Jazz News
Jazz Nachrichten


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31. August 2007

10. Darmstädter Jazzforum: "Begegnungen. The World meets Jazz"

Das mittlerweile 10. Darmstädter Jazzforum befasst vom 4. bis 7. Oktober 2007 sich mit dem Thema "Begegnungen. The World Meets Jazz". Dabei geht es um die Tatsache, dass der Jazz von Anfang an eine produktive Musik war, dass Musiker in aller Welt, die sich ihm zuwandten, seine Wurzeln als afro-amerikanische Musik genauso kennen und respektieren mussten wie sie aufgefordert waren, ihre eigenen Traditionen mit einzubringen. Ein öffentliches dreitägiges Symposium nähert sich dem Thema von theoretischer Seite; neben Wissenschaftlern und Journalisten kommen dabei aber auch Musiker zu Worte. Drei abendliche Konzerte bieten außerdem einen musikalischen Blick aufs Thema mit einem Konzert im Geiste Don Cherrys (Karl Berger Sextet), Musik mit persischen Anklängen (Cyminology), einem Saxophonisten der seine israelischen und arabischen Wurzeln durch die Brille des Bebop betrachtet (Gilad Atzmon Quartet), und dem in Paris lebenden Kameruner Ben's Belinga, in dessen Musik Rollins Coltrane genauso durchscheint wie seine westafrikanische Heimat. Das Darmstädter Jazzforum ist eine Veranstaltung des städtischen Jazzinstituts Darmstadt. Es Das öffentliche Symposium im Literaturhaus Darmstadt ist kostenlos und ohne Anmeldung besuchbar. Für den Workshop mit Steven Bernstein am Samstag ist eine Anmeldung erforderlich (jazz@jazzinstitut.de). Für die Konzerte in der Centralstation (Freitag, Samstag) und in der Bessunger Knabenschule (Sonntag) gibt es Karten unter www.centralticket.de. Das genaue Programm findet sich unter www.jazzinstitut.de.

The theme of the 10th Darmstadt Jazzforum from October 4th to 7th, 2007, will be "Encounters. The World Meets Jazz". The Jazzforum's subject, though, is not so much "world music", than the fact that jazz was a productive music from its beginning, that musicians all over the world who took up jazz had to know and respect its roots as African-American music as well as had to contribute some of their own traditions. A three-day public conference (in German and English, no simultaneous translation) will focus on the subject theoretically, in papers by and discussions with scholars, journalists and musicians. Three concerts will provide the musical perspective with a concert "In the Spirit of Don Cherry (Karl Berger Sextet), music with Persian sound colors (Cyminology), a saxophonist who looks at his Israeli and Arabian roots through the eyes of a bebop musician (Gilar Atzmon Quartet), and an evening with Ben's Belinga, the Paris-based Cameroon saxophonist whose music refers to Rollins, Coltrane as well as his West African home. The Darmstadt Jazzforum is organized by the municipal Jazzinstitut Darmstadt. The public conference can be attended free of charge and without registration. A registration is needed, though, for the workshop with Steven Bernstein on Saturday (jazz@jazzinstitut.de). For the concerts at the Centralstation (Friday, Saturday) and at the Bessunger Knabenschule (Sunday) tickets can be ordered at www.centralticket.de. Extended program notes can be found at www.jazzinstitut.de.

Christian Scott

Die CD des Trompeters Christian Scott sei seiner durch Hurricane Katrina so stark zerstörten Heimatstadt New Orleans gewidmet, berichtet Christian Broecking in der Berliner Zeitung. Wenn er heute durch New Orleans gehe, dann möchte er am liebsten die eigene Regierung auf der Anklagebank sehen, die teure Kriege um Öl führt, während sich im eigenen Land internationale Hilfsorganisationen einschalten müssen. Als er vor sechs Jahren nach New York zog, merkte er, dass New Orleans auch vor der Katastrophe eine problematische Stadt gewesen sei; er könne verstehen, warum viele Menschen nicht mehr zurückkehren wollten. New Orleans sei schon immer gefährlicher gewesen als andere amerikanische Städte; Katrina habe das nur klarer sichtbar gemacht.

Trumpeter Christian Scott's new CD is dedicated to his hometown New Orleans, which was so heavily wrecked by Hurricane Katrina, as Christian Broecking reports in the Berliner Zeitung. When he moves around New Orleans today he would gladly see his national government in the dock, because it carries on a war about oil while international relief organizations have to come to the aid of the people in his own country. When he moved to New York six years ago, he realized that New Orleans always had been a problematic city, even before the catastrophe. He can understand that people decide not to return. New Orleans always was more dangerous than other American cities; Katrina only made this more apparent.

Brice Miller

Der Trompeter Brice Miller wurde als eine der interessanten jungen Musiker von New Orleans gehandelt, berichtet Erika Celeste für die Voice of America. Dann kam Hurricane Katrina. Er und seine Familie flohen nach Mississippi, und aus der Note heraus entwickelte Miller ein Schulprogramm für Jazz und Blues, das Schulen im Staat Mississippi angeboten wird. Im ersten Jahr wurde das Programm von der National Jazz Foundation of America finanziell unterstützt, so dass es für die Schulen kostenlos war. Zusammen mit befreundeten Musikern geht Miller dafür an die Schulen und zeigt den Kindern, wie Jazz und Blues mit der Musik zusammenhängt, die sie gern hören, also HipHop, Rap, Pop. Im letzten Jahr hat sein Programm etwa 8.000 bis 10.000 Schüler erreicht und ca. drei Dutzend Musikern Arbeit gegeben.

The trumpeter Brice Miller was seen as one of the most promising young musicians in New Orleans, reports Erika Celeste for the Voice of America. Then Hurricane Katrina struck. He and his family escaped to Mississippi where he developed a school program about jazz and blues. In the first year this program was underwritten by the National Jazz Foundation of America, and could be offered for free to the schools in the state of Mississippi. Together with musicians from New Orleans and Mississippi Miller shows the kids how jazz and blues relate to the music they like to listen to such as hip-hop, rap and pop. In the last year the program reached about 8.000 to 10.000 children and employed nearly three dozen musicians.

Arnvid Meyer

Der dänische Jazztrompeter Arnvid Meyer starb im Alter von 80 Jahren . Er begann in den 50er Jahren traditionellen Jazz zu spielen, gründete 1959 sein eigenes Sextett, begleitete Musiker wie Ben Webster bei Konzerten wie Plattenaufnahmen. 1971 gründete er Det Dansk Jazzcenter, ein großes Archiv, das anfangs in seinem Haus in Rønnede im Süden von Jütland, Dänemark, untergebracht war. 1997 ging die Sammlung größtenteils in den Besitz der Universitätsbibliothek von Odense über. Meyer saß 11 Jahre lang im Dänischen Musikrat. In den letzten Jahren arbeitete er an einer Diskographie zum dänischen Jazz, die in Kürze erscheinen soll. Meyers Sohn Cim ist Gründer und Herausgeber der dänischen Jazzzeitschrift Jazz Special. Nachruf: Berlingske Tidenden, International Herald Tribune.

The Danish jazz trumpeter Arnvid Meyer died at the age of 80. He started to play traditional jazz in the 50s, and in 1959 founded his own sextet, which he also accompanied musicians such as Ben Webster in concerts and recordings. In 1971 he founded The Danish Jazz Center, a huge collection and archive which at first was shelved in his house in Rønnede, in the south of Lutland, Denmark. In 1997 most of the collection was transferred to the university library in Odense. Meyer was active in the Danish Music Council for 11 years. In his last years he worked on a discography of Danish jazz, expected to be published soon. Meyer's son Cim is the founder and editor of the Danish jazz magazine Jazz Special. Obituary: Berlingske Tidenden, International Herald Tribune.

30. August 2007

Maria Schneider

Maria Schneider halte ihr Orchester schon seit 14 Jahren zusammen, berichtet Martin Johnson im Wall Street Journal. Als Arrangeurin sei sie von Gil Evans und Bob Brookmeyer beeinflusst und habe nach Evans' Tod (sie arbeitete einige Jahre als seine Assistentin) ihre eigene Bigband gegründet. Sie spiele zwar selbst Klavier, aber nicht auf der Bühne, wo sie die Band dirigiere. Bewegung sei ihr eine wichtige Inspiration, Musik und Körper gehörten zusammen. Um die Band am Laufen zu halten, sei sie auf Auftragskompositionen angewiesen, auf Konzerte, Workshops und den Erlös vom Verkauf ihrer CDs, die sie über ArtistShare vertreibt, ein Vertriebsmodell, bei dem die Künstler mehr an ihren eigenen Produkten verdienen können.

Maria Schneider keeps her orchestra going since 14 years, as Martin Johnson reports in the Wall Street Journal. As an arranger she had been influenced by Gil Evans and Bob Brookmeyer and had formed her own big band after Evan's death (whom she worked with as an assistant for some years). She does play the piano, but not on stage where she usually conducts the band. Movement is an important inspiration for her; music and the body belong together. To keep the band going she is dependent on commissions, concerts, workshops and the sales of her CDs which are released on ArtistShare, a new distribution model leaving the artists with more money from the sales than usual record deals.

Doug Riley

Der kanadische Pianist Doug Riley starb an 27. August auf dem Flughafen von Calgary, Kanada, an Herzversagen. Fats Waller, Albert Ammons und Ray Charles seien seine größten pianistischen Einflüsse gewesen. Mit seinem Ensemble Dr. Music hatte er in den 70er Jahren einige Top 20-Hits, arrangierte außerdem für verschiedene Sinfonieorchester, auch für Placido Domingo, ging ins Studio mit den Brecker Brothers, Ray Charles und vielen anderen. Nachruf: CBC.

The Canadian pianist Doug Riley died August 27th at the Calgary Airport of heart failure. As his pianistic influences he had named Fats Waller, Albert Ammons and Ray Charles. With his own ensemble Dr. Music he had produced several top 20 hits in the 70s. He also arranged music for symphony orchestras and for Placido Domingo; and he recorded with the Brecker Brothers, Ray Charles and many others. Obituary: CBC.

Grace Kelly

Phil Woods habe der 15jährigen Altsaxophonistin Grace Kelly im letzten Jahr auf der Bühne seine schwarze Lederkappe geschenkt, berichtet Owen McNally im The Hartford Courant. Er sei einfach begeistert gewesen von ihrer Interpretation des Standards "I'll Remember April". Er habe nie zuvor einem Altsaxophonisten eine seiner Kappen geschenkt, sagte Woods und ergänzt: "Hurrah für die Zukunft des Jazz und des Altsaxophons!" Kelly trägt die Kappe jetzt bei jedem Auftritt. In Boston geht sie zur High School, nebenbei hat sie aber auch schon in der Carnegie Hall oder im Dizzy's Club Coca Cola gespielt. Sie habe etliche Preise eingeheimst und bereits drei CDs eingespielt. Ob ihr Name manchmal Probleme bereite? Nein, die meisten ihrer Freunde haben gar keine Ahnung, wer die andere Grace Kelly eigentlich war. Sie ist auch nicht nach der Schauspielerin benannt worden, wurde ursprünglich als Grace Chung geboren und erhielt den neuen Nachnamen, als ihre Mutter zum zweiten Mal heiratete - einen Robert Kelly. Ihre Mutter habe immer Stan Getz zum Frühstück gehört. Das habe ihr aber nicht geschadet in ihrer normalen Entwicklung: Sie gehe gern ins Kino, liebe es Tanzen zu gehen, und habe auch schon einen Freund gehabt.

Phil Woods presented his black leather cap to the 15-year old alto saxophonist Grace Kelly on stage last year, as Owen McNally reports in The Hartford Courant. He was enthusiastic about her interpretation of the standard "I'll Remember April". Never before had he presented one of his caps to an alto saxophonist, he said and adds: "Hooray for the future of jazz and the alto saxophone!" Kelly wears the cap for each of her gigs. She attends high school in Boston, but has already performed at Carnegie Hall and Dizzy's Club Coca Cola. She has won several prizes and recorded three CDs. Whether she has faced any problems because of her name? No, most of her friends have no idea who the other Grace Kelly actually was. She had not been named after the actress, but was originally born as Grace Chung. Only when her mother married Robert Kelly, she received the new surname. Her mother always used to listen to Stan Getz for breakfast. All of this, though, has not done her any harm. She is a normal teenager, loves to go to the movies, to dance and has already had a boyfriend.

Julien Lourau

Dem Saxophonisten Julien Lourau darf beim Festival Jazz à la Villette ein Programm nach eigenem Gusto anbieten, berichten Dominique Queillé in der Libération und Vincent Fertey in Le Figaro. Neben ihm spielen Wayne Shorter, den er als Saxophonist, aber auch als Komponist bewundert, und Steve Coleman, den er seit dessen M-Base-Tagen kenne. Er selbst könne beim Festival drei eigene Projekte vorstellen, seine Zusammenarbeit mit DJ Jeff Sharel, die eine Art Hommage sei an die Chicagoer House-Musik der 90er Jahre; ein afro-kubanisches Projekt namens Rumbabierta, bei dem auch der Flötist Orlando Maraca Valle mitwirke; sowie das Quartett Saigon mit Laurent Coq, mit dem er schon seit langem zusammenspiele, auch wenn die Idee zu diesem Projekt erst letztes Jahr, erst in Haiti, dann in Vietnam entstanden sei.

The saxophonist Julien Lourau gets a carte blanche for his concert at the festival Jazz à la Villette, as Dominique Queillé reports in Libération and Vincent Fertey in Le Figaro. He plays besides Wayne Shorter whom he loves as a saxophonist but also as a composer, and Steve Coleman whom he knows since his M-Base days. Lourau presents three projects during the festival: his new collaboration with the DJ Jeff Sharel which is kind of an homage to Chicago house music of the 90s; an Afro-Cuban project named Rumbabierta in which he is joined by the flutist Orlando Maraca Valle; and with his longtime friend Laurent Coq in the quartet Saigon, a project they developed last year, first in Haiti, then in Vietnam.

Enrico Rava

Wenn man Musik beschreiben könnte, wäre es ja nicht mehr nötig, sie zu spielen, sagt Enrico Rava im Interview mit Régis Tremblay für Le Soleil (Québec). Als er Miles Davis 1958 im Konzert mit Lester Young und Kenny Clarke gehört habe, habe er seine Posaune zur Seite gelegt und sich eine Trompete angeschafft. Davis sei sein ganzes Leben lang sein größter Einfluss gewesen, er habe schließlich die ganze Welt beeinflusst. Nach 1967 habe er, Rava, mit Davis allerdings nicht mehr so viel anzufangen gewusst. 1969 sei er nach New York gezogen, wo er Anfang der 70er Jahre großartige Möglichkeiten gehabt habe, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten, Musikern, Filmemachern. Heute gäbe es in Italien und Frankreich jede Menge spannender junger Musiker. In Amerika sei die Situation dagegen ein wenig statischer, um nicht zu sagen stagnierend. Dass Jazz heute in Frankreich und Italien eine so wichtige Rolle spiele, sei vielleicht auch eine Art Heimkehr, schließlich hätten italienische und französische Emigranten in der Geschichte des Jazz in New Orleans durchaus eine Rolle gespielt. Der Jazz sei von Anfang an eine internationale Musik gewesen.

If you can describe music it would not be necessary to play it, Enrico Rava tells Régis Tremblay in an interview for Le Soleil (Québec). When he heard Miles Davis live in concert in 1958 with Lester Young and Kenny Clarke, he put his trombone aside and took up the trumpet. Davis was the biggest influence all his life, as he had been a big influence on all the world. Davis' recordings from after 1967, though, don't quite make Rava's list. In 1969 he moved to New York where in the early 70s he had wonderful possibilities to work with other artists, musicians, film makers. Today, there are many young and talented musicians in Italy and France. In America the situation seems a bit more static, if not to say stagnant. The fact that jazz is of such big importance in France and Italy today, can be seen as a sort of homecoming. After all, Italian and French immigrants played an important role in the development of jazz in New Orleans. From its beginning jazz always had been an international music.

29. August 2007

John Coltrane

Im New York Newsday hinterfragt Curtis Stephens John Coltrane als Vorbild für unsere heutige Zeit. Als Musiker sei er immer bewundert und in diesem Jahr ja auch durch einen Ehren-Pulitzerpreis geehrt worden. Als Mensch aber habe er einen schweren Weg gehen müssen: Geboren im tiefsten Süden, verlor er den Vater mit 13 Jahren und wuchs bei seinen Großeltern auf. Bald nachdem er seine Musikerkarriere begann, verfiel er dem Heroin und dem Alkohol. Dann habe er eine "geistige Erweckung" erfahren und die Sucht allein durch die Kraft des Willens aufgegeben. In der Musik habe er eine Möglichkeit gesehen, gegen Rassismus und Vorurteile zu wirken. Stephens erzählt, dass er in seiner Jugend Jazzgeschichte als nostalgische Vergangenheit gesehen hätte bis er sich während eines Jazzkurses an der Hochschule näher mit der Musik und dem Leben der Musiker befasst habe. Da habe er erkannt, dass die Jazzer in ihrem absoluten Willen, sich selbst auszudrücken noch heute zu einem sprechen. Der Rapper Common, erklärt Stephens, würde in seinen Texten laufend auf Coltrane verweisen; die Tatsache, dass sein letztes Album die Top 10 der Billboard Charts erklommen habe, sei auch ein Tribut an Coltranes Leben und Musik.

In the New York Newsday Curtis Stephens discusses John Coltrane as a role model for today. Coltrane had been a revered saxophonist and just this year was honored with an honorary Pulitzer Prize citation. As a human being he had a hard road to go: Born in the Deep South, he lost his father at the age of 13 and grew up with his grant parents. Soon after he started his musicians' career, he developed addictions to heroin and alcohol. A "spiritual awakening" helped him to quit his addictions through mental fortitude. Music, he believed, could help overcome racism and prejudices. Stephens recalls how he himself saw jazz as a nostalgic thing from the past in his youth until he studied the music and the life of the great jazz musicians in his senior year at university. Only then he realized that the jazz musicians' power to express themselves can speak to everybody today as well. The rap artist Common, Stephens explains, regularly mentions Coltrane in his lyrics; the fact that Common's last album made the top 10 on the Billboard charts can also be seen as a tribute to Coltrane's life and music.

Richard Cook

Der britische Jazzkritiker Richard Cook starb am 25. August im Alter von nur 50 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Cook war als Herausgeber an den Jazzmagazinen The Wire und Jazz Review beteiligt gewesen, hatte zusammen mit Brian Morton den umfassenden Penguin Guide to Jazz Recordings verfasst, ein Buch über das Blue Note-Label geschrieben sowie seinen eigenen "Richard Cook's Jazz Companion". Nachruf: NME, The Independent.

The British jazz critic Richard Cook died August 25th at the age of only 50 after a sudden recurrence of the cancer he was diagnosed with last year. Cook had been part of the editors' teams of the jazz journals The Wire and Jazz Review at times. Together with Brian Morton he had edited the comprehensive Penguin Guide to Jazz Recordings. He was the author of a book about the Blue Note label as well as of his own "Richard Cook's Jazz Companion". Obituary: NME, The Independent.

28. August 2007

George Lewis

Christian Broecking berichtet in der tageszeitung, dass der Posaunist George Lewis jüngst zum Direktor des Center of Jazz Studies an der Columbia University in New York ernannt wurde, wo er seit 2004 als Professor für Musiktheorie und Musikgeschichte lehre. Lewis habe Segregation noch erlebt im Chicago seiner Kindheit. Als Hochbegabter erhielt er damals ein Stipendium für eine Privatschule, auf der er einer der wenigen Schwarzen war (und wo er unter anderem auch Deutsch und Französisch lernte). Als ersten Event seiner neuen Position an der Columbia University führe er im Herbst eine Konferenz zum Thema "Jazz in the Global Imagination" durch.

In die tageszeitung Christian Broecking reports that the trombonist George Lewis has been appointed director of the Center of Jazz Studies at Columbia University in New York where he teaches as a professor of music theory and music history since 2004. Lewis experienced segregation himself as a child. As a highly gifted student he received a scholarship for a private school where he was one of the few Black students (and where he also learned to speak German and French). One of the first events of his new position at Columbia will be a conference held in fall about "Jazz in the Global Imagination".

Youssou N'Dour

Véronique Mortaigne stellt in Le Monde den senegalesischen Sänger Youssou N'Dour als einen politisch bewussten populären Sänger vor, der beim musikalischen Protest zum G8-Gipfel in Rostock dabei war, 2003 eine amerikanische Tournee aus Protest gegen den Irakkrieg abgesagt hatte, und in Montreux auf den Massenmord in Darfour aufmerksam machte. Er sei ein Freund des senegalesischen Präsidenten, besitze ein Plattenlabel, habe eine Internetplattform, einen Radiosender und eine Zeitung gegründet. Die Afrikaner seien nicht genügend informiert, sagt er. Seine Mutter habe 1985 keine Ahnung gehabt, was Apartheid sei. Daher sehe er es als eine seiner Aufgaben an, die Menschen auch über politische wie soziale Missstände aufzuklären.

In Le Monde Véronique Mortaigne writes about the Senegalese singer Youssou N'Dour as a politically conscious musician, who performed at the musical protest during the G8 meeting in Rostock, who cancelled an American tour in 2003 as a protest against the war in Iraq, and who recently in Montreux voiced his opinion about the mass murders in Darfour. He is a friend of the Senegalese president, owns a record label, and founded an internet platform, a radio station as well as a newspaper. The Africans are badly ill-informed, he says. When he asked own mother about apartheid in 1985, she had no idea what it meant. Thus, he sees it as one of his tasks to tell the people about political and social injustices.

Charlie Parker Jazz Festival

Ben Ratliff berichtet in der New York Times über das Charlie Parker Jazz Festival. Für Abbey Lincoln sprang Cassandra Wilson ein, Chico Hamilton trat mit seiner Band Euphoria auf, außerdem waren der Saxophonist Todd Williams und der Trompeter Maurice Brown zu hören.

In the New York Times Ben Ratliff reviews the Charlie Parker Jazz Festival. Abbey Lincoln couldn't make it and was replaced by Cassandra Wilson. Chico Hamilton performed with his band Euphoria; others to be heard were the saxophonist Todd Williams and the trumpeter Maurice Brown.

New Orleans National Jazz Center

Nicolai Ouroussoff stellt in der New York Times das Architekturprojekt eines New Orleans National Jazz Center vor (und es wird nicht ganz klar, ob diese Pläne mit den am Vortag berichteten zum Jazzmuseum in New Orleans zusammenhängen). Ein riesiges Projekt, im Bild kann man glasfrontenes Gebäude in der Nähe der Riverfront sehen, das uns Darmstädter durchaus an unser neues Kongresszentrum "Darmstadtium" erinnert. Ob und wann dieser Architekturtraum Wirklichkeit werden stehe allerdings noch in den Sternen.

In the New York Times Nicolai Ourossoff writes about the architectural project of a New Orleans National Jazz Center (and we do not quite know whether these plans have anything to do with the New Orleans Jazz Museum reported about in yesterday's New Orleans Times-Picayune [see below]). It's a gigantic project. A picture shows the glass front of the proposed building near the riverfront; and we in Darmstadt are kind of reminded of our own new congress center named "Darmstadtium". Whether, and, if so, when this architectural dream will become a reality, is not yet clear.

27. August 2007

New Orleans Jazz Museum

Leslie Williams berichtet über Aussichten für das die Old U.S. Mint in New Orleans, 12 Millionen Dollar aus Bundesgeldern zu erhalten, um damit ein "Weltklasse-Jazz-Museum" aufzubauen (New Orleans Times-Picayune). Die National Park Service-Behörde plant ein Joint Venture mit dem Louisiana State Museum, eine fast 2.000 qm große interaktive Ausstellungsfläche mit Bühne und Unterrichtsräumen zu schaffen. Der Staat Louisiana hat seinerseits bereits 6 Millionen Dollar in sein Budget eingeplant, jetzt sei man zuversichtlich, dass der Kongress im Oktober die restlichen 6 Millionen Dollar bewilligen werde. Man habe bereits begonnen nach einem Kurator des Jazzmuseums zu suchen. Das neue Museum würde endlich die Ausstellungsstücke wieder öffentlich zeigen, die seit Hurricane Katrina in einem Lagerhaus untergebracht sind, darunter Instrumente, die von bedeutenden Musikern (etwa Louis Armstrong) gespielt wurden, ca. 10.000 Fotos, Tonträger in verschiedenen Formaten, Plakate, Gemälde und Musiknoten.

Leslie Williams reports about the prospects for the Old U.S. Mint in New Orleans to receive 12 million dollars of federal money to create a "world class jazz museum" (New Orleans Times-Picayune). The National Park Service plans a joint venture with the Louisiana State Museum to create a 20,000-square-foot exhibition space including a performance space as well as classrooms. The state of Louisiana had already set aside 6 million dollars in its budget to match the 6 million dollars, one is confident Congress will approve in October. The Louisiana State Museum has also started to search for a jazz curator. The new museum would ensure the return of the Mint's jazz collection which had been in storage after Hurricane Katrina damaged the museum's roof. If realized the public would be able again to see instruments played by important jazz musicians (such as Louis Armstrong), more than 10,000 photographs, recordings in formats from piano roll to digital, posters, paintings and sheet music.

Art Blakey

Nahe dem Haus im Hill District Pittsburghs, in dem er seine Kindheit verbrachte, wurde eine Gedenktafel an den Schlagzeuger Art Blakey enthüllt, wie Justin Vellucci berichtet (Pittsburgh Tribune-Review). Senator Jim Ferlo war anwesend, desgleichen Familienangehörige und Musiker, die nach der Enthüllung für fast zwei Stunden Musik sorgten, davon viel aus Blakeys Repertoire. Die Ehrung sei wichtig für die Pittsburgher Jazzszene und sei ein voller Erfolg gewesen, auch wenn die Nachricht vom Tod Blakeys ältester Tochter, Evelyn Blakey, 10 Tage zuvor, die Stimmung ein wenig trübte.

Justin Velucci reports that a historical marker was unveiled near Art Blakey's childhood home in Pittsburgh's Hill District (Pittsburgh Tribune-Review). Senator Jim Ferlo was present for the event as were family members and musicians who after the unveiling played for about two hours, much of the music coming from Blakey's repertoire. The event was important for the Pittsburgh jazz scene and was a full success, even though bleared by the news of the passing of Blakey's oldest daughter, Evelyn Blakey, ten days before.

Troy Andrews

Nur die Hälfte seiner Freunde seien nach dem Hurricane Katrina nach New Orleans zurückgekehrt, erzählt der Posaunist Troy Andrews der Journalistin Edna Gundersen, die ihn als einen jener Musiker vorstellt, der in seiner Heimatstadt blieb, Optimismus ausstrahlt und versucht, bei all den Problemen, mit denen New Orleans zu kämpfen hat, den Blick in eine kreative Zukunft nicht zu vergessen (USA Today). Andrews hat in den letzten Jahren einen Karrieresprung gemacht, tourte mit Lenny Kravitz, und eröffnete mit U2 und Green Day den renovierten Superdome. Er sei durchaus dafür kritisiert worden, dass er über die Grenzen des Jazz hinwegblickte, aber das sei ihm egal. Er besäße nun mal nicht solche stilstischen Scheuklappen.

Only half of his friends returned to New Orleans after Hurricane Katrina, Troy Andrews tells Edna Gundersen who portrays the trombonist as one of those musicians who stayed in their hometown to spread optimism and try to keep the eyes open to a creative future, no matter how many problems New Orleans has to fight (USA Today). Andrews has had quite a career in the last years, touring with Lenny Kravitz and performing together with U2 and Green Day at the re-opening of the Superdome. He had been criticized for selling out, but he doesn't care. He doesn't want to wear stylistic blinders.

New Orleans

Teresa Wiltz berichtet in einem ausführlichen Artikel in der Washington Post über die bis heute andauernden Probleme von Musikern aus New Orleans nach dem Hurricane Katrina, spricht mit Musikern wie John Boutte, Lumar LeBlanc, Ivan Neville, Bill Summers, John Moore und anderen. Für die Nachrichtenagentur AP berichtet Becky Bohrer über dasselbe Thema (San Francisco Chronicle) und spricht mit Deacon John Moore, dem Präsidenten der lokalen Musikergewerkschaft, sowie mit dem Saxophonisten Travis Blotsky. Auch Steve Hochman macht das Thema Musik im heutigen New Orleans zum Thema (Los Angeles Times). Er spricht mit dem Sänger Al "Carnival Time" Johnson, Ivan Neville, Benjamin Jaffe von der legendären Preservation Hall, Alex Rawls, dem Herausgeber der Stadtzeitschrift OffBeat, dem Radio-DJ Dave Freedman, Lumar LeBlanc und dem Trompeter Terence Blanchard. Fazit: Die Musik sei stiller geworden, die Situation in New Orleans ist nach wie vor unbeschreiblich und das Trauma, das die Menschen erlitten, noch lange nicht vorbei. Der legendären Fröhlichkeit von New Orleans sei durch Katrina Furcht beigemischt worden. Und dieses neue Lebensgefühl werde sicher auch in zukünftiger Musik seinen Widerhall finden. Last not least berichtet auch Katy Reckdahl im Lokalblatt von New Orleans über die Situation der Musiker in ihrer Stadt (New Orleans Times-Picayune). Auch sie spricht mit John Deacon, außerdem mit dem Saxophonisten Roger Lewis, dem Gitarristen Detroit Brooks, dem Schlagzeuger Tony Bazley und mit Scott Aiges von der New Orleans Jazz and Heritage Foundation.

In an extensive article for the Washington Post, Teresa Wiltz reports on the problems New Orleans musicians still have after Hurricane Katrina. She speaks to musicians like John Boutte, Lumar LeBlanc, Ivan Neville, Bill Summers, John Moore and others. Becky Bohrer reports about the same subject for the news agency AP (San Francisco Chronicle), talking to Deacon John Moore, the president of the local musicians' union, as well as to the saxophonist Travis Blotsky. Steve Hochman, too, writes about music in today's New Orleans (Los Angeles Times). He talks to the singer Al "Carnival Time" Johnson, to Ivan Neville, Benjamin Jaffe, the owner of the legendary Preservation Hall, to Alex Rawls, editor of the city paper OffBeat, to the radio DJ Dave Freedman, to Lumar LeBlanc and to the trumpeter Terence Blanchard. Conclusion: The music has become less loud; the situation in New Orleans is still indescribable. The trauma lived through by the people will take much longer to overcome. The legendary cheerfulness of New Orleans still exists, but some fear has been added through Katrina. And this new kind of attitude towards life certainly will be reflected in the music to come. Last not least Katy Reckdahl writes about the situation of New Orleans musicians in the local newspaper of her hometown (New Orleans Times-Picayune). She, too, speaks with John Deacon, but also with the saxophonist Roger Lewis, the guitarist Detroit Brooks, the drummer Tony Bazley and with Scott Aiges from the New Orleans jazz and Heritage Foundation.


26. August 2007

Renee Rosnes & Bill Charlap

Die beiden Pianisten Renee Rosnes und Bill Charlap haben am Samstag im New Yorker Dizzy's Club Coca Cola geheiratet (New York Times). Beide sind erfolgreiche Musiker, die international tourten und regelmäßig in den wichtigsten New Yorker Clubs auftreten. 2003 hätten sie in Japan zum ersten Mal auf der Bühne zusammengespielt. Beide hätten bereits eine Ehe hinter sich.

The two pianists Renee Rosnes and Bill Charlap got married on Saturday at New York's Dizzy's Club Coca Cola (New York Times). Both are successful musicians, who have toured internationally and regularly perform at the most important New York clubs. In 2003 they performed together for the first time on a Japanese stage. Both had been married once before.

Sophie Milman

Ihr Vater, erzählt die Sängerin Sophie Milman dem Journalisten Don Heckman, hätte in Russland, wo sie geboren wurde eine große Jazz-Plattensammlung gehabt (Los Angeles Times). Mit sieben zog die Familie nach Israel, und ihre Eltern machten sich einen Spaß daraus, sie darum zu bitten, irgendetwas zu singen - Deep Purple, Disney, Jazz, Mahalia Jackson oder Stevie Wonder. Sie habe all die Lieder gekannt, und wo sie den Text nicht verstanden habe, habe sie einfach eigene Worte eingefügt. Mit 15 zog sie nach Kanada und sieht ihren Status als Immigrantin durchaus als eine Erklärung dafür, warum sie Jazz liebe und gerne Bücher lese - in beidem habe sie immer Trost gefunden.

In her native Russia, her father had a large jazz record collection, as the singer Sophie Milman tells Don Heckman (Los Angeles Times). At the age of seven the family moved to Israel, and her parents used to have fun calling for just any tune - Deep Purple, Disney, jazz, Mahalia Jackson or Stevie Wonder. She knew all the songs, and if she had not understood the lyrics correctly, she made some up herself, "sort of filled in". At the age of 15 she moved to Canada, and she thinks that her status as an immigrant might be an explanation for her deep love for jazz and books - in both she always found solace.

25. August 2007

Max Roach

Mehr als 2.000 Menschen nahmen am Freitag während einer Trauerfeier in der New Yorker Riverside Church Abschied vom Schlagzeuger Max Roach, der am 16. August gestorben war (New York Times, Bloomberg.com). Zu den Rednern der Trauerfeier gehörten Bill Cosby, sowie je ein Bundes- und ein Staatspolitiker. Musik kam unter anderem von Dr. Billy Taylor und Randy Weston, von Cassandra Wilson, Gary Bartz und Jimmy Heath. Amiri Baraka steuerte ein Gedicht bei. Auch Sonny Rollins, Ron Carter und Ornette Coleman reihten sich in die Schlange der Menschen ein, die sich von Roach am offenen Sarg verabschieden wollten.

More than 2,000 people attended a funeral service at New York's Riverside Church on Friday dedicated to the drummer Max Roach who had died August 16th (New York Times, Bloomberg.com). Among the speakers were Bill Cosby, as well as a federal and a state politician. Music came from Dr. Billy Taylor and Randy Weston, from Cassandra Wilson, Gary Bartz and Jimmy Heath. Amiri Baraka read a poem dedicated to Roach. Sonny Rollins, Ron Carter and Ornette Coleman were among those standing in line to pay their last farewell to Roach whose body lay in an open casket.

Paul Bley

Ueli Bernays spricht mit dem kanadischen Pianisten Paul Bley über sein neues Album "Solo in Mondsee" (Neue Zürcher Zeitung). ECM-Produzent Manfred Eicher sei auf die Idee gekommen, die Soloplatte in der inspirierenden Atmosphäre von Schloss Mondsee in den österreichischen Alpen aufzunehmen. Die Musik sei frei aus der Improvisation heraus entwickelt worden, ohne Vorbereitung. Bley arbeite am liebsten mit dem "leeren Blatt", auf dem er dann auf eine Landschaft oder auf Stimmungen reagieren könne. Konzerte seien ihm das liebste, und er nähme das Publikum dabei durchaus wahr. Es sei wie eine Art Stierkampf, in dem man alles riskiere. Die Gefahr in der Musik bestehe beispielsweise im Problem, nicht originell genug zu sein. Im Jazz wolle man halt nicht vorher wissen, was in der Schachtel sei. Und auch ihm sei es wichtig, bei jedem Konzert etwas Neues zu entdecken. Bei aller Freiheit denkt er, dass man durchaus noch hören können sollte, dass er schließlich auch mal mit Lester Young und Charlie Parker gespielt habe.

Ueli Bernays talks to the Canadian pianist Paul Bley about his new album "Solo in Mondsee" (Neue Zürcher Zeitung). It was ECM producer Manfred Eicher's idea to record the solo album in the inspiring setting of Schloss Mondsee in the Austrian Alps. The music had been developed out of the improvisation, without any preparation. Bley likes best to work with a "blank page" on which he can more easily react to the landscape or to moods. He likes concerts most, and he does notice the presence of his audience. It is a bit like a bullfight in which one risks everything. The danger within music can be the problem to not be original enough. In jazz one does not want to know in advance what is in the box. It is important for him to discover something new in each of his concerts. Even though musical freedom is a major part in his music he hopes that one can also hear the fact that at one point he had played with both Lester Young and Charlie Parker.

Noël Akchoté

Der französische Gitarrist Noël Akchoté darf für das Festival in Mulhouse ein Carte-Blanche-Programm ausrichten, wie Francis Marmande berichtet (Le Monde). Er habe sich entschieden, solistisch aufzutreten, ein Programm mit Kylie-Minogue-Lieder zu spielen, eine Hommage an die Gitarristen des Jazz zu spielen, von Blind Blake über John Fahey, Larry Coryell, René Thomas bis zu Derek Bailey und Freddie Green, sowie mit zwei englischen Kollegen im Trio aufzutreten, Andrew Sharpley und Steve Beresford. Er sei zwar in vielen Genres aktiv, sähe sich selbst allerdings als Jazzmusiker durch und durch.

The French guitarist Noël Akchoté has been allowed to produce a carte blanche program at this year's Mulhouse Jazz Festival, as Francis Marmande reports (Le Monde). He decided to perform as a soloist, play a program of Kylie Minogue songs, also an homage to the guitarists of jazz, from Blind Blake, John Fahey, Larry Coryell, René Thomas up to Derek Bailey and Freddie Green, finally to perform with two English colleagues, Andrew Sharpley and Steve Beresford. He is active in many genres, but sees himself as a jazz musician through and through.

24. August 2007

Joshua Redman

Joshua Redman war bereits an der Yale Law School angenommen worden, als er sich stattdessen für eine Musikerkarriere entschied, wie Stefan Hentz berichtet (Neue Zürcher Zeitung). Sein Vater Dewey Redman habe ihm bei seinem ersten Album noch etwas geholfen, dann hätten sich ihre Wege wieder getrennt. In den 90er Jahren sei Joshua einer der "young lions" gewesen, die mit traditionellen Elementen, aber auf eine zeitgenössische Art arbeiteten. Vor einigen Jahren habe er die Leitung der SFJazz Collective übernommen, eines organisatorischen wie ästhetischen Gegenmodells zum Lincoln Center Jazz Orchestra. In jüngster Zeit aber konzentriere er sich mehr auf die Arbeit mit seinem Trio. Das Trio ermögliche ein Mehr an Freiheit und Intensität, wenn es auch erheblich stärkere Konzentration einfordere. Auf seinem Album "Back East" fühle man den Einfluss Sonny Rollins', aber Redman stelle der Jazzgeschichte dabei auch neue Komponenten gegenüber, einschließlich Einflüssen aus indischer und afrikanischer Musik oder solcher aus dem Mittleren Osten. Die Jazzgeschichte sei ihm nur dann wichtig, wenn sie zu ihm spräche. Jazz sei eine lebendige Sprache, sagt Redman, die er auf seine Art und Weise zu sprechen gelernt habe.

Joshua Redman was accepted at the Yale Law School when he decided to take up a musicians' career, writes Stefan Hentz (Neue Zürcher Zeitung). His father Dewey Redman helped him with his first album, then the two went their own ways again. In the 90s Joshua became one of the "young lions" working with traditional elements in a contemporary musical language. Some time ago he took over the SF Jazz Collective, an organizational and aesthetic counter model to the Lincoln Center Jazz Orchestra. Lately, though, he concentrates mostly on working with his trio. The trio enables freedom and intensity, even though it asks for heightened concentration. On his album "Back East" a strong Sonny Rollins' influence can be felt, but Redman confronts jazz history with new components as well, including influences from Indian, Middle Eastern or African music. Jazz history for him is only important if the music talks to him. Jazz is a living language, Redman says, which he learned to speak in his own way.

Herbie Hancock

Herbie Hancocks neuestes Projekt sei ein Tribut an die Sängerin Joni Mitchell, berichtet Christopher John Treacy (Boston Herald). Neben allen anderen Talenten sei sie eine wirklich gute Jazzsängerin gewesen, sagt Hancock. In seinem neuen Album sei er zum ersten Mal von den Texten als Grundlage der Musik ausgegangen. Mitchells langjähriger musikalischer Partner und Exehemann Larry Klein habe ihn beraten. Als Vokalisten seien Norah Jones, Tina Turner, Luciana Souza, Leonard Cohen and Corinne Bailey Rae mit von der Partie. Er hätte Joni gebeten, einen Text für "Nefertiti" zu schreiben, aber sie habe dazu leider keine Zeit gehabt. Wie Mitchell ansonsten zu Hancocks Projekt steht, berichtet Treacy nicht.

Herbie Hancock's newest project is a tribute album to the singer Joni Mitchell, as Christopher John Treacy reports (Boston Herald). Next to all her other talents she was a really good jazz singer, Hancock explains. On this album, for the first time in his musical career he made lyrics the foundation of the music. Mitchell's longtime musical partner and ex-husband Larry Klein assisted him when any questions arose. As vocalists he engaged the help of Norah Jones, Tina Turner, Luciana Souza, Leonard Cohen and Corinne Bailey Rae. He asked Joni to write a new text for "Nefertiti", but she didn't have the time. Treacy does not report how Mitchell thinks about Hancock's project.

Adonis Rose

Den aus New Orleans stammenden Schlagzeuger Adonis Rose hat es nach dem Hurricane Katrina nach Fort Worth, Texas, verschlagen, wo er jetzt das Fort Worth Jazz Orchestra gründete, wie Minnie Payne berichtet (Dallas Voice). Sein Vater habe ihm das Selbstbewusstsein gegeben, das es brauchte, ein guter Schlagzeuger zu sein, erzählt Rose. Nach der High School habe er das Angebot für ein Stipendium fürs Berklee College erhalten, sich stattdessen aber entschlossen, mit dem Trompeter Terence Blanchard auf Tour zu gehen. Nebenbei habe er dann dennoch zwei Jahre in Berklee studiert. Mit dem Fort Worth Jazz Orchestra wolle er jungen Musikern in der Stadt eine professionelle Chance geben. Sein Ziel sei es, ein festes Orchester zu etablieren, dessen Musiker ein regelmäßiges Gehalt erhielten.

Drummer Adonis Rose was displaced to Forth Worth, Texas, after Hurricane Katrina. There he has founded the Fort Worth Jazz Orchestra, as Minnie Payne reports (Dallas Voice). His father had given him the self confidence needed to become a good drummer, Rose says. After high school he had an offer for a scholarship for Berklee College, but instead went on tour with the trumpeter Terence Blanchard. On the side he ended up studying at Berklee for two years, nevertheless. With the Fort Worth Jazz Orchestra he wants to give young musicians a chance for a professional life in the city. His aim is to establish a solid orchestra whose musicians receive a monthly salary.

Dave Holland

Er sei unheimlich schüchtern gewesen, als er in den 60er Jahren mit Miles Davis und Thelonious Monk gespielt habe, berichtet Kontrabassist Dave Holland dem Journalisten Patrick Cole (Bloomberg.com). Inzwischen habe er gelernt, mit seinem Lampenfieber umzugehen. Saxophonist Antonio Hart attestiert Holland, ein guter Bandleader zu sein, weil er seinen Musikern erlaube, sie selbst zu bleiben. Er arbeite am liebsten mit Profis zusammen, sagt Holland, denen er nicht mehr erklären müsse, was zu tun sei, und die ihn überraschen können. Für nächstes Jahr plant der Bassist ein Duoalbum mit dem spanischen Flamenco-Gitarrenvirtuosen Pepe Habichuela.

He was extremely shy when he played with Miles Davis and Thelonious Monk in the 60s, bassist Dave Holland tells Patrick Cole (Bloomberg.com). Meanwhile he has learned to deal with his stage fright. The saxophonist Antonio Hart attests that Holland is a good bandleader because he allows his band members to be themselves. He prefers to work with professional musicians whom he doesn't have to tell what to do and who are able to surprise him. For next year he plans to record a duo album with the Spanish flamenco guitar virtuoso Pepe Habichuela.

Joe Zawinul (2)

Joe Zawinul, der am 8. August ins Wiener Wilhelminenspital gekommen ist, hat sein Pariser Konzert für den 6. September abgesagt. Der österreichischen Presse (und Verwandten des Pianisten) zufolge lasse sich Zawinul wegen einer Art von Hautkrebs behandeln (Nouvel Observateur, Krone.at).

Joe Zawinul who had been hospitalized at Vienna's Wilhelminenspital on August 8th, has canceled his Paris concert for September 6th. The Austrian Press as well as relatives of the pianist report that Zawinul is being treated for some kind of skin cancer (Nouvel Observateur, Krone.at).

23. August 2007

Henry Threadgill

Andreas Felber sprach mit dem Saxophonisten und Komponisten Henry Threadgill über seine Anfänge in der Musikerkooperative AACM (Der Standard). Die Mitglieder der AACM hätten sich als eine Art Universalisten verstanden, hätten keinen Grund gesehen irgendetwas auszuschließen aus dem, woher sie sich beeinflussen ließen. Er sehe sich selbst weniger als Amerikaner denn vielmehr als Erdenbürger. Wann immer er das Gefühl habe, mit einem Projekt genügend gesagt zu haben, wende er sich einem neuen zu. Seit 2001 arbeite er beispielsweise mit seinem Sextett Zooid, das eine farbenreiche Kammermusik spiele. Die Kompositionstechnik, die er für dieses Ensemble entwickelt habe, sei "seriell-chromatisch". Was er zur musikalischen Entwicklung von Cassandra Wilson sage, die in den 80er Jahren mit ihm zusammengearbeitet hatte, fragt Felber. Naja, sie scheine ja wohl von dem überzeugt zu sein, was sie mache. Seine Sache allerdings sei es eher, eigenes Material zu komponieren anstatt Repertoire zu interpretieren.

Andreas Felber talked to the saxophonist and composer Henry Threadgill about his beginnings in the musicians' cooperative AACM (Der Standard). AACM members understood themselves as some kind of universalists and didn't see a reason to exclude anything from the influences they used for their music. He thinks of himself less as born in America than as born on planet Earth. Whenever he has the feeling that he has said enough with one of his projects he approaches a new one. Since 2001 he works with his sextet Zooid which plays a colorful kind of chamber music. Threadgill calls the composition technique he has developed for this ensemble "serial chromatic". Felber asks for his opinion about the singer Cassandra Wilson who worked with Threadgill in the 80s. Well, she seems to be convinced with what she's doing, the saxophonist responds, but personally, he is more interested in composing his own material than in interpreting repertoire.

Mobo Awards

Nachdem es im letzten Jahr Proteste gab, weil der Jazz als Stilkategorie von den Mobo Awards ("Music of Black Origin") ausgeschlossen war, wurde er in diesem Jahr wieder berücksichtigt, wie Helen Pidd berichtet (Guardian). Nominiert wurden Abram Wilson, Byron Wallen, Dee Dee Bridgewater, Soweto Kinch und Wynton Marsalis.

After last year's protests against the elimination of the jazz category from the Mobo Awards ("Music of Black Origin"), it has been reinstated this year, as Helen Pidd reports (Guardian). The nominees are Abram Wilson, Byron Wallen, Dee Dee Bridgewater, Soweto Kinch and Wynton Marsalis.

22. August 2007

Michel Portal

Der Klarinettist, Saxophonist und Bandoneonist Michel Portal spiele an allen Fronten: Klassik, zeitgenössische Musik und Jazz, berichtet Francis Marmande (Le Monde). Er habe manchmal selbst das Gefühl, das er sich multipliziere, findet Portal, wenn er die unterschiedlichen Projekte betrachte, in denen er laufend mitwirke, berichtet Portal. Er reise viel, um die Botschaft seiner Suche weiterzureichen. Wenn er klassische Musik spiele, suche er die exakte Note, habe er Respekt vor der vorliegenden Partitur. Im Jazz könne er dann das Leben spielen.

The clarinetist, saxophonist and bandoneonist Michel Portal plays on all fronts: classical, contemporary music and jazz, as Francis Marmande reports (Le Monde). Sometimes he has the feeling that he multiplies, Portal reflects, especially when looking at the different projects he is participating in. He travels a lot to be able to pass along the message of his research. Whenever he plays classical music, he is looking for the exact note, and has a lot of respect for the score. In jazz he can play the life.

Jon Lucien

Der Sänger Jon Lucien starb am 18. August in Orlando, Florida, an Lungenversagen, nachdem er vor zwei Jahren eine künstliche Niere erhalten hatte. In seiner Jugend war Lucien ein Fan von Nat King Cole, spielte als Kontrabassist in der Band seines Vaters nahe St. Thomas auf den Virgin Islands, und später in Latin Bands in New York. 1970 nahm er sein erstes Soloalbum auf, war 1978 als Sänger auf dem Weather-Report-Album "Mr. Gone" zu hören, verließ das Musikgeschäft in den 80er Jahren und machte 1991 ein Comeback mit dem Album "Listen Love", das die Billboard Jazz Charts erklomm. 1996 starb seine Tochter aus dritter Ehe beim Flugzeugabsturz des TWA-Flugs 800 vor Long Island. Lucien widmete sein 1997 aufgenommenes Album "Endless Is Love" den Passagieren des Fluges. In den letzten Jahren tourte er mit einer Fusionband. Nachrufe: Washington Post, San Francisco Chronicle, New York Times.

The singer Jon Lucien died August 18th in Orlando, Florida, from failure of the lungs, after he had had a kidney transplantation two years ago. In his youth Lucien was a fan of Nat King Cole. He played as a double bassist in his father's band near St. Thomas on the Virgin Islands, and later in Latin bands in new York. In 1970 he recorded his first solo album, and in 1978 sang on the Weather Report album "Mr. Gone". In the 80s he left the music business to make a comeback in 1991 with the album "Listen Love" which made the tops of the Billboard contemporary jazz charts. In 1996 his daughter from his third marriage died in the crash of TWA flight 800 near Long Island. Lucien dedicated his album "Endless Is Love" recorded in 1997 to the passengers of the flight. In recent years he toured and performed with a fusion band. Obituaries: Washington Post, San Francisco Chronicle, New York Times.

21. August 2007

Siggi Loch / ACT Music

Jazz sei keine Musik, die Plattenunternehmer reich mache, schreibt Hans Hielscher in seinem Portrait über den Plattenboss und Labelgründer Siggi Loch (Spiegel Online). Loch habe anfangs Beat- und Bluesbands produziert, aber auch Klaus Doldinger, Katja Ebstein und Marius Müller-Westernhagen. Er begann als Vertreter für Electrola, arbeitete für Philips und andere Label und war europäischer Präsident des US-Konzerns Warner, bis er 1992 seinen Jugendtraum wahr machte und das Independent Label ACT gründete, dessen Schwerpunkt europäischer Jazz wurde. Er glaubt an eine spannende junge deutsche Szene, die er mit seiner CD-Reihe "Young German Jazz" fördern will; er glaubt aber auch an die Notwendigkeit einer professionellen Vermarktung. Und auf dem gebiet sei er Fachmann.

Jazz is no music to make a record producer rich, writes Hans Hielscher in his portrait of the record boss and label founder Siggi Loch (Spiegel Online). Loch started out producing beat and blues bands, but also the likes of Klaus Doldinger, Katja Ebstein and Marius Müller-Westernhagen. He was an agent for Electrola, worked for Philips and other labels and was the European president of the US trust Warner until he realized his youth dream and founded the independent label ACT, concentrating on European jazz in its catalogue. He believes in an interesting young German jazz scene which he supports with his CD series "Young German Jazz"; he also believes that it is necessary to market this music professionally. And in this field he is an expert.

20. August 2007

Guillermo Klein

Der Pianist Guillermo Klein trat Anfang Juni zwei Wochen lang mit seiner Bigband im New Yorker Village Vanguard auf, wie Dan Ouellette berichtet (Washington Post). Klein, der in Argentinien geboren wurde und heute in Barcelona lebt, gehörte in den 90er Jahren mit zur New Yorker Szene und trat mit der großen Besetzung Los Gauchos regelmäßig im Club Smalls auf. Im Village Vanguard spielte die Band neues Material und ging nach dem Engagement ins Studio, um ihre vierte CD einzuspielen.

The pianist Guillermo Klein appeared for a two-week engagement with his big band at New York's legendary Village Vanguard club, as Dan Ouellette reports (Washington Post). Klein who was born in Argentina and currently lives in Barcelona was part of the New York jazz scene in the 90s and regularly performed with his big ensemble Los Gauchos at the club Smalls. At the Village Vanguard the band played mostly new material and after the two weeks went into the studio to record their fourth album.

Johnny Fourie

Der südafrikanische Gitarrist Johnny Fourie starb am 19. August in Johannesburg im Alter von 70 Jahren. Fourie arbeitete in den 50er Jahren als Studiogitarrist, nahm Platten auf unter anderem mit den Manhattan Brothers, Lemmy Mabaso und den Merry Blackbirds. 1961 ging er nach London und leitete vier Jahre lang die Hausband im Club Ronnie Scott's. 1975 kehrte er nach Südafrika zurück, gründete 1979 seine eigene Band und unterrichtete später in der Jazzabteilung des Pretoria Technikon. Nachruf: iafrica.com.

The South African guitarist Johnny Fourie died August 19th in Johannesburg at the age of 70. Fourie worked as a studio guitarist in the 50s and recorded with the Manhattan Brothers, Lemmy Mabaso, the Merry Blackbird and others. In 1961 he moved to London where for four years he led the house band at Ronnie Scott's club. In 1975 he returned to South Africa and founded his own band in 1979. Later he also taught at the jazz department of the Pretoria Technikon. Obituary: iafrica.com.

19. August 2007

Randy Weston

Anlässlich seines Konzertes in Marcia unterhält sich Fara C. mit dem 81-jährigen Pianisten Randy Weston (L'Humanité). Er spiele gern an solchen Orten wie Marciac, an denen er merke, dass das Publikum wirklich aufmerksam sei, der Musik wegen komme. Selbst in Südafrika, wo er während der Apartheid nie aufgetreten sei, habe man inzwischen einen Monat zum Monat der Geschichte der Schwarzen erklärt, wie es ihn in den USA schon seit längerem gäbe. In Frankreich mit seiner langen afrikanischen Vergangenheit sollte man so etwas auch einführen. In Amerika sei er mit seinen musikalischen Partnern seinst ein Wegbereiter gewesen, den Jazz und dessen afrikanische Verbindungen an die Schulen zu bringen. Vor kurzem habe er noch den Schlagzeuger Max Roach besucht, der zwar im Rollstuhl gesessen und kein Schlagzeug mehr gespielt habe, dessen Sinn für soziale Gerechtigkeit aber nicht nachgelassen habe.

On the occasion of his concert in Marciac, Fara C. talks to the 81 year old pianist Randy Weston (L'Humanité). He likes to play in places like this where the audience really listens and comes because of the music. Even in South Africa, where he never performed during apartheid, they recently introduced a Black History month as it is common in the USA since years. France should think about doing something similar considering its long African past. In America he and his musical partners were among the first to bring jazz and its African connections to the schools. He just recently had visited the drummer Max Roach who sat in a wheel chair and did not play the drums anymore, but had kept his sense for social justice.


18. August 2007

Leon Merian

Der Trompeter Leon Merian starb am 15. August in Bradenton, Florida, im Alter von 83 Jahren an den Folgen seiner Diabetes-Erkrankung. Der Sohn armenischer Einwanderer war der erste weiße Musiker, der regulär einer schwarzen Bigband angehörte, als er 1942 von Lucky Millinder engagiert wurde. Er arbeitete mit Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, aber auch mit Elvis Presley und anderen populären Sängerinnen und Sängern und ist auf vielen Film-Soundtracks zu hören. Nachdem er vor etwa 20 Jahren nach Südwest-Florida gezogen war, war er in der regionalen Jazzszene aktiv, veröffentlichte 2000 außerdem seine Autobiographie "The Man Behind the Horn". Nachruf: Southwest Florida Herald Tribune.

The trumpeter Leon Merian died August 15th in Bradenton, Florida, at the age of 83 of complications from diabetes. The son of Armenian immigrants was the first white musician to be a regular member of a black big band, when he was hired by Lucky Millinder in 1942. He worked with Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, but also with Elvis Presley and other popular singers and can be heard on many film soundtracks. After he moved to southwest Florida 20 years ago, he became active in the local jazz scene, and in 2000 published his autobiography "The Man Behind the Horn". Obituary: Southwest Florida Herald Tribune.

17. August 2007

Max Roach

Der Schlagzeuger Max Roach starb am Morgen des 16. August im Alter von 83 Jahren im Beisein seiner Töchter Dara und Maxine. Bereits 1942 spielte er mit Charlie Parker in einem Nightclub in Harlem. Zusammen mit Kenny Clarke erneuerte er während der Bebop-Ära der 40er Jahre die Rolle des Schlagzeugs im Jazz. Er sah sich nie in rein diendender Rolle sonder immer als ein ebenbürtiges Bandmitglied. In den 50er Jahren leitete er zusammen mit dem Trompeter Clifford Brown ein einflussreiches Hardbop-Quintett. In den späten 50er Jahren beschäftigte er sich mit ungeraden Rhythmen; in den 60er Jahren war er einer der ersten Jazzmusiker, die ihre Musik für deutlichen politischen und antirassistischen Protest nutzten. In den 70er Jahren unterrichtete er an der University of Massachusetts, gab Duokonzerte mit Avantgardisten wie Cecil Taylor oder Anthony Braxton. In den 80er Jahren arbeitete er mit einem Doppelquartett, bestehend aus seinem eigenen Ensemble und dem Uptown String Quartet, dem seine Tochter Maxine angehörte. Er tourte bis Anfang des neuen Jahrhunderts und schrieb und spielte noch 2002 die Musik zum Dokumentarfilm "How to Draw a Bunny" über den Künstler Ray Johnson. Nachrufe: New York Times (1), New York Times (2), New York Times (3), Washington Post (1), Washington Post (2), San Francisco Chronicle, Boston Herald, Chicago Tribune, Bloomberg, New York Sun, New York Newsday, The Independent, Frankfurter Rundschau, Die Welt, Le Monde.

Als Tribut an den großen Max Roach haben wir ihm eine weitere Seite unseres Jazz Index gewidmet, die sämtliche in unserem Jazz Index verzeichnete Bücher und Zeitschriftenartikel über den Schlagzeuger auflistet.

The drummer Max Roach died early on August 16th at the age of 83. His daughters Dara and Maxine were with him. In 1942 already Roach had played with Charlie Parker at a Harlem night club. Together with Kenny Clarke he had revolutionized the role of the drums in jazz during the bebop era. He saw his function never purely as a serving one but always felt like an equal band member. In the 50s he co-led an influential hardbop quintet with the trumpeter Clifford Brown. In the late 50s he worked with irregular rhythms; in the 60s he was one of the first jazz musicians to use their music for clear political and anti-racist protest. In the 70s he taught at the University of Massachusetts; he also gave duo concerts with avantgarde musicians such as Cecil Taylor and Anthony Braxton. In the 80s he worked with a double quartet made from his own ensemble and the Uptown String Quartet, one member of which was his daughter Maxine. He toured up to the early 21st century and in 2002 wrote and played the music for the documentary "How to Draw a Bunny" about the artist Ray Johnson. Obituaries: New York Times (1), New York Times (2), New York Times (3), Washington Post (1), Washington Post (2), San Francisco Chronicle, Boston Herald, Chicago Tribune, Bloomberg, New York Sun, New York Newsday, The Independent, Frankfurter Rundschau, Die Welt, Le Monde.

As a tribute to the great Max Roach we have put together an online bibliography from our Jazz Index, listing all entries referring to books and magazine articles about the drummer.


16. August 2007

Coco Zhao

Der chinesische Jazzsänger Coco Zhao spricht mit Johny Ydstie über seine Jazzkarriere in China (National Public Radio). Als er und die Geigerin Peng Fei begonnen hätten, Jazzarrangements von Stücken zu spielen, die in Shanghai sehr populär sind, sei das insbesondere bei Älteren nicht auf viel Gegenliebe gestoßen. Aber inzwischen hätte sich da chinesische Publikum an ihre Musik gewöhnt. Er habe seine Art zu singen unter der Dusche geübt, bevor er sich getraut habe, auf die Bühne zu gehen. Während der Kulturrevolution sei der Jazz in China zwar versteckt, nie aber wirklich vergessen gewesen. 1997 traf Zhao bei einem Festival in Shanghai Betty Carter. Die hätte ihm geraten, nicht auf andere zu hören, nur auf sein eigenes Herz.

The Chinese jazz singer Coco Zhao talks to John Ydstie about his jazz career in China (National Public Radio). When he and the violinist Peng Fei started to play jazz arrangements of songs popular in Shanghai, especially the older people were not really fond of it. Meanwhile the Chinese audience got used to their music, though. He had practiced his way to sing under the shower before he had the courage to perform on stage. During the Cultural Revolution jazz had been hidden but never was totally forgotten. During a festival in Shanghai In 1997, Zhao met Betty Carter. She encouraged him not to listen too much to others but only to listen to his own heart.

Spyro Gyra

Lee Zimmermann hatte ein Interview für 9:30 Uhr abends verabredet, aber der Saxophonist Jay Beckenstein ruft ihn pünktlich um 9:30 Uhr morgens an (Broward-Palm Beach New Times). Er hätte nie gedacht, dass die Band so lange zusammenbleiben würde, erzählt der musikalische Leiter von Spyro Gyra. Mit "Morning Dance" schafften sie es 1979 in die Popcharts. Heute sei so etwas nicht mehr möglich, insbesondere weil sich die Rundfunklandschaft in den USA völlig geändert habe. Der Smooth Jazz, der heute in den entsprechenden Sendern dudele, sei eigentlich nicht wirklich Jazz, erklärt Beckenstein, sondern instrumentaler Rhythm and Blues. Es gäbe Jazzphrasierung und viele der Musiker kommen aus dem Jazz, aber es fehlen die Soli. Spyro Gyra sei da weit abenteuerlustiger, viel improvisatorischer. Beckenstein fehlt in der Musik von heute die Idee des Abstrakten. Die Menschen wollten immer gleich die Bedeutung mitgeliefert bekommen.

Lee Zimmermann had arranged the interview for 9:30 pm, but the saxophonist Jay Beckenstein called at 9:30 am (Broward-Palm Beach New Times). He never would have thought the band to stay together for so long, the musical director of Spyro Gyra says. In 1979 they made the pop charts with "Morning Dance". That would not be possible anymore today, because the radio landscape in the US has changed so much. The kind of music played on smooth jazz stations today is not really jazz, Beckenstein explains, but rather instrumental rhythm and blues. It has jazz inflections and many of the musicians come from the jazz world, but the solos are missing. Spyro Gyra is much more adventurous, far more improvisatory. In today's music Beckenstein misses the idea of the abstract. "People want everything kind of handed to them."

15. August 2007

Oscar Peterson

Oscar Peterson feiert seinen 82sten Geburtstag, berichtet John Stewart (The Mississauga News). Er feiere in seiner Familie daheim in Mississauga, wo er seit 1972 lebe.

Oscar Peterson celebrates his 82nd birthday, as John Stewart reports (The Mississauga News). This year's anniversary will be a quiet family event at home in Mississauga where he lives since 1972.

Tony Bennett

Tony Bennett plant ein ganzes Album zusammen mit Stevie Wonder aufzunehmen, weiß Gary Graff zu berichten (Billboard). Wonder wolle eh ein Jazzalbum einspielen, erzählt Bennett, und da er das auch selbst plane, hätten sie darüber gesprochen , sich dafür eventuell zusammenzutun. Für "For Once in My Life" aus Bennetts CD "Duets. An American Classic" hatten die beiden einen Grammy erhalten. PBS wird im September einen Dokumentarfilm über Bennett ausstrahlen, produziert von Clint Eastwood. Ebenfalls im September wird seine neue CD erscheinen, im Oktober dann ein Buch mit 200 seiner Gemälde. Man dürfe nicht aufhören zu lernen und zu studieren, sagte der 81jährige Sänger. Die Arbeit hielte ihn jung.

Tony Bennett plans to record a whole album together with Stevie Wonder, as Gary Graff reports (Billboard). Wonder was planning to do a jazz album anyhow, Bennett says, and as he is interested in the same they talked about getting together for it. The recording of "For Once in My Life" from Bennett's CD "Duets. An American Classic" just earned both a Grammy. In September PBS will broadcast a documentary about Bennett, produced by Clint Eastwood. Also in September his new CD will be released; and in October a book with 200 of his paintings will be published. One should never stop learning and studying, says the 81 year old singer. Work keeps him young.

14. August 2007

Herb Pomeroy

Der Trompeter und Jazzpädagoge Herb Pomeroy starb am 11. August in seinem Haus in Gloucester, Massachusetts, im Alter von 77 Jahren nach einer langen Krebserkrankung. Pomeroy hatte mit Charlie Parker, Stan Kenton, Max Roach, Sonny Rollins und vielen anderen Musiker gespielt. Er war einer der bekanntesten Musiker in Boston. Als Lehrer zog er viele Studenten an, die er lange Jahre am Berklee College of Music unterrichtete. Nachruf: Boston Globe.

The trumpeter and jazz educator Herb Pomeroy died August 11th in his home in Gloucester, Massachusetts, at the age of 77 after a long struggle with cancer. Pomeroy had performed with Charlie Parker, Stan Kenton, Max Roach, Sonny Rollins and many other musicians. He was one of Boston's most renowned musicians. As a teacher he drew many students whom he taught at the Berklee College of Music. Obituary: Boston Globe.

12. August 2007

Terence Blanchard

Nate Chinen spricht mit dem Trompeter Terence Blanchard über den Filmsoundtrack zu Spike Lees "When the Levee Broke" und zwei aktuelle Projekte, die sich ebenfalls mit seiner Heimatstadt New Orleans nach dem Hurricane Katrina auseinandersetzen (New York Times). Am Dienstag erscheint sein Album "A Tale of God's Will (A Requiem for Katrina)", auf dem Sequenzen seiner Filmmusik mit neuen Kompositionen für seine Band und ein 40-köpfiges Streichorchester verwoben werden. Zum zweiten engagiert sich Blanchard für das Thelonious Monk Institute of Jazz Performance, das vor kurzem von der Westküste nach New Orleans umgezogen ist. Während seines Studiums hatte Blanchard dem Altsaxophonisten Donald Harrison kennengelernt, mit dem er den Marsalis-Brüdern als Frontline der Art Blakey Jazz Messengers folgte. Seine Karriere als Filmkomponist begann mit "Mo' Better Blues" von 1990. Daneben verfolgte er aber immer weiter seine eigenen Projekte. Er hat ein Apartment in Los Angeles und reist viel, doch spätestens seit Katrina konzentriert er sich wieder verstärkt auf seine Wurzeln in New Orleans.

Nate Chinen talks to the trumpeter Terence Blanchard about his film soundtrack for Spike Lee's "When the Levee Broke" and about two current projects which also deal with his hometown New Orleans after Hurricane Katrina (New York Times). Tuesday his new album "A Tale of God's Will (Requiem for Katrina)" will be out, on which sequences from his film music are mixed with new compositions for his band and a 40 piece string orchestra. At the same time Blanchard is engaged in the Thelonious Monk Institute of Jazz Performance which recently has moved to New Orleans from the West Coast. While he himself studied music, Blanchard met the alto saxophonist Donald Harrison, both of whom replaced the Marsalis brothers in Art Blakey's Jazz Messengers. His career as a film composer began in 1990 with "Mo' Better Blues", but he never forgot his own projects. He owns an apartment in Los Angeles, travels a lot, but since Katrina he again focuses more on his roots in New Orleans.

11. August 2007

Roswell Rudd (2)

Jeder Jazzkritiker sollte wenigstens einmal im Leben eine gute Tat tun, meint Francis Davis (The Village Voice). Seine sei vielleicht gewesen, sich 1991 in die Catskills zu schleppen auf der Suche nach einem weitgehend vergessenen Musiker: Roswell Rudd. Dort habe er ihn in einem Hotelorchester gefunden, das Showhusiness-Legenden begleitete. Davis' Artikel habe mit dazu geführt, dass Rudd auf die Jazzszene zurückgekehrt sei. In New York habe er mit alten Kollegen aus den Tagen des 60er-Jahre-Free-Jazz zusammgespielt, daneben aber auch Projekte mit Musikern aus Mali, der Mongolei und Puerto Rico initiiert. Davis hört den Posaunisten im New Yorker Club Jazz Standard mit seiner Malicool Band ohne den Kora-Spieler Toumani Diabate, überlegt, ob der neben ihm sitzende Rockkritiker neben ihm wohl recht hat, der kein einziges musikalisches Element aus Mali hört in der Musik, findet aber letztendlich, dass der Background afrikanischer Instrumente Rudd schön herausstelle. Er hört sich außerdem die jüngst erschienene Doppel-CD "Early and Late" an, die Rudd 1999 und 2000 im Quartett mit Sopransaxophonist Steve Lacy eingespielt hat und auf der die beiden vor allem Musik von Thelonious Monk spielen sowie Cecil Taylors "Tune 2".

Every jazz critic ought to perform at least one good deed during his life, says Francis Davis (The Village Voice). His was to schlepp himself to the Catskills in 1991 to look for a mostly forgotten musician: Roswell Rudd. He found him playing in a hotel orchestra backing show business legends. Davis' ensuing article probably was one of the reasons for Rudd to return to the jazz scene. In New York he played with colleagues from his old 1960s free jazz days; he also initiated projects with musicians from Mali, Mongolia and Puerto Rico. Davis heard the trombonist at the New York club Jazz Standard with his Malicool band without the kora player Toumani Diabate and ponders whether the rock critic sitting next to him is right in his judgment that the music contains not a single Malian element. In the end he simply enjoys the fact that the African instruments are a great backdrop for Rudd's instrumental mastery. He also listens to the recently released double CD "Early and Late" recorded by Rudd in 1999 and 2000 with a quartet around soprano saxophonist Steve Lacy on which the two mostly interpret compositions by Thelonious Monk as well as Cecil Taylor's "Tune 2".

10. August 2007

10. Darmstädter Jazzforum: "Begegnungen. The World meets Jazz"

Das mittlerweile 10. Darmstädter Jazzforum befasst vom 4. bis 7. Oktober 2007 sich mit dem Thema "Begegnungen. The World Meets Jazz". Dabei geht es um die Tatsache, dass der Jazz von Anfang an eine produktive Musik war, dass Musiker in aller Welt, die sich ihm zuwandten, seine Wurzeln als afro-amerikanische Musik genauso kennen und respektieren mussten wie sie aufgefordert waren, ihre eigenen Traditionen mit einzubringen. Ein öffentliches dreitägiges Symposium nähert sich dem Thema von theoretischer Seite; neben Wissenschaftlern und Journalisten kommen dabei aber auch Musiker zu Worte. Drei abendliche Konzerte bieten außerdem einen musikalischen Blick aufs Thema mit einem Konzert im Geiste Don Cherrys (Karl Berger Sextet), Musik mit persischen Anklängen (Cyminology), einem Saxophonisten der seine israelischen und arabischen Wurzeln durch die Brille des Bebop betrachtet (Gilad Atzmon Quartet), und dem in Paris lebenden Kameruner Ben's Belinga, in dessen Musik Rollins Coltrane genauso durchscheint wie seine westafrikanische Heimat. Das Darmstädter Jazzforum ist eine Veranstaltung des städtischen Jazzinstituts Darmstadt. Es Das öffentliche Symposium im Literaturhaus Darmstadt ist kostenlos und ohne Anmeldung besuchbar. Für den Workshop mit Steven Bernstein am Samstag ist eine Anmeldung erforderlich (jazz@jazzinstitut.de). Für die Konzerte in der Centralstation (Freitag, Samstag) und in der Bessunger Knabenschule (Sonntag) gibt es Karten unter www.centralticket.de. Das genaue Programm findet sich unter www.jazzinstitut.de.

The theme of the 10th Darmstadt Jazzforum from October 4th to 7th, 2007, will be "Encounters. The World Meets Jazz". The Jazzforum's subject, though, is not so much "world music", than the fact that jazz was a productive music from its beginning, that musicians all over the world who took up jazz had to know and respect its roots as African-American music as well as had to contribute some of their own traditions. A three-day public conference (in German and English, no simultaneous translation) will focus on the subject theoretically, in papers by and discussions with scholars, journalists and musicians. Three concerts will provide the musical perspective with a concert "In the Spirit of Don Cherry (Karl Berger Sextet), music with Persian sound colors (Cyminology), a saxophonist who looks at his Israeli and Arabian roots through the eyes of a bebop musician (Gilar Atzmon Quartet), and an evening with Ben's Belinga, the Paris-based Cameroon saxophonist whose music refers to Rollins, Coltrane as well as his West African home. The Darmstadt Jazzforum is organized by the municipal Jazzinstitut Darmstadt. The public conference can be attended free of charge and without registration. A registration is needed, though, for the workshop with Steven Bernstein on Saturday (jazz@jazzinstitut.de). For the concerts at the Centralstation (Friday, Saturday) and at the Bessunger Knabenschule (Sunday) tickets can be ordered at www.centralticket.de. Extended program notes can be found at www.jazzinstitut.de.

Paul Rutherford

Der Posaunist Paul Rutherford wurde am 5. August tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er starb wohl an den Folgen einer langen Alkoholabhängigkeit. Rutherford begann als Dixielandposaunist, entdeckte aber bald Eric Dolphy, Ornette Coleman sowie John Coltrane und Miles Davis, die er beide während seiner Militärzeit in Köln live im Konzert hörte. In den 60er Jahren gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Spontaneous Music Ensemble, eines der wichtigsten europäischen Ensembles im Bereich der frei improvisierten Musik, spielte später Mike Westbrook, Barry Guy, Keith Tippett, Elton Dean, Tony Oxley, aber auch mit Soft Machine oder der Charlie Watts Big Band sowie mit Don Cherrys New Eternal Rhythm Orchestra und Alexander von Schlippenbachs Globe Unity Orchestra. Mit Derek Bailey und Barry Guy spielte er in den 70er Jahren in der Band Iskra 1903. 1974 nahm er ein Soloalbum auf; in den letzten Jahren musste er einen Job als Portier annehmen, weil er in Großbritannien nicht genügend Gigs fand. Nachruf: Guardian, Frankfurter Rundschau, The Independent.

The trombonist Paul Rutherford was found dead in his apartment August 5th. He died from the consequences of his long alcohol dependency. Rutherford started as a dixieland trombonist but soon discovered Eric Dolphy, Ornette Coleman as well as John Coltrane and Miles Davis, both of whom he was able to hear live in concert in Cologne while serving in the army. In the 60s be was among the founding members of the Spontaneous Music Ensemble, one of the premier European free improvisation groups; he later performed with Mike Westbrook, Barry Guy, Keith Tippett, Elton Dean, Tony Oxley, but also with Soft Machine and the Charlie Watts Big Band, as well as with Don Cherry's New Eternal Rhythm Orchestra and Alexander von Schlippenbach's Globe Unity Orchestra. In the 70s he played in the band Iskra 1903 with Derek Bailey and Barry Guy. In 1974 he recorded a solo album; in the last couple of years he had to work as a doorman as he couldn't find enough gigs in Britain. Obituary: Guardian, Frankfurter Rundschau, The Independent.

9. August 2007

Ron Carter

Charles J. Gans spricht mit dem Kontrabassisten Ron Carter über seine Zeit im Miles Davis Quintett (San Francisco Chronicle). Carter spielt immer noch den tschechischen Bass, mit dem er 1959 nach New York gekommen war, um an der Manhattan School of Music zu studieren. Er wünschte, sein Instrument sei damals so gut hörbar gewesen, wie es heute mit technischen Mitteln möglich ist, sagt er. Davis habe sich in Wahrheit nicht vom Publikum abgewendet, wenn er spielte, sondern sich so positioniert, dass er den Bass gut hören konnte. Leonard Bernstein habe sein Publikum ja auch nicht angesehen, wenn er das Orchester dirigierte. Wenn das Publikum nicht auf ein Stück ansprach, dann habe Miles das Programm entsprechend geändert. Carter habe mehr als 50 Alben unter eigenem Namen eingespielt und sei insgesamt an mehr als 2.000 beteiligt gewesen. Erst jetzt habe er sich entschließen können, ein Tributalbum an Miles Davis aufzunehmen, ohne darauf den Miles-Davis-Sound zu rekreieren. Die Leute sollten Spaß an seiner Musik haben, meint Carter, dem im Juni zum 70sten Geburtstag ein Konzert beim JVC Jazz Festival in New York gewidmet wurde.

Charles J. Gans talks to the double bass player Ron Carter about his time with the Miles Davis Quintet (San Francisco Chronicle). Carter still plays the Czech-made bass with which he arrived in New York in 1959 to study at the Manhattan School of Music. He would have wished his instrument to have been as audible then as it its now with all the technical help available, Carter says. Davis never really was disdainful to his audience while playing. If he turned away from the people it was because he stood sideways in order to hear the bass better. After all, Leonard Bernstein didn't face the audience when conducting an orchestra. Whenever an audience did not respond to a piece, Miles changed the program accordingly. Carter has recorded more than 50 albums under his own name and participated in more than 2.000. Only now he has decided to record a tribute album to Miles Davis in which it was important to him not to recreate the Miles Davis sound. He wants his audience to enjoy themselves with his music, says Carter who has been honored with a concert for his 70th birthday in June at the JVC Jazz Festival in New York.

Earl Turbinton

Der Saxophonist Earl Turbinton starb in Baton Rouge, Louisiana, nach schwerer Krankheit im Alter von 65 Jahren. Turbinton hatte bei Alvin Batiste Unterricht erhalten und in den späten 60er Jahren den Jazz Workshop gegründet, mit dem er in seiner Heimatstadt New Orleans eine neue Avantgarde einläuten wollte. In den 70er Jahren spielte er oft mit der Band Astral Project; nebenbei unterrichtete er - zu seinen Schülern gehören der Saxophonist Wessell Anderson und die Sängerin Cassandra Wilson. Er war auf Aufnahmen von Joe Zawinul und B.B. King zu hören und arbeitete bis ins Jahr 2002, als er einen Schlaganfall erlitt. Nach dem Hurricane Katrina wurde er nach Memphis, Tennessee, evakuiert und lebte seit November letzten Jahres in einem Pflegeheim in Baton Rouge. Nachruf: New Orleans Times-Picayune.

The saxophonist Earl Turbinton died in Baton Rouge, Louisiana, after a long illness at the age of 65. Turbinton studied jazz with Alvin Batiste and founded the Jazz Workshop in the late 60s hoping to serve as an incubator for a new jazz avantgarde in his hometown of New Orleans. In the 70s he often played with the band Astral Project; he also taught - among his students are the saxophonist Wessell Anderson and the singer Cassandra Wilson. He participated in recordings by Joe Zawinul and B.B. King, and he worked up to 2002 when he suffered a stroke. After Hurricane Katrina he was evacuated to Memphis, Tennessee, and since November of last year lived in a nursing home in Baton Rouge. Obituary: New Orleans Times-Picayune.

8. August 2007

Joe Zawinul (1)

Der 75jährige Pianist Joe Zawinul wurde am Sonntag im Wiener Wilhelminenspital aufgenommen (Die Presse, New York Times). Amerikanische Zeitungen berichten von einer schweren Erkrankung, seine Agentur bittet die Presse, "nachdrücklich, seine Intimsphäre und seine Rechte als Patient und Privatperson zu wahren". Ob seine für September geplanten Konzerte stattfinden werden, ist momentan noch nicht sicher, teilte seine Agentur mit.

The 75 year old pianist Joe Zawinul was admitted to Vienna's Wilhelminenspital on Sunday (Die Presse, New York Times). American newspapers report a serious illness, but his agent asks the press "to observe his rights as a patient and a private person". At this moment it is not clear whether Zawinul will be able to perform at concerts planned for September.

7. August 2007

Nicole Mitchell

1986 habe die Flötistin Nicole Mitchell einen Improvisationskurs bei Jimmy Cheatham belegt und sei daraufhin von der klassischen Musik zum Jazz umgeschwenkt, wie sie Peter Margasak erzählt (Chicago Reader). 1990 zog sie von Südkalifornien nach Chicago, wo sie erst auf der Straße spielte, sich aber bald einen Namen als eine außergewöhnliche Flötistin machte. Zusammen mit der Flötistin Maia gründete sie die Band Samana, die erste Frauenband der Musikerinitiative AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians). Daneben arbeitete sie mit Hamid Drake, David Boykin und anderen Musikern der AACM und gründete ihr Black Earth Ensemble, in dem sie vor allem ihre eigenen Kompositionen spielt und für das sie auf einen Stamm von etwa 30 Musikern zurückgreifen kann. Seit zwei Jahren ist sie Co-Präsidentin der AACM und gründete letztes Jahr das AACM Creative Youth Ensemble.

In 1986 the flutist Nicole Mitchell took an improvisation course with Jimmy Cheatham and switched from classical music to jazz, as she tells Peter Margasak (Chicago Reader). In 1990 she moved from Southern California to Chicago, playing on the streets first, but soon making a name for herself as an extraordinary flutist. Together with the flutist Maia she founded the band Samana, the first all-woman ensemble within the musicians' initiative AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians). She also worked with Hamid Drake, David Boykin and other musicians from the AACM and founded her Black Earth Ensemble with which she plays mostly her own compositions and for which she can draw on about 30 musicians. Since two years she is co-president of the AACM and last year founded the AACM Creative Youth Ensemble.

Jazzausbildung in Deutschland / Jazz Education in Germany

An deutschen Hochschulen und privaten Musikschulen wird oft auch Jazz gelehrt, und Sebastian Knauer [keine Verwandtschaft] beschreibt das Studium für den Uni-Spiegel (Spiegel Online). Die Absolventen hoffen auf die Karriere mit eigener Musik, müssen aber oft genug mit Swing-Gigs bei Weinfesten ihr Geld verdienen. "Um wirklich vom Jazz leben zu können", weiß die Sängerin Nina Majer, "muss man ein Star sein". Doch selbst ein Star - Till Brönner etwa - könne sich Crossover-Projekten nicht verschließen. Jazzclubs zahlen eher bescheiden - im Hamburger Birdland, der bei lokalen Acts die Abendkasse an die Musiker gibt, käme man oft nicht über 50 Euro pro Nase. Die Ausbildung gäbe aber die notwendige Bandbreite, um nach dem Studium auch in Musicalprojekten oder als Instrumentallehrer sein Geld zu verdienen. Und in Studiengängen wie der Popakademie in Mannheim werden neben der praktischen Ausbildung auch Abschlüsse in Popmusikdesign oder Musikbusiness angeboten.

German universities and music colleges often have jazz departments, and Sebastian Knauer [no relation!] reports about such courses for the university issue of Der Spiegel (Spiegel Online). The graduates hope for a career playing their own music, but often they have to earn their money playing swing jobs at wine feasts. "To be able to live on jazz", the singer Nina Majer knows, "you have to be a star". But even stars - Till Brönner for example - have to open up for crossover projects. Jazz clubs mostly only pay moderate fees - at Hamburg's Birdland, for instance, local bands often have to play for the door and go home with less than 50 Euro per head. Their training gives them the necessary range to be able to work in musical pit bands or as instrumental teachers after graduation. The Popakademie in Mannheim even offers majors in pop music design and music business along with conventional music training.

Artie Shaw

Artie Shaw's geschiedene Frau Evelyn Keyes wurde in einem Gerichtsverfahren die Hälfte seines nachgelassenen Vermögens zugesprochen (Baku Sun).

In a lawsuit Artie Shaw's ex-wife Evelyn Keyes was awarded half of the clarinetist's estate (Baku Sun).

6. August 2007

Musicians' Village in New Orleans

Nach dem Hurricane Katrina stießen der Pianist und Sänger Harry Connick Jr. und der Saxophonist Branford Marsalis ein Projekt zum Wiederaufbau ihrer Heimatstadt New Orleans an, ein Musicians' Village, das langsam Gestalt annimmt, wie Sharon Cohen berichtet (San Francisco Chronicle). Ein ordentlich gestalteter Haufen von 80 bunt gestrichenen Häusern gäbe sowohl den darin lebenden Musikern als auch der alten Kulturstadt New Orleans neue Hoffnung auf eine musikalische Zukunft. Cohen interviewt den aus Honduras stammenden, seit 15 Jahren in New Orleans lebenden Pianisten Omar Fredy, den Kontrabassisten Michael Harris und den Saxophonisten Dan Oestreicher, die nicht etwa Bandkollegen, sondern einfach nur Nachbarn des neuen Musikerdorfes sind. Um im Musicians' Village leben zu können, müssen die Antragsteller mindestens 18.620 Dollar pro Jahr verdienen und unverschuldet sein. Jedes Haus hat einen individuellen Sponsoren, eine Firma oder eine Familie, die 75.000 Dollar aufbringt. Für den Rest der Kosten erhalten die neuen Besitzer erhalten einen zinsfreien Kredit, den sie in Raten von 550 Dollar pro Monat abbezahlen. Die jetzigen Bewohner würden vier Generationen umfassen, Musiker in ihren 20ern genauso wie den 81jährigen Bassisten Chuck Badie. Mittendrin in der neuen Nachbarschaft wird das Ellis Marsalis Music Center stehen, das einen Konzertsaal und Überäume enthalten wird.

After Hurricane Katrina the pianist and singer Harry Connick Jr. and the saxophonist Branford Marsalis initiated a project to rebuild their home city of New Orleans by planning a musicians' village which slowly but surely takes shape, as Sharon Cohen reports (San Francisco Chronicle). It's a tidy cluster of about 80 brightly painted homes which give the musicians living them as well as the city of New Orleans hope for their musical future. Cohen interviews the pianist Omar Fredy who was born in Honduras but lives in New Orleans since 15 years, the bassist Michael Harris as well as the saxophonist Dan Oestreicher, all of whom are not band fellows but simply neighbors in the new musicians' village. To live in the community the residents must prove that they have an income of at least 18,620 dollars a year as well as good credit or no credit history. Each house has an individual sponsor, either a corporation or a family, donating 75,000 dollars. For the rest the new owners receive an interest-free loan and make monthly mortgage payments of 550 dollars. The current residents span four generations, musicians in their twenties as well as the 81 year old bassist Chuck Badie. The centerpiece of the village will be the Ellis Marsalis Music Center containing a concert hall as well as practice rooms.

5. August 2007

Art Davis

Der Kontrabassist Art Davis starb am 29. Juli in seinem Haus in Long Beach, California, im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Nach einer klassischen Ausbildung spielte Davis in den 50er und 60er Jahren mit Jazzgrößen wie Max Roach, Dizzy Gillespie und John Coltrane, aber auch mit Popstars wie Judy Garland, Bob Dylan, Harry Belafonte und James Brown. In den 70er Jahren verklagte er das New York Philharmonic Orchestra wegen Diskriminierung, weil sie ihm einen festen Posten verweigerten. 1982 promovierte er sich als Psychologe und arbeitete in einer psychologischen Praxis. 1986 griff er wieder zum Instrument, tourte und wirkte auf einer Platte mit Herbie Hancock und Ravi Coltrane mit. Nachrufe: Washington Post, Los Angeles Times, The Independent, New York Times.

The double bass player Art Davis died from a heart attack July 29th at his home in Long Beach, California, at the age of 73. After a classical education Davis in the 50s and 60s played with jazz musicians such as Max Roach, Dizzy Gillespie and John Coltrane, but also with popular stars such as Judy Garland, Bob Dylan, Harry Belafonte or James Brown. In the 70s he sued the New York Philharmonic Orchestra, claiming the orchestra discriminated against him when it failed to offer him a full-time position. In 1982 he received a doctorate in psychology and worked in a psychological practice. In 1986 he took up his instrument again, toured and recorded with Herbie Hancock and Ravi Coltrane. Obituaries: Washington Post, Los Angeles Times, The Independent, New York Times.

4. August 2007

Lee Konitz (2)

Ein wenig spröde sei Lee Konitz beim Interview gewesen, fast unfreundlich, ganz anders als seine Bühnenpersönlichkeit, berichtet David Rubien und schiebt es auf Hitze oder Jet Lag (San Francisco Chronicle). Er stört sich an einem niesenden Nachbarn, an der Lautstärke, mit dem am Nebentisch der Teller mit der Gabel bearbeitet wird. Und eigentlich will er über sein Leben nicht in der Öffentlichkeit reden. Wenn überhaupt, könne er höchstens über seine Musik sprechen. Aber dann tut er es doch und erzählt, wie ihn als Jugendlicher Benny Goodman beeinflusst habe, über seine Zeit bei Claude Thornhill, wie er Lennie Tristano kennengelernt habe, wie Miles Davis Kritik habe einstecken müssen, dass er für sein Capitol-Nonet einen weißen Altsaxophonisten verpflichtete. In der Musik ginge es ihm vor allem um Improvisation. Er spiele meist nur eine Handvoll Standards, aber es würden ihm halt immer noch neue Dinge dazu einfallen.

Lee Konitz seemed a tad gruff during the interview, something less than forthcoming, quite different from his stage behavior, reports David Rubien and blames it on the heat or the jet lag (San Francisco Chronicle). He's annoyed by the sneeze of a neighbor or by people at the next table hitting the plate loudly with a fork. And he doesn't really want to talk about his life in public. He plays music and that's all he can talk about. But then he does talk about life and music and tells Rubien how in his youth he was fascinated by Benny Goodman, about his time with Claude Thornhill, about getting to know Lennie Tristano, about how Miles Davis was criticized hiring a white alto saxophonist for his Capitol Nonet. In music the thing most important for him is improvisation. He mostly plays a handful of standard tunes but he still comes up with new things to play over the well-worn changes.

3. August 2007

Andy Bey

Andy Bey beziehe sein Repertoire aus den unterschiedlichsten Quellen berichtet Andrew Gilbert (San Francisco Chronicle). Er könne mühelos von Jazzstandards in Lieder von Sting, Milton Nascimento oder Big Bill Broonzy überleiten. In den 60er Jahren habe er sich stark aufs Klavierspiel konzentriert. Selbst wenn er allein auftritt, sieht er seine Stimme immer im Dialog mit einer Rhythmusgruppe, dem Klavier. In den 50er Jahren trat er in populären Fernsehshows auf, wurde in Paris mit Andy and the Bey Sisters gefeiert. Dann wurde es lange Zeit ruhig um ihn, bis seine Karriere 1996 mit dem Album "Ballad Blues and Bey" wieder Fahrt aufnahm. Anfangs habe er über Technisches nicht recht nachgedacht, aber mit der Zeit habe er so viele Nuancen seiner Stimme kennengelernt, dass er jetzt ganz bewusst an bestimmten Dingen arbeite. Seine Stimme strahle eine Ehrlichkeit und Seele aus, die auch durch die Tatsache untermauert werde, dass er einer der wenigen offen schwul lebenden Jazzmusiker sei, der in der Öffentlichkeit auch über seine HIV-Infektion spricht.

Andy Bey takes his repertoire from the most different sources, as Andrew Gilbert reports (San Francisco Chronicle). He can segue easily from jazz standards into songs by Sting, Milton Nascimento or Big Bill Broonzy. In the 60s he concentrated mostly on the piano. Even when he performs as a soloist he sees his voice always responding to a rhythm section, the piano. In the 50s he performed in popular TV shows, was celebrated in Paris with Andy and the Bey Sisters. His career foundered for decades until it took up steam after the release of his 1996 album "Ballad Blues and Bey". At first he never thought so much about technical aspects of singing, but over time he got to know the different nuances of his voice so well that today he works on specific things. His voice radiates honesty and soul, an impression supported by the fact that he is one of the few openly gay jazz musicians and talks openly about his HIV infection.

Lee Konitz (1)

Lee Konitz's 80ster Geburtstag wurde etwas frühzeitig gefeiert in der Carnegie Hall, wie Andrew Gilbert berichtet (San Jose Mercury News). Sein tatsächlicher Geburtstag am 13. Oktober wird ausgiebig in Heidelberg gefeiert werden. Das Trio mit Bassist Ray Drummond und Schlagzeuger Akira Tana, mit dem er momentan toure, sei ideal, es ließe ihm genügend Raum, sich deutlich auszudrücken. Es gäbe nur wenige Musiker, die man so klar nach nur wenigen Takten erkennen könne wie Konitz, meint Pianist Mike Wofford. Lennie Tristano brachte Konitz bei, die Musik ernst zu nehmen. Er ermutigte ihn, Charlie Parker zu studieren, ihn aber nicht nachzuahmen. Konitz spielte in Miles Davis Capitol Band, entwickelte einen unverkennbaren Sound, trat als unbegleiteter Solist oder in Duobesetzungen auf. Er lebt in Deutschland Polen und New York und blickt auf eine Diskographie von mehr als 200 Alben zurück. 125 davon habe er auf einen iPod überspielt und sei stolz darauf - es gäbe keine bessere Art und Weise sein leben zu leben.

Lee Konitz's 80th birthday was celebrated a bit early at Carnegie Hall, as Andrew Gilbert reports (San Jose Mercury News). His actual birthday on October 13th will be celebrated with a concert in Heidelberg, Germany. The trio with which he tours at the moment comprises bassist Ray Drummond and drummer Akira Tana and is an ideal setting for him, as it leaves enough space to express his point of view more clearly. There are only few musicians like Konitz whose sound one recognizes after only a few bars, says pianist Mike Wofford. Lennie Tristano taught Konitz to take music seriously. He encouraged him to listen to Charlie Parker but not imitate him. Konitz played in Miles Davis Capitol Band, developed his individual sound, performed as an unaccompanied soloist or in duo settings. He lives in Germany, Poland and New York and looks back on a discography of more than 200 albums. 125 of them he just transferred to his iPod, and he is proud of them - "I couldn't have found a more ideal way to spend my life."

David Solomon

Der ehemalige Herausgeber des Esquire und des Metronome Magazins David Solomon starb bereits am 26. April in New York im Alter von 81 Jahren. Solomon war eng mit Dizzy Gillespie und Nat Hentoff befreundet, auch mit dem Sänger Earl Robinson und seinem Sohn, dem Klarinettisten Perry Robinson. In den 60er Jahren übernahm er das Literaturlektorat für den Playboy, gab außerdem verschiedene Bücher über LSD, Marihuana, Kokain und allgemein "Drogen und Sex" heraus. Er gehörte der "gegenkulturellen" Welt des West Village an und war Stammgast im Jazzclub Sweet Basil. Nachruf: The Villager.

The former editor of Esquire and Metronome Magazine David Solomon died (April 26th already) in New York at the age of 81. Solomon was a friend of Dizzy Gillespie and Nat Hentoff, also of the singer Earl Robinson and his son, the clarinetist Perry Robinson. In the 60s he became literary editor for Playboy Magazine, also edited several books about LSD, marijuana, cocaine and "drugs and sex" in general. He belonged to the counterculture of the West Village and was seen regularly at the jazz club Sweet Basil. Obituary: The Villager.

2. August 2007

Blue Note Club(s)

Paul McCartney spielte kürzlich im New Yorker Highline Ballroom, berichtet Haim Handwerker, einem neuen Club, gegründet von Danny Bensusan, der vor 25 Jahren das Blue Note gründete und mittlerweile drei Clubs in New York, vier in Japan und einen in Mailand besitzt (Haaretz). Bensusan wuchs im israelischen Jaffa auf und zog 1969 erst nach Europa, dann nach New York. Als Wirt begann er mit einem jüdischen Restaurant, eröffnete dann eine Disko, und Anfang der 80er Jahre das Blue Note. Von Jazz wusste er bis dahin nichts - er ging alles mit seinem Geschäftssinn an. Vor zehn Jahren gründete er BB King's, in der Nähe des Times Square. Gitarrist King ist Partner, ihm gehören 3 Prozent des Clubs. Selbst James Brown sei dort aufgetreten. Mit dem Highline Ballroom will Bensusan nun ein jüngeres Publikum ansprechen. In Las Vegas sei einer seiner Clubs ein totaler Flop gewesen, und in Israel sieht er kaum Gewinnchancen für einen Club, weil man amerikanische Musiker einfliegen müsse, aber kaum die Ticketpreise verlangen könne, die in den USA üblich seien.

Paul McCartney recently played New York's Highline Ballroom, a new club established by Danny Bensusan who 25 years ago founded the Blue Note and today owns three clubs in New York, four in Japan and one in Milano, as Haim Handwerker reports (Haaretz). Bensusan grew up in Jaffa and moved to Europe in 1969, then to New York. He started out owning a Jewish restaurant, then a disco and in the early 80s opened the Blue Note. He didn't know anything about jazz by the time - he trusted his business sense. Ten years ago he opened BB King's near Times Square. Guitarist King is a partner; he owns 3 percent of the club. Even James Brown performed at the venue. With the Highline Ballroom Bensusan wants to address a younger audience. In Las Vegas one of his clubs flopped; in Israel there is a good audience for jazz, but one has to fly the American musicians into the country and cannot charge the price for a ticket that one can in the USA.

1. August 2007

Roswell Rudd (1)

Der Posaunist Roswell Rudd sei ein wahrer Jazzbotschafter, berichtet Martin Johnson (Wall Street Journal). Allein in den letzten Wochen habe er Projekte mit Musikern aus China, Sibirien, Puerto Rico, Cuba hinter sich gebracht oder geplant. Und in seiner Gruppe Malicool spiele er mit dem Koraspieler Toumani Diabaté und anderen Musiker aus Mali zusammen. Für dieses Projekt habe er seinen Posaunensound den hypnotischen Wellen der afrikanischen Streichinstrumente und Balaphone anpassen müssen. Bei einem Auftritt der Band im New Yorker Club Jazz Standard konnte Diabaté wegen Visaproblemen nicht mit dabei sein. Rudd, der als Dixielandposaunist begann, dann unter den Einfluss von Thelonious Monk und Herbie Nichols geriet und zu einem wichtigen Vertreter des New Yorker Avantgarde-Jazz wurde, hatte lange Jahre mit dem Musikethnologen Alan Lomax zusammengearbeitet, was ihm die Ohren für fremde musikalische Kulturen öffnete. Neben seinem Mali-Projekt aber arbeitet Rudd nach wie vor auch im konventionelleren Jazzkontext, etwa im Duo mit dem Kontrabassisten Mark Dresser oder in einem neuen Quartett, das er in diesem Sommer vorstellen wird.

The trombonist Roswell Rudd is a true jazz ambassador, as Martin Johnson reports (Wall Street Journal). In the last weeks alone he worked with or planned projects with musicians from China, Siberia, Puerto Rico and Cuba. And in his band Malicool he collaborates with the kora player Toumani Diabaté and other musicians from Mali. For this project he had to adjust his trombone sound to the hypnotic weave of African stringed instruments and balaphones. Diabaté could not participate in the band's performance at New York's club Jazz Standard due to visa problems. Rudd had started out as a dixieland trombonist, then came under the influence of Thelonious Monk and Herbie Nichols and soon became an important member of New York's avantgarde jazz. He had worked with ethnomusicologist Alan Lomax for years who opened his ears for other musical cultures. Besides his Mali project Rudd also works in more conventional settings, for instance in a duo with double bass player Mark Dresser or in a new quartet which he will debut this summer.

Femi Kuti

Sein Vater sei großartig gewesen, erzählt Femi Kuti über Fela Antikulapo Kuti, den König des Afrobeat, mit dem er oft genug verglichen wird, wie Erik K. Arnold berichtet (Minneapolis City Pages). Solch ein Vergleich aber sei eine sehr westliche Sichtweise, meint er, in Afrika gäbe es die Tradition, seine Vorfahren zu ehren, da sei es also ganz normal, dass er in die Fußstapfen seines Vaters trete. Sein Vater sei in raueren Zeiten aktiv gewesen, beeinflusst durch Malcolm X und die Black-Power-Bewegung. Er selbst sei ganz anderen, vor allem auch musikalischen Einflüssen ausgesetzt: HipHop, Salsa oder Rap beispielsweise. Aber auch er sehe die politische Aufgabe in seiner Musik, die oft genug Botschaften über AIDS, Ungerechtigkeit und Korruption in sich trage.

His father was a great man, Femi Kuti says of Fela Antikulapo Kuti, the king of Afrobeat with whom he is often compared, as Erik K. Arnold reports (Minneapolis City Pages). Such a comparison, though, is a typical Western point of view, Femi explains. In Africa ancestor worship is an essential part of African culture, thus for Africans it is quite normal that he followed in his father's footsteps. His father was active in rougher times, influenced by Malcolm X and the Black Power movement. Femi is confronted with quite different musical influences such as HipHop, Salsa or Rap. But he, too, has a political agenda in his music which often carries messages about AIDS, injustices or corruption.

Manny Green

Der Bigband-Leader Manny Green starb am 30. Juli in Houston, Texas, im Alter von 86 Jahren. Green hatte seine Karriere mit 16 Jahren als Sänger in der Band des Pianisten Peck Kelley begonnen. Seine 1948 gegründete Band gehörte in den 50er und 60er Jahren zu den angesagtesten Tanzorchestern in Texas. Green gab das Musikmachen erst 2006 auf, als eine Lungenkrebserkrankung ihn auf dauernde Sauerstoffversorgung angewiesen machte. Nachruf: Houston Chronicle.

The big band leader Manny Green died July 30th in Houston, Texas, at the age of 86. Green had started his career at age 16 as a singer in the band of the pianist Peck Kelley. His big band which he had founded in 1948 belonged to the most popular dance orchestras in Texas in the 50s and 60s. Green only gave up music in 2006 when his fight against lung cancer made him oxygen-dependent. Obituary: Houston Chronicle.

Thelonious Monk

Der Schauspieler Wesley Snipes sähe Thelonious Monk ähnlich und solle ihn daher in einer neuen Filmbiographie spielen, zitieren verschiedene Web-Blogs den Regisseur Leon Ichaso (MTV Movie Blog, Lee Bailey's EurWeb). Ichaso wolle Monk als Menschen darstellen, der mit vielen persönlichen Dämonen zu kämpfen gehabt habe und dennoch einer der einflussreichsten Jazz- und Bebopmusiker wurde.

The actor Wesley Snipes looks like Thelonious Monk and thus might play him in a planned film biography on the pianist, as several web blogs quote director Leon Ichaso (MTV Movie Blog, Lee Bailey's EurWeb). Ichaso wants to portray Monk as a human being who had to fight with personal demons yet became one of the most influential bebop and jazz musicians.


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