Jazz News
Jazz Nachrichten


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31. Juli 2007

Werner Loll

Richtig nichts tun könne er nicht, erzählt der Vibraphonist Werner Loll der Journalistin Almut Behl (Kieler Nachrichten). Ein wenig nervös wirke das, wenn er von Klavier zu Vibraphon wiesele, klassische oder jazzige Töne anzustimmen, um dann mit einem ausgedruckten Lebenslauf wieder zurückzukommen. Ein Chemiestudium habe den in Würzburg geborenen Musiker nach Kiel verschlagen; danach habe er ein Musikwissenschaftsstudium angeschlossen und darin auch promoviert. In Kiel habe er in den 80er Jahren bei verschiedenen Projekten mitgewirkt, in einer innovativen Szene, in der damals noch formale und melodische Experimente möglich gewesen seien. Danach habe er sich durch Stummfilmbegleitungen einen Namen gemacht, nicht nur in Kiel, sondern auch in Hamburg, wo er regelmäßig als Pianist im Metropolis Kino auftrat. Er habe in Zirkuskapellen gespielt, für Hochzeiten und Empfänge, habe die Musik für Unterrichtsfilme geschrieben und ein Musical, das dann aber in der Schublade liegen blieb.

He cannot do just nothing, the vibraphonist Werner Loll tells Almut Behl (Kieler Nachrichten). He seems a little nervous as he scurries from the piano to the vibraphone, playing some classical phrases on one, jazz phrases on the other instrument before he returns with a printout of his résumé. The musician who was born in Würzburg came to Kiel to study chemistry; after he graduated he continued to study musicology in which he holds a doctoral degree. In the 80s he participated in many projects in Kiel, in an then very innovative scene which allowed for formal and melodic experiments. He also made a name playing music for silent movies, not only in Kiel but also in Hamburg's Metropolis Cinema where he performed on a regular basis. He worked in circus bands, for weddings and receptions, wrote music for instructional documentaries and even a musical the manuscript of which ended up in a drawer, tough.

Jon Marks

Der englische Pianist Jon Marks starb am 23. Juli im Alter von 60 Jahren in Berlin. Marks begann seine Karriere 1964 in der Band des Trompeters Keith Smith, lebte Ende der 60er Jahre in Los Angeles und New Orleans, wo ihn insbesondere Alton Purnell nachhaltig beeinflusste. Er spielte mit Kid Thomas, Louis Nelson, Sammy Rimington und lebte seit den späten 70er Jahren in Berlin.

The British pianist Jon Marks died in Berlin on July 23rd at the age of 60. Marks began his career in 1964 in the band of the trumpeter Keith Smith, and he lived in Los Angeles and New Orleans in the late 60s, where he met Alton Purnell who influenced him tremendously. He worked with Kid Thomas, Louis Nelson, Sammy Rimington, and he lived in Berlin since the late 70s.

30. Juli 2007

Sal Mosca

Der Pianist Sal Mosca starb am 28. Juli in White Plains, New York, im Alter von 80 Jahren. Mosca nahm Unterricht bei Lennie Tristano, spielte in den 50er und 60er Jahren vor allem mit Lee Konitz. In den 70er Jahren wirkte er als Solist, spielte außerdem in Besetzungen um Warne Marsh und gab sein musikalisches Wissen im Privatunterricht weiter. Nachruf: www.salmosca.com, New York Journal News.

The pianist Sal Mosca died July 28th in White Plains, New York, at the age of 80. Mosca took lessons with Lennie Tristano, and in the 50s and 60s played mainly with Lee Konitz. In the 70s he worked as a soloist, also performing in bands around Warne Marsh and being active as a private teacher. Obituary: www.salmosca.com, New York Journal News.

Orrin Keepnews

Fünf Grammies und eine große Plattensammlung fielen als erstes ins Auge, wenn man das Wohnzimmer des Produzenten Orrin Keepnews in El Cerrito, California, betritt, berichtet Jim Harrington (Contra Costa Times). Keepnews produzierte Aufnahmen mit Thelonious Monk, Bill Evans, Art Blakey, Wes Montgomery und Kenny Dorham, war außerdem für zwei der einflussreichsten Jazzlabels verantwortlich, Riverside und Milestone. Mit 84 Jahren hat er sich aber nicht zur Ruhe gesetzt, sondern stellt für Concord Records die "Keepnews Collection" zusammen, eine Sammlung ursprünglich von ihm produzierter Aufnahmen bedeutender Jazzmusiker. Keepnews begann seine Jazzkarriere nach dem Kriegsdienst als Herausgeber der Zeitschrift Record Changer. Zusammen mit Bill Grauer gründete er 1953 das Label Riverside, das anfangs vor allem klassische Jazzaufnahmen wiederveröffentlichte, dann auch aktuelle Musiker produzierte. Als Grauer 1963 starb, musste Keepnews die Firma abwickeln. Er gründete das Milestone-Label 1966, das später (wie auch die Rechte zu Riverside) von der Firma Fantasy aufgekauft wurde, die klugerweise Keepnews engagierte, sich um den Jazzkatalog zu kümmern. In den 80er Jahren gründete er ein drittes Label, Landmark Records; jetzt blickt er in der "Keepnews Collection" mit Stolz auf seine lange Produzententätigkeit zurück.

What you see first when you enter producer Orrin Keepnews' living room is five Grammies and a large record collection, reports Jim Harrington (Contra Costa Times). Keepnews produced recordings by Thelonious Monk, Bill Evans, Art Blakey, Wes Montgomery and Kenny Dorham; he also founded two influential jazz labels, Riverside and Milestone. At 84 he hasn't retired, though, but compiles the "Keepnews Collection" for Concord Records, a collection of recordings of important jazz musicians all originally produced by him. Keepnews began his career as the managing editor for the periodical Record Changer. Together with Bill Grauer he founded the label Riverside in 1953, for which at first they mostly reissued classic jazz recordings, but later also produced sessions with contemporary musicians. When Grauer died in 1963, Keepnews was forced to close the business. He founded Milestone Records in 1966 which later (just as the Riverside catalog) was bought by Fantasy, a company wise enough to hire Keepnews as the caretaker of their jazz riches. In the 80s he founded a third label, Landmark Records; today with the "Keepnews Collection" he is able to look back with pride on his long producer's career.

29. Juli 2007

Sue Graham Mingus & Laurie Pepper

Fred Kaplan nimmt die Veröffentlichung bislang unbekannter Mitschnitte zum einen des Kontrabassisten Charles Mingus ("Cornell 1964"), zum zweiten des Saxophonisten Art Pepper ("Unreleased Art") zum Anlass, sich mit den Witwen der beiden Musiker zu unterhalten (New York Times). Man müsse schon ziemlich besessen von der Sache sein, meint Laurie Pepper, die sich um den musikalischen Nachlass ihres Mannes kümmert. Sue Graham Mingus stimmt zu. Zu seinen Lebzeiten mischte sie sich nur gegelegentlich in Geschäftsangelegenheiten ihres Mannes. Nach seinem Tod gründete sie die Mingus Dynasty Band, später die Mingus Big Band. Im Alter von 77 Jahren übergibt sie einige der Aufgaben an ausgesuchte Musiker und beauftragte eine Agentur, die Tourneen für die Bands zu organisieren. Laurie hatte Art Pepper in den 70er Jahren überzeugt, die Erfahrungen mit seiner Drogensucht in einem Buch zu verarbeiten. Letztes Jahr gründete sie ihr eigenes Plattenlabel, Widow's Taste. Die Wiederveröffentlichung von Aufnahmen ihres Mannes sei ihre Art, sich für immer mit Art verbunden zu fühlen.

Fred Kaplan talks to the widows of the bassist Charles Mingus and the saxophonist Art Pepper on the occasion of the release of previously unknown live recordings ("Cornell 1964"; "Unreleased Art") (New York Times). One has to be pretty obsessed with what one does, says Laurie Pepper who deals with her husband's musical legacy. Sue Graham Mingus agrees. While her husband was still alive she only occasionally got involved in his career. After his death she founded the Mingus Dynasty Band, later the Mingus Big Band. At the age of 77 she slowly hands over some of her tasks to selected musicians and engaged an agency to organize the bands' tours. Laurie persuaded Art Pepper in the 70s to write down his experiences with his drug addiction for a book. Last year she founded her own record label, Widow's Taste. The release of recordings by her husband is her way to stay connected with him forever.

28. Juli 2007

Makanda Ken McIntyre

Der Bostoner Pianist John Kordalewski erinnert in seinem Makanda Project an den vor sechs Jahren verstorbenen Saxophonisten und Komponisten Makanda Ken McIntyre, wie Siddhartha Mitter berichtet (Boston Globe). Der 1931 geborene McIntyre spielte bis in die 50er Jahre in Boston, zog dann nach New York, wo er sich als Musiker und Jazzpädagoge einen Namen machte. Die Musiker des Makanda Project spielen McIntyres Kompositionen, eine swingende, lyrische Musik irgendwo zwischen Charlie Parker und der Avantgarde. Nach seinem Tod fand seine Witwe im Nachlass etwa 400 Kompositionen, die McIntyre nie aufgenommen hatte, und von denen das Makada Project jetzt einige Titel spielt - sie hätten sich bislang durch etwa 150 Stücke gearbeitet.

In his Makanda Project, the Boston pianist John Kordalewski remembers the saxophonist and composer Makanda Ken McIntyre who died six years ago, as Siddhartha Mitter reports (Boston Globe). McIntyre, born in 1931, worked on the Boston scene until the 1950s when he moved to New York to make a career as a musician and a jazz educator. The musicians in the Makanda Project play McIntyre's compositions, a swinging and lyrical music somewhere between the influence of Charlie Parker and the avantgarde. After his death McIntyre's widow found about 400 compositions never recorded by her husband from which pile the Makanda Project now plays several - so far they worked themselves through about 150 pieces.

27. Juli 2007

Butch Warren

Der Bassist Butch Warren habe schwere Zeiten hinter sich gehabt, sei jetzt aber wieder auf der Jazzszene aktiv, berichtet Marc Fisher (Washington Post Blog). Letzten Sommer habe Fisher ihn noch auf der psychiatrischen Station des Springfield Hospital Center in Maryland besucht, doch jetzt spiele er wieder, fast mit der Energie eines 25jährigen und mit der Erfahrung eines im August 68jährigen Musikers, der mit Thelonious Monk, Herbie Hancock, Dexter Gordon, Donald Byrd und Jackie McLean gespielt hat. Er lebt nach wie vor von der Sozialhilfe und Freundschaftsdiensten ihm zugetaner Jazzfans.

The bassist Butch Warren has gone through difficult times but now is back on the jazz scene, as Marc Fisher reports (Washington Post Blog). Last summer Fisher had visitited him at the Springfield Hospital Center, Maryland's state mental institution, but now Warren plays again with the energy of a 25 year old and the experience of a musician who turns 68 in August and looks back on gigs with Thelonious Monk, Dexter Gordon, Donald Byrd and Jackie McLean. He continues to survive on a Social Security check as well as with the help from jazz lovers.

James Carter

Mark Stryker stellt dem Saxophonisten James Carter fünf Fragen (Detroit Free Press). Detroit habe so ein Down-Home-Feeling, und das zeige sich auch in der Musik. Nur weil Motown ausgetrocknet und an die Westküste gezogen sei, hieße das noch lange nicht, dass keine guten Musiker aus der Stadt kämen. Deshalb engagiere er oft Musiker aus Detroit für seine Bands. Er wolle so weitermachen wie bisher mit seinen verschiedenen Bands. Das erste Album seines neuen Universal-Vertrags solle ein Quartettalbum mit verschiedenen Gästen werden. Er sammle alte Saxophone; zuletzt habe er ein Sarrusophon gekauft, eine Kreuzung aus Saxophon und Fagott. Er würde gern mal mit Eartha Kitt und mit Lena Horne spielen.

Mark Stryker gets the chance to ask five questions to saxophonist James Carter (Detroit Free Press). Detroit has a down-home feeling which is reflected in its music as well. Just because Motown dried up and moved west doesn't mean that there are no great musicians in the city. This is why he often has Detroit musicians in his bands. He plans to continue to work with his different ensembles and will issue his first album on his new Universal contract playing with his quartet plus several guests. He collects old saxophones; the last instrument he bought was a sarrusophone, a cross between a saxophone and a bassoon. He would like to play with Eartha Kitt and Lena Horne.

Etta James

Die Sängerin Etta James wurde in Los Angeles in ein Krankenhaus gebracht, nachdem sie sich im Juni einer Unterleibsoperation unterzogen hatte (United Press International). Chaka Khan wird die meisten ihrer geplanten Konzerttermine übernehmen.

The singer Etta James was hospitalized in Los Angeles due to complications from abdominal surgery she underwent in June (United Press International). Chaka Khan will take per place in most of her planned concert dates.

26. Juli 2007

Lionel Hampton & Native Americans

Jennifer K. Bauer berichtet über die Nachwirkungen eines Besuchs des damals schon über 80 Jahre alten Vibraphonisten Lionel Hampton im Reservat des Nez Perce Indianerstammes in Idaho in den 90er Jahren (Indian Country Today). Er spielte für Schulkinder und wurde zum Ehrenmitglied des Stammes ernannt. Jetzt nahm der Schlagzeuger, Flötist und Sänger Andre Picard, den Hampton damals mit seiner Musik erreichte, zusammen mit dem ehemaligen Hampton-Bassisten Christian Fabian ein Album auf, das Jazz und indianische Musik verbindet. Jazz sei immer Amerikas ureigenste Kunstform genannt worden, sagt der in Schweden geborene und in Deutschland aufgewachsene Fabian, "aber wenn man es genau nimmt, dann ist die Musik der amerikanischen Ureinwohner hier noch ursprünglicher als der Jazz". Es gäbe Parallelen in den improvisatorischen Ansätzen beider Musiktraditionen; in indianischer Musik gäbe es eine ganz spezielle Art des Scatgesangs. Unter den Titeln des Albums ist ein feierliches Lied, das dem Stammeshäuptling gewidmet sei, aber auch "What a Wonderful World", mit dem Hampton damals die Kinder des Reservats begeistert hatte.

Jennifer K. Bauer reports about the repercussions of a visit by the vibraphonist Lionel Hampton in the Nez Perce reservation in Idaho in the 1990s (Indian Country). Hampton played for school children and was made an honorary member of the tribe. Now the drummer, flutist and singer Andre Picard whom Hampton had reached with his music, recorded an album together with the former Hampton bassist Christian Fabian in which they combine jazz and American Indian music. Jazz has been called America's original art form, says Fabian who was born in Sweden and grew up in Germany, but "when you think about it, Native American music is even more original than jazz". There are parallels in the improvisatory approaches of both music traditions; in American Indian music there also is a very special kind of scat singing. Among the titles of the album is a chant dedicated to the chief of the tribe, but also "What a Wonderful World", the piece with which Hampton had delighted the kids from the reservation.

25. Juli 2007

King Oliver

Nat Hentoff lobt die jüngste Wiederveröffentlichung der klassischen Aufnahmen von King Oliver's Creole Jazz Band aus dem Jahr 1923 (The Wall Street Journal). Den Tontechnikern David Sager und Doug Benson sei auf ihrem kleinen Label Off the Record gelungen klarzumachen, warum die Creole Jazz Band bei Musikern im Chicago der 20er Jahre einen so guten Ruf genoss. Hentoff erinnert sich, wie er in seiner Jugend Ältere beneidet hatte, die Oliver noch live hatten hören können. Auf dieser Wiederveröffentlichung nun habe man das Gefühl, selbst im legendären Lincoln Gardens zu sitzen und den simultanen Breaks von Oliver und Louis Armstrong zuzuhören. Weitere CDs Aufnahmen von Kid Ory, Clarence Williams und Bix Beiderbecke seien geplant.

Nat Hentoff praises the recent reissue of the classic recordings made by King Oliver's Creole Jazz Band in 1923 (The Wall Street Journal). On their small label Off the Record the sound engineers David Sager and Doug Benson succeeded in restoring the sound which made the Creole Jazz Band one of the hottest bands among Chicago musicians in the 20s. Hentoff remembers how in his teens he envied older Chicagoans who had been able to listen to Oliver live. On the new reissue one feels like sitting in the legendary Lincoln Gardens listening directly to the simultaneous breaks by Oliver and Louis Armstrong. More CDs are planned with music by Kid Ory, Clarence Williams and Bix Beiderbecke.

24. Juli 2007

George Wein

Christian Broecking besuchte den Jazzfestival-Veteran George Wein, der seine Firma Festival Productions verkauft hat, der Firma die nächsten drei Jahre aber noch leitet (die tageszeitung). Auf der einen Seite müsse man heute ein größeres Publikum ziehen, um über die Runden zu kommen, auf der anderen Seite gäbe es heute weniger Jazzstars vom Rang eines Miles Davis, Thelonious Monk oder einer Ella Fitzgerald. Gerade Herbie Hancock und Keith Jarrett zögen noch ein ähnliches Publikum. Das amerikanische Publikum sei nach wie vor kaum interessiert an europäischen oder amerikanischen Musikern. Bei allen Klagen ist sich Wein doch sicher, dass eines Tages "ein neuer Dave Brubeck" kommen würde, der wieder ein wirklich großes Publikum ansprechen würde. Wo früher die Ticketverkäufe zur Finanzierung von Festivals ausreichten, braucht man heute Sponsoren. Eines seiner schönsten Festivals sei die Grande Parade du Jazz gewesen, die er von 1974 bis Anfang der 90er Jahre in Nizza durchführte. Er fände es schade, dass europäische Festivals wie North Sea oder Montreux fast nur noch Pop böten.

Christian Broecking visits the jazz festival veteran George Wein who sold his company Festival productions but will continue to direct their business for the next three years (die tageszeitung). On the one hand one has to reach a bigger audience today to make ends meet, on the other hand there are fewer stars such as Miles Davis, Thelonious Monk or Ella Fitzgerald. Only Herbie Hancock or Keith Jarret come to his mind when he thinks about artists who could draw a similar crowd. The American audience is hardly interested in European or American musicians. Complaints aside, Wein is sure that one day "a new Dave Brubeck" will come along to address a really large audience. Where before the ticket sales were enough to finance a festival, today one needs sponsors. One of the nicest festivals he ever produced was the Grande Parade de Jazz which he organized in Nice, France, from 1974 up into the 90s. He thinks it's sad that European festivals such as North Sea or Montreux offer mostly a pop program.

Chicago Jazz Partnership

Einige der bedeutendsten Firmen und Stiftungen Chicagos taten sich vor zwei Jahren zusammen um ein neues Modell der Kunstförderung zu ersinnen, und als Ziel ihrer Sponsoringaktivitäten suchten sie sich - in den USA durchaus nicht alltäglich - den Jazz aus, wie Howard Reich berichtet (Chicago Tribune). In der Zwischenzeit hat die Initiative, die sich Chicago Jazz Partnership nennt, immerhin 1,5 Millionen Dollar zusammengebracht, sicher keine große Summe im klassischen Bereich, aber für den Jazz eine gute Grundlage. Was das Geld für die Jazzszene der Stadt bewirkte, konnte bei der Konzertreihe "Made in Chicago" gehört werden. Chicago Jazz Partnership untersuchte den Marktwert des Jazz (in bezug auf die Größe seines Publikums) und stellte fest, dass Jazz von privaten Förderern in ihren Sponsoringprogrammen offenbar zu wenig berücksichtigt wurde. Chicago Jazz Partnership begann als lose Partnerschaft zwischen dem Firmenkonsortium und einzelnen Partnern aus der Jazzszene, zu denen auch die AACM und andere eher avantgardistisch ausgerichtete Initiativen gehören.

Some of the most important of Chicago's corporations and foundations came together two years ago to develop a new model for funding the arts, the aim of their sponsoring activities being jazz, as Howard Reich reports (Chicago Tribune). In the meantime the consortium which calls itself Chicago Jazz Partnership has funneled 1.5 million dollars, possibly not a big sum in classical music, but a good basis for jazz. Some results of the funding can be heard during the concert series "Made in Chicago". Chicago Jazz Partnership conducted a marketing study which stated that jazz is "underserved by the philanthropic community". The new funding program started as a loose agreement between the involved companies and foundations and partners from the jazz scene, among them also more avantgarde oriented initiatives such as the AACM.

23. Juli 2007

Barbara Dane

Leonard Feather hat die Sängerin Barbara Dane einmal "Bessie Smith in Stereo" genannt, erzählt Ben Fong-Torres (San Francisco Chronicle). Der 80jährigen aber gelang nie der Durchbruch, den ihr vielfältiges Lob in den 50er Jahren prophezeite. Sie hatte nie einen Hit, am nächsten dran war sie vielleicht mit "I'm On My Way" von 1960. Dane war immer politisch aktiv gewesen, setzte sich für die Bürgerrechtsbewegung und gegen Rassismus ein. Der Blues habe sie als Frau besonders angesprochen, sagt sie. Sie habe die klassischen Bluessängerinnen studiert und erkannt, dass der Blues eigentlich eine Art Überlebensmusik sei. Sie habe Folk und Blues gesungen, und Louis Armstrong habe sie eingeladen, ihn auf einer Europatournee zu begleiten. Aus der gemeinsamen Tournee wurde nichts, und Dane mutmaßt, dass ihr politischer Aktivismus das State Department, das die Tournee förderte, abschreckte. Trotz all der Ungerechtigkeit, die sie immer wieder gesehen hat, fühlt Dane keinen Frust über den Zustand der Welt. Es mache mehr Spaß, im Zug zu sitzen, als ihn vorbeifahren zu sehen.

Leonard Feather once called the singer Barbara Dane a "Bessie Smith in Stereo", as Ben Fong-Torres reports (San Francisco Chronicle). The 80 year old never quite had the success predicted to her by many in the 50s. She never had a hit, coming closest perhaps with "I'm On My Way" from 1960. Dane was always politically active in the civil rights movement, fighting against racism. The blues spoke to her in terms of women, she says. She studied the classic female blues singers and realized that blues is some kind of survival music. She sang folk and blues, and Louis Armstrong invited her to come with him for a European tour. But the tour never came off, and Dane speculates that perhaps the state department which sponsored the tour was put off by her political activism. Despite all the social injustice she battled with all her life, Dane feels no frustration over the state of the world. It's more fun being on the train than just watching it go by.

22. Juli 2007

Ravi Coltrane

Als er im kalifornischen San Fernando Valley aufwuchs, wusste keiner seiner Mitschüler, dass er John Coltranes Sohn war, erzählt Ravi Coltrane dem Journalisten Paul de Barros (Seattle Times). Alle drei bis vier Jahre sprach ihn mal jemand an ... Coltrane, war das nicht mal ein bekannter Bluessänger? Zu Beginn seiner Karriere interessierte sich Ravi vor allem für klassische und Filmmusik. Zum Jazz kam er erst relativ spät. Ravi hatte seinen Vater nie richtig gekannt - der starb, als der Sohn 2 Jahre alt war. Er sagt, er hätte wohl nie zum Saxophon gegriffen, wenn er von seiner Umgebung dauernd als John Coltranes Sohn behandelt worden wäre.

When growing up in California's San Fernando Valley nobody knew that he was John Coltrane's son, Ravi Coltrane tells Paul de Barros (Seattle Times). Every three or four years somebody came up to him and said something like ... Coltrane, wasn't that a famous blues singer? At the beginning of his career Ravi was mostly interested in classical and film music. He later he decided to play jazz. Ravi never knew his father who died when the son was just 2 years old. He says he probably never would have taken up the saxophone if people around him had always treated him as John Coltrane's son.

Jim Galloway

Etwa eine Million Meinen sei er schon gereist, erzählt der kanadische Sopransaxophonist Jim Galloway dem Journalisten Geoff Chapman (The Toronto Star). Aber er beklage sich nicht über die Strapazen der Reisen, sondern eher schon darüber, dass es für seine Art eines melodischen, swingenden Jazz immer weniger Auftrittsmöglichkeiten gäbe. Er fahre lieber Zug als dass er fliege, besonders in Europa. In Deutschland habe er Probleme gehabt, vegetarische Speisen zu finden. (Wir könnten ihm versichern: das hat sich geändert!) Im Flughafen Heathrow gäbe es immer guten Malt Whisky. In den Flughäfen Miami oder Orlando werde man wie Vieh abgefertigt. Air Canada sei okay, asiatische Airlines gut, viele amerikanische Fluglinien dagegen ließen in ihren Standards nach. Ein Instrument habe er noch nie verloren - dann aber nehme ein Sopransaxophon auch nicht gerade viel Platz weg. Er liebe Paris und Wien, wo er seit 30 Jahren regelmäßig im Jazzland spiele, die italienische Küche, kleine Hotelzimmer in San Francisco, die Gastfreundlichkeit Japans. Manchmal reise er auch einfach so, zum Spaß, nach Prag etwa, in die Provence oder nach Schottland. Zwei Länder, die er gerne noch entdecken würde, sind Russland und die Türkei.

The Canadian soprano saxophonist Jim Galloway has traveled a million miles as he tells Geoff Chapman (The Toronto Star). But he does not complain about the hardships of traveling as much as he does about the fact that there are fewer and fewer venues featuring his kind of melodic, swinging jazz. He rather uses trains than airplanes, especially when traveling Europe. In Germany he had problems getting vegetarian meals. (We can assure him: that has changed!). At Heathrow Airport they have good malt whiskey at the liquor store. In Miami and Orlando passengers are treated like cattle. Air Canada is okay, Asian airlines are good, many American airlines, though, are dropping their standards. He never lost an instrument - but then a soprano saxophone doesn't take up much space. He loves Paris and Vienna where he plays the Jazzland club since 30 years, the Italian cuisine, small hotel rooms in San Francisco, the hospitality in Japan. Sometimes he travels just for pleasure, to Prague for instance, to the Provence or to Scotland. Two countries he yet wants to see are Russia and Turkey.

21. Juli 2007

Norah Jones

Norah Jones stellt sich den kurzen Fragen von Rosanna Greenstreet mit ebenso kurzen Antworten (Guardian). Ihre erste Erinnerung (auf dem Spielplatz, sie hatte sich die Lippe aufgebissen); was sie an sich selbst nicht möge (dass sie es anderen immer recht machen wolle); die teuerste Anschaffung (ein Flügel aus dem Jahr 1912); ihre Lieblingsstadt (Barcelona); ihr Lieblingswort (Nein); wen würde sie zu einer Dinnerparty einladen (alle ihre Freunde plus Keith Richards); der schlimmste Gig (als Kellnerin); und viel mehr; sowie am Schluss einen zweideutigen Witz.

Norah Jones answers the short questions by Rosanna Greenstreet with just as short answers (Guardian). Her first memory (on a playground, biting off her bottom lip); what she doesn't like about her self (her desire to please others); the most expensive thing she ever bought (a 1912 piano); her favorite city (Barcelona); her favorite word (no); whom she would invite to a dinner party (all her friends plus Keith Richards); the worst gig (as a waitress); and much more; ending it all with an ambiguous joke.

Beñat Achiary

Francis Marmande interviewt den Sänger Beñat Achiary, der beim Festival Errobiko Festibala Jazz mit der Vokalimprovisation seiner baskischen Heimat mischt (Le Monde). Er singe zwar auch Jazzthemen, sehe sich aber nicht wirklich als Jazzsänger. In seiner Kunst wolle er die Grenzen zwischen Improvisation und Interpretation aufbrechen, in der Tradition baskischer Kultur, in der das Wieder-Leben, die Wiedergeburt und die fortwährende Improvisation eine wichtige Rolle spiele.

Francis Marmande interviews the singer Beñat Achiary who mixes jazz and the vocal improvisation of his Basque home country during the festival Errobiko Festibala (Le Monde). He also sings jazz themes, but he does not see himself as a jazz singer. In his art he wants to break up the borders between improvisation and interpretation - in the tradition of Basque culture, in which re-living, re-birth and the perpetual improvisation plays an important role.

20. Juli 2007

Slide Hampton

Als Lehrer sei es ihm wichtig, seinen Schülern zu helfen, ihre eigene Persönlichkeit in ihrer Musik auszudrücken, erzählt der Posaunist Slide Hampton dem Journalisten David Srebnik (Washington Star). Individuell zu sein, mag heute in dieser Gesellschaft nicht mehr so wichtig scheinen, aber im Jazz sei es nun mal immer noch eines der wichtigsten Elemente. Neben musikalischem Wissen, wolle er in seinen Workshops auch einige Lebenslehren weitergeben. Er warne dabei vor Drogen, Alkohol und Rauchen, aber auch davor, zu viel immer derselben Musik zu hören. Er sei das letzte Kind in einer Musikerfamilie gewesen, der es noch an einem Posaunisten mangelte. Also nannten die Eltern ihn "Slide" und bestimmten, er solle Posaune spielen.

As a teacher he wants to help his students express their own individuality through music, trombonist Slide Hampton tells David Srebnik (Washington Star). To be individual may not be at the heart of today's society anymore, but in jazz it still is one of the most important elements. Besides teaching musical knowledge he also wants to pass on a few life lessons. He warns against drugs, alcohol and smoking, but also against listening to too much of the same music. He was the last child in a musicians' family which didn't have a trombone player. Thus, his parents called him "Slide" and decided that he had to take up the trombone.

Paul Shapiro

Der Saxophonist Paul Shapiro schrieb eine Filmmusik für einen Stummfilm, der vor mehr als 80 Jahren in der New Yorker Nachbarschaft gedreht wurde, in der er heute wohnt, wie Delfin Vigil berichtet (San Francisco Chronicle). Die Musik sei keine Improvisation. Er und die Musiker in seinem Sextett wüssten an jedem Moment, was im Film gerade passiert. Er habe musikalische Erinnerungen an seine eigene Jugend und die Lieder in der Synagoge einfließen lassen. Das ganze klinge aber nicht wie Klezmer, wenn es auch deutlich einen Sound hat, der auf die Zeit vor E-Gitarren und Synthesizern verweise. Ob man sich nun mehr auf den Film oder die Musik konzentrieren solle, fragt Vigil. "Entspann dich einfach und lass es alles auf dich einwirken", antwortet Shapiro.

The saxophonist Paul Shapiro wrote the music for a silent movie which had been shot more than 80 years ago in the same New York neighborhood he is living in today, as Delfin Vigil reports (San Francisco Chronicle). The music is no improvisation. He and the musicians in his sextet know at every moment what's happening in the movie. He referenced musical memories to his own youth and the songs heard in the synagogue. It all does not sound like Klezmer, even though it definitively aims at a sound prior to electric guitars and synthesizers. Vigil asks whether viewers should pay more attention to the movie or to the music. "Just relax and drink it all in", is Shapiro's reply.

19. Juli 2007

Jazz in Osteuropa / Jazz in Eastern Europe

Ein gemeinsames Forschungsprojekt von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin sowie Kollegen aus Polen, Ungarn und der Slowakei beschäftigt sich mit dem gesellschaftspolitischen Stellenwert des Jazz in Osteuropa, wie Ilka Seer berichtet (Tagesspiegel). Dem Projekt, das im Untertitel "Widerständigkeit durch Kulturtransfer" untersuchen will, wird von der Volkswagenstiftung mit einer Summe in Höhe von 350.000 Euro gefördert. Jazz als "Musik der Freiheit und Demokratie" sei in den Staatssozialistischen Gesellschaften Osteuropas als gefährlich eingestuft worden, erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Gertrud Pickhan vom Osteuropa-Institut der Freien Universität. Teilstudien werden die Rolle des Jazz in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und der DDR sowie Jazz als "jüdische Musik“ untersuchen.

A joint research project of scholars from the Freie Universität Berlin and colleagues from Poland, Hungary and Slovakia will explore the socio-political significance of jazz in Eastern Europe, as Ilka Seer reports (Tagesspiegel). The project looks at "opposition through cultural transfer" and is funded by the Volkswagen Foundation with a grant of 350.000 Euro. Jazz as "music of freedom and democracy" was seen as dangerous in the socialist countries of Eastern Europe, as project supervisor Prof. Dr. Gertrud Pickhan of the Freie Universität's Osteuropa-Institut explains. Partial studies will examine the role jazz played in Poland, Czechoslovakia, Hungary, East Germany as well as jazz as "Jewish music".

18. Juli 2007

Keith Jarrett (2)

Keith Jarrett trat mit seinem Trio in der Philharmonie Essen auf und die Kollegen der Tagespresse waren (mäßig) entzückt. Fast eingeschüchtert sei das Publikum gewesen von der Mahnung des Intendanten des Klavier-Festivals Ruhr, bloß nicht zu husten und schon gar nicht zu fotografieren. Lange Spannungsbögen habe es gegeben, schreibt Christoph Giese (Kölnische Rundschau). Guido Fischer meint einem Schöpfungsakt beizuwohnen, wenn Jarrett "in einem seiner Improvisationsmantras lebt und leidet, ächzt und stöhnt, grunzt und jauchzt, wimmert und stampft" (Frankfurter Rundschau). Er lobt Gary Peacock und Jack DeJohnette, die mithalfen, den gespielten Standards "poetischen Tiefgang" zu verleihen. Wolfgang Sandner stellt eine etwas sterile Atmosphäre fest, "eine Art von Wohlanständigkeit, die dem ganzen Konzert einen merkwürdigen Beigeschmack von 'gut gemeint' verlieh, was auch der scheu wie ein arabisches Rennpferd reagierende Keith Jarrett gespürt haben muss" (Frankfurter Allgemeine Zeitung). So perfekt und originell es auch alles geklungen habe - und Sandner weiß durchaus zu loben -, sei das Konzert wohl keine von Jarretts musikalischen Sternstunden gewesen.

Keith Jarrett performed at the Philharmonie Essen, and the journalists for the daily newspapers were (moderately) delighted. The audience seemed a bit intimidated by the admonitions of the Klavier Festival Ruhr's artistic director not to cough and by no means to take photographs. There were long, suspense packed passages, as Christoph Giese reports (Kölnische Rundschau). Guido Fischer sees himself witnessing an act of creation when Jarrett "lives in one of his improvisation mantras and suffers, groans and moans, grunts and cheers, wails and stamps" (Frankfurter Rundschau). He praises Gary Peacock and Jack DeJohnette who both helped giving "poetic depth" to the standards played. Wolfgang Sandner discerns a somewhat sterile atmosphere, "some kind of decency which gave the whole concert the strange flavor of 'well-meant', a fact probably not hidden to Keith Jarrett who reacted like a shy Arabian race horse" (Frankfurter Allgemeine Zeitung). As perfect and original as it all sounded - and Sandner does praise a lot -, the concert will not be counted among Jarrett's musical moments of glory.

Johnny Hope

Der Saxophonist Johnny Hope starb im Alter von 81 Jahren in London. Hope wurde in Barbados geboren, zog nach dem II. Weltkrieg in die USA und nahm in New York Unterricht bei Andy Brown, einem Saxophonisten, der in den 20er Jahren im Cotton Club und dann 15 Jahre in Cab Calloways Band gespielt hatte. Nachdem er Charlie Parker in der Carnegie Hall hörte, orientierte Hope sich in seinem Stil an ihm. Die Einwanderungsbehörden schickten ihn in den 50er Jahren zurück nach Barbados, bevor er 1957 nach London kam. Er arbeitete als Busfahrer, spielte dann mit Kollegen aus der Karibik auf Kreuzfahrten durchs Mittelmeer. Er wirkte auf einigen Reggae-Platten mit, spielte vor allem mit jamaikanischen Musikern und arbeitete noch bis 2006 mit dem Trio Cool Savana. Nachruf: Guardian.

The saxophonist Johnny Hope died in London at the age of 81. Hope was born in Barbados, moved to the USA after World War II and in New York took lessons with Andy Brown, a saxophonist who had played at the Cotton Club in the 1920s and worked with Cab Calloway's band for 15 years. When he heard Charlie Parker at Carnegie Hall, Hope remodeled his style after him. The immigration authorities forced him to return to Barbados in the 50s; he came to London in 1957. There he worked as a bus driver then performed with other Caribbean musicians on Mediterranean cruises and continued to work with the trio Cool Savana until 2006. Obituary: Guardian.

16. Juli 2007

Bud Powell

Wenn man momentan über "Jazz" in amerikanischen Zeitungen liest, stolpert man momentan neben Artikeln über das Basketball-Team der Utah Jazz auch über das Pharmaunternehmen "Jazz", das gerade einen Vergleich eingegangen ist und eingewilligt hat, 20 Millionen Dollar zu zahlen. Das Unternehmen hatte ohne Zulassung der Behörden ein Mittel gegen Narkolepsie auch als Mittel gegen chronische Schmerzen, für Gewichtsverlust, gegen Depression und Parkinson vermarktet. Der Artikel über das Krankenhaus Kings Park Psychiatric Center auf Long Island hat zumindest am Rande auch mit der Musik Jazz zu tun. Hier seien, schreibt Paul Vitello, Jazzmusiker "besonders häufige Besucher" gewesen (New York Times). Ein ehemaliger Pflegehelfer erinnert sich zum Beispiel, wie Bud Powell einst im Ruheraum des Hauses 93 auf einem alten Klavier gespielt hätte. Das hätte alle inspiriert.

When browsing American newspapers for the word "jazz" these days, aside from mention of the basketball team Utah Jazz you will find the pharmaceutical company "Jazz" which just settled a federal investigation and agreed to pay 20 million dollars. The company had marketed a drug against the sleep-disorder narcolepsy for other unapproved uses, as treatment for chronic pain, weight loss, depression, bipolar disorder and Parkinson's Disease. An article about the hospital Kings Park Psychiatric Center in Long Island at least has some musical connection to the "real" jazz. Here, attests Paul Vitello, jazz musicians "were especially frequent visitors" (New York Times). A retired psychiatric aide, for instance, "recalled watching with reverence as Bud Powell, the great jazz pianist, 'played for us on an old upright in one of the rec rooms of Building 93'". It was inspiring to all.

Quincy Jones

Quincy Jones kam 1987 zum ersten Mal zum Montreux Jazz Festival, wo er bald große Projekte, beispielsweise mit Miles Davis oder Herbie Hancock realisierte. Er sei süchtig nach Montreux, erzählt er Thomas Nagy, und er schätze Festivalgründer Claude Nobs als einen Visionär (20 Minuten). Der habe den Geist eines Jazzmusikers: Spiel niemals dasselbe zweimal. Der 74-jährige Jones selbst plane demnächst eine Platte mit Joe Pesci und werde außerdem mit Snoop Dogg und Clark Terry ins Studio gehen.

In 1987 Quincy Jones attended the Montreux Jazz Festival for the first time; soon he produced big projects for the festival, such as concerts with Miles Davis or Herbie Hancock. He is addicted to Montreux, as he tells Thomas Nagy, and he considers the festival's founder Claude Nobs a visionary (20 Minuten). Nobs works with the spirit of a jazz musician: Never play the same thing twice. The 74 year old Jones will produce his next album with Joe Pesci and plans to go into the studio with Snoopy Dogg and Clark Terry.

15. Juli 2007

Earl Watkins

Der Schlagzeuger Earl Watkins starb am 1. Juli im Alter von 87 Jahren. In den 1950er Jahren spielte Watkins in der Dixielandband von Bob Scobey, von 1956 bis 1961 mit Earl Hines im Club Hangover in San Francisco. Er blieb bis ins hohe Alter musikalisch Aktiv und engagierte sich darüber hinaus in der lokalen Musikergewerkschaft. Nachruf: San Francisco Chronicle.

The drummer Earl Watkins died July 1st at the age of 87. In the 1950s Watkins played in the dixieland band of Bob Scobey before joining Earl Hines with whom he performed at San Francisco's Club Hangover from 1956 to 1961. He remained active as a musician until last September and also was very much involved in activities by the local musicians' union. Obituary: San Francisco Chronicle.

Amiga Schallplatten

Die DDR-Plattenfirma Amiga feiert ihren 60sten Geburtstag und ist damit das älteste durchgängig existierende deutsche Plattenlabel, wie Gunnar Leue berichtet (Sächsische Zeitung). Begonnen habe es alles 1946 mit einer Absprache des Arbeitersängers Ernst Busch und des sowjetischen Militärkommandanten in Berlin, dass Busch eine Schallplattenkassette für alle in Berlin lebenden ehemaligen Brigadekämpfer im Spanischen Bürgerkrieg zusammenstellen solle. Dafür wurde eine neue Plattenfirma gegründet, deren klassischer Zweig "Eterna" und deren Tanzmusik-Zweig "Amiga" hieß. Im Mai 1947 erschien die erste Amiga-Platte, Kurt Reimanns Version der "Capri Fischer". 1955 wurde die Firma umbenannt in "VEB Deutsche Schallplatten". Die Regierung der DDR habe immer mal darüber nachgedacht, ob es in dem Land überhaupt einer Schallplattenfirma bedürfe. Neben Eigenproduktionen brachte Amiga auch Lizenzausgaben auf den Markt, etwa von Michael Jackson, Pink Floyd oder auch namhaften Jazzkünstlern, Platten, die nach ihrem Erscheinen meist schnell vergriffen waren. Nach der Wende geriet die Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten, bevor sie von BMG übernommen wurde. Bei der Fusion von BMG und Sony wurde Amiga dann "personell abgewickelt und an die Katalogabteilung in München angedockt".

The GDR record label Amiga was founded 60 years ago and thus is the oldest still existing German record label, as Gunnar Leue reports (Sächsische Zeitung). It all began in 1946 when working class singer Ernst Busch and the Soviet military commander in Berlin agreed to produce a record box for Berlin-based former fighters in the Spanish Civil War. A new record company was founded, the classical side of which was called "Eterna" and the dance music side "Amiga". In May 1947 the first record was released, Kurt Reimann's interpretation of the "Capri Fischer". In 1955 the company was renamed into "VEB Deutsche Schallplatte". From time to time the East-German government discussed whether the country needed a record company at all. Amiga released its own productions, but also licensed editions, for instance productions by Michael Jackson, Pink Floyd or some renowned jazz artists, records which were sold out soon after they were released. After 1989 the company got into economic problems before it was taken over by BMG. When BMG and Sony merged, Amiga's personnel was pared down and the Amiga catalogue added to the Munich based catalogue department of the bigger parent company.

14. Juli 2007

Keith Jarrett (1)

Vor seinem Auftritt beim Festival Umbria Jazz in Italien habe Keith Jarrett erst einmal sein Publikum beschimpft (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Er habe das "A-Wort" und zweimal das "F-Wort" gebraucht und jedem, der seinen Nachbarn das Fotohandy zücken sehe, erlaubt, handgreiflich zu werden. Die rund 5.000 Besucher seien einigermaßen konsterniert gewesen; das Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette habe dann so lustlos gespielt wie die Laune des Pianisten es von Anfang an habe erahnen lassen; und in der Pause verließen etliche Besucher das Konzert. Die Lokalpresse fand, Jarrett habe nicht nur sein Publikum, sondern das ganze Festival beleidigt.

Before his concert at the Umbria Jazz festival in Italy even started, Keith Jarrett managed to insult his audience (Frankfurter Allgemeine Zeitung). He used the "A word" and the "F word" even twice and authorized anybody seeing his neighbor using a photo cell phone to get rough. The audience of about 5,000 was quite puzzled by this behavior; and the trio with Gary Peacock and Jack DeJohnette played just as dull as could be expected from the sulkiness of the pianist. During intermission much of the audience left the concert. The local press wrote that Jarrett not only insulted his audience but the whole festival.

Niklaus Troxler

Die Plakate des Grafikers und Festivalgründers im Schweizer Willisau, Niklaus Troxler, sind jetzt in einer Ausstellung in der New Yorker Kunstakademie Cooper Union zu sehen (Swiss Info). Zur Vernissage stellte sich Troxler Fragen aus dem Publikum. Junge Grafiker sollten ihre Hände gebrauchen, sagt er, anstatt mit der Computermaus zu arbeiten. Er liebe die optische Irritation und male oft bis an den Rand des Papiers oder gar darüber hinaus. New York und Willisau sieht er nicht als Gegensätze, sondern einfach als Realität.

The posters of the graphic designer and festival founder in Willisau, Switzerland, Niklaus Troxler, can be seen in an exhibition at New York's art academy Cooper Union (Swiss Info). During the vernissage Troxler answered questions from the audience. Young graphic designers should use their hands more instead of the computer mouse. He loves visual irritations and in his drawings often touches the edge of the paper or even draws beyond it. New York and Willisau are no opposites, they are simply reality.

13. Juli 2007

Ernst-Ludwig Petrowsky

Der Saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky liest ab und zu auch die Lokalzeitung seiner Geburtsstadt und entdeckte dort einen kleinen Fehler, den er mit einem Leserbrief zu korrigieren wusste (Schweriner Volkszeitung). An einem Haus in Güstrow würden die verwitterten Buchstaben "HPG" für die Baufirma "Heinrich Peters Güstrow" stehen, hatte ein Redakteur gemutmaßt, doch Petrowsky korrigiert: Die Buchstabenkombination lautete eigentlich "FPPGG" und stünde für "Friedrich Petrowsky Papiergroßhandel Güstrow". Sein Vater habe das Haus in den 30er Jahren gekauft und zum Wohn- wie Geschäftshaus umgebaut. Der Bildhauer Ernst Barlach habe zu den Kunden seines Vaters gehört, erinnert sich "Luten" Petrowsky. Als die Rote Armee in den letzten Kriegstagen in Güstrow einrückte, hätte sich fast die ganze Straße in den Kellerräumen versteckt; die drei Soldaten, die in den Keller kamen, hätten sich ziemlich erschrocken, als sie die vielen Menschen sahen.

From time to time, the saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky reads the local paper of his native town, in which he recently he discovered an error which he corrected in a letter to the editors (Schweriner Volkszeitung). A house in Güstrow was marked by the weathered letters "HPG" which stand for the construction company "Heinrich Peters Güstrow", as a journalist assumed. But Petrowsky corrects that speculation: The letters originally were "FPPGG" and stood for "Friedrich Petrowsky Papiergroßhandel Güstrow", his father's paper wholesale company. His father had bought the house in the 30s and converted it into a combined residence and office building. The sculptor Ernst Barlach was among his father's customers, as "Luten" Petrowsky remembers. When the Red Army took over the city of Güstrow in the last days of the war, nearly the whole street hid in the cellar of the house; the three soldiers who discovered the cellar were quite startled when they saw the many people.

Diana Krall

Nach der Geburt ihrer Zwillinge im Dezember letzten Jahres sei die Pianistin und Sängerin Diana Krall wieder auf Tournee, berichtet Steve Greenlee (The Boston Globe). Die beiden unterhalten sich über Zwillinge, die Fernsehwerbung, die Krall für Lexus gemacht hat, über Oscar Peterson, den sie immer noch als ihren Mentor ansieht, über das neue Album, an dem sie arbeitet, und über Harry Connick Jr., der sie sehr inspiriert habe, als sie mit ihrer Karriere begonnen habe.

After the birth of her twin boys in December of last year, the pianist and singer Diana Krall is back on tour, reports Steve Greenlee (The Boston Globe). The two talk about their twins, about the TV commercial Krall made for Lexus, about Oscar Peterson whom she still considers her mentor, about the new album on which she is working, and about Harry Connick Jr. who inspired her when she started out in her career.

12. Juli 2007

Ronnie Scott's

Nachdem der legendäre Londoner Jazzclub Ronnie Scott's für 2,5 Millionen Pfund renoviert wurde, floriert das Geschäft. Doch jetzt gerät er unter Beschuss, berichtet Sholto Byrnes (The Independent). Der Evening Standard habe die Preis- und Programmpolitik des Clubs kritisiert, die Atmosphäre und die Art und Weise, wie die Künstler behandelt würden. Andere Blätter stimmen ein, nennen Ronnie's den "teuersten Jazzclub der Welt". Byrnes verteidigt: Es war klug, die Anfangszeiten der Sets vorzuverlegen. Für die 26 Pfund, die sie an Eintritt zahlen, könnten die Gäste den ganzen Abend bleiben, das Klaviertrio zu Beginn, den Main Act und die Session am Schluss hören. Ja, ab und zu werden auch Pop-Stars gebucht, aber doch höchstens an zehn Abenden im Jahr. Der Club wird kritisiert, weil wenige britische Künstler dort auftreten, aber schon Clubgründer Ronnie Scott habe den Jazz als "einen amerikanischen Sound, eine amerikanische Kunstform" gesehen.

After the legendary London jazz club Ronnie Scott's was refit for 2.5 million pounds, business is going well. Yet now the club is under attack, as Sholto Byrnes reports (The Independent). The Evening Standard criticized the price and program politics of the club, its atmosphere and the way artists were treated. Other papers joined the criticism and call Ronnie's "probably the most expensive jazz club in the world". Byrnes comes to its rescue: It was a good idea to reschedule the sets to an earlier beginning. For the 26 pounds they pay the guests can stay for the whole evening, hearing the resident piano trio, the main act and the late night jam session. Yes, there are some pop acts in between, but they are only booked at about 10 nights a year. The club is being criticized for not offering enough British jazz, but the club's founder Ronnie Scott already saw jazz as "an American sound, an American art form".

Henri Texier

Henri Texier spielt einen Kontrabass aus dem Jahr 1830, erzählt er Francis Marmande (Le Monde). Er habe ihn 1960 bei einem Geigenbauer auf der Rue du Rome erstanden, wo er ohne Saiten rumstand. Vor einigen Jahren habe man ihm das Instrument aus dem Auto gestohlen. Er habe nicht gewusst, wie es weitergehen solle. Er habe sich ein neues Instrument gekauft, da habe ihm ein Kollege berichtet, dass er den alten Bass in einem Geschäft am Pigalle gesehen habe. Der Name seiner Gruppe, Strada, stehe für das Nomadendasein des Musikers. Ihre Musik komme gut beim Publikum an, im Quartett genauso wie im Sextett. Sein Sohn, der Saxophonist Sébastien Texier, gehe seinen eigenen Weg, aber in dieser Band gefalle es beiden, auch mal wieder zusammenzuspielen.

Henri Texier plays a double bass from 1830, as he tells Francis Marmande (Le Monde). He bought the instrument in 1960 from a luthier on the Rue du Rome where it stood without strings. Some years ago the instrument was stolen from his car, and he had no idea how to continue without it. No sooner had he bought a new instrument when a colleague saw the old bass in a shop near Pigalle. The name of his band, Strada, stands for the nomadic life of musicians. Their music is highly popular with the audience, in a quartet as well as in a sextet setting. His son, the saxophonist Sébastien Texier, goes his own way, but in this band they both enjoy playing together.

11. Juli 2007

Gilad Atzmon

Der Saxophonist, Schriftsteller und Philosoph Gilad Atzmon äußert sich in einem langen Gespräch mit Mary Rizzo zur Palestina-Frage (The Palestine Chronicle). Der Bruch innerhalb der palestinänsischen Gesellschaft habe seine Ursache der Unterdrückung durch den Staat Israel. Es gäbe drei Palästinensergruppen, die man klar voneinander unterscheiden müsse. Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft kämpften einfach um gleiche Rechte. Die Palästinenser in Gaza riefen nach einem Ende der Besetzung. Und die Diaspora-Palästinenser verlangen die Rückkehr in ihre Häuser und Dörfer. Um das Problem zu lösen, müsse man es bei den Wurzeln packen, und diese liegen in der Unterdrückung durch Israel. Atzmon wird übrigens beim diesjährigen 10. Darmstädter Jazzforum zu hören sein - sowohl mit seiner Band "Oriental House" als auch während des Symposiums als Referent über "Jazz, Aesthetics and Social Commitment". Mehr dazu auf der Website des Jazzinstituts Darmstadt.

The saxophonist, novelist and philosopher Gilad Atzmon talks extensively about the Palestine question with Mary Rizzo (The Palestine Chronicle). The split within The Palestine society has its cause in the oppression through the state of Israel, he says. There are three groups of Palestinians which should be clearly distinguished. Palestinians with Israeli citizenship fight for equal rights. Palestinians in Gaza want the end of the occupation. And the diaspora Palestinians want to return to their lands and home. To solve the problem, one has to start at the root which is the oppression through Israel. Atzmon, by the way, will be participating in this year's 10th Darmstadt Jazzforum - playing with his band "Oriental House" and talking about "Jazz, Aesthetics and Sociat Commitment" during the symposium. More about this event on the website of the Jazzinstitut Darmstadt.

Zoe Rahman

Die Pianistin Zoe Rahman beklagt, dass Instrumentalmusik heutzutage nicht mehr so viel Aufmerksamkeit erfährt wie Vokalmusik, berichtet Miriam Craig (Barnet & Potters Bar Times). Sie weiß auch, dass sie als Musikerin in einer Männerdomäne eine Ausnahme ist. Sie spiele meistens mit Männern, sagt sie, ja, sie würde sogar kaum vom Frauen interviewt. Viele dächten sie sei eine Sängerin, weil es halt nicht in ihr Rollenklischee einer Frau passt, dass sie eine Instrumentalistin und Komponistin sei. Tontechniker hätten ihr vor dem Auftritt schon mal ein Mikrophon hingestellt und sie gefragt: Wo willst Du stehen?, und sie habe ihnen erklären müssen: Nein, ich bin die Pianistin. Die in Chichester aufgewachsene Rahman studierte in London und Oxford, bevor sie ans Berklee College in Boston ging und bei JoAnne Brackeen Unterricht nahm. In ihrem jüngsten Album erforscht sie ihre asiatischen Wurzeln und spielt bengalische Musik zusammen mit ihrem Bruder, dem Saxophonisten Idris Rahman.

The pianist Zoe Rahman thinks that instrumental music isn't recognized as much as vocal music these days, reports Miriam Craig (Barnet & Potters Bar Times). She also knows that she is an exception in a man's world. She mostly plays with men, and she is only rarely interviewed by women. Many think her to be a singer because it doesn't fit their stereotype of a woman to see her as an instrumentalist and composer. Sound engineers have put a microphone up for her and asked: Where do you want to stand?, and she had to explain: No, I'm the pianist. Rahman who grew up in Chichester studied in London and Oxford before taking lessons with JoAnne Brackeen at the Berklee College in Boston. In her newest album she explores her Asian roots by playing Bengali music together with her brother, the saxophonist Idris Rahman.

Bricktop

Ein Musical über Ada "Bricktop" Smith soll 2009 am Broadway aufgeführt werden, berichtet Adam Hetrick (Playbill). Die amerikanische Sängerin eröffnete in den 20er Jahren einen populären Nightclub in Paris, in dem die Größen des Jazzzeitalters ein- und ausgingen, F. Scott Fitzgerald, der Duke und die Duchess of Windsor, Cole Porter, Josephine Baker, Mabel Mercer oder Duke Ellington. Die Produzenten haben bereits die Gewinnerin der amerikanischen TV-Talentshow "American Idol" Fantasia Barrino angesprochen, um sie für eine Rolle in der Show zu gewinnen.

A musical about Ada "Bricktop" Smith is planned to come to Broadway in 2009, reports Adam Hetrick (Playbill). The American singer opened a popular nightclub in Paris in the 20s which was frequented by the big names of the jazz age, F. Scott Fitzgerald, the Duke and Duchess of Windsor, Cole Porter, Josephine Baker, Mabel Mercer or Duke Ellington. The producers have already contacted the winner of the American TV talent show "American Idol" Fantasia Barrino about starring in the show.

10. Juli 2007

Makaya Ntshoko

1962 hatten drei Jazzmusiker Südafrika verlassen und sich ins Exil in die Schweiz begeben, erzählt Gwen Ansell (Business Day, Johannesburg). Der Pianist Dollar Brand machte mit Hilfe Duke Ellingtons bald Karriere. Der Bassist Johnny Gertze kehrte nach Südafrika zurück und starb dort. Was aber machte der Schlagzeuger Makaya Ntshoko? In seiner Jugend hatte Ntshoko zwischen Karrieremöglichkeiten als Boxer und Schlagzeuger geschwankt. Dann sei er Mitglied der Band Jazz Epistles geworden, und das sei das Ende des Boxens gewesen. Später spielte Ntshoko zusammen mit dem Saxophonisten Dudu Pukwana in den Soul Giants. Seine außerordentliche Technik, die sowohl Mainstream als auch risikogeladene polyrhythmische Improvisationen umfasst, machte ihn in Europa zu einem gefragten Schlagzeuger. Er spielte mit Mal Waldron, Dexter Gordon, Joe Henderson, Irène Schweizer und vielen anderen. In den 70er Jahren ließ er sich in Basel nieder und gründete seine eigene Band, Makaya and the Tsotsis. Mit dem Swiss/South African Jazz Quintet (das 2006 im Rahmen der Residency des südafrikanischen Trompeters Feya Faku am bird's eye jazz club in Basel ins Leben gerufen wurde) tritt er dieser Tage in Johannesburg auf, danach eine Woche lang im District Six Museum in Kapstadt.

In 1962 three jazz musicians left South Africa and settled in exile in Switzerland, reports Gwen Ansell (Business Day, Johannesburg). The pianist Dollar Brand soon made his career encouraged and helped by Duke Ellington. The bassist Johnny Gertze returned to South Africa and died there. What then happened to the drummer Makaya Ntshoko? In his youth Ntshoko was undecided whether to make a career as a boxer or a musician. Then he joined the band Jazz Epistles and ended his boxing career. Later he played with the saxophonist Dudu Pukwana in the band Soul Giants. His extraordinary technique comprising both mainstream and risky polyrhythmic improvisations made him a sought after drummer in Europe. He played with Mal Waldron, Dexter Gordon, Joe Henderson, Irène Schweizer and many others. In the 70s he settled in Basel, Switzerland, and formed his own band, Makaya and the Tsotsis. With the Swiss/South African Jazz Quintet (founded 2006 during a residency of the South African trumpeter Feya Faku at the bird's eye jazz club in Basel) most recent incarnation he performs in Johannesburg these days, after which he will play for one week at the District Six Museum in Cape Town.

7. Juli 2007

Oliver Jones

Der 73jährige Pianist Oliver Jones ist seit 1981 fast jedes Jahr beim Festival Jazz de Montréal aufgetreten, wie J.D. Considine berichtet (Toronto Globe and Mail). Er hat das Festival eröffnet und beschlossen, wobei ihm der Spot am Ende lieber ist. Jones wuchs in dem Viertel Montréals auf, in dem auch Oscar Petersons Familie lebte, und er nahm Klavierunterricht bei Petersons Schwester Daisy. Als Pianist wurde er oft mit Peterson verglichen, ist stilistisch aber eher zurückhaltend, zieht Balladen den schnellen Stücken vor. Und er liebt es zu begleiten, beispielsweise die Sängerin Ranee Lee, mit der er vor zwei Jahren ein Album eingespielt hat. Ihm sei es wichtig, den Text zu den Balladen zu kennen, die er spielt. Seine Generation habe diese Texte noch gelebt; heute kennen viele Musiker gerade noch die Melodie der Stücke. Zu seinen Lieblingstiteln gehört Billy Strayhorns "Lush Life", über das man nicht viel improvisieren müsse - man könne es spielen wie es geschrieben wurde.

The 73 year old pianist Oliver Jones has performed at the festival Jazz de Montréal since 1981, as J.D. Considine reports (Toronto Globe and Mail). He opened and closed the festival - and he likes the closing spot more. Jones grew up in the Montréal quarter where Oscar Peterson's family lived, and he took piano lessons from Peterson's sister Daisy. As a pianist he has often been compared to Peterson, though he likes to keep back stylistically, preferring ballads to up-tempo tunes. And he loves to accompany, for instance the singer Ranee Lee with whom he has recorded an album two years ago. He thinks that it is important to actually know the lyrics to the ballads he plays. His generation still lived those lyrics; today many musicians just know the melody to the tunes. Among his favorite songs is Billy Strayhorn's "Lush Life" which you don't have to improvise a lot over - "you can play that just the way it was written".

6. Juli 2007

Mathias Rüegg & Vienna Art Orchestra

Das Vienna Art Orchestra feiere sein 30-jähriges Bestehen mit einer Drei-CD-Box, erzählt Bandgründer Mathias Rüegg dem Journalisten Sylvain Siclier (Le Monde). Anfangs habe das VAO Musik in der Kompositionstradition eines Duke Ellington gespielt, inzwischen läge er mehr Wert auf Klang, Rhythmik und das Zusammenspiel in der Band. Bei neuen Musikern achte er vor allem auf ihren individuellen Sound und ihre Fähigkeit, ein Thema zu interpretieren. Die meisten wollten ja vor allem improvisieren, die Themen interessierten sie weniger. Er beschreibe die Ästhetik des Orchesters manchmal in politischen Termini, was auch damit zusammenhänge, dass die Idee zur Band in der Ära der Postmoderne geboren worden sei, einer auch politischen Bewegung. Ja, Humor spiele in der Musik auch eine Rolle, aber er setze ihn mehr wie eine musikalische Klangfarbe ein, nicht einfach nur des Humors wegen. Das VAO werde als musikalischer Botschafter Österreichs empfunden, obwohl Rüegg selbst Schweizer und die meisten Mitglieder des Orchesters ebenfalls keine Österreicher sind.

The Vienna Art Orchestra celebrates its 30th anniversary by releasing a 3 CD box, band founder Mathias Rüegg tells Sylvain Siclier (Le Monde). At the beginning the VAO played in the compositional tradition of Duke Ellington; meanwhile he is especially interested in sound, rhythm and the ensemble playing. With new musicians he listens for their individual sound and their capability of interpreting a theme. Most musicians want to improvise and are not so much interested in the themes. Sometimes he explains the orchestra's aesthetics in political terms; but then it was founded in the era of postmodernism which also was a political movement. Humor does play a role in the music, but he mainly uses it as a color, not just to be humorous. The VAO often is seen as Austria's musical ambassador, even though Rüegg himself is Swiss and most of the band members are not Austrian either.

Louis Banks & Jazz in India

Der Pianist Louis Banks entdeckte seine Liebe zum Jazz, als er eine Platte von Oscar Peterson hörte, berichtet Sonam Savlani (Hindustan Times). Seine wichtigste internationale Station sei gewesen, als er bei einer Tournee fünf Konzerte mit Dizzy Gillespie gespielt habe. In der indischen Jazzszene gäbe es kaum Mainstream; das populärste Jazzgenre des Landes sei die Fusion aus Jazz und Rock (und indischen Elementen). Das Festival Jazz Yatras sei in den letzten Jahren mehr und mehr kommerziell geworden, und überhaupt würden indische klassische Musik und Jazz nicht genügend gewürdigt im Land.

The pianist Louis Banks discovered his love for jazz when he listened to a record by Oscar Peterson, as Sonam Savlani reports (Hindustan Times). His most important international gig was playing five concerts with Dizzy Gillespie. There is hardly any mainstream jazz on the Indian scene; the most popular jazz genre in his country is the fusion of jazz and rock (and elements from Indian music). The festival Jazz Yatras has become more and more commercial in recent years; Indian classical music and jazz do not get their due in the country.

5. Juli 2007

Johnny Frigo

Der Chicagoer Geiger Johnny Frigo starb am 4. Juli an den Nachwirkungen eines Sturzes im Alter von 90 Jahren. Frigo begann als Kind Geige zu spielen, wechselte dann zur Tuba und zum Kontrabass. Er arbeitete mit Jimmy und Tommy Dorsey sowie im Orchester von Chico Marx. Später arbeitete er vor allem in seiner Heimatstadt, spielte Konzerten und Studiojobs. In den 80er Jahren wechselte Frigo wieder zur Geige und machte sich einen Namen als virtuoser Techniker auf diesem Instrument. Vor zwei Wochen zog er sich bei einem Sturz eine Beckenfraktur zu, von der er sich nicht erholte. Nachrufe: Washington Post, Chicago Tribune, Miami Herald.

The Chicago violinist Johnny Frigo died July 4th at the age of 90 of complications related to a fall. Frigo started to play the violin as a child, later changed to tuba, then double bass. He worked with Jimmy and Tommy Dorsey and in the orchestra of Chico Marx. Later he worked mostly in his home town, played concerts and studio gigs. In the 80s he changed back to the violin and made a name for himself as a virtuoso technician on that instrument. Two weeks ago he suffered a broken pelvis after a fall from which he never recovered. Obituaries: Washington Post, Chicago Tribune, Miami Herald.

George Melly

Der britische Sänger George Melly starb am 5. Juli im Alter von 80 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs. Sein Gesangsstil orientierte sich anfangs an der Bluessängerin Bessie Smith. In den 60er und 70er Jahren arbeitete er als Film- und Fernsehkritiker für die Zeitung The Observer. Er hatte einen Lehrauftrag für Kunstgeschichte und veröffentlichte drei autobiographische Bücher. In den 70er Jahren kehrte er zum Jazz zurück und sang mit John Chiltons Feetwarmers. Nachruf: Reuters, New York Times, The Independent, Guardian.

The British singer George Melly died on July 5th at the age of 80 from lung cancer. His vocal style was strongly influenced by the blues singer Bessie Smith. In the 60s and 70s he worked as television and film critic for The Observer. He taught art history and published three autobiographical books. In the 70s he returned to jazz and sang with John Chilton's Feetwarmers. Obituary: Reuters, New York Times, The Independent, Guardian.

4. Juli 2007

Boots Randolph

Der Saxophonist Boots Randolph starb am 3. Juli in Nashville, Tennessee, im Alter von 80 Jahren an den Folgen einer Gehirnblutung. In den 50er Jahren war Randolph wichtiger Musiker in Kreisen des sogenannten "Nashville Sound", der Pop- und Country-Einflüsse vermengte. Er begleitete viele Popgrößen wie Elvis Presley und Roy Orbison, spielte aber auch Platten mit mit Country-Stars wie Chet Atkins oder dem Dixielandtrompeter Al Hirt ein. 1977 eröffnete er seinen eigenen Club in Nashville, in dem er in den nächsten 17 Jahren auftrat. Nachrufe: Washington Post, The Independent.

The saxophonist Boots Randolph died July 3rd in Nashville, Tennessee, at the age of 80 from cerebral hemorrhage. In the 50s Randolph became a vital part of the so called "Nashville Sound" which blended pop and country influences. He accompanied many pop greats such as Elvis Presley and Roy Orbison, but also recorded with country stars like Chet Atkins or the dixieland trumpeter Al Hirt. In 1977 he opened his own club in Nashville which became his home base for 17 years. Obituaries: Washington Post, The Independent.

3. Juli 2007

Till Brönner

Der Trompeter Till Brönner erzählt Oliver Das Gupta, wie begeistert die Georgier vom Jazz seien (Süddeutsche Zeitung). Die Deutschen seien ein gutes Publikum, aber ihnen sei manchmal der wahre Wert der Musik nicht mehr bewusst. Dafür, dass Jazz im deutschen Radio nicht vorkomme, seien die Jazzer doch recht erfolgreich, meint er. Es sei sicher schön, wenn Jazzschlagersänger wie Michael Bublé oder Roger Cicero Menschen in Richtung Jazz lockten, aber sie seien wohl vor allem eine Modeerscheinung. Die Popmusiker hätten sich in letzter Zeit den Jazz angeeignet, die Jazzer dagegen schienen ein wenig unter Antriebslosigkeit zu leiden. Er störe sich nicht daran, als "Entertainment-Jazzer" beschrieben zu werden, und wenn man ihn als Schönling bezeichne, so sei ihm das egal, solange er nicht seine Musik danach stylen müsse. Seine jüngste Produktion mit Thomas Quasthoff habe den Trompeter sehr beeindruckt, der bezeugt, dass der Sänger auch ohne Rhythmusgruppe glänzend improvisieren könne.

The trumpeter Till Brönner tells Oliver Das Gupta how enthusiastic the Georgian audience is about jazz (Süddeutsche Zeitung). The Germans are a good audience as well, but sometimes they forget about the real value of the music. Considering that jazz is not played enough on the radio, he thinks that jazz musicians in Germany are pretty successful. It is great that popular jazz singers such as Michael Bublé or Roger Cicero get people interested in jazz, but Brönner thinks this is more of a temporary fashion. Pop musicians made use of jazz in recent years; the jazz musicians, though, seem to have lost a bit of their drive. He doesn't mind to be called "entertainment jazzer", and if people call him "pretty boy" he doesn't care either, as long as he does not have to style his music accordingly. His recent album with Thomas Quasthoff impressed the trumpeter who attests to the fact that the singer is a great improviser even without a rhythm section.

2. Juli 2007

Enrico Rava

Der Trompeter Enrico Rava würde lieber in Bayern leben als in Genua, erzählt er Mike Zwerin, weil das Leben dort etwas normaler sei (Bloomberg.com). In der Casa del Jazz in Rom habe es Ende letzten Monats ein kleines Enrico-Rava-Festival gegeben. Rava sieht mehr und mehr aus wie der Patriarch, der er für den italienischen Jazz ist. Als er zum Jazz kam, sei Rava der einzige ernstzunehmende Jazzmusiker seines Landes gewesen, schreibt Zwerin. Mittlerweile sind zwei Generationen Jazzer nachgewachsen, unter ihnen der Posaunist Gianluca Petrella, der Zwerin besonders beeindruckte. Rava gehe es vor allem um musikalischen Ausdruck. Der Trompeter sieht viele technisch großartige Musiker in der heutigen Szene, aber niemanden, der an die emotionale Tiefe eines Thelonious Monk, einer Billie Holiday oder eines Louis Armstrong heranreiche. Er selbst habe jede Menge Spaß, Jazz zu spielen, sein eigenes Ding zu spielen.

The Italian trumpeter Enrico Rava would rather live in Bavaria than in Genoa, as he tells Mike Zwerin, as life there is a bit more normal (Bloomberg.com). The Casa del Jazz in Rome presented a three day Enrico Rava festival late last month. Rava looks more and more like the patriarch he is for Italian jazz. When he came to jazz, Rava was the only Italian jazz musician to be taken seriously, writes Zwerin. Meanwhile two generations of jazz musicians have matured behind him, one of them being the trombonist Gianluca Petrella whom Zwerin is especially impressed with. Rava is mainly interested in expression. The trumpeter acknowledges that there are many technically proficient musicians playing on today's scene, but nobody who can reach the emotional depth of a Thelonious Monk, Billie Holiday or Louis Armstrong. He loves playing jazz, he loves to play his own thing.

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