lewis, spielte lange Jahre semiprofessionell mit durchreisenden amerikanischen Musikern und ab 1981 als Vollprofi in der Band Ken Colyers. 1997 wurde er Mitglied in der Band Max Collies und trat nebenbei mit seinem eigenen Trio auf. Nachruf: Guardian.

The clarinetist Gabe Essien died at the age of 72. The son of a Nigerian seaman and a Liverpool-born Irish mother only heard his first "real" jazz at the age of 19 and only at the age of 26 bought his first instrument. He copied the playing of George Lewis, played semi-professionally with many visiting American musicians and by 1981, as a full-time professional musician, joined Ken Colyer's band. In 1997 he joined Max Collie's band and also played with his own trio. Obituary: Guardian.

South Africa

In Südafrika wird der "Standard Bank Young Artist Award" 2008 an den 31-jährigen Pianisten und Lehrer Mark Fransman verliehen, berichtet Gwen Ansell (Business Day [Johannesburg]). Fransmann sei dabei noch einer der jüngsten Preisträger der vergangenen Jahre. Ansell sieht viele Gründe dafür, und "viele von ihnen haben mit dem Bildungssystem unter der Apartheid" zu tun. Der Mangel an Bildungschancen habe es "farbigen Musikern schwer gemacht, sich schnell einen Ruf zu erspielen". Viele der großen südafrikanischen Musiker seien heute zu alt für den Preis, und in ihrer Altersgruppe gäbe es keine entsprechende Auszeichnung. Ansell lobt die Entscheidung der Jury, nimmt ihren Bericht aber auch zum Anlass, einen südafrikanischen Jazzpreis zu fordern, "durch den das gereifte Spiel von Musikern auch ohne einen großen Katalog an Plattenveröffentlichungen" ausgezeichnet werden könne.

In South Africa, the "Standard Bank Young Artist Award" 2008 will go to the pianist and teacher Mark Fransman who is 31, writes Gwen Ansell (Business Day [Johannesburg]). Fransman is one of the youngest recipients of the jazz award in recent years. Ansell sees many reasons for this fact, "many of them to do with the apartheid education system". The lack of educational opportunities had made it hard "for a player of colour to attain status quickly". Many of the great South African musicians are now too old for the award, whereas in their age group no such accolades exist. Thus, while Ansell pays tribute to Fransman and agrees that he deserves the prize, she argues for the "establishment of credible South African jazz awards, where mature playing talent can be rewarded even without a catalogue of recordings".


30. Oktober 2007:

Albert Ayler

Ein neuer schwedischer Dokumentarfilm feiert das Leben des Saxophonisten Albert Aylers, wie Mike Zwerin berichtet (Bloomberg.com). Nachdem er im November 1970 im Alter von nur 34 Jahren tot im East River gefunden wurde, gab es bald viele Theorien über Aylers Tod. Ayler war sich sicher, dass "die Menschen" seine Musik eines Tages mögen würden. Er war eine Weile nach Schweden gezogen, weil die Amerikaner mit seiner Kunst nichts anfangen konnten. Zwerin schreibt über die Entfremdung zwischen ihm und anderen, wie man sie beispielsweise in einer Filmszene spürt, die Ayler bei der Trauerfeier für John Coltrane zeigt, bei der er spielt und "die meisten anderen Musiker auf der Empore sich nicht im geringsten von Aylers Musik berührt" zeigen. Coltrane hatte ihn unterstützt und Bob Thiele vom Label Impulse auf seine Musik aufmerksam gemacht. "Er war offensichtlich erst Prediger, dann Musiker", schreibt Zwerin und stellt fest, dass Struktur in seiner Musik aus der menschlichen Emotion erwachse. Der Dokumentarfilm "My Name Is Albert Ayler" wird in verschiedenen amerikanischen Städten zu sehen sein (und das seltsame Verhältnis Amerikas zu Ayler mag selbst heute noch in der Überschrift des Artikels zu spüren sein, in dem die Bloomberg-Herausgeber behaupten, die Dokumentation sei ein "U.S. film").

A new Swedish film documentary celebrates the life of the saxophonist Albert Ayler, as Mike Zwerin writes (Bloomberg.com). There were a variety of theories about his death after he was found dead in the East River in New York in November 1970 at the age of 34. Ayler was sure that one day "the people" would like his music. He had moved to Sweden because Americans didn't appreciate his art. Zwerin writes about the alienation which can be felt in a scene when Ayler played at John Coltrane's funeral service and one can see that "most of the other musicians in the gallery are not being touched by Ayler's music". Coltrane supported him and introduced Bob Thiele of the Impulse label to his art. "He was obviously a preacher first, a musician second", writes Zwerin and sees the structure in Ayler's music in the human emotion. The documentary "My Name Is Albert Ayler" will be screened in several US cities (and the strange case of Aylerian alienation and its effects can still be felt in the headline, where Bloomberg's editors declare it a "U.S. film")


29. Oktober 2007

Franz Jackson

Der Chicagoer Saxophonist Franz Jackson wird am 1. November 95 Jahre alt, tritt immer noch auf uns blickt auf eine 79-jährige Karriere zurück, wie Howard Dukes berichtet (South Bend Tribune). Mit 16 war er 1928 von Albert Ammons engagiert worden. Später spielte er mit Jazzgrößen wie Cab Calloway, Lena Horne, Duke Ellington und Fats Waller. Vor kurzem war Jackson Gast an der University of Notre Dame, wo er spielte und aus seinem leben erzählte.

Chicago saxophonist Franz Jackson will turn 95 on November 1st, still performs, looking back on a 79 year career, as Howard Dukes reports (South Bend Tribune). He had been 16 when Albert Ammons hired him in 1928. Later he played with jazz greats such as Cab Calloway, Lena Horne, Duke Ellington and Fats Waller. Recently Jackson performed for and talked to students at the University of Notre Dame.

Stanley Clarke

Stanley Clarkes neuestes Album hat eine politische Botschaft, wie er Dan Ouellette erzählt (Reuters). Jemand wie Bruce Springsteen könne "Worte schreiben, um seine Trauer über den Krieg auszudrücken; meine Herausforderung ist es, denselben Effekt instrumental zu erreichen", sagt Clarke über seine neue CD "The Toys of Men", die aber auch zwei Liebeslieder enthält, von denen eines Clarkes Ehefrau gewidmet ist, das andere "die Klage eines Immigranten, der dazu gezwungen wird, seine US-Familie zu verlassen und in sein Heimatland zurückzukehren".

Stanley Clarke's newest album has a political statement, as he tells Dan Ouellette (Reuters). Someone like Bruce Springsteen can "write words about his agony over the war, but my challenge is to pull off the same effect instrumentally", says Clarke about his new CD "The Toys of Men" which also contains two love songs, one dedicated to Clarke's wife, the other "the lament of an immigrant forced to leave his U.S. family and return to his
homeland.


28. Oktober 2007

Gunter Hampel

Der Vibraphonist und Bassklarinettist Gunter Hampel, der diese Woche während des Jazzfest Berlin den Albert-Mangelsdorff-Preis erhalten wird, wurde außerdem von seiner Heimatstadt Göttingen als Musiker geehrt, der immer seine Wurzeln behalten und sich doch als Pionier des deutschen Jazz überall auf der Welt einen Namen gemacht hat (Hessische Niedersächsische Allgemeine).

The vibraphonist and bass clarinetist Gunter Hampel who will receive the Albert Mangelsdorff Preis during the Jazzfest Berlin this week was awarded a medal from his hometown of Göttingen as a musician who kept his roots yet made a name as a pioneer for German jazz all over the world (Hessische Niedersächsische Allgemeine).

Moondog

John Strausbaugh berichtet über ein Festival am nächsten Wochenende, das sich den klassischen Kompositionen Moondogs widmet, eines blinden Musikers, der in den 40er bis 60er Jahren regelmäßig an der Straßenecke Sixth Avenue und 54ste Straße anzutreffen war, wo er seine Gedichte, Noten seiner Kompositionen und seine Schallplatten verkaufte (New York Times). Der Musiker, der von Persönlichkeiten wie Muhammad Ali, Marlon Brando und Walter Winchell genauso bewundert wurde wie von Jazzmusikern wie Count Basie oder Charlie Parker, war 1974 nach Deutschland gezogen, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1999 lebte. Moondogs Musik bediente sich aus allen stilistischen Schubladen: Avantgarde-Jazz, Folk, Bach, Sinfonik, Minimal Music. Tatsächlich beeinflusste er sogar wichtige Minimal-Music-Komponisten wie Steve Reich und Philip Glass, die 1960 mit ihm zusammengespielt hatten. Moondog wurde oft für obdachlos gehalten, obwohl er immer irgendwo ein Zimmer hatte. Seine vielen Stunden auf der Straße waren, wie Strausbaugh anmerkt, "seine Art, eine Verbindung zu den Klängen, den Stimmen und den Rhythmen der Stadt herzustellen".

John Strausbaugh reports about a festival next weekend dedicated to the classical compositions by Moondog, the blind musician who from the late 1940s stood on the corner of Sixth Avenue and 54th Street selling his poetry, sheet music and recordings (New York Times). The musician, who was admired by celebrities such as Muhammad Ali, Marlon Brando and Walter Winchell as well as by jazz musicians such as Count Basie or Charlie Parker, had moved to Germany in 1974 where he lived until his death in 1999. Moondog's music was eclectic and made use of all different styles: avant-garde jazz, folk, Bach, symphony, minimal music. He actually influenced some minimal music composers such as Steve Reich and Philip Glass who collaborated with him in 1960. Moondog often was mistaken for homeless, yet always had a room somewhere. His many hours on the street, writes Strausbaugh, "were his way of connecting with the sounds, voices and rhythms of the city".


27. Oktober 2007

Jayne Cortez

Der Schlagzeuger Denardo Coleman tritt am Sonntagabend mit seinem Vater, dem Saxophonisten Ornette Coleman, in San Francisco auf, und Tag darauf mit seiner Mutter, der Dichterin Jayne Cortez, wie David Rubien berichtet (San Francisco Chronicle). Die Band müsse ihren Gedichten wirklich zuhören, erzählt Cortez, es gäbe jede Menge Call and Response auf der Bühne. Cortez und Ornette hatten 1954 geheiratet. Sie habe damals nicht geahnt, in welche Richtung sie ihre kreative Ader ausbauen sollte, Musik, Bildende Kunst oder Poetry. Im Los Angeles der 50er Jahre allerdings gab es keine wirkliche Poetry-Szene. 1964 ließen sich Coleman und Cortez scheiden; 1967 zog die Dichterin dennoch nach New York, damit Denardo in der Nähe seines Vaters leben konnte. 1969 veröffentlichte sie ihre erste Gedichtsammlung und 1974 nahm sie ihre erste Platte auf, begleitet vom Kontrabassisten Richard Davis. Da beide in der Stadt sind, wäre es möglich, dass Ornette am Montagabend mit einsteigt, fragt Rubien den Sohn. "Hmmm..., wir haben nicht darüber gesprochen. Wenn so etwas passiert, dann aus dem Augenblick heraus. Aber es ist sicherlich im Rahmen der Möglichkeiten."

The drummer Denardo Coleman performs on Sunday evening with his dad, the saxophonist Ornette Coleman, in San Francisco; the next day he plays with his mom, the poet Jayne Cortez, as David Rubien reports (San Francisco Chronicle). The band really has to listen to her poems, Cortez reveals; there is a lot of call and response on stage. Cortez and Ornette had married in 1954. At that time she had no idea where her creative energy would lead, whether towards music, fine arts or poetry. There was hardly a poetry scene in Los Angeles to speak of in the 1950s. In 1964 Coleman and Cortez divorced. She moved to New York in 1967, so that Denardo could live close to his dad. In 1969 she published her first book, and in 1974 recorded her first album, in collaboration with the double bass player Richard Davis. As both are in town at the same time, would it be possible for Ornette to sit in on Monday night, Rubien asks the son. "You know, we haven't talked about it. If something like that happens, it's usually spur of the moment. But, yeah, it's in the realm of possibility."


26. Oktober 2007

Wolfgang Puschnig

Der österreichische Saxophonist Wolfgang Puschnig begann in der Schule mit der Blockflöte, wie er Samir H. Köck erzählt (Die Presse). Später griff er zur Geige, dann zur Flöte und schließlich zum Saxophon. Er lernte Charlie-Parker-Licks, studierte dann Coltrane, Adderley, Donaldson, Dolphy. Seine Einflüsse reichen von Ravi Shankar, den Beatles, Jethro Tull bis zu Miles Davis' "Bitches Brew". Auf seinem letzten Album spielt er nur Querflöte, die, wie er sagt, anstrengender zu spielen sei als das Saxophon. Das Album enthalte seine Interpretationen von Volksliedern aus seiner Heimatregion Kärnten, die sein Großvater immer gesungen habe. In Österreich sei der Jazz mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angelangt. Zu den wichtigsten der musikalischen Partner, mit denen er zusammenarbeitete, gehören der Saxophonist Hans Koller, der Gitarrist Harry Pepl, der Pianist Uli Scherer und der Bassist Jamaladeen Tacuma, der ihm, als er bei Aufnahmen einmal ganz ordentlich spielen wollte, sagte: "Are you afraid to be sinful?"

The Austrian saxophonist Wolfgang Puschnig started out playing the recorder in school, as he tells Samir H. Köck (Die Presse). Then came the violin, then the flute and finally the saxophone. He started playing Charlie Parker licks, and then studied Coltrane, Adderley, Donaldson, Dolphy. His influences are recordings by Ravi Shankar, the Beatles, Jethro Tull and Miles Davis' "Bitches of Brew". For his latest album he concentratied on the flute which, he says, is more difficult to play than the saxophone. The album contains his interpretations of some folk songs from his home region, Kärnten, which his grandfather used to sing. In today's Austria jazz has arrived in the middle of society. Some of the most important partners in his musical life were the saxophonist Hans Koller, the guitarist Harry Pepl, pianist Uli Scherer and the bassist Jamaladeen Tacuma who, when he tried to play in an orderly fashion, encouraged him: "Are you afraid to be sinful?"

Al Fairweather & Sean Connery

Der Trompeter Al Fairweather hatte in den frühen 50er Jahren am Edinburgh Arts College Kunst studiert und dabei ein Bild vom fast nackten Schauspieler Sean Connery (James Bond u.a.) gemalt, der damals an Mister-Universum-Wettbewerben teilnahm und sich nebenbei Geld als Aktmodell in der Schule verdiente. Das Bild sammelte über die Jahre Staub im Keller des College an und ist jetzt als Teil einer Ausstellung zu sehen, die Arbeiten ehemaliger Studenten zeigt (AOL News).

Trumpeter Al Fairweather studied at the Edinburgh College of Arts in the early 50s and there painted a near-nude of actor Sean Connery (James Bond et al) who at that participated in the Mister Universum competition and earned some money as a model at the arts school. The painting collected dust in the college's basement since then, but now is shown in a retrospective of former students' works (AOL News).


25. Oktober 2007

Henri Texier

Das letzte Album des französischen Kontrabassisten und Komponisten Henri Texier trägt den Titel "Alerte à l'eau" (Le Monde). Paul Benkimoun fragt ihn über seine Position gegenüber neuen ökologischen Anstrengungen der französischen Regierung. Texier sieht solche Bemühungen kritisch und meint, dass die Regierung weniger an der Umwelt interessiert sei als daran, Atomkraftwerke zu verkaufen. Er beklagt besonders die Tatsache, das Frankreich über Jahre hinweg die Antillen mit Pestiziden verseucht habe. die einzig wirksame Lösung des Problems wäre ein Verbot der Produktion und Einfuhr verseuchter Produkte, die ausschließliche Verwendung erneuerbarer Energien und die Bewirtschaftung der Natur mit ökologischem Bewusstsein. Nur so könne es gelingen, Boden- und Wasserflächen wieder zu regenerieren.

The last album of the French double bassist and composer Henri Texier had been titled "Alerte à l'eau" (Le Monde). Paul Benkimoun asks him about his position on a new ecological politics in France. Texier is critical of the new government which speaks of ecology but in reality just wants to sell more atomic plants. He especially complains about the fact that for years France used pesticides on the Antillean Islands. The only real solution would be to ban the manufacture and importation of polluted products, to use only energy made from renewable sources and to treat the habitats with ecological consciousness. Only through such measures is it possible to heal the state of the grounds and waters.

Joshua Redman

Der Tenorsaxophonist Joshua Redman wollte erst Arzt, dann Rechtsanwalt werden und auf keinen Fall eine Musikerkarriere machen, bevor er dann doch seine Meinung änderte, wie er Joe Klopus erzählt (Kansas City Star). Er studierte Sozialwissenschaften an der Harvard University, folgte dann aber in die Fußstapfen seines Vaters, des Tenorsaxophonisten Dewey Redman, bei dem er nicht aufgewachsen war und den er erst richtig kennenlernte, als er nach New York zog, um mit der Band seines Vaters zu spielen. Joshua arbeitete in den letzten Jahren mit der SFJazz Collective und momentan mit einem neuen Trioprojekt zusammen mit dem Bassisten Reuben Rodgers und dem Schlagzeuger Eric Harland. Die Triobesetzung sei eine Herausforderung, ein Spiel ohne Sicherheitsnetz, aber auch sehr befreiend. Sie sei zugleich ein Tribut an einen seiner Helden, Sonny Rollins, der einige der einflussreichsten Alben in dieser Besetzung aufgenommen hatte. Tribut ja, aber er sehe Rollins nicht als einen Einfluss auf sein eigenes Spiel. Seine Musik handle von seinen eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen der Musiker, mit denen er arbeite.

Tenor saxophonist Joshua Redman first wanted to become a doctor, then a lawyer and was serious about a job outside of music before he changed his mind, he tells Joe Klopus (Kansas City Star). He studied social science at Harvard but then followed in the footsteps of his father, the tenor saxophonist Dewey Redman, whom he didn't grow up with but only really got to know when he went to New York and played with his father's band. Joshua worked with the SFJazz Collective in recent years and now has a new trio project with bass player Reuben Rodgers and drummer Eric Harland. The trio setting is very challenging, no safety net there, but also very liberating. And it is a tribute to one of his heroes, Sonny Rollins, who did some of the most influential recordings in this setting. He may pay tribute to Rollins but doesn't see Rollins as an influence on his own playing. His music is about his own experience and the experiences of the musicians he is working with.

Anat Cohen

Gene Stout spricht mit der israelischen Klarinettistin und Saxophonistin Anat Cohen, die beim Earshot Festival in Seattle auftreten wird (Seattle Post-Intelligencer). Ob die Klarinette ein Comeback feiere im zeitgenössischen Jazz, fragt er, und Cohen antwortet, die Welt öffne sich allgemein allen Arten von Musik, das Interesse an der Klarinette käme wahrscheinlich aus dieser Öffnung heraus. Sie selbst verbinde Einflüsse aus einer klassischen Spielhaltung mit Klezmer-Tonbeugung und einem Soundideal, das durch die Tradition des Saxophonspiels beeinflusst sei.

Gene Stout talks to the Israeli clarinetist and saxophonist Anat Cohen who will play in Seattle at the Earshot Festival (Seattle Post-Intelligencer). Asked whether she feels the clarinet is making a comeback in jazz, she answers that she feels the world in general is opening towards all kinds of music, and the interest in the clarinet probably is part of that. She combines classical influences with Klezmer tone bending and saxophone sound experiences.


24. Oktober 2007:

Quincy Jones

Der 74-jährige Arrangeur und Musikproduzent Quincy Jones berichtet während einer Medienmesse in San Francisco im Gespräch mit Tricia Duryee über seine Jugend in Seattle und seine Haltung gegenüber neue Technologien (The Seattle Times). Er habe viele iPods und außerdem 19 Mobiltelephone, könne sich aber nie entscheiden, welche Musik er drauf spielen solle. Er reise gern, und sein Tipp für jeden sei: Wo auch immer du hingehst, hör dir die Musik des Landes an, esst die Speisen, die die Menschen dort essen und lerne 30 bis 40 Worte in ihrer Sprache.

Tricia Duryee meets the 74 year old arranger and music producer Quincy Jones during the Wireless IT and Entertainment Show in San Francisco and talks to him about his youth in Seattle and his opinion about new technologies (The Seattle Times). He owns many iPods and also 19 cell phones but never can decide what music to put on it. He loves to travel and his advice for fellow travelers is: wherever you go in the world, "you should listen to the music the people listen to, eat the food that they eat and learn 30 to 40 words in every language".

Zürich

Die Stadt Zürich gibt mehr Geld für Jazz aus (Neue Zürcher Zeitung, Tagesanzeiger). Der Club Moods erhält 200.000 Franken mehr als letztes Jahr (insgesamt 700.000 Franken), die Reihe Fabrikjazz 101.000 Franken. Das Zürich Jazz Orchestra erhält erstmals 50.000 Franken und im Pobereich gibt es einen "Popkredit" von 700.000 Franken. Alle größeren Leistungsempfänger werden zukünftig evaluiert. Die Stadt schließt mit ihnen vierjährige Leistungsverträge ab, die Auskunft geben über Ausgaben und Einnahmen und die Besucherfrequenz. Auch die Qualität der kulturellen Leistung soll gemessen werden: Erfolg bei Kritik und Publikum, Wichtigkeit der präsentierten Themen, aber auch: Welche Experimente wagen die Veranstalter und wie überzeugend kommt die Botschaft rüber? Stadtpräsident Elmar Ledergerber beruhigt allerdings: "Es wird auch in Zukunft in Zürich keine Bürokratenkunst geben."

The city of Zurich, Switzerland, spends more money for jazz (Neue Zürcher Zeitung, Tagesanzeiger). The club Moods will receive 200.000 Franken more than last year (a total of 700.000 Franken), the concert series Fabrikjazz will receive 101.000 Franken. The Zürich Jazz Orchestra will get 50.000 Franken for the first time, and within pop music there will a "Popkredit" of 700.000 Franken. All receivers of larger funds have to sign a four year contract about their performance, listing proceeds and expenses as well as the attendance. The city also plans to measure the quality of the cultural programs: success with critics and the audience, importance of the subjects touched upon, but also: What experiments do the organizers risk and how convincing is the result? City president Elmar Ledergerber comments reassuringly: "We will make sure not to have a bureaucracy arts scene in Zürich".


23. Oktober 2007

Keith Jarrett

Fast alle deutschsprachigen Tageszeitungen berichteten heute über Keith Jarretts Solokonzert in der Frankfurter Alten Oper, die innerhalb von drei Tagen nach Bekanntgabe der Programmierung ausverkauft gewesen war. Jarrett wurde seinem Ruf offenbar gerecht - in allen Belangen. Die erste Hälfte war anstrengend sowohl für Jarrett als auch für das Publikum. Jarrett fühlte sich von Hustern gestört, belehrte sein Publikum, dass er absolute Stille brauche, um sich konzentrieren zu können. Er spiele ja kein Barpiano, das sollte doch mittlerweile bekannt sein. Er selbst grunzt und stampft reichlich bei seinem Spiel. Im zweiten Teil des Konzerts dann habe er entspannt all das gespielt, worauf die Leute gewartet hätten, romantisch-hymnisch-hingebungsvolles Klavierspiel. Am Schluss lässt er sich sogar zu vier Zugaben überreden. Die Rezensenten berichten über beides, den scheinbaren Exzentriker, den großartigen Virtuosen, und über die Brechung zwischen Perfektionsdrang und der Weltrealität. Die Meinungen über das Konzert immerhin gehen auseinander. Christian Broecking findet, "dass das intellektuelle Niveau auf der Bühne kaum einmal unteres Mittelmaß erreichte" (TAZ). Thomas Lindemann weiß nicht genau, was er vom Ganzen zu halten hat und beschreibt dann lieber, an welche Einflüsse ihn Jarretts Spiel erinnert (Die Welt). Wolfgang Sandner findet, dass Jarrett sein Instrument wie ein Raubtier anginge, dass sich seiner Beute näher, lobt die Musik, mahnt aber an, dass Jarrett dem Publikum ab und an denselben Respekt zollen solle, den dieses ihm anbietet (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Eva Maria Magel erlebt, dass im zweiten Teil doch noch Meisterhaftes entstehe, "trotz der paar Huster, die er offenbar nicht hört" (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Hans-Jürgen Linke findet, Jarrett bliebe "im ersten Teil des Konzerts seinem Publikum fast alles schuldig und im zweiten immerhin den Beweis, dass er ein Musiker des 21. Jahrhunderts ist" (Frankfurter Rundschau). Ralf Dombrowski erlebt einen Pianisten, der im zweiten Teil doch noch zeige, dass er sein "goldenes Handwerk" beherrsche, beschreibt das Konzert als "Hochamt eines Virtuosen, das schwer trägt an der Rolle des Genies" und überschreibt das ganze mit "Der letzte Romantiker (Spiegel Online). Weitere Konzertrezensionen: Mannheimer Morgen, Die Zeit.

Most of today's German language daily newspapers report about Keith Jarrett's solo concert at Frankfurt's Alte Oper which had been sold out within three days of its announcement. Jarrett lived up to his reputation, it seems - in all concerns. The first half of the concert was stressful for both the pianist and the audience. Jarrett felt disturbed by three coughs and instructed the audience that he needs total silence in order to concentrate. He reminded them of the fact that he doesn't play bar piano, which he thinks people should know by now. The pianist himself, though, grunts and stomps a lot during his play. In the second half of the concert he finally played what the audience had been waiting for: romantic, hymnic, dedicated piano music. At the end he even could be persuaded to give four encores. The reviews report both: the apparent eccentric, the great virtuoso, and the inconsistency between his urge for perfection and world's reality. Opinions are mixed, though. Christian Broecking writes that "the intellectual level on stage hardly reached mediocrity" (TAZ). Thomas Lindemann is not quite sure what to think and rather describes the influences he hears in Jarrett's play (Die Welt). Wolfgang Sandner sees Jarrett approaching his instrument like a predator would approach his prey, praises the music but reminds Jarrett to pay his audience the same kind of respect that they offer him (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Hans-Jürgen Linke thinks that Jarrett "during the first half of the concert kept his audience waiting and during the second half at least didn't prove that he is a musician of the 21st century" (Frankfurter Rundschau). Ralf Dombrowski hears a pianist who in the second part of the concert at least shows that he knows his "golden craft". He describes the concert as the "high mass of a virtuoso who is burdened by having to be a genius" and titles his review with "The Last Romantic" (Spiegel Online). Other concert reviews: Mannheimer Morgen, Die Zeit.

Ruby Glover

Die Sängerin Ruby Glover starb am 20. Oktober im Alter von 77 Jahren, nur einen Tag nachdem er auf der Bühne einen Schlaganfall erlitten hatte. Glover begann mit 6 Jahren auf Familienbegräbnissen zu singen und trat in den 40er und 50er Jahren in Clubs auf Baltimores Pennsylvania Avenue auf. 30 Jahre lang arbeitete sie tagsüber in der Verwaltung des John Hopkins Hospital. Daneben half sie vielen jungen Sängern und Sängerinnen und half bei der Organisation des jährlichen Billie-Holiday-Wettbewerbs. Nachrufe: Baltimore Sun (1), Baltimore Sun (2).

The singer Ruby Glover died on October 20th at the age of 77, just one day after she collapsed on stage from a stroke. Glover had started singing at family funerals at the age of 6. In the 40s and 50s she performed in clubs on Baltimore's Pennsylvania Avenue. For 30 years she worked a day job as an administrator at the John Hopkins Hospital. She also mentored many aspiring singers and helped organize the annual Billie Holiday Competition. Obituaries: Baltimore Sun (1), Baltimore Sun (2).

Christof Thewes

Der saarländische Posaunist Christof Thewes wird in diesem Jahr den Jazzpreis der Stadt Worms erhalten, der von Florian Gerster gestiftet und alle zwei Jahre im Rahmen eines Konzerts verliehen wird. Ausgezeichnet werden dabei junge Musiker aus Rheinland-Pfalz oder angrenzenden Bundesländern. Der Preis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro dotiert. In der Jurybegründung heißt es, Christof Thewes habe als Komponist und Posaunist Tradition und Avantgarde in einer Weiterentwicklung des freien Jazz verschmolzen und dabei auch experimentellen Rock und Funk mit einbezogen. Thewes arbeitet mit eigenen Ensembles wie dem Undertone Project oder der Little Big Band, in Besetzungen von Solo bis zur Bigband, und ist in Projekten anderer Musiker gerngesehener Gast. Im Jazzinstitut Darmstadt ist er häufig zu hören, zuletzt vor zwei Wochen mit einem Jazz-und-Lyrik-Projekt. Auch als Workshop-Dozent war er mehrmals an den Darmstädter Jazz Conceptions beteiligt. Herzlichen Glückwunsch!

The German trombonist Christof Thewes will receive this year's Worms Jazz Award founded by Florian Gerster and awarded every other year with an accompanying concert. The award goes to young musicians from the Rhineland-Palatinate region or neighboring federal states. It comes with 5,000 Euro in cash. The jury explains that in his music as a trombonist and a composer Christof Thewes merges tradition and avant-garde to advance free improvisation concepts in jazz while also involving rock or funk elements. Thewes works with his own ensembles such as the Undertone Project of the Little Big Band, as a soloist or with a big band, and can also be heard in projects of other musicians. He often plays at the Jazzinstitut Darmstadt, most recently 2 weeks ago with a jazz and lyric project. He has also been teaching at the Darmstadt Jazz Conceptions workshop. Congratulations!


22. Oktober 2007

Benny Carter

Das Lincoln Center Jazz Orchestra begann die neue Saison mit einem Konzert zu Ehren des 1993 verstorbenen Saxophonisten und Komponisten Benny Carter, der im August dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre. Ben Ratliff findet, wenn es in der Band einen Star gegeben hätte, sei es der ganze Saxophonsatz gewesen (New York Times). Die für den ganzen Satz arrangierten Partien hätten alles gehabt, was man auch von einem Solisten erwarten würde: melodische Form, Verzögerung, relaxten swing, Double-Time-Passagen, offenen Raum. In der ersten Hälfte hätten Stücke aus den 30er und 40er Jahren im Vordergrund gestanden, in der zweiten Hälfte neuere Kompositionen. Bob Wilber trat als Gastsolist in "Doozy" auf und spielte "Fours" mit dem Baritonsaxophonisten Joe Temperley. Wenn ein einzelner Musiker herauszuheben sei, wäre dies der Altsaxophonist Sherman Irby, der einen wunderbaren Sound besäße, wie man ihn selten von jungen Musikern höre. Charles Gans berichtet, dass Carters Witwe Hilma und seine Tochter Joyce in der Pause eine Urkunde erhielten, in der die Stadt den Tag zum Benny Carter Day deklarierte (Washington Post). Vor dem Konzert wurde Carters Aufnahme in die Nesuhi Ertegun Hall of Fame gefeiert, eine Multimedia-Installation im Foyer von Jazz at Lincoln Center. Neben Carter wurden Clifford Brown, Max Roach, Sonny Rollins, Charlie Christian und mit Django Reinhardt der erste nichtamerikanische Jazzmusiker in die Hall of Fame aufgenommen.

The Lincoln Center Jazz Orchestra started the new season with a concert honoring the late saxophonist and composer Benny Carter who would have celebrated his 100th birthday last August. If there was a star in the band, Ben Ratliff concludes, it probably was the whole saxophone section (New York Times). Carter's famous saxophone section arrangements included everything one could expect from a soloist: "melodic shape, hesitation, easy swing, double-timing, open space". During the first half of the concert the band played mostly compositions from the 30s and 40s, then moved on to newer compositions in the second half. Bob Wilber was featured as the guest soloist in "Doozy" and traded fours with the baritone saxophonist Joe Temperley. If he had to pick one soloist as the star of the evening, Ratliff writes, it would be the alto saxophonist Sherman Irby who has a beautiful tone, "one you almost never hear from younger saxophonists anymore, with a vibrato like a throb". Charles Gans reports that at the intermission Carter's widow Hilma and his daughter Joyce were presented an official New York City Council proclamation declaring it "Benny Carter Day" (Washington Post). Before the concert JaLC held a special ceremony celebrating Carter's induction into the Nesuhi Ertegun Hall of Fame, a multimedia installation just outside Jazz at Lincoln Center's Rose Hall. Other inductees included Clifford Brown, Max Roach, Sonny Rollins, Charlie Christian and Django Reinhardt who is the first non-American jazz musician such honored.


21. Oktober 2007

Günter Grass & Baby Sommer

Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hatte am vergangenen Wochenende seinen 80. Geburtstag privat in der Nähe von Lübeck gefeiert. Vier Tage später nun feierte er öffentlich in Göttingen (NTV). Jazzbezug? Günter 'Baby' Sommer, der großartige Dresdner Schlagzeuger und Perkussionist, der seit langen Jahren immer wieder Lesungen Grass' musikalisch begleitete, trommelte auf einer Blechtrommel und schenkte sie anschließend dem Jubilar.

The winner of the Nobel Prize for literature, Günter Grass, celebrated his 80th birthday privately near the city of Lübeck last weekend. Four days later he celebrated publicly in Göttingen (NTV). And the jazz aspect? Günter 'Baby' Sommer, the great drummer and percussionist from Dresden who often accompanied Grass's readings, beat a tin drum in reference to Grass's famous novel and then presented the instrument to the author.

Wynton Marsalis

Die Saison beginnt bei Jazz at Lincoln Center mit einem Konzert zu Ehren des 100. Geburtstags von Benny Carter, und Wynton Marsalis freut sich auf viele vor ihm liegenden Überraschungen (New York Magazine). Carters Musik seien enorm modern gewesen, sagt Marsalis. Das Lincoln Center Jazz Orchestra spiele Stücke aus den 30er Jahren genauso wie solche, die Carter kurz vor seinem Tod 2003 geschrieben habe. Marsalis sei sehr zuversichtlich: Es gäbe viele vielversprechende junge Musiker, den Pianisten Jonathan Batiste etwa oder den Tenorsaxophonisten Francesci Cafiso. Sei großer Traum sei es, eine Oper über den amerikanischen Bürgerkrieg zu schreiben. Er habe kein Problem damit berühmt zu sein. Er liebe schließlich die Menschen und habe nichts dagegen, wenn die auch auf ihn zukämen.

The new season for Jazz at Lincoln Center begins with a Benny Carter Centennial tribute, and Wynton Marsalis is looking forward to many more surprises in the upcoming season (New York Magazine). Carter's music always was way ahead, he says. The Lincoln Center Jazz Orchestra will play arrangements from the 30s as well as some which Carter only wrote shortly before his death in 2003. Marsalis is optimistic: There are many promising young talents out there, the pianist Jonathan Batiste for instance or the tenor saxophonist Francisco Cafiso. He always wanted to compose an opera about the Civil War. He does not mind being famous. After all, he loves people and he does not have a problem with strangers approaching him.


20. Oktober 2007

Orchestre National de Jazz

Der Kontrabassist und Komponist Daniel Yvinec wurde am 11. Oktober zum neuen künstlerischen Leiter des Orchestre National de Jazz bestellt (Le Monde). Er folgt dem Vibraphonisten Franck Tortiller. Die Jury habe Yvinec aus siebzehn Kandidaten ausgewählt. Yvinec wird seinen Posten im September 2008 antreten und dann für drei Jahre das französische Jazzorchester leiten.

The double bass player and composer Daniel Yvinec has been announced as the new artistic director of the Orchestre National de Jazz (Le Monde). He follows the vibraphonist Franck Tortiller who holds that position at the moment. The jury chose Yvinec from seventeen candidates. Yvinec will start his new job in September 2008 and lead the French jazz orchestra for three years.

Jan Garbarek

Jan Garbarek denkt nicht in Genres, erzählt er Olaf Neumann (Braunschweiger Zeitung). Ihn interessieren eher Stücke, Musiker und Komponisten, egal aus welcher Ecke der Welt oder aus welcher Tradition diese kommen. Dass gerade so viele skandinavische Jazzmusiker in jüngster Zeit Erfolge feiern, führt Garbarek auf die verbesserte Ausbildung zurück und überträgt diese Aussage gleich auf ganz Europa - überall sehe er neue Talente. Er selbst assoziiere mit seiner Musik weite Landschaften und ein Gefühl von Freiheit. Er liebe die Stille, die wie ein Ozean sei, aus dem der Klang entsteige. Das ewige Touren sei schon manchmal anstrengend, aber heute sei das doch alles viel leichter als noch in den 60er oder 70er Jahren.

Jan Garbarek does not think in genres, as he explains to Olaf Neumann (Braunschweiger Zeitung). He is more interested in particular pieces of music, in musicians and composers, no matter where they come from or what traditions they belong to. Garbarek explains the fact that so many Scandinavian musicians seem to be successful in recent years with a better musical education which he sees all over Europe - he discovers new talent everywhere. His own music he associates with wide landscapes and a feeling of freedom. He loves silence, which is like an ocean from which the sound can rise. Constant touring can be stressful, but it is so much easier than it used to be in the 60s and 70s.

Phil Schaap

Fast all die Jahre, die Phil Schaap seine legendären Jazzsendungen für den Radiosender der New Yorker Columbia University ausgestrahlt hat, stand ein roter Sessel im Studio, wie Corey Kilgannon berichtet (New York Times). Den hatte sich Schaap einst aus der Studentenlounge nebenan entliehen, und er war der einzige Stuhl, den man Gästen des Studios mit gutem Gewissen anbieten konnte. Über die Jahre saßen viele Jazzgrößen darin, die Schaap für seine Sendungen interviewte. Zu ihnen gehörte auch Duke Ellington, der 1973 darin saß - danach hatte der Sessel die Aura "Duke saß hier". Auch Dizzy Gillespie, Lionel Hampton, Charles Mingus, Stan Getz oder Ornette Coleman "besaßen" den Sessel bereits. Nun wurde der rote Originalbezug abgezogen, in 1.600 Schnipsel zerteilt und gegen eine Spende von mindestens 1.000 Dollar "verkauft". Das Geld soll dem finanzklammen Sender helfen, über die Runden zu kommen. Dafür braucht es ein Jahresbudget von 280.000 Dollars pro Jahr, von denen die Universität nur für ein Bruchteil aufkommt. Übrigens Auch übers Internet ist der Sender WKCR zu hören.

Most of the years that Phil Schaap aired his legendary jazz broadcasts for the radio station of New York's Columbia University, a red chair was standing in the studio, as Corey Kilgannon reports (New York Times). Schaap "borrowed" it from a nearby students' lounge, and it was the only presentable chair when guests came to the studio. Over the years many jazz greats sat in it while being interviewed by Schaap for his broadcasts. One of them was Duke Ellington who came by in 1973 - after that the chair had kind of an aura "Duke sat here". Others who sat in the chair were Dizzy Gillespie, Lionel Hampton, Charles Mingus, Stan Getz or Ornette Coleman. Now the original red upholstery has been pulled off and is being "sold" : A piece is offered to any donor of 1,000 dollars or more. The money is to help the station continue. The station runs on an annual budget of 280,000 dollars, only part of which is provided by the university. By the way: WKCR can also be heard over the internet.


19. Oktober 2007

Jazz at Lincoln Center (2)

Als sich Roland Chassagne vor sieben Jahren bei Jazz at Lincoln Center bewarb, habe Wynton Marsalis die meiste Zeit beim Bewerbungsgespräch still da gesessen, berichtet Raphael Sugarman (Times Ledger). Nur zum Schluss fragte der JaLC-Direktor den Bewerber: Wer ist dein Lieblings-Jazzmusiker? Chassagne zögerte kurz (er wollte nicht Marsalis selbst nennen) und antwortete: John Coltrane. Seither arbeitet er für JaLC, inzwischen als Manager des Dizzy's Club Coca Cola. Er habe davor wenig mit Musik zu tun gehabt, erzählt Chassagne, aber seine Arbeit in der Buchhaltung und mit Kindern in einer Rudolf-Steiner-Schule hätten ihm durchaus Erfahrungen vermittelt, die er im neuen Job gut gebrauchen kann. Bevor er die Manager-Position antrat, machte er eine Art unbezahltes Praktikum in den New Yorker Clubs Jazz Standard und Iridium. Anfangs habe es viel Kritik gegeben, aber mittlerweile hätten die Kritiker ihren Frieden mit dem Club geschlossen. Er habe schon viele Stars gehört, aber besonderen Spaß machten ihm die "Upstarts"-Abende, bei der unbekannte junge Musiker auftreten.

When Roland Chassagne applied for a job with Jazz at Lincoln Center seven years ago, Wynton Marsalis mostly sat quietly through the job interview, as Raphael Sugarman reports (Times Ledger). Only at the end the JaLC director asked Chassagne: What's your favorite jazz musician? Chassagne only hesitated shortly (he didn't want to say "Marsalis" and then responded: John Coltrane. Since then he works for JaLC, meanwhile as the manager of Dizzy's Club Coca Cola. His previous jobs did not have anything to do with music, but his work in accounting and as an assistant teacher in a Rudolf Steiner school gave him some experiences which proved to be helpful for his new job. Before he started in the new position he served as sort of an unpaid intern at New York's clubs Jazz Standard and Iridium. At the beginning Dizzy's met with a lot of criticism, but meanwhile the critics found their piece with the club. He has heard many stars, but he especially likes the "Upstarts" evenings featuring mostly unknown young musicians.

Joe Palin

Der britische Pianist Joe Palin starb im Alter von 73 Jahren. Er kam zum Jazz durch seine Liebe für den Boogie Woogie und den eleganten Klavierstil Teddy Wilsons. 1950 war er Mitgründer der Zenith Six, einer traditioneller Band seiner Heimatstadt Manchester, der auch der Saxophonist John Barnes angehörte. In den 60er Jahren arbeitete er vor allem als Manager des Familien-Bauholz-Betriebs, spielte zwischendurch aber auch beispielsweise mit Maynard Ferguson, der 1967 für eine Weile in Manchester lebte. In den 80ern unterrichtete Palin am Leeds College. Nachruf: Guardian.

The British pianist Joe Palin died at the age of 73. He came to jazz through his love for boogie-woogie and Teddy Wilson's elegant piano style. In 1950 he belonged to the founders of the Zenith Six, a traditional band in his hometown Manchester which also featured the saxophonist John Barnes. In the 60s he mostly worked in his family's timber company, but also performed with Maynard Ferguson among others, who in 1967 used to live in Manchester for a while. In the 80s Palin taught at Leeds College. Obituary: Guardian.


18. Oktober 2007

Teresa Brewer

Die Sängerin Teresa Brewer starb am 17. Oktober in ihrem Haus in New Rochelle, New York, im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer neuromuskulären Erkrankung. Brewer gewann in ihrer Jugend mehrere Talentshows und machte sich einen Namen als Sängerin von Blues, Balladen und Dixieland. In den 50er Jahren nahm sie auch Rhythm 'n' Blues- und Country-Songs in ihr Repertoire auf und schaffte es mit vielen Titeln in die populären Hitparaden. In den 60er Jahren kümmerte sie sich vor allem um ihre vier Töchter. 1972 heiratete sie in zweiter Ehe den Musikproduzenten Bob Thiele, der sie nun stärker als Jazzsängerin herausstellte und unter anderem Alben produzierte, bei denen sie mit Count Basie und mit Duke Ellington zusammenarbeitete. 1991 nahm sie ein Album zu Ehren Louis Armstrongs auf, bei dem auch Wynton Marsalis und Dizzy Gillespie mitwirkten. Nachrufe: Washington Post, New York Times, Los Angeles Times, Guardian, San Francisco Chronicle.

The singer Teresa Brewer died October 17th at her home in New Rochelle, New York, at the age of 76 from a neuromuscular disease. In her youth Brewer won several talent shows and made a name for herself singing mostly blues, ballads and dixieland. In the 50s she also incorporated rhythm 'n' blues and country songs into her repertoire and succeeded in landing several hits on the hit parades. In the 60s she spent most of her time at home raising her four daughters. In 1972 she married her second husband, the producer Bob Thiele who spotlighted her more as a jazz singer and produced albums coupling her with Count Basie and Duke Ellington. In 1991 she recorded an album in tribute of Louis Armstrong on which she was joined by Wynton Marsalis and Dizzy Gillespie. Obituaries: Washington Post, New York Times, Los Angeles Times, Guardian, San Francisco Chronicle.


17. Oktober 2007

Marcus Shelby

Marcus Shelby hat ein zweistündiges Oratorium für Stimme und Jazzorchester geschrieben, das auf Texten von und über Harriet Tubman basiert, der Fluchthelferin und Widerständlerin gegen die Sklaverei in den Vereinigten Staaten, wie Jesse Hamlin berichtet (San Francisco Chronicle). Musik sei für Tubman eine Art von Kommunikation gewesen, erklärt Shelby, und die Kommunikation sei ja auch das Wesen des Jazz. Der 41jährige Bassist und Komponist arbeitet in unterschiedlichen Szenen, mit eigener Band, anderen Musikern, fürs Theater, für Filmemacher oder fürs Ballett. Er hatte eigentlich mit einem Basketball-Stipendium Elektrotechnik studiert, als er Wynton Marsalis hörte und Musik zum Mittelpunkt seines Lebens machte. Duke Ellington liebt er so, dass er seine 5jährige Tochter Kennedy nannte, nach Ellingtons mittlerem Namen. Schon zuvor hat sich Shelby in seiner Musik mit afro-amerikanischer Geschichte auseinandergesetzt, etwa in "Port Chicago", das von Vorfällen handelt, die zur Desegregation der amerikanischen Armee führten. Für sein Tubman-Oratorium studierte er alte Worksongs, Hymnen und Field Hollers, reiste an Orte, wo sie gelebt, gewirkt und gebetet hatte. Neben Jazzvokalisten werden auch klassisch geschulte Sänger mitwirken. Es gäbe auskomponierte Partien genauso wie Improvisationspassagen.

Marcus Shelby composed a two hour long oratorio for voice and jazz orchestra based on texts by and about Harriet Tubman, the African-American abolitionist, as Jesse Hamlin reports (San Francisco Chronicle). Music was a sort of communication for Tubman, Shelby explains, and communication is also at the heart of jazz. The 41 year old double bass player and composer works in several scenes, with his own band, with other musicians, for the theatre, for film makers and for the ballet. He had studied electric engineering on a basketball scholarship when he heard Wynton Marsalis and made music the center of his life. He loves Duke Ellington so much that he named his 5 year olf daughter Kennedy, giving her Ellington's middle name. Shelby had used African American history before as a source for his compositions, for instance in "Port Chicago" which deals with some incidents that eventually led to the desegregation of the military. For his Tubman oratorio he studied old work songs, hymns and field hollers; and he traveled to places where she had lived, worked and prayed. He makes use of jazz vocalists as well as of classically trained voices. There are through-composed passages as well as enough space for improvisation.


16. Oktober 2007

André Previn

André Previn ist einer der wenigen Musiker, die seit Jahrzehnten ohne Probleme zwischen den Welten von jazz und Klassik pendeln, berichtet Barrymore Laurence Scherer (Wall Street Journal): "Ich bin der einige Dirigent der Wiener Philharmoniker, der schon mal im Apollo Theater aufgetreten ist." Previn wurde in Berlin geboren und studierte an der Berliner Hochschule für Musik und am Pariser Konservatorium, bevor die Eltern 1938 endgültig vor den Nazis in die USA flohen. Art Tatum habe ihn zum Jazz bekehrt, erzählt er. Er habe dessen Version von "Sweet Lorraine" gehört, sie von der Platte abgeschrieben. Bald gehörte er selbst mit zu den erstklassigen Jazzmusikern der Vereinigten Staaten, spielte mit Ray Brown, Dizzy Gillespie oder Billie Holiday und erhielt für das Trioalbum "My Fair Lady" mit Shelly Manne und Leroy Vinnegar 1956 die erste Goldene Schallplatte der Jazzgeschichte. Er finde die Melodien der Songs, die er spiele sehr wichtig. Für sein jüngstes Soloalbum habe er zur Vorbereitung 50 Stücke ausgesucht, die er im Studio jeweils kurz angespielt habe, und wenn sich mehr daraus entwickelt habe, habe es seinen Weg auf die CD gefunden. Für jemanden in seiner Profession, sagt er, sei es ein großer Luxus, den ganzen Abend improvisieren zu dürfen. Zum Schluss erzählt er eine wunderbare Geschichte über ein Zusammentreffen mit Cole Porter, bei der sich Porter über ein fürchterliches Arrangement über eine seiner Kompositionen von der Woody Herman-Band aufgeregt habe, aber Previn für seine Geschmackssicherheit ausdrücklich lobte, nichtsahnend, dass das betreffende Arrangement von Previn stammte.

André Previn is one of the few musicians who since decades can easily switch between the worlds of jazz and classical music, as Barrymore Laurence Scherer reports (Wall Street Journal): I'm the only Vienna Philharmonic conductor who ever worked the Apollo Theatre." Previn was born in Berlin and studied at Berlin's Hochschule für Musik and at the Paris Conservatory before his parents in 1938 ultimately fled the Nazis and emigrated to the USA. It was a record by Art Tatum which hooked him on jazz, he says. He had heard Tatum's interpretation of "Sweet Lorraine" and transcribed it note for note. Soon Previn himself was a major figure on the US jazz scene, playing with Ray Brown, Dizzy Gillespie or Billie Holiday and receiving the first gold jazz recording for his trio album "My Fair Lady" which he recorded with Shelly Manne and Leroy Vinnegar in 1956. He thinks the melodies of the tunes he plays, are of utmost importance. For his newest album he prepared by selecting 50 songs which he shortly sketched on the piano one by one, and if something developed, it made it onto the CD. For someone in his profession, he says, it's a great luxury to spend all night improvising. The essay ends with a wonderful story of how he met Cole Porter who complained about a horrible arrangement of one of his compositions played by the Woody Herman band but at the same time complimented Previn for his tastiness, not knowing that the arrangement in question actually had been written by Previn.

Jacky Terrasson

Auch Jacky Terrasson wurde in Berlin geboren, als Kind einer amerikanischen Mutter und eines französischen Soldaten, der im französischen Teil der damals viergeteilten Stadt Dienst tat. In Paris spielt der Pianist dieser Tage mit dem Saxophonisten Michel Portal, an dem er schätzt, dass er immer gut vorbereitet sei und dennoch im entscheidenden Moment sage, "Los, jetzt spielen wir, was wir wollen", eine Haltung, die eine unglaubliche Freiheit der Form erlaube, wie Bertrand Dicale berichtet (Le Figaro). Terrasson sei wahrscheinlich der einzige französische Musiker, der schon mal im Weißen Haus aufgetreten ist. Auf seinem neuen Album "Mirror Mirror" habe er auch Standards aufgenommen, weil es ihm selbst immer gefalle, Musiker Material interpretieren zu hören, mit dem man gut vertraut ist. Darin könne man dann gut dessen individuelle Stimme, seine musikalische Identität erkennen.

Jacky Terrasson was born in Berlin as well, as the child of an American mother and a French father who did his military service in then French part of the city which then was still parted in four sectors. In Paris these days the pianist performs with the saxophonist Michel Portal about whom he adores the fact that he is always well prepared, yet at the decisive moment will say, "Let's go, let's just play what we want to play", an approach which allows for an unbelievable freedom of form, as Bertrand Dicale reports (Le Figaro). Terrasson may be the only French musician who has already performed at the White House. On his new album "Mirror Mirror" he recorded some standards, because he likes to listen to musicians interpret familiar material. On these tunes it is easiest to recognize their individual voice, their musical identity, he claims.


15. Oktober 2007

Lee Konitz

Lee Konitz hat in seinen 80. Geburtstag mit einem Konzert in Mannheim gefeiert. Matthias Spindler berichtet im Mannheimer Morgen, dass Konitz's Noten im portugiesischen Porto liegengeblieben waren, wo das Nonet zuvor aufgetreten war, und die Ersatznoten zu langwierigen Suchaktionen zwischen den Stücken führten und dazu, dass der sonst doch eher Trockene, die Pausen mit Witzen überbrückte. Ein paar Dissonanzen gab es, bei denen nicht ganz klar war, ob sie auf Unsicherheiten zurückzuführen waren oder so in den Noten standen, für die Ohad Talmor verantwortlich schrieb. Spätestens in einer Orchestersuite über den Blues aber wischten die Musiker alle Zweifel an ihrer Klasse beiseite. Und Konitz selbst, der immer noch sein 1945 gekauftes Instrument spielt, wurde am Schluss vom Publikum mit einem "Happy Birthday"-Ständchen gefeiert. Ulrich Olshausen betont in seinem Bericht zum Konzert die Bedeutung des Saxophonisten und der ganzen Tristano-Schule für den deutschen Nachkriegsjazz (FAZ). Irgendwann im Konzert ließ Konitz das Publikum einen Ton summen, und er selbst improvisierte modal darüber, und Olshausen urteilt: "die erste und einzige Publikumsbeteiligung ohne jede Peinlichkeit, an die wir uns erinnern können". Und ob der Tatsache, das Konitz jahrelang in Köln wohnte, seinen Geburtstag hier feiert, die letzten beiden CDs mit deutschen Pianisten aufgenommen hat und darauf auch Tänze von Franz Schubert spielte, fragt sich Olshausen: "Konitz und die Deutschen - irgendwas muss da doch dran sein."

Lee Konitz celebrated his 80th birthday with a concert in Mannheim (Germany). Matthias Spindler reports in the Mannheimer Morgen that Konitzt parts of the scores had been left in Porto, Portugal, the last stop on the nonet's tour. The hastily written substitute score led to some searching between the numbers and encouraged the usually dry Konitz to bridge the delays with some jokes. Spindler heard some dissonances but is not sure whether they could be attributed to any insecurities in the band or simply to the score written by Ohad Talmor. In an orchestra suite on the blues, though, the musicians were able to clear up all doubts about what they were able to do. Konitz played the instrument which he had bought in 1945 and was celebrated at the end of the concert with a "Happy Birthday" serenade by the audience. In his report of the concert Ulrich Olshausen emphasizes the saxophonist's as well as the whole Tristano circle's importance for German post-war jazz (FAZ). At one point during the concert Konitz had the audience hum a note as he played some modal improvisation over it, about which Olshausen comments: "the first and only audience participation without any feeling of embarrassment which we can recall". Regarding the fact that Konitz lived in Cologne for many years, that he celebrated his birthday in this country, that he recorded his last two CDs with German pianists and that he played dances by Franz Schubert on those recordings, Olshausen asks: "Konitz and the Germans - there just has to be some deeper connection."

Jazz at Lincoln Center (1)

Adrian Ellis hat schon viele schwierige Jobs gehabt, und so scheint er wie gemacht für den Posten des neuen geschäftsführenden Direktors der Organisation Jazz at Lincoln Center (JALC), den er gerade angetreten hat, wie Kate Taylor berichtet (The New York Sun). Als eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht er, sein Publikum kennenzulernen, zu wissen, wie er es auch erreichen kann, und noch mehr Menschen für den Jazz zu begeistern. JALC hat eine Platzauslastung von 80 Prozent, aber das allein macht ihn nicht zufrieden; er will darüber hinaus vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. 50 Prozent des Publikums sei zwischen 45 und 65 Jahre alt, nur 11 Prozent 18 bis 34 Jahre. 80 Prozent des Publikums sei weiß, nur 12 Prozent afro-amerikanisch. Fast 60 Prozent des Publikums habe einen höheren Schulabschluss. Sein Rezept: Wir brauchen einen Vibe, das Gefühl, dass das alles etwas Besonderes ist. Er setzt außerdem auf Online-Entwicklungen von Geschmacksfiltern, wie es sie im Filmbereich bereits gibt (Netflix). Solche Webfilter könnten das Publikum ermutigen, "Experimente" einzugehen, weil sie sich sicherer fühlten, dass sie das Ergebnis wirklich genießen werden. Hmmm ... Ob diese Sicherheit wirklich noch das Gefühl von Experiment vermittelt? Uns überzeugt die Argumentation noch nicht so ganz.

Adrian Ellis has had some difficult jobs which seem to make him qualified for his new position as executive director of Jazz at Lincoln Center (JALC) which he took up these days, as Kate Taylor reports (The New York Sun). One of his most important first tasks is to find out about his potential audience, how he can reach them and how he can find a new audience for jazz as well. Ticket sales for JALC are 80 per cent, but that alone does not make him happy; he especially wants to reach a younger audience. Some numbers: "Around 50% of the audience is between the ages of 45 and 65, with only 11% coming from the prime rock-concert-attending age group of 18-to-34-olds. almost 80% of the audience is white, and 12% is African-American. Nearly 60% of the audience has completed some graduate study." His recipe: We need a vibe; there has to be a sense of occasion. He also puts emphasis on online developments like collaborative filtering which has successfully been used with movie databases (Netflix). Such collaborative filtering might encourage the audience to undertake an experiment while yet feeling safe enough that it will be an experience they'll enjoy. Hmmm ... Is such certainty really compatible with the idea of an experiment? We are not quite convinced by this line of reasoning.


14. Oktober 2007

Dee Dee Bridgewater

Siddhartha Mitter spricht mit Dee Dee Bridgewater über ihr neues Album "Red Earth. A Malian Journey", in dem die Sängerin sich mit afrikanischen Kollegen wie dem Korameister Toumani Diabaté oder der Sängerin Oumou Sangare zusammentat (The Boston Globe). Sie sei zum ersten Mal in Paris mit afrikanischer Musik in Berührung gekommen, wo sie Musiker wie Salif Keita und Manu Dibango zu ihren Freunden zählt, erzählt Bridgewater. Und als Botschafterin für die United Nations' Food and Agriculture Organization war sie viel in Afrika unterwegs. Ja, sie habe sich nach Afrika gewandt, um ihre eigenen Wurzeln zu erkunden, sagt sie, ihr ginge es dabei aber weniger um eine Art genetischer Beweisführung als vielmehr um ein intuitives Erfühlen ihrer Herkunft. Ob ihre Vorfahren nun aus Mali oder einem anderen Land stammten, sei ihr egal: Sie fühle eine enorme Verwandtschaft zu Mali und seinen Künstlern. Sie wäre nicht überrascht, wenn sie eines Tages in Mali leben würde. Nicht alle Fans würden dieses Album mögen, weiß sie, aber sie habe das Gefühl, nun endlich ihre eigene Stimme gefunden zu haben.

Siddartha Mitter talks to Dee Dee Bridgewater about her new album "Red Earth. A Malian Journey", in which the singer worked together with African colleagues such as the kora master Toumani Diabaté and the singer Oumou Sangare (The Boston Globe). Her first contacts to African music happened in Paris, says Bridgewater, where she counts musicians such as Salif Keita and Manu Dibango among her friends. As an ambassador for the United Nations' Food and Agricultural Organization she traveled to Africa a lot. She also did turn to Africa to explore her own roots, but she was not so much interested in genetic evidence than rather in an intuitive exploration of her origins. She does not really care whether her ancestors were from Mali or from another country. She does feel an enormous kinship with Mali and its artists. She would not be surprised to one day live in Mali. Not all of her fans may be happy with her new album, but she herself feels that she has finally found her own voice.

Jason Moran

Die Leidenschaft für Musik habe er seinen Eltern zu verdanken, erklärt der Pianist Jason Moran im Gespräch mit Jamie Katz (Smithsonian Magazine). Sie hätten ihn immer mit in Konzerte des Houston Symphony Orchestra genommen, seine Mutter habe ihn so sehr zum Klavierspielen getrieben, dass er das Instrument manchmal verflucht hätte. Bei der Aufnahmeprüfung an Houstons High School for the Performing and Visual Arts spielte er Thelonious Monks "Ruby My Dear", als er 1993 seinen Abschluss dort machte, war er in ganz Houston als vielversprechendes Talent bekannt. McCoy Tyner kam nach Houston, um Moran zu hören, später nahm Jason in Manhattan Unterricht bei Jaki Byard. Von dem habe er gelernt, dass es nicht ausreiche, die Tradition zu kennen; man müsse daneben auch immer die Gegenwart im Blick haben, damit es gelänge, den Jazz auf die nächste Stufe zu bringen. Man wolle ja nicht, das Monk eines Tages von den Toten zurückkehre und feststelle: "Was, das spielt ihr immer noch?!"

He got his passion for music from his parents, pianist Jason Moran relates in an interview with Jamie Katz (Smithsonian Magazine). They took him to concerts of the Houston Symphony Orchestra; and his mother forced him to play the piano so much that at times he wanted to curse the instrument. For the entry exam at Houston's High School for the Performing and Visual Arts he played Thelonious Monk's "Ruby My Dear", and when he graduated in 1993 he was known all over Houston as a fearsome talent. Even McCoy Tyner came to town to hear Moran. In New York the pianist took lessons from Jaki Byard who taught him that it is not enough to know the tradition; one always has to be aware of the present as well in order to bring jazz to the next level. After all, one doesn't want Thelonious Monk to come back from the dead and say, "Y'all still playing that?"


13. Oktober 2007

Thelonious Monk

John Evans lässt Grayson Currin und seine Leser an seinen Erinnerungen an Thelonious Monks Town-Hall-Konzert im Februar 1959 teilhaben (The Independent Weekly). Jazzfan Evans hatte eine Freundin in Brooklyn und plante gleich eine Reise in den Norden, als er hörte, dass Monk nach einem Jahr ohne Cabaret Card wieder ein Konzert in New York geben würde. Für den Abend hatte Hall Overton sechs Monk-Kompositionen für eine zehnköpfige Besetzung arrangiert. Über die Jahre habe Evans die Erinnerungen an den Abend wertgeschätzt, die Aufnahmen, die später auf CD erschienen, gaben aber nur einen blassen Abglanz dessen wider, was er gehört hatte, vor allem konnten sie die Klangfarben nicht einfangen, deren Overton sich bedient hatte. 1998 entdeckte Sam Stephenson im Nachlass des Life-Fotografen W. Eugene Smith 1.740 Tonbänder, auf deren Schachteln unter anderem Namen wie Roland Kirk, Zoot Sims, Bill Evans, Gerry Mulligan und Thelonious Monk zu lesen waren. Smith hatte sein Haus auf Manhattans Sixth Avenue offenbar mit Mikrophonen ausgerüstet und dabei auch das Thelonious Monk Tentet aufgezeichnet, das in dem Gebäude probte. Letztes Jahr führte Stephenson die Bänder einigen Hunderten Hörern vor, darunter John Evans, den besonders faszinierte, dass neben der Musik auch die Probengespräche zu hören waren. Auf der Basis der Bänder erstellte der Trompeter Charles Tolliver neue Transkriptionen des Abends, die er jetzt mit seinem Orchester an der Duke University in North Carolina aufführt.

John Evans shares his memories of Thelonious Monk's Town Hall concert from February 1959 with Grayson Currin and his readers (The Independent Weekly). Jazz fan Evans dated a girl in Brooklyn and planned a trip north as soon as he heard about the concert, the first performance Monk gave after a year's absence from the scene because he had lost his cabaret card. For that concert Hall Overton had arranged six Thelonious Monk compositions for a ten piece band. Over the years Evans cherished his memories of the evening. Recordings which were later issued on CD hardly came close to what he had heard, they could especially not capture the sound colors used by Overton. In 1998 Sam Stephenson discovered 1,740 reel-to-reel tapes in the archives of Life photographer W. Eugene Smith, which were labeled with names such as Roland Kirk, Zoot Sims, Bill Evans, Gerry Mulligan and Thelonious Monk. Smith had wired his house on New York's Sixth Avenue with microphones and thus had also recorded the rehearsals of Thelonious Monk's tentet in the rehearsal room situated in the building. Last year Stephenson played the tape for a few hundred listeners, John Evans among them. Evans was especially fascinated by the fact that the tapes not only contained the music but also the rehearsal talk. On the basis of these tapes the trumpeter Charles Tolliver transcribed the historic concert which he will perform these days at Duke University in North Carolina with his own orchestra.

Vienna Art Orchestra

In der Nacht vor ihrem Konzert in Bruck, Niederösterreich, wurden dem Vienna Art Orchestra Instrumente und Equipment im Wert von etwa 1.7 Millionen Euro gestohlen (News.ch). Neben der Ton- und Lichtanlage wurde auch ein Schlagzeug sowie Perkussionsinstrumente aus dem geparkten Lastwagen entwendet worden. Das Orchester wird die Tour zu ihrem 30-jährigen Bestehen dennoch fortsetzen.

In the night before their concert in Bruck, Lower Austria, about 2,4 million dollars worth of equipment and instruments were stolen from the Vienna Art Orchestra (News.ch). The thieves took the sound and light equipment as well as a drum set and percussion instruments from a parked truck. The orchestra will continue its 30th anniversary tour despite the loss.

Queen Latifah

Queen Latifah hatte einige Hip-Hop-Hits, aber jetzt singt sie am liebsten Jazz, wie Richard Harrington berichtet (Washington Post). Sie nennt ihren Ansatz "jazz eclectic", eine Mischung aus Jazz, Blues, Soul, Pop und Folk. Sie singe Lieder, wie man sie in den 60er oder 70er Jahren gesungen hätte. "Georgia Rose", das Carmen McRae in den 60ern zu einem auch politisch gewürzten Song machte, habe für sie eine besondere Bedeutung. Ihre Eltern hätten ihr den Ehrgeiz vermittelt, den sie in ihre Karriere gesteckt hätte. Und das sei wichtig gewesen, weil man als schwarzer Künstler immer noch doppelt so hart arbeiten müsse, um Erfolg zu haben. Weitere Interviews mit Queen Latifah über ihr neues Jazzalbum: The Courier News, New York Daily News.

Queen Latifah is known for her hip-hop hits, but now she loves to sing jazz as well, as Richard Harrington reports (Washington Post). She calls her approach "jazz eclectic" and mixes jazz, blues, soul, pop and folk. She sings songs which she would have sung in the 60s or 70s. "Georgia Rose" is especially important for her, a song to which Carmen McRae gave a special political meaning in the 60s. Her parents gave her the drive and ambition which she put into her career. And that was important because as a black artist one still has to work twice as hard to be successful. More reports about Queen Latifah and her new jazz album: The Courier News, New York Daily News.


12. Oktober 2007

Martial Solal

Martial Solal ist diese Woche eine Woche lang als Solopianist im New Yorker Village Vanguard zu hören, wie Ben Ratliff berichtet (New York Times). Der 80-jährige beeindruckte darin, wie er fast jeden Moment der bekannten Standards, die er spielte, wie eine Provokation auffasste und sie neu interpretierte. Der Einfluss Art Tatums schien klar durch, schreibt Ratliff, aber auch jene Debussys und anderer klassischer Komponisten des 20. Jahrhunderts. Manchmal konnte die Fülle an neuen Ideen und witzigen Einwürfen ein wenig zu viel werden, aber dann war man wieder gefangen vom dramaturgischen Bogen, den Solal den einzelnen Stücken genauso wie dem ganzen Konzertset angedeihen ließ.

Martial Solal performs this week as a soloist at New York's Village Vanguard , as Ben Ratliff reports (New York Times). The 80 year old pianist impressed his audience by seeing every passing moment of the standard tunes he played as a provocation and giving them new interpretations. Clearly the influence of Art Tatum showed through, as did that of Debussy and other classical 20th century composers. Sometimes the spray of wit could become a bit wearisome, writes Ratliff, but then Solal caught his audience again by providing the tunes as well as the whole concert set with a dramaturgic arc.


11. Oktober 2007

NDR Bigband

Jörg Achim Keller wird neuer Chef-Dirigent der NDR Bigband, und Nils Landgren wird deren künstlerischer Berater (Finanznachrichten). Keller folgt Dieter Glawischnig, der am 30. Juni 2008 nach 27 Jahren in den Ruhestand geht. Der in der Schweiz geborene Keller war seit 2000 Chefdirigent der hr-Bigband, der er während dieser Jahre ein neues musikalisches Gesicht gab. Der Schwede Landgren war von 1998 bis 2001 Mitglied der NDR Bigband, seit Oktober 2006 außerdem Professor an der Hamburger Musikhochschule. Seine Aufgabe ist es, die Band international zu profilieren und hierzulande weniger bekannte ausländische Künstler für konkrete Projekte zu engagieren. Die NDR Bigband ist eine von drei großen öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Jazzorchestern; die beiden anderen sind die WDR Big Band und die hr-Bigband.

Jörg Achim Keller will become the new chief conductor of the NDR Bigband, and Nils Landgren will become the orchestra's artistic advisor (Finanznachrichten). Keller takes over his job from Dieter Glawischnig who will retire on June 30th, 2008 from that post after 27 years. Since 2000, Swiss-born Keller was the chief conductor of the hr-Bigband and considerably changed their musical profile. The Swede Landgren was member of the NDR Bigband from 1998 until 2001; since October 2006 he also is a professor at Hamburg's Musikhochschule. His task is make the band better known internationally and to hire some foreign artists who might not be so well known in Germany for specific projects. The NDR Bigband is one of three major publicly funded radio jazz orchestras, the other two being the WDR Big Band and the hr-Bigband.

American Jazz Museum

Das American Jazz Museum organisierte ein Benefizkonzert, aber statt eines Fundraisers sei es wohl eher ein Friend-Raiser gewesen, berichtet Dave Helling (Kansas City Star). Es kamen zwar um die 10.000 Menschen, dennoch überstiegen die Kosten die Einnahmen bei weitem, so dass das American Jazz Museum statt der erhofften 150,000 Dollar an Überschuss ein Minus von 35,000 Dollar auszugleichen hat. 50.000 Dollar habe die Show von Patti Labelle gekostet, 35.000 Dollar die der Dizzy Gillespie All-Star Big Band, eine Straßenparty außerdem 200.000 Dollar. Die 527 Tickets fürs Konzert wurden für je 200 Dollar verkauft, aber auch der Erlös konnte das Minus nicht ausgleichen. Der neue Direktor des Museums Greg Carroll trat seine Stelle erst an, als alles geplant war. Er hätte das alles anders programmiert sagt er und muss jetzt zwischen dem beauftragten Subveranstalter und dem Aufsichtsrat des Museums vermitteln, die sich gegenseitig die Schuld für das finanzielle Desaster zuweisen.

The American Jazz Museum organized a benefit concert but instead of raising funds they only raised friends, as Dave Helling reports (Kansas City Star). Sure, about 10,000 people attended the event, but the costs by fare exceeded the returns so that instead of gaining 150,000 dollars the American Jazz Museum now has to raise 35,000 dollar to balance the loss. The show by Patti LaBelle cost 60,000 dollars, the show by the Dizzy Gillespie All-Star Big Band cost 35,000 dollars, a street party cost 300,000 dollars. 527 tickets for the concert were sold for 200 dollars each, but proceeds could not balance the deficit. The new executive director of the museum, Greg Carroll, only was appointed when the program decisions had been made. He says that he would have done things differently. Now he has to arbitrate between the contracted program organizer and the museum board about who is to blame for the financial disaster.

Christof Lauer & Jens Thomas

Michael Reckord erlebte auf Jamaica ein Konzert des Saxophonisten Christof Lauer mit dem Pianisten Jens Thomas (Jamaica Gleaner). Unüblich sei es gewesen, weil Thomas in den Flügel gegriffen hätte und das Instrument wie eine Trommel benutzt habe, aber auch wenn er auf deutsch oder englisch gesungen oder deutsche Gedichte vorgetragen habe. Ungewöhnlich habe das geklungen, aber nicht unschön, und das Publikum gezwungen, die Musik anders zu hören. Thomas habe auch lustige Ansagen gemacht, während Lauer eher ernst gewesen sei. Aber auch über ihn habe man schön lachen können, etwa, als sein Mikrophon dauern aus dem Mikrophonständer fiel.

Michael Reckord attended a concert by the German saxophonist Christof Lauer and the pianist Jens Thomas in Jamaica (Jamaica Gleaner). It was an unusual concert, he writes, because Thomas played inside of the piano and also used the instrument like a drum, but also because he sang in German and English and recited German poetry. It all sounded unusual but not unpleasant and forced the audience to listen to the music with a different perspective. Thomas made some funny announcement while Lauer was much more serious. But the audience could also laugh about him when his microphone kept falling out of the mike stand.


10. Oktober 2007

Nobelpreis und Jazz

Der diesjährige Physik-Nobelpreisträger Albert Fert ist Jazzfan, liebt die Filme des spanischen Regisseurs Pedro Almodovar und das musikalische Genie von Thelonious Monk (Der Standard). (Oh ja, und der andere Physik-Nobelpreisträger, Peter Grünberg, studierte in Darmstadt. Auch eine Jazz-Connection ... wie wir meinen.)

This year's physics Nobel laureate Albert Fert is a jazz fan. He loves the films of Spanish director Pedro Almodovar and the musical genius of Thelonious Monk (Der Standard). (Oh, and the other physics Nobel laureate, Peter Grünberg, studied in Darmstadt. Another jazz connection ... we think.)

Sonny Rollins

Sonny Rollins spielt am Samstag in Detroit, wie Mark Stryker berichtet, der mit dem Saxophonisten ein Telefoninterview führte (Detroit Free Press). Vor wenigen Wochen hatte er in der Carnegie Hall ein Trio-Konzert mit Christian McBride und Roy Haynes gegeben, das habe viel Spaß gemacht. Ob der Jazz mittlerweile eine Musik alter Männer sei, fragt Stryker und verweist auf das Alter von Kollegen wie Dave Brubeck oder Hank Jones, aber Rollins widerspricht. Aber es stimme schon, andere Stile hätten dem Jazz junge Musiker gestohlen hätten, und im Jazz sei es halt so, dass musikalische Reife durchaus etwas ausmache. Er wolle auch noch mit 90 spielen, und wenn nur, weil er auch in dem Alter noch nicht alles gelernt haben würde, was es zu lernen gäbe. Andere Musiker könnten kontinuierlich auf demselben Level spielen, ihm sei es wichtig, seine Spielhaltung zu ändern, zu entwickeln. Er übe jeden Tag, aber nicht zu lange, weil er nach wie vor Probleme mit den Zähnen habe. Er erinnert sich an Detroit und wie er mit Lester Young und Coleman Hawkins gespielt habe. Er erinnert sich an Musiker wie Tommy Flanagan und Elvin Jones. Kurz vor Elvins Tod hätten sie eine Platte geplant. Er höre nie seine alten Platten und er besäße keinen Computer und schaue sich auch nie seine eigene Website an, auf der alte Rollins-Videos zu sehen sind. Er fühle sich immer etwas gehemmt, wenn er sich selbst höre, das sei wie eine Phobie.

Sonny Rollins will perform in Detroit this Saturday, as Mark Stryker reports who did a phone interview with the saxophonist (Detroit Free Press). Only some weeks ago Rollins had played at Carnegie Hall in a trio setting with Christian McBride and Roy Haynes, and that had been fun. Stryker asks whether jazz has become a music of old men and points to colleagues such as Dave Brubeck or Hank Jones, but Rollins disagrees. It may be true, though, that some younger musicians have been robbed from jazz through other genres, and it is true that age is an asset to a jazz musician. Rollins plans to continue playing even at 90. There is so much to learn and he knows that even then he won't have learned it all. Other musicians may be able to continue to play on the same high level, but he thinks it is more important for him to change and to develop. He practices every day, but not too long, as he still has trouble with his teeth. He remembers the music city Detroit and how he had jammed with Lester Young and Coleman Hawkins. He remembers playing with Tommy Flanagan and Elvin Jones. Shortly before the drummer passed away they had planned to record an album together. Rollins never listenes to his own records, and he does not own a computer and never looks at his own website which contains some old Rollins videos. Her feels self-conscious when hearing himself; that's like a phobia.

Rashied Ali

Der Schlagzeuger Rashied Ali spielte mit seinem Quintett beim Albuquerque Festival und erzählt im Gespräch mit Bryan Gibel von seiner Zeit mit John Coltrane (New Mexico Daily Lobo). Im Quintett spielten sie nur wenige Stücke von Coltrane, aber der Einfluss sei tief präsent. "John Coltrane war mein Guru, Mann," sagt Ali. Die Songs seien für ihn vor allem eine Möglichkeit, in den Groove einzusteigen.

The drummer Rashied Ali performed with his quintet at the Albuquerque Festival and tells Bryan Gibel in an interview about his time in John Coltrane's band (New Mexico Daily Lobo). The quintet played only few Coltrane pieces, but the influence is big. "John Coltrane was my guru, man," says Ali. The songs they play are a way for him mainly to get into the groove.


9. Oktober 2007

Jazz and Globalization

Ende September veranstaltete das Center for Jazz Studies der New Yorker Columbia University eine Konferenz über Jazz im globalen Zeitalter. Dabei waren Journalisten aus 16 Ländern, und George Lewis, der Vordenker und Organisator des ganzen wollte mit der Tagung "zwischen der amerikanischen und der internationalen Sichtweise auf den Jazz vermitteln", wie Maxi Sickert berichtet (Die Zeit). Die Kollegen sprachen über die Bedeutung des Jazz in ihren jeweiligen Ländern, über Förderstrukturen, Chancen wie Probleme. Am Abend gab es eine große Runde, an der auch die "Großen Vier" beteiligt waren, wie Sickert sie nennt: Stanley Crouch, Gary Giddins, Francis Davis und Ben Ratliff. Vor der Erfindung des Internets sei alles besser und die Suche nach Neuem im Jazz viel spannender gewesen, meint Ben Ratliff. Francis Davis sieht den Jazz von Anbeginn an als Weltmusik. Gary Giddins meint, man solle sich erst einmal über aktuellste Tendenzen im amerikanischen Jazz schlau machen, bevor man in die Welt hineinblickt. Als es um die weltweite Ausstrahlung des Jazz ging, habe Stanley Crouch gegähnt, sich in den Waschraum verabschiedet und sei zurückgekommen, als die Diskussion den aktuellen Jazz erreicht habe. Das sei doch alles "garbage" habe er gemeint, viel von dem was zeitgenössische Musiker machten, wolle doch eh niemand hören. Die Jazz Journalists Association, die die Konferenz mitausrichtete, hat auf ihrer Seite eine Art Zusammenfassung veröffentlicht, die die Diskussionen in Stichworten verfolgt und spannende Diskussionen erahnen lässt (JazzHouse Forum).

In late September the Center for Jazz Studies at New York's Columbia University organized a conference about jazz in the global age. Among the panelists were journalists from 16 countries. George Lewis who organized the event wanted to mediate between the American and the international view of jazz, as Maxi Sickert reports (Die Zeit). The journalists talked about the significance of jazz in their respective countries, about subsidies, about chances and about problems. The evening featured a large round table and especially the "Big Four" as Sickert calls them: Stanley Crouch, Gary Giddins, Francis Davis and Ben Ratliff. Before the invention of the internet everything was better, Ben Ratliff said; it was much more of a surprise to discover something new. Francis Davis sees jazz as a world music since its beginnings. Gary Giddins thinks that Americans should discover their own contemporary developments first before dealing with the rest of the world. When the discussion touched the worldwide interest in jazz, Stanley Crouch yawned and searched for the men's room, Sickert writes. When he returned the panel discussed contemporary developments and his response was "garbage". Most of the music produced by contemporary musicians finds no audience anyhow, was his position. The Jazz Journalists Association which co-organized the conference has published a summary on their website, which lets you read along with and gives an impression of the discussion (JazzHouse Forum).

1. bis 8. Oktober 2007

10. Darmstädter Jazzforum

Das 10. Darmstädter Jazzforum hat uns von der morgendlichen Presselektüre ferngehalten. Jetzt aber lesen wir wieder ...

The 10th Darmstadt Jazzforum kept us from our daily press review. But now that it's over (and it was successful) we start reading again.


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