Jazz News
Jazz Nachrichten


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31. März 2007

Gonzalo Rubalcaba

David Rubien portraitiert den in Florida lebenden kubanischen Pianisten Gonzalo Rubalcaba (San Francisco Chronicle). Sein Stil sei organischer als das übliche Latin-Jazz-Genre. Rubalcaba versuche eine Balance der verschiedenen Einflüsse und Elemente. Nur wenige Pianisten könnten ihm das Wasser reichen, eigentlich müsse man schon auf Keith Jarrett verweisen, wenn man einen ebenbürtigen Pianisten suche. Charlie Haden habe Rubalcaba 1986 zum ersten Mal gehört und sei baff erstaunt gewesen. "Es war wie eine Kombination aus Art Tatum, Herbie Hancock und Bill Evans." Man könne Rubalcabas Klavierstil schnell identifizieren. Ja, er sei stolz darauf, seinen eigenen Sound gefunden zu haben, erzählt der Pianist. In Kuba habe er klassisches Klavier studiert, sei aber vor allem von Jazzmusikern seiner Heimat beeindruckt gewesen. Dizzy Gillespie habe ihn 1985 gehört und sei begeistert gewesen. Kuba habe er nach einem offiziellen Ausreiseantrag verlassen, sich erst zwei Jahre in der Dominikanischen Republik niedergelassen, bevor er nach Florida gezogen sei. Von der kubanischen Gemeinschaft Floridas sei er nicht mit offenen Armen empfangen worden, weil er immer noch die kubanische Staatsbürgerschaft besaß und als Lakai Fidel Castros angesehen wurde. Die Aufregung habe sich mittlerweile gelegt, er selbst sähe sich auch nicht als Politiker.

David Rubien portrays the pianist Gonzalo Rubalcaba, born in Cuba, now living in Florida (San Francisco Chronicle). His style is more organic than most of the Latin jazz genre, writes Rubien. Rubalcaba aims at a balance between the different influences and elements. Only few pianists can compare to him, one might have to go back to Keith Jarrett to find a pianist playing at Rubacaba's level. Charlie Haden heard Rubalcaba for the first time in 1986 and was taken by surprise: "It was like hearing a combination of Art Tatum, Herbie Hancock and Bill Evans." Rubalcaba has a personal style which is easy to identify. Yes, he's proud of having found his own sound, the pianist relates. In Cuba he studied classical piano but was influenced even more by the jazz musicians of his home country. Dizzy Gillespie heard him in 1985 and was impressed. Rubalcaba left Cuba with an official emigration permission from the Cuban government, lived for two years in the Dominican Republic before settling in Florida. The Cuban expatriate community there did not welcome him with open arms as they saw a lackey of Fidel Castro in the pianist who officially still was a Cuban citizen. The commotion has settled meanwhile, Rubalcaba himself doesn't see himself as a politician.

New York Club "Tonic"

Am 13. April wird der Club Tonic auf der Lower Eastside Manhattans seine Pforten schließen, berichtet Ben Sisario (New York Times). Damit verliert New Yorks Avantgarde-Szene einen ihrer wichtigsten Spielorte, in dem neun Jahre lang Jazz, Noise-Rock, Folk und alle möglichen nicht einordbaren Musikrichtungen zu hören waren. Sie hätten einfach die Miete nicht mehr zahlen können, erzählt eine der Besitzerinnen. Zu den Musikern, die über die Jahre im Tonic auftraten, gehörten unter anderem Sonic Youth, Yoko Ono, Cecil Taylor, Dave Douglas, Norah Jones und die Band Medeski Martin & Wood. Die Besitzer planen weiterhin Konzerte an unterschiedlichen Spielorten zu organisieren. Trompeter Steven Bernstein klagt, er spiele zwar auf den großen europäischen Festivals, aber in New York habe es nur einen einzigen Club gegeben, in dem er auftreten konnte und der nun schließen wird.

The club Tonic on Manhattan's Lower East Side will close its door on April 13th, as Ben Sisario reports (New York Times). With it New York's avantgarde scene will lose one of its most important venues where for nine years jazz, noise-rock, folk and all sorts of unclassifiable styles could be heard. They simply couldn't pay the rent any more, one of the owners says. Among the musicians who performed at the club over the years were Sonic Youth, Yoko Ono, Cecil Taylor, Dave Douglas, Norah Jones and the band Medeski, Martin & Wood. Tonic's owners plan to organize future concerts at changing venues. The trumpeter Steven Bernstein laments that he plays at some of the biggest European festivals, but "there’s only one club I can play in New York and it’s about to close".


30. März 2007

Deutscher Jazz / German Jazz

Doris Schröder vom Jazzinstitut Darmstadt hat im letzten Jahr eine Wanderausstellung für das Goethe-Institut konzipiert, die in den nächsten fünf Jahren unter dem Titel "Deutscher Jazz / German Jazz" in zwei Exemplaren durch die Welt reisen wird. Stationen in Afrika, Asien, Nordamerika und Europa sind bereits gebucht; wir hoffen, dass die Ausstellung irgendwann auch in Deutschland zu sehen sein wird. Als Begleitschrift erschien jetzt das 66-seitige Buch "Deutscher Jazz / German Jazz" mit dem Ausstellungstext von Wolfram Knauer und vielen der für die Ausstellung benutzten Fotodokumente. Die 15 Tafeln der Ausstellung (und Kapitel des Buchs) sind überschrieben mit: "Der Jazz erobert Deutschland", "Jazz unterm Hakenkreuz", "Der Jazz blüht auf ...", "Der Jazz spielt sich frei!", "DDR: Freie Form oder geformte Freiheit"; "Clubs und Kellerleben"; "Festivals - draußen und drinnen", "Jazz lernen ...", "Schwarze und silberne Scheiben", "Der Jazzpapst", "Jazz im Radio"; "Albert Mangelsdorff", "Hauptstadt-Jazz heute", "Europa", "Jazz im 21sten Jahrhundert".
Eine Teilauflage des Buchs ist für 10 Euro (plus Porto) über das Jazzinstitut Darmstadt, e-mail: jazz@jazzinstitut.de, erhältlich.
Buchdaten: "Deutscher Jazz / German Jazz", München 2007, Goethe-Institut e.V., ISBN: 978-3-939670-00-1

Doris Schröder of the Jazzinstitut Darmstadt curated the traveling exhibition "Deutscher Jazz / German Jazz" for the Goethe-Institut last year which will tour the world for the next five years. Several Goethe-Instituts in Africa, Asia, North America and Europe have already booked the exhibit; we hope to be able to show it in Germany at some time as well. Now, the accompanying 66 page book "Deutscher Jazz / German Jazz" has been published which contains the text of the exhibition as well as most of its photo documents. The 15 panels of the exhibit (and chapters of the books) bear the following titles: "Jazz conquers Germany", "Jazz under the swastika"; "Jazz flourishes ...", "Jazz unleashed", "GDR: Free form or formed freedom"; "Clubs and cellar life"; "Festivals - open-air and indoors", "Learning jazz ...", "Black and silver discs", "The 'Pope of Jazz'", "Jazz on the radio", "Albert Mangelsdorff", "Jazz in the capital city today"; "Europe"; "Jazz in the 21st century".
Part of the edition can be bought for 10 Euro (plus postage) from the Jazzinstitut Darmstadt, e-mail: jazz@jazzinstitut.de.
Book details: "Deutscher Jazz / German Jazz", München 2007, Goethe-Institut e.V., ISBN: 978-3-939670-00-1

Arve Henriksen

Nicht mal 40 und er hat bereits eine Werkschau veröffentlicht, schreibt Christian Broecking über den Trompeter Arve Henriksen (Berliner Zeitung). Anlass sei gewesen, dass er sich elektronische Sequenzen anhörte, die er als 16-jähriger aufgenommen hatte und erkannte, dass schon damals Natur für sein musikalisches Verständnis eine große Rolle spielte. "Bei ihm gibt es keinen Bebop und Post-Bop mehr, die nervösen Beats einer großen Metropole würden nicht zu Norwegen passen", erklärt Broecking den norwegischen Stil des Trompeters. Letztlich seien ihm Jan Garbarek, Ligeti, Kurtag und Messiaen näher als die Amerikaner und ihre Jazztradition. Über Jazz könne er in Büchern lesen, es sei aber nicht sein kulturelles Erbe.

He is not even 40 and already released a collection of his previous oeuvre, writes Christian Broecking about the trumpeter Arve Henriksen (Berliner Zeitung). The reason for the release was that Henriksen heard some electronic sequences which he had recorded at the age of 16 and realized that even at that age nature had been a major influence on his musical concept. "For him there is no bebop or post-bop; the nervous beats of a big metropolis don't fit Norway", Broecking explains the Norwegian style of the trumpeter. In the end, he feels more connected to the music of Jan Garbarek, Ligeti, Kurtag and Messiaen than to the American jazz tradition. He can read about jazz in books, be it is not his own cultural heritage.

Tony Scott

Der Klarinettist Tony Scott starb am 28. März in Rom im Alter von 86 Jahren an Prostatakrebs. Er hatte mit 12 Jahren begonnen Klarinette zu spielen und mit 14 sein eigenes Quartett gegründet. Während seines Musikstudiums wirkte er Anfang der 40er Jahre bei den Sessions im Minton's Playhouse mit und war bald einer der wenigen Klarinettisten, die sich auch im Bebop einen Ruf machten. Scott besaß einen eigenen Sound, der weder klassisch geprägt war noch durch die Klarinettentradition aus New Orleans, sondern, wenn überhaupt, sich eher am Klangideal des Tenorsaxophonisten Ben Webster orientierte. Mit dem hatte er 1943 gespielt, später arbeitete er u.a. mit Buddy Rich, Tommy Dorsey, Claude Thornhill, aber auch mit Duke Ellington, Sarah Vaughan und Billie Holiday, für die er auch arrangierte. In den frühen 60er Jahren bereiste er Asien und beschäftigte sich mit indonesischer und indischer Musik. In den späten 60er Jahren ließ er sich in Rom nieder, wo er ab und zu auftrat, Platten einspielte und jetzt verstarb. Nachruf: Musical News, New York Times, Washington Post, The Independent, Guardian.

The clarinetist Tony Scott died of prostrate cancer on March 28th in Rome, Italy, at the age of 86. He had started playing the clarinet at the age of 12 and with 14 had founded his first quartet. While studying music he participated in jam sessions at Minton's Playhouse in the early 40s and soon was one of the few clarinetists actively participating in the bebop movement. Scott had his own sound which was neither classical oriented nor reflected the New Orleans clarinet tradition but, if anything, was influenced by the sound ideal of the tenor saxophonist Ben Webster. With Webster he had played in 1943; later he worked with musicians such as Buddy Rich, Tommy Dorsey, Claude Thornhill, but also with Duke Ellington, Sarah Vaughan and Billie Holiday for whom he worte arrangements as well. In the early 60s he travelled through Asia and became interested in Indonesian and Indian music. In the late 60s he settled in Rome where he performed from time to time, recorded some albums and now died. Obituary: Musical News, New York Times, Washington Post, The Independent, Guardian.


29. März 2007

Branford Marsalis

Branford Marsalis sei gewiss kein Neuerer, kommentiert Tim Gorbauch das Konzert des Saxophonisten in Rüsselsheim (Frankfurter Rundschau). Er fühle sich schlicht in der klassischen Moderne des Jazz beheimatet. Mit dessen Vokabular aber schaffe er durchaus Eigenes, und vor allem überhöhe er es nicht zum "konservativen Errettungsmanifest" wie sein Bruder Wynton. Er sei kein Selbstdarsteller und habe seinen Mitmusikern genügend Raum gelassen. Sein Quartett spiele seit sechs Jahren fest zusammen, das höre man in der Vertrautheit der Musiker miteinander. Pianist Joey Calderazzo beeindruckte Gorbauch besonders. Marsalis wirke ein wenig wie ein Chamäleon, er habe gar keinen eigenen charakteristischen Sound. "Im Rahmen seiner musikalischen Welt bewegt er sich frei und offen, ohne aber je die Ränder zu berühren. Wo immer auch Marsalis gerade ist, die Mitte ist nicht weit." Stefan Hent hört das Quartett in Hamburg (Die Welt). Dort sei Marsalis, wie er selbst sagte, ein wenig müde gewesen. Er setze das Tenorsaxophon für "die bulligen, testosteronen Momente, für zackige Grooves und die Ausbrüche aus dem wohltemperierten Klangkosmos" ein, das Sopran "für die eher fein gesponnenen Umspielungen der Harmonie, für den Schmelz und fürs Herz". Man habe die ganze Tradition seines Instruments gehört, und alles auf höchstem Niveau. Nach einer halben Stunde hätten sie sich wachgespielt, danach sei alles gegangen. Und am Schluss sei "die Müdigkeit nur noch ferne Erinnerung" gewesen.

Branford Marsalis is no innovator, Tim Gorbauch remarks about the saxophonist's concert in Rüsselsheim, Germany (Frankfurter Rundschau). He simply feels himself at home within the classical 'Moderne' of jazz. He uses the vocabulary of modern jazz but creates his own thing out of it. More important, he does not see his music as a "conservative manifest of salvation" the way his brother does. He does not like to put himself into the center of things and left enough room for the other musicians. His quartet works together since six years which shows in the familiarity the musicians have with each other. Gorbauch is especially impressed by the pianist Joey Calderazzo. Marsalis himself sounds a bit like a chameleon; he does not have an individual characteristic sound. "In the framework of his musical world he moves feely and openly but without touching the margins. Wherever Marsalis moves the center is not far." Stefan Hent attended a concert by the quartet in Hamburg (Die Welt). Marsalis was a bit tired, as he himself admitted during an announcement. He uses the tenor saxophone for "the beefy, testosterone charged moments, for snappy grooves and his eruptions from the well tempered sound cosmos", and he uses the soprano "for the more finely weaved embellishments of the harmonies, for the enamel and for the heart". One could hear the whole tradition of his instrument, everything on the highest level. After half an hour they finally woke up, after that everything worked perfectly. At the end "the fatigue only was distant memory".

ICP & Misha Mengelberg

ICP, der Instant Composers Pool, spielt am Donnerstag in Austin, Texas, wie Joe Gross berichtet (Austin American-Statesman). Es gäbe keine Richtung im Jazzidiom, in die die Band nicht gehen könne. Bebop Changes, die Offenheit der Avantgarde, rhythmische Wechsel von antreibendem Swing hin bis zur Abstraktion ... und dazu ein geradezu ansteckender Humor. Gross telefoniert mit dem Pianisten Misha Mengelberg, der sich in seinem Hotelzimmer in Philadelphia glücklich zeigt, dass das Wasser aus dem Wasserhahn trinkbar sei, anders als in vielen südeuropäischen Gegenden. In den 50er Jahren habe er Thelonious Monk entdeckt und sei begeistert gewesen, dass der über die Konsonanz hinaus auch in die Dissonanz ging. Viele Musiker der europäischen Improvisations-Avantgarde hätten beim ICP mitgewirkt; Peter Brötzmann sei Ehrenmitglied auf Lebenszeit ("Der darf auf der Bühne einsteigen, wann immer er will"). Das ICP sei ihm sehr wichtig, aber: "Als Solist fühle ich mich wohler als in irgendeiner anderen Besetzung."

ICP, the Instant Composers Pool plays in Austin, Texas, on Thursday, as Joe Gross reports (Austin American-Statesman). There is no direction in the jazz idiom the band could not move to. "Bebop changes, avant-garde openness, rhythmic shifts from hard swing to abstraction" ... all served with an infectious sense of humor. Gross calls the pianist Misha Mengelberg who in his hotel room in Philadelphia is happy that the water there is actually drinkable, not like in some regions of Southern Europe. In the 50s Mengelberg discovered Thelonious Monk and was fascinated by the fact that his music "did not stop at consonance and went into dissonance". The ICP had many musicians from the European improvisational avantgarde in its ranks; Peter Brötzmann is considered an honorary member for life ("He can join us on stage whenever he likes"). The ICP is important for Mengelberg, but: "I'm more at ease solo than in any other combination."


28. März 2007

Yusef Lateef

Das Wort "Jazz" halte er für abwertend, erfährt Samir H. Köck im Interview mit dem Saxophonisten Yusef Lateef (Die Presse). Er spreche lieber von "autophysiopsychischer Musik", einer Musiktradition, die gleichermaßen auf die physische, mentale und spirituelle Ebene ziele. Lateef sei ein streng gläubiger Muslim. "Der innere Jihad ist der einzig wahre Jihad" sagt er und meint damit die ewige Suche nach Erkenntnis und das Streben danach, "ein besserer Mensch zu werden, sozial und moralisch". In Wien trat er mit der Band der französischen Brüder Lionel und Stéphane Belmondo auf. Der 86jährige habe nichts an seinem Esprit verloren. "Ich will das schönste musikalische Statement machen, das möglich ist: die Schönheit im Herzen des Hörers zu wecken, die dort schon ruht."

He feels that the word "jazz" is derogatory, the saxophonist Yusef Lateef tells Samir H. Köck (Die Presse). He thinks of his music as "autophysiopsychic music", a musical tradition which aims at the physical, mental and spiritual levels. Lateef is a believing Muslim, Köck writes. "The inner jihad is the true jihad", he says and by this means the continuing search for knowledge and the strive "to become a better man, socially and morally". In Vienna he performed with the band of the French brothers Lionel and Stéphane Belmondo. The 86 year old has lost none of his esprit. "I want to make the most beautiful musical statement possible: I want to wake the beauty which already rests in the heart of the listener."


27. März 2007

Roscoe Mitchell

Christian Broecking berichtet über das Zustandekommen der jüngst bei ECM erschienen CD "Composition/Improvisation Nos. 1, 2 & 3" des Saxophonisten Roscoe Mitchell (Die Tageszeitung). Die hatte Mitchell 2004 mit dem Bassisten Barry Guy und dem Transatlantic Ensemble eingespielt, einem vom Münchner Kulturreferat 2004 eigens für ein Symposium zu improvisierter Musik eingeladenen Ensemble mit Musikern aus England und den USA. Pianist Craig Taborn erzählt, dass die Mainstream-orientierte Ausbildung und der Mangel an kreativen Arbeitssituationen in den USA dafür gesorgt habe, dass nur noch weniger junge Musiker zum freien Improvisieren in der Lage seien. Broecking hebt den Trompeter Corey Wilkes hervor, der die Entdeckung bei den Konzerten des Ensembles gewesen sei. Mitchells Komposition sei etwas "zu steif, zu lang, zu kompliziert" geraten." Aber das gehört zu den Tücken des Geschäfts. Nicht alles klappt." Broecking berichtet außerdem über Barry Guy, der in diversen Formationen seit den 70er Jahren an neuen Formen der kollektiven Improvisation (und einer hierfür passenden Komposition) experimentiere.

Christian Broecking reports about how Roscoe Mitchell's new ECM CD "Composition/Improvisation Nos. 1, 2 & 3" came into being (Die Tageszeitung). It was recorded by Mitchell and double bassist Barry Guy with the Transatlantic Ensemble, musicians from England and the USA in 2004 during a symposium on improvised music organized in 2004. Pianist Craig Taborn explains that the mainstream oriented jazz education and missing venues for creative music in the USA led to a lack of musicians who are able to improvise freely. Broecking singles out the trumpeter Corey Wilkes as the main discovery of the ensemble's concerts. Mitchell's compositions were "to stiff, too long, too complicated". "But those are the pitfalls of the business. Not everything will work." Broecking also reports about Barry Guy who experimented with new forms of collective improvisation (and a fitting kind of composition) since the 70s.

Michel Portal

Stilistisch sei er nicht festgelegt, berichtet Dominique Queille über den Saxophonisten und Klarinettisten Michel Portal (Libération). An einem Tag spiele er Jazz in Grenoble, am nächsten Mozart in Sevilla. Hauptsache Musik. Rastlos sei er und immer auf neue Herausforderungen aus. Er liebe den Jazz, weil man da so genau hinhören müsse, da er eben immer eine Musik im Entstehen sei. Ob das, was er gerade schreibe Jazz sei, sei ihm aber doch wieder egal. Saxophonist Christophe Monniot bewundert seinen wunderbaren Bassklarinettenton und die Tatsache, dass Portal auch mit 70 noch immer auf der Suche sei. Trompeter Médéric Collignon hat ihn als ein von allen Seiten anerkanntes Bindeglied zwischen den Generationen des französischen Jazz erlebt.

He is not fixed stylistically, Dominique Queille reports about the saxophonist and clarinetist Michel Portal (Libération). One day he plays jazz in Grenoble, the next day Mozart in Seville. Main thing: it's music. He is restless and always looking for new challenges. He loves jazz because one has to listen so closely as it is always a music in the making. He doesn't care whether what he is just writing is jazz or not. The saxophonist Christophe Monniot admires his beautiful sound on the bass clarinet and the fact that Portal is still searching at the age of 70. Trumpeter Médéric Collignon sees him as a connecting link between generations of French jazz respected by all.


26. März 2007

Ulrich Gumpert

Der Liedermacher Wolf Biermann erhält heute nachmittag die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Berlin. Zwischen den Reden des Regierenden Bürgermeisters und des Geehrten spielt auf Wunsch Biermanns Ulrich Gumpert (Berliner Morgenpost). Gumpert ist einer der bedeutendsten Jazzmusiker Ostdeutschlands. Als Pianist wirkt er im legendären Zentralquartett, macht aber auch mit eigenen Projekten von sich Reden, etwa seiner Aufarbeitung alter deutscher Volkslieder.

Today, the political singer and songwriter Wolf Biermann will officially be named honorary citizen of his hometown Berlin. Between the address of the city's mayor and Biermann's speech of thanks the pianist Ulrich Gumpert will perform as desired by Biermann (Berliner Morgenpost). Gumpert is one of the most important jazz musicians in East Germany. He works as the pianist with the legendary Zentralquartett but also performs with his own projects, among them his interpretations of old German folk tunes.

Toots Thielemans

Mike Zwerin portraitiert den Mundharmonikavirtuosen Toots Thielemans, der am 29. März 85 Jahre alt wird (Bloomberg.com). Thielemans brachte sich den Jazz auf der Gitarre selbst bei, nachdem er während der deutschen Besatzung Belgiens Duke Ellington im Radio gehört hatte. Thielemans geht es recht gut heute, er lebt in einem großen Anwesen in einer der besten Gegenden Brüssels. Im letzten Jahr habe er aufgehört zu spielen, weil er unter Überarbeitung und an Depressionen litt. Jetzt beginnt er wieder kleinere Engagements anzunehmen und plant im Juni eine zehntägige US-Tournee. Er habe nichts dagegen, bei Firmenfeiern oder Hochzeiten aufzutreten. Nur essen solle das Publikum nicht, während er spielt. Zu seinem 80sten kam Stevie Wonder ins New Yorker Blue Note, um einzusteigen. Zum selben Geburtstag wurde Thielemans vom belgischen König zum Baron ernannt. Er habe zwar ein Apartment in New York, aber er fühle sich als Belgier, als "Belgischer König des Bebop".

Mike Zwerin portrays the harmonica virtuoso Toots Thielemans who will be 85 on March 29th (Bloomberg.com). Thielemans taught himself to play the guitar when he heard Duke Ellington on the radio during the German occupation of Belgium. Today he is living well, owning a nice home in one of the best quarters of Brussels. Last year he stopped performing because of overwork and depression. Now he starts again, playing small local gigs and planning for a 10 day tour of the USA in June. He doesn't mind to perform at company events or for weddings, as long as the audience doesn't eat while he is playing. For his 80th birthday Stevie Wonder came to New York's Blue Note club to sit in. At the same birthday Thielemans was officially made a baron through the Belgian king. He owns an apartment in New York, but he feels "very Belgian", like "The Belgian King of Bebop".


25. März 2007

Pat Patrick

Einer der interessantesten Artikel bei unserer Zeitungslektüren der letzten Wochen ist ein Essay von Sally Jacobs im Boston Globe. Jacobs berichtet über die Kindheit des vor kurzem gewählten Gouverneurs von Massachusetts, Deval Patrick, und über die Beziehung des Politikers zu seinem Vater, dem Saxophonisten Pat Patrick. Der habe sich vor allem durch Abwesenheit hervorgetan. Pat Patrick tourte mit dem Sun Ra Arkestra durch die Welt und war selten für seine Familie da. Das habe ihn durchaus motiviert, "ein besserer Mensch zu sein, als der, als den ich meinen Vater als Vater oder Ehemann erlebt hatte". Andere aus seiner Familie denken eher, dass die Beziehung zu seinem Vater ihn dazu brachte, von früher Jugend an auf sein eigenes Urteil und seine eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Jacobs erzählt die Geschichte einer problematischen Ehe, einer Familie, die wegen der Abwesenheit de Vaters vor allem durch die Mutter gemanagt wurde. Pat Patrick war seit den Mitt-50er Jahren Teil der Entourage um Sun Ra und sein Space Arkestra. Er war ein großartiger Baritonsaxophonist, der in den 60er Jahren sogar kurzzeitig mit Duke Ellington und John Coltrane spielte, als musikalischer Direktor für Mongo Santamaria diente und mehrere Songs schrieb, von denen "Yeh, Yeh" zu einem großen Hit wurde. 1970 trat er fünf Monate lang mit Thelonious Monk auf - ein Höhepunkt seiner Karriere. "Alle, die wir mit Sun Ra reisten, waren weit von unseren Kindern entfernt", erklärt Marshall Allen, der 82jährige Saxophonist, der das Arkestra seit Ras Tod 1993 leitet. Deval Patrick erinnert seinen Vater als "cool" und "hip". Ras Musik habe er nie sonderlich gemocht, er sei ein Motown-Kid gewesen wie jeder sonst. Lange Zeit sei er zornig gewesen über die Abwesenheit des Vaters, habe die Beziehung vor allem durch Briefe aufrechterhalten. Pat Patrick war dagegen, dass Deval auf die Milton Academy ging, eine der angesehendsten Schulen der Vereinigten Staaten, die Pat als eine Einrichtung mit weißer Geschichte verurteilte. Zur Hochzeit des Sohns 1984 kam es zur Versöhnung, und zum Ende seines Lebens - Pat Patrick starb im Dezember 1991 - war der Saxophonist stolz auf seinen Sohn, von dem er meinte: "Eines Tages wird er ein Großer sein, ein ganz Großer."

One of the most interesting articles we stumbled across during our last weeks' newspaper reading is an essay by Sally Jacobs in the Boston Globe. Jacobs reports about the childhood of the recently elected governor of Massachusetts, Deval Patrick, and the relationship of the politician with his father, the saxophonist Pat Patrick. His father was present in the life of his son mostly by his absence. Pat Patrick toured with the Sun Ra Arkestra and rarely cared for his family. This experience of his father actually motivated Deval to "be a better man than in some ways I think my father was as a father and as a person in relationship to his wife". Others in the family think that his relationship to his father might have taught him from an early age to rely on his own judgment and ability. Jacobs tells the story of a problematic marriage, a family managed mostly by the mother because the father was absent. Since the mid 50s, Pat Patrick belonged to the Sun Ra Arkestra. He was a great baritone saxophonist who in the 60s played shortly with Duke Ellington and John Coltrane, worked as musical director for Mongo Santamaria and wrote several songs, among them "Yeh, Yeh" which became a popular hit. In 1970 he played with Thelonious Monk for five months - a highlight of his career. "All of us who stayed with Sun Ra had a long distance from our kids", explains Marshall Allen, the 82 year old saxophonist who became musical director of the Sun Ra Arkestra after Ra's death in 1993. Deval Patrick remembers his father as "cool" and "hip". He never really cared for Ra's music but was one of the Motown kids like everybody else. For a while he was angry about the absence of his dad, then he kept the relationship alive by exchanging letters. Pat Patrick had opposed his son visiting Milton Academy, one of the USA's most prestigious schools for which Deal had received a scholarship but which Pat connected with the white power structure. They made up during Deval's wedding in 1984, and at the end of his life - Pat Patrick died in December 1991 - the saxophonist was proud of his son of which he said: "You know, my son is going to be big one day, really big."

Angela Wellman

Wanda Sabir hörte die Posaunistin Angela Wellman während einer Jam Session in Oakland, California (San Francisco Chronicle). Sie komme aus einer musikalischen Familie, schreibt Sabir, ihre Mutter habe Jazz gesungen, ihr Vater sei ein Pianist gewesen und ihr Großvater habe gut Stride-Piano gespielt. Mit vier Jahren habe sie sich in die Posaune verliebt; dieses Instrument habe sie dann auch in der Schulkapelle gespielt. Mit 18 spielte sie in der Inner City Jazz Band in Kansas City, in der neben ihr Musiker wie Orville Minor, Ernie Williams, Jay McShann, Claude "Fiddler" Williams und Baby Lovett saßen. Sie spielte die Musik von Curtis Fuller, Slide Hampton und J.J. Johnson. Das Andenken an Johnson hält sie in ihrer National Treasures Konzertreihe wach, in der sie Musik des Posaunisten aufführt oder solche, die von ihm inspiriert wurde. Sie selbst sei allerdings zuerst gar nicht von einem Posaunisten, sondern von John Coltrane beeinflusst worden. Seit 1984 lebt Wellman an der Westküste und gründete dort vor zwei Jahren das Oakland Public Conservatory, in dem sie Schüler an die Musik heranführen will, die sich eine gute Musikausbildung normalerweise nicht leisten könnten.

Wanda Sabir heard the trombonist Angela Wellman during a jam session in Oakland, California (San Francisco Chronicle). Wellman comes from a musical family, writes Sabir, her mother sung jazz, her father was a pianist and her grandfather played stride piano. At the age of four she fell in love with the trombone which was the instrument she took up in the school band. At 18 she played with the Inner City Jazz Band in Kansas City, next to musicians such as Orville Minor, Ernie Williams, Jay McShann, Claude "Fiddler" Williams and Baby Lovett. She played the music of Curtis Fuller, Slide Hampton and J.J. Johnson. She tries to keep the memory of Johnson alive in her National Treasures concert series in which she performs music by the trombonist or music inspired by him. Her own first influence, though, was not a trombonist, but John Coltrane. Since 1984 Wellman lives on the west coast where two years ago she founded the Oakland Public Conservatory in which she wants to let people who normally would not be able to afford it have a good music education.

Kenny Barron

Es gehöre zum Musikmachen, dass man Risiken eingehe, erzählt der Pianist Kenny Barron dem Journalisten William. R. Wood (Kalamazoo Gazette). Er jedenfalls spiele gern mit Musikern zusammen, die sich auf Risiken einließen, beispielsweise mit dem Vibraphonisten Stefon Harris, mit dem er am Freitag ein Konzert an der Western Michigan University geben wird. Zu seinen eigenen Einflüssen habe Yusef Lateef gehört, erzählt Barron. Lateef ihn immer ermutigt habe, das zu spielen, was er selbst habe spielen wollen. Wenn man als kreativer Musiker mal einen Fehler mache, dann werde man lernen, aus solchen Fehlern etwas Gutes zu machen. "Man findet vielleicht eine Lösung, bei der niemand im Publikum etwas vom Fehler merkt, und das ganze füht einen dann in der Musik ganz woanders hin."

Taking chances is part of making music, pianist Kenny Barron tells William R. Wood (Kalamazoo Gazette). He likes to play with musicians who take risks, for instance with the vibraphonist Stefon Harris with whom he will perform next Friday at Western Michigan University. One of the musicians who influenced himself, Barron says, was Yusef Lateef. Lateef encouraged him to play whatever he wanted to play. If you make a mistake, as a creative musician you will be able to "turn that negative moment into a plus. You may find a way to correct it so that nobody in the audience knows, and that may lead you to someplace else (in the music)".


24. März 2007

Hank Jones & Abbey Lincoln

Nach einer Japantournee kehrte der 88jährige Pianist Hank Jones im Februar nach New York zurück und ging wegen einer scheinbaren Magenverstimmung zum Arzt, wie Julian Kesner berichtet (New York Daily News). Dort stellte sich heraus, dass er einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte und eine Bypass-Operation benötigte. In der Intensivstation des St. Luke Krankenhauses traf er auf die Sängerin Abbey Lincoln, die Anfang März mit Atem- und Herzbeschwerden eingeliefert worden war und ebenfalls einen Bypass sowie eine Herzklappenoperation hinter sich zu bringen hatte. Jones wird noch ein paar Wochen im Krankenhaus bleiben müssen, bei Lincoln kann es noch etwas länger dauern, meint der behandelnde Arzt. Ihr Aufeinandertreffen aber habe, schreibt Kesner, eine sofortige beruhigende Wirkung auf beide gehabt. Jones, dessen einzige Klage über das Krankenhaus war, dass es kein Klavier in seinem Zimmer gibt, meinte: "Alte Freunde sollten nicht auseinandergehen. Wir sollten mal wieder was zusammen aufnehmen." Und Lincoln, sichtbar geschwächt, doch lächelnd, ergänzte: "Er gibt mir immer das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Es ist wirklich schön, ihn zu sehen."

After a tour of Japan the 88 year old pianist Hank Jones returned to New York in February and visited his doctor because he felt indigestion, as Julian Kesner reports (New York Daily News). It turned out he had had a massive heart attack and needed a bypass operation. In the intensive care unit at St. Luke's hospital he met the singer Abbey Lincoln who had been taken to the hospital with breathing problems and suffering heart failure and who had undergone a bypass and a aortic valve replacement operation as well. Jones will stay another few weeks, with Lincoln it can take a bit longer, the doctors say. Their meeting, though has had a relaxing effect on both, writes Kesner. Jones whose only complaint about the hospital was that there was no piano in his room, said: "Old friends should never get separated. We should record together!" To which Lincoln replied, visibly weak, but smiling: "He always makes me feel special. It's wonderful to see him."

Sim Simons (Kritiker / critic)

Sim Simons, der seit 1968 im Flämischen Rundfunk und Fernsehen regelmäßige Jazzsendungen produzierte und als Mitherausgeber der Magazine "Jazzmozaïek", "Swingtime" sowie "Doctor Jazz" fungierte, starb am 22. März im Alter von 68 Jahren. Simons wurde in Anvers geboren und hat ist Mitautor der Bücher "The Finest in Belgian Jazz" sowie "Jazz in Little Belgium- La collection Robert Pernet". Für seine Arbeit für den Jazz hat die belgische Urheberrechtsgesellschaft SABAM ihm 2005 ihren Preis "Muse" gegeben. Simons besaß keine Scheuklappen und sammelte alle Stilrichtungen des Jazz. Nachruf: Le Vif / L'Express.

Sim Simons who presented regular jazz broadcast on Flemish radio and TV since 1968 and was co-editor of the magazines "Jazzmozaïek", "Swingtime" and "Doctor Jazz" died on March 22nd at the age of 68. Simons was born in Anvers and co-authored the books "The Finest in Belgian Jazz" and "Jazz in Little Belgium- La collection Robert Pernet". For his support of jazz the Belgian copyright organization SABEM awarded him with the prize "Muse" in 2005. Simons wore no stylistic blinders and collected all styles of jazz. Obituary: Le Vif / L'Express.


23. März 2007

John Stowell

Paul de Barros spricht mit dem Gitarristen John Stowell aus Portland über seine neue CD "Streams of Consciousness", die Stowell zusammen mit dem aus Seattle stammenden Trompeter und Saxophonisten Jay Thomas eingespielt hat (The Seattle Times). Er möge es, wenn es zu einer Art musikalischer Konversation komme, sagt Stowell, und de Barros ergänzt, die CD sei nicht nur relaxed und voller Kommunikation, sondern auch noch gewandt, originell, und warm. Das ganze stünde ein wenig in der Tradition des West Coast Jazz meinen sowohl Stowell als auch de Barros. Stowell interessiere sich mehr und mehr für die melodischen Aspekte seiner Musik; er rate seinen Schülern immer, sich Sänger anzuhören.

Paul de Barros talks to the Portland based guitarist John Stowell about his ne CD "Streams of Consciousness", recorded together with the Seattle trumpeter and saxophonist Jay Thomas (The Seattle Times). He enjoys when playing together leads to musical conversation, explains Stowell, and de Barros adds the CD is "not only relaxed and conversational, but deft, witty and warm". It all reflects the atmosphere of West Coast Jazz, say both Stowell and de Barros. Stowell is more and more interested in the melodic aspects of his music and tells his students to listen to singers.

Billy Bang

Christian Broecking stellt den Geiger Billy Bang vor, der zusammen mit anderen Kriegsveteranen in seiner CD "Vietnam: The Aftermath" seine Erfahrungen während des Vietnamkriegs aufarbeitete und vor einem Jahr eine Folge-CD veröffentlichte: "Vietnam: Reflections" (Berliner Zeitung). "Aus Vietnam sei er, damals 21 Jahre alt, als Antiamerikaner zurückgekommen, die Vietnamesen hätten ihn besser behandelt als das rassistische Amerika, sagt Bang." Bang war als Jugendlicher durch den (kürzlich verstorbenen) Leroy Jenkins dazu motiviert worden, Musiker zu werden. Er fühle sich heute als einer der letzten Avantgardisten, die jüngeren Musiker scheuten meist das Risiko, sagt er.

Christian Broecking portrays the violinist Billy Bang who together with other Vietnam veterans had reworked some of his Vietnam influences into his CD "Vietnam: The Aftermath" and a second CD released about a year ago, "Vietnam: Reflections" (Berliner Zeitung). "He came back from Vietnam at 21 years of age as an anti American, as the Vietnamese treated him better than racist America, says Bang." In his youth the late Leroy Jenkins motivated Bang to become a musician. Today he sees himself as one of the last avantgardists; the younger musicians are afraid of the risk, he says.


22. März 2007

Emil Mangelsdorff

Der 81-jährige Altsaxophonist Emil Mangelsdorff berichtete vor Schülern der Heinrch-Böll-Schuile in Hattersheim, wie er zum Jazz kam und warum die Nazis diese Musik nicht ausstehen konnten (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Die Individualität des Jazzsolisten sei den Nazis ein Dorn im Auge gewesen, sagt er, genauso wie die Freiheit der Improvisation. Und ihre Rassenideologie tat ein übriges. Mangelsdorff selbst wurde von der Gestapo vorgeladen, als er in einer Hotelbar spielte. Beim erstenmal wurde er nur angeschrieen, beim zweitenmal kam er in Untersuchungshaft. "Die Gestapo wollte ihn einschüchtern, er sollte seine Jazz-Freunde denunzieren." Später las er, dass die Nazis geplant hatten, die "Rädelsführer" der sogenannten Swingjugend in Konzentrationslager zu stecken.

The 81 year old alto saxophonist Emil Mangelsdorff talked to students of the Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim about how he came to love jazz and why the Nazis couldn't stand this music (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Aside from their race ideology the individuality of the jazz soloist as well as the freedom conveyed by improvisation was a thorn in their flesh, he assumes. Mangelsdorff himself was summoned by the Gestapo when he played in a hotel bar. At his first summon he was just yelled at, the second time he was taken into custody. "The Gestapo wanted to frighten him to denounce his jazz friends." Later he read somewhere that the Nazis had plans to put all the "ring leaders" of the so called "swing youth" into concentration camps.

Miles Davis

Der Schauspieler Don Cheadle dreht einen Spielfilm über das Leben des Trompeter Miles Davis und wird darin auch selbst die Hauptrolle spielen, wie das Fachblatt Variety berichtet und wir in der Frankfurter Rundschau lesen. Das Drehbuch stamme von Stephen J. Rivele und Chris Wilkinson, die Rechte auf die Musik seien bereits gesichert.

The actor Don Cheadle will direct a movie about the life of the trumpeter Miles Davis. He will also play the leading role in the movie, as the magazine Variety reports and as we read in the Frankfurter Rundschau. The script is written by Stephen J. Rivele and Chris Wilkinson; the music right have already been secured.


21. März 2007

Neuer Deutscher Jazzpreis / New German Jazz Prize

Kurator Wolfgang Muthspiel hat die Arbeit der Vorjury, die ihm 13 Kandidaten zur Auswahl vorgelegt hatte, auf die folgenden drei “offiziellen” Jazzpreis-Kandidaten reduziert, die am 20.04.07 in der Mannheimer Feuerwache auftreten werden: das Johannes Enders Quartett, das Till Martin Quartett sowie das Andreas Schmidt Trio. Den Gewinner des Neuen Deutschen Jazzpreises 2007 bestimmt das Publikum am 20. und 21. April 2007 in der Alten Feuerwache Mannheim. Der Neue Deutsche Jazzpreis wurde initiiert und wird organisiert von der IG Jazz in Mannheim in Kooperation mit der Stadt Mannheim. Der Gewinner erhält den mit 10.000 Euro von der Mannheimer MVV gesponserten Jazzpreis. Zudem wird noch ein Preis für den besten Solisten vergeben.

Curator Wolfgang Muthspiel chose three from 13 bands selected by a pre-jury for the official jazz prize competition to take place at Mannheim's club Feuerwache on April 20th, 2007: the Johannes Enders Quartett, the Till Martin Quartett and the Andreas Schmidt Trio. The winner of the New German Jazz Prize 2007 will be chosen by the audience during a two day event on April 20th and 21st, 2007 at the Alte Feuerwache, Mannheim. The New German jazz prize was initiated by the IG Jazz (jazz initiative) in cooperation with the city of Mannheim. The winner gets an award of 10.000 Euro sponsored by the Mannheim traffic authority MVV. There will also be a special prize for best soloist.


20. März 2007

Barbara Carroll

Stephen Holden ging ins Algonquin Hotel, wo jeden Sonntagnachmittag und Montagabend die Pianistin und Sängerin Barbara Carroll auftritt (New York Times). Ihr Spiel weise eine Politur und Eleganz auf, die ihn an Bobby Short erinnere, der jahrelang gleich nebenan im Carlyle Hotel aufgetreten sei, wo Carroll 25 Jahre lang gespielt habe. Zusammen mit dem Bassisten Frank Tate spielte Carroll "show tunes, jazz songs and standards". Improvisationen und musikalische Zitate würden bei ihr in eine ausbalancierte musikalische Struktur münden. Ihre sprechartige Singstimme erinnert Holden ein wenig an Mabel Mercer. Am meisten beeindruckten ihn ihre Interpretationen von "Some Other Time" und "All the Things You Are".

Stephen Holden visited the Algonquin Hotel where each Sunday afternoon and Monday evening the pianist and singer Barbara Carroll performs (New York Times). Her style has a polish and elegance which reminds him of Bobby Short who used to perform across the hall from her at the Carlyle Hotel, her home base for 25 years. Together with the bass player Frank Tate Carroll played "show tunes, jazz songs and standards". She transformed improvisations and musical quotations into a balanced musical structure. Her conversational speech-song reminded Holden of Mabel Mercer. He was most impressed with her instrumental renderings of "Some Other Time" and "All The Things You Are".

Barry Guy

Hans-Jürgen Linke besuchte ein zweitägiges Festival, dass der Zürcher Jazzclub Moods dem Kontrabassisten und Komponisten Barry Guy widmete (Frankfurter Rundschau). Der spielte Heinrich Ignaz Franz Bibers "Kreuzigungs-Sonate" aus dem 17. Jahrhundert und eigene Kompositionen aus den letzten Jahren, Musik, die scheinbar nur schwer unter einen Hut zu kriegen ist. Linke sieht das für Hörer der jeweiligen Zeit "Unerhörte" als das verbindende Moment und "einen ersten Hinweis auf eine Einheit in der multiplen musikalischen Persönlichkeit Barry Guys: in der Suche nach und dem Finden von Unerhörtem". Guy spielte u.a. solo, mit seiner Frau, der Geigerin Maya Homburger, mit dem zehnköpfigen Barry Guy New Orchestra und mit zwei Trios, darunter dem legendären mit Evan Parker und Paul Lytton.

Hans-Jürgen Linke attended a two day festival organized by the Zurich jazz club Moods and dedicated to double bass player and composer Barry Guy (Frankfurter Rundschau). He played Heinrich Ignaz Franz Biber's "Crucification Sonata" from the 17th century as well as his own compositions from recent years, music which it seems to be quite difficult to find connections between. Linke sees the "Unexpected" as one such combining moment and as "a first hint at the unity of Guy's multiple musical personalities: in the looking for and finding of the unexpected". Guy played in solo, with his wife, the violinist Maya Homburger, with the ten-piece Barry Guy New Orchestra and with two trios, among them the legendary trio with Evan Parker and Paul Lytton.


19. März 2007

BuJazzO (BundesjugendJazzOrchestra)

Der Dresdner Musikprofessor Marko Lackner hat als erster der künftig wechselnden Bandleader das Bundesjugendjazzorchester übernommen. Nach 18 Jahren Leitung durch Peter Herbolzheimer beginne damit eine neue Ära, teilte das Ensemble am Sonntag mit. Lackner, der früher selbst zum "BuJazzO" gehörte und seit 2003 als Professor an der Dresdner Musikhochschule arbeitet, hatte in den vergangenen Tagen in Trossingen (Baden-Württemberg) mit 46 Jazztalenten gearbeitet. Künftig wechselt die künstlerische Leitung des Orchesters alle sechs Monate. Der 35 Jahre alte Komponist, Arrangeur und Saxofonist Lackner kündigte für seine Leitung eine Mischung aus zeitgenössischem und traditionellem Jazz an. (www.bujazzo.de)

The Dresden based professor for music Marko Lachner has taken over as the first of regularly changing musical directors of the Bundesjugendjazzorchestra (Federal Youth Jazz Orchestra). This is the beginning of a new era after the 18 fiorst years during which Peter Herbolzheimer directed the orchestra. Lackner himself came out of the ranks of the "BuJazzO" and works since 2003 as professor at the Dresden Musikhochschule. In the last couple of days he worked with 46 young and inspired jazz musicians during a workshop phase in Trossingen, Baden-Württemberg. The 35 year old composer, arranger and saxophonist announced that he will mix contemporary and traditional elements during his time as musical director. (www.bujazzo.de)

Alexander von Schlippenbach

Der Pianist Alexander von Schlippenbach erhält den 26. Jazzpreis des Südwestrundfunks (SWR). Wie der SWR gestern mitteilte, überzeugte der 68-jährige Pianist aus Berlin vor allem mit seinen neuen beiden Solo-CD, die unter dem Titel "Twelve Tone Tales" erschienen sind. Damit sei es dem Preisträger gelungen, die Kompositionstechnik seines Lehrers Bernd Alois Zimmermann und die Jazztradition von Thelonious Monk zu verknüpfen. Zudem habe die Gründung des "Globe Unity Orchestra" dazu beigetragen, "den Free Jazz auch in Mitteleuropa heimisch zu machen". Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wird jeweils zur Hälfte vom Land Rheinland-Pfalz und vom SWR gestiftet. Die Preisträger werden von einer siebenköpfigen Jury, bestehend aus Vertretern des Landes und Musikexperten, bestimmt. (www.swr.de)

The pianist Alexander von Schlippenbach is awarded with the 26th Jazz Award sponsored by the Südwestrundfunk (SWR). The jury was especially impressed with his latest solo CDs released under the title "Twelve Tone Tales". In them he succeeded to combine the compositional techniques of his teacher Bernd Alois Zimmermann and the jazz tradition of Thelonious Monk. In the 60s Schlippenbach founded the Globe Unity Orchestra and thus helped "giving free jazz a home in middle Europe". The award comes with 10.000 Euro which is provided partly by the state Rheinland Palatinate and partly by the SWR. The jury comprises music experts and state representatives. (www.swr.de)


17. März 2007

Humphrey Lyttelton

Humphrey Lyttelton wolle seine regelmäßige Radiosendung "The Best of Jazz" einstellen, bedauert Miles Kington (The Independent). Das sei schade, weil der 85jährige Trompeter darin eine wahre Entdeckungsreise in die Tiefen des Jazz angeboten habe, "mit sehr eigener Meinung und doch objektiv, nostalgisch, überhaupt nicht sentimental, aber voll Gefühl". In 40 Jahren habe er mehr als 20.000 Titel vorgestellt, schätzt Lyttelton, und habe diese dabei nicht nur einfach angesagt, sondern sehr persönlich erklärt, warum er sie spiele, wodurch er seine Hörer neugierig auf die Platten gemacht habe, schon bevor er sie gespielt habe. Für Kington sei "The Best of Jazz" 40 Jahre lang ein Meilenstein seiner Woche gewesen. Wenn das jetzt ende, denke er auch ein wenig an Sterblichkeit - und zwar gar nicht unbedingt die von Lyttelton als viel mehr seine eigene.

Humphrey Lyttelton will give up his regular radio show "The Best of Jazz", laments Miles Kington (The Independent). That is sad because the 85 year old trumpeter took his listeners on a discovery tour through jazz, "opinionated, and reasonable, and nostalgic, utterly free of sentimentality, but full of sentiment". In 40 years he must have presented more than 20.000 titles, Lyttelton reckons, and he did not just announce these, but he explained in very personal words why he played them and thus made his listeners curious about the record before he plays it. For Kington "The Best of Jazz" for 40 years was a landmark of his week. If that comes to an end, he does think of mortality - und he is not sure whether he thinks of Lyttelton or rather of himself in that respect.


16. März 2007

Annie Ross

Stephen Holden hörte die Sängerin Annie Ross im New Yorker Metropolitan Room, wo sie momentan jeden Dienstag auftritt (New York Times). Neben ihrem Trio spiele in ihrer Show der Trompeter Warren Vaché eine wichtige Rolle, er wirke wie ein "intuitiver Tanzpartner, der hinter sie tritt, sie hochhebt, herumwirbelt, sie mit Küssen bedeckt und ihr dann Blumensträuße zu Füßen legt". Ihr Stimme allerdings sei nicht mehr auf der Höhe, schreibt Holden, nur im tiefen Register treffe sie die Töne noch zuverlässig. Wenn sie dann aber "Twisted" singe, jenes schnelle Vocalese-Stück, zu dem sie selbst vor Jahrzehnten den Text verfasst hat, klinge das, als wären ihr die Worte gerade eben erst eingefallen. Und zu ihrer Version von "Lush Life" bemerkt Holden: "Ich habe noch niemanden so bitteren Saft aus diesem Text pressen hören, der ja selbst schon einige Gläser extra-trockenen Martinis enthält."

Stephen Holden attended a concert of the singer Annie Ross at New York's Metropolitan Room where she performs every Tuesday (New York Times). Besides her trio she is accompanied by the trumpeter Warren Vaché who seems like an "intuitive musical dancing partner, he slips behind her, lifts her up, twirls her around, covers her with kisses, then deposits bouquets at her feet." Her voice is not the same anymore, writes Holden, only in the low register does she reliably hit the notes. But when she sings "Twisted", a vocalese feature for which she wrote the lyrics decades ago, it sounds as if "it had just popped into existence". Und then she sings "Lush Life", about which Holden comments: "I’ve never heard so much bitter juice extracted from lyrics that contain several pitchers of extra-dry martinis."

 


15. März 2007

Norrie Cox

Norrie Cox spielte bereits Klarinette mit einem musikalischen New-Orleans-Dialekt, als er 1966 von England in die USA kam. Er habe seit Jahren im Bayerischen Hof (Bavarian Inn) in Wisconsin gespielt und für die Musik irgendwann seinen Hauptjob als Besitzer einer Dieselwerkstatt aufgegeben. Nebenbei habe er versucht, in Workshops Kindern Jazz nahezubringen. Cox starb am 7. März in Elm Grove / Brookfield, Wisconsin. Nachruf: Milwaukee Journal Sentinel.

Norrie Cox already had played the clarinet with a New Orleans accent when he moved to the USA from his native England in 1966. He played at the Bavarian Inn in Wisconsin for years and at one point gave up his day job in a diesel repair shop for the music. In workshops he also tried to teach jazz to young people. Cox died March 7th in Elm Grove / Brookfield, Wisconsin. Obituary: Milwaukee Journal Sentinel.

Wynton Marsalis

Wynton Marsalis' Lincoln Center Jazz Orchestra behandle den Jazz wie klassische Musik, schreibt J.D. Considine (Toronto Globe and Mail), aber zu oft bedeute das, dass das Ergebnis ein wenig zu konservativ daherkomme. Jazz als klassische Musik - das würde einen Kanon klassischer Werke implizieren und nicht die Spontaneität des Jazz. Man habe Marsalis vorgeworfen, das LCJO als Hintergrund für einen Personenkult um ihn selbst zu nutzen, schreibt Considine. Inzwischen habe sich das ein wenig geändert. Cecil Taylor sei kürzlich im Lincoln Center aufgetreten, auch "weiße" Klassiker seien zu Gehör gekommen. Das LCJO allerdings biete nach wie vor eher durchschnittliche Qualität. Wenn man Jazz schon als klassische Musik betrachte, dann müsse es schon eine entsprechende Qualität geben - nicht nur in den arrangierten Partien, sondern eben gerade auch in den Soli.

Wynton Marsalis' Lincoln Center Jazz Orchestra tries to treat jazz like classical music, writes J.D. Considine (Toronto Globe and Mail), but too often that means that the result sounds a bit conservative. Jazz as classical music - that implies a canon of classical works and not the spontaneity of jazz. Marsalis was criticized of using the LCJO as a background for his own cult of personality, writes Considine. But things have changed in the meantime. Recently Cecil Taylor performed at Lincoln Center, and the orchestra did play "white" classics. The LCJO, though, still plays with an "average quality". If one sees jazz as a classical music, it has to be played with the necessary quality - not just during in the arranged parts but especially in the improvised solos.


14. März 2007

Dave Brubeck

Clint Eastwood wird einen Dokumentarfilm über den Jazzpianisten Dave Brubeck drehen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters (Washington Post). Darin werde Brubecks lange Karriere von den Anfängen in den 40er Jahren bis hin zu seiner Jazzoper "The Cannery Row Suite" von 2006 nachvollziehen. Dave Brubeck sei eine amerikanische Legende, meint Eastwood. "Er ist ein amerikanisches Original und trägt bis heute zur Entwicklung der Musik bei, indem er eine ganz neue Generation zum Jazz bringt und nach wie vor die internationale Sprache der Musik auskundschaftet."

Clint Eastwood will produce a documentary about the jazz pianist Dave Brubeck, as the news agency Reuters reports (Washington Post). In it he will follow Brubeck's career from the beginnings in the 1940s up to his jazz opera "The Cannery Row Suite" premiered in 2006. Dave Brubeck is an American legend, explains Eastwood. "He is an American original who continues to make significant contributions to music, introduced a whole new generation to the world of jazz, and continues to explore the international language of music."


13. März 2007

Bill Frisell

Er liebe die Shufflefunktion seines iPod, erzählt der Gitarrist Bill Frisell dem Journalisten Jesse Hamlin (San Francisco Chronicle). Er selbst halte eh nichts von stilistischen Grenzlinien, seine eigene Musik beziehe sich gleichermaßen auf Jazz, Country, Blues und Soul, Sousa-Märsche, Copland-Symphonien, Cowboysongs und Broadwayshows. Es sei allerdings falsch, das ganze nur unter dem Begriff "eklektisch" abzutun. Oft verlasse er sich schon auf seinen Instinkt bei der Auswahl konkreter Einflüsse, meint Frisell. Am Freitag tritt er in einer Soloperformance in der Grace Cathedral in San Francisco auf. Er hoffe, sich am Nachmittag des Konzerts ein wenig mit der Akustik der Kirche vertraut machen zu können, und er hoffe, nicht zu viele technische Hilfsmittel zu benötigen. In letzter Zeit sei er vor allem am natürlichen Klang der Gitarre interessiert. Soloauftritte seien immer noch eine Herausforderung, anfangs sei er dabei seinen eigenen Ideen hinterhergelaufen, um den restlichen Platz zu füllen. Wenn er wirklich anfange zu spielen sei das, wie wenn man die Straße runterliefe und dabei pfiffe, ohne zu merken, dass man pfeift. Vielleicht ein wenig intensiver. Er erwarte von den Zuhörern nicht unbedingt, dass sie fühlten, was er fühle. Hauptsache, er stoße irgendetwas an.

He loves the shuffle function of his iPod, guitarist Bill Frisell tells the journalist Jesse Hamlin (San Francisco Chronicle). He does not believe in stylistic boundaries; his own music relates to jazz, country, blues and soul, Sousa marches, Copland symphonies, cowboy songs and Broadway shows. It should not, though, simply be shrugged off as "eclectic". Often he does rely on his instincts when choosing specific influences, Frisell explains. Next Friday he plays a solo performance at San Francisco's Grace Cathedral. He hopes to be able to get to know the room in the afternoon; he also hopes not to have to use too many technical gadgets. Lately he is more and more fascinated with the natural guitar sound. He sees solo performances as a challenge; at first he "was trying to run after my own ideas, to fill up the space around them". When he is really playing, "it's almost like someone walking down the street whistling and not even being aware they're whistling". Well, perhaps a little more intense. He does not expect his listeners to feel whatever he feels while creating his music. He just wants to trigger something.

Cecil Taylor & John Zorn

Mit Cecil Taylor und John Zorn traten zwei unwahrscheinliche Avantgardisten in den Heiligen Hallen von Jazz at Lincoln Center auf, einer Einrichtung, die oft gescholten wird, vor allem Mainstream zu präsentieren und sich dem Schwerer zu Hörenden zu verschließen. Seit seiner Eröffung im Jahr 1988 jedenfalls hatte JaLC die beiden noch nie kontaktiert, berichtet Ben Ratliff (New York Times). Nun, meinte Zorn in seiner Ansage, könne man hoffen, dass es vielleicht eine etwas aufgeklärtere Programmpolitik bei Jazz at Lincoln Center gäbe. Er jedenfalls sähe mehr junge Gesichter im Publikum als je zuvor in diesen Räumen. Zorns Band Masada habe ihre altbekannte Ästhetik verfolgt: jüdische Skalen, Ornette-Coleman-lastige Melodien, Hardcore-Punk-Energie, das alles über einer antreibenden Rhythmusgruppe. Bei Cecil Taylors neuem Trio mit Henry Grimes und Pheeroan akLaff habe vor allem die Rhythmik im Vordergrund gestanden. "Taylors Musik bezieht sich nicht so sehr auf allgemein bekannte, praktische Erfahrung", schreibt Ratliff; "er selbst ist die Quelle seiner Kunst, und seine Sidemen kamen ihr so nah wie wenige in den Bands Taylors, die ich in den vergangenen 20 Jahren gesehen habe."

With Cecil Taylor and John Zorn two unlikely avantgardists performed in the Rose Theater of Jazz at Lincoln Center. Since its opening in 1988 JaLC had not contacted either of the two, reports Ben Ratliff (New York Times). Their concert, Zorn said in his opening remarks, makes him hope for "a trend of enlightened programming" at Jazz at Lincoln Center, especially as he sees more young faces in the audience than ever before in that room. Zorn's band Masada follows its well-known aesthetic: Yiddish scales, Ornette-Coleman-like melodies, hardcore punk energy fed off the rhythm section’s rush. With Cecil Taylor's new trio with Henry Grimes and Pheeroan akLaff the focus is on the rhythmic energy. "Mr. Taylor’s music doesn’t draw on a body of consensual, practical knowledge", writes Ratliff; "he is the single source of his art, and his sidemen got as close to it as any Taylor group I’ve seen in 20 years."


12. März 2007

Groove

Mike Zwerin nähert sich in einem Essay dem Phänomen von swing und Groove (Bloomberg.com). Der swing stamme aus Westafrika, schreibt er, und der Groove entstehe, wenn der swing anfange, seine Energie aus sich selbst zu beziehen. Ein Musiker fange dann an zu swingen, wenn er sich konsistent und mit Hingabe auf den Groove beziehe. Man könne nicht "schlecht" grooven, entweder der Groove ist da oder nicht. Um den Groove zu erkennen (sofern man ihn nicht spüre), müsse man einfach auf den Bass hören. Beispiele? Ahmad Jamal, das Miles Davis Quintet, "Ellington at Newport", Ellington und Coltrane, Ellington, Mingus und Roach sowie die Jimi Hendrix Experience. Und Basie...

Mike Zwerin reports about the jazz phenomena of swing and groove (Bloomberg.com). Swing comes from West Africa, he writes, and groove develops when swing "begins to feed on itself". "A musician swings when he relates to the groove in an urgent and consistent manner. There is no such thing as a bad groove, it either grooves or it doesn't." To recognize groove (if one doesn't feel it), one just has to listen to the bass. Examples? Ahmad Jamal, the Miles Davis Quintet, "Ellington at Newport", Ellington and Coltrane, Ellington, Mingus and Roach as well as Jimi Hendrix Experience. And Basie...


11. März 2007

Ronnie Wells-Elliston

Die Sängerin Ronnie Wells-Elliston starb am 7. März an den Folgen von Lungrenkrebs in Montgomery County, Maryland. Wells-Elliston war seit den frühen 60er Jahren auf der Szene Washingtons aktiv. Zusammen mit ihrem Mann, dem Pianisten Ron Elliston, veröffentlichte sie mehrere Alben. 1992 riefen die beiden außerdem das East Coast Jazz Festival ins Leben, um den reduzierten Jazzprogrammen an allgemeinbildenden Schulen entgegenzuwirken. Nachruf: Washington Post.

The singer Ronnie Wells-Elliston died March 7th in Montgomery County, Maryland, from lung cancer. Wells-Elliston was active on the Washington scene since the early 60s. Together with her husband, the pianist Ron Elliston, she recorded several albums. In 1992 the two of them founded the East Coast Jazz Festival in response to area schools' reducing or eliminating their music programs. Obituary: Washington Post.


10. März 2007

Thomas Quasthoff

Der Bass-Bariton Thomas Quasthoff hat ein Album mit Stücken des American Songbook veröffentlicht und dieses unter anderem bei einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall vorgestellt. Bernard Holland hat das Konzert besucht (New York Times) und stellt fest, dass Quasthoff sich offenbar Sänger wie Frank Sinatra, Lou Rawls und Johnny Cash angehört habe, von denen letzterer seiner Stimmlage am nähesten komme. Amerikaner könnten sich geschmeichelt fühlen, dass Quasthoff ihre Musik genügend liebe, um sie mit solche Fertigkeit "nachahmen" [mimic] zu können. Wenn man nicht wüsste, wer er ist, würde man ihn für einen wirklich guten Lounge-Singer halten -- hätte eine Schale auf dem Flügel gestanden, so hätte Holland fünf Dollar hineingeworfen. Die Band sei schön international gewesen (wobei man Herrn Holland darauf hinweisen sollte, dass Neuseeland, Alan Broadbents Heimatland, kein Bundesstaat Australiens ist), aber letzten Endes habe Quasthoff nicht viel Neues zu sagen. Wolfgang Sandner erlebt Quasthoffs gerade veröffentlichtes Album ein wenig anders (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Man hätte Schlimmes befürchten können von einem solchen Crossover, mangelnden Respekt nämlich vor den Jazzkollegen, die schließlich auch alle an ihrer Stimme gearbeitet hätten, wenn nicht an Musikhochschulen, so eben im Minton's Playhouse oder "on the road". Till Brönner habe Quasthoff gut beraten bei der Musikauswahl, habe außerdem das Album produziert und inspirierte Soli beigesteuert. Beim Singen habe Quasthoff keine Hilfe nötig gehabt, er swinge, beherrsche die unterschiedlichen Klangbesonderheiten des Jazzgesangs, und er könne zur Not auch mit einer ordentlichen Portion Schmalz dienen. Nur von "My Funny Valentine" habe er die Finger lassen sollen, meint Sandner, das habe Chet Baker ihm in seiner Version ein für alle Mal verdorben.

The bass-baritone Thomas Quasthoff has recorded an album with music from the American Songbook and presented this repertoire in a concert at New York's Carnegie Hall. Bernard Holland attended the concert (New York Times) and discovers that Quasthoff must have listened closely to singers like Frank Sinatra, Lou Rawls and Johnny Cash, the last of which comes closest to his range. Americans can be "flattered that Mr. Quasthoff loves their music well enough to mimic it with such skill". If one had no idea who Quasthoff is, one would take him for a good lounge singer -- "if there had been a glass on the piano, I would have put my five dollars in". The band was quite international (although we would like to remind Mr. Holland that new Zealand, Alan Broadbent's home country, is not a federal state of Australia), but in the long run, Quasthoff hasn't much new to say. Wolfgang Sandner listens to Quasthoff's new album (Frankfurter Allgemeine Zeitung). One might have assumed much worse of such a crossover project, Sandner writes, for instance a missing respect for the jazz colleagues who, after all, have been working just as hard on their vocal abilities, perhaps not by studying at conservatories, but by singing at Minton's Playhouse or "on the road". Till Brönner was a good adviser for the repertoire; he also produced the album and played some inspired solos. For his singing, though, Quasthoff did not need any help. He swings, he knows about the special vocal qualities needed for jazz, and if needed he even can put some schmaltz into the melodies. The only piece he shouldn't have done is "My Funny Valentine", says Sandner, as Chet Baker's was such an ultimate version of that song that nothing really can compare.


9. März 2007

Bobby Rosengarden

Der Schlagzeuger und Perkussionist Bobby Rosengarden starb am 27. Februar in Sarasota, Florida, im Alter von 82 Jahren. Er hatte mit zwölf Jahren begonnen Schlagzeug zu spielen und nahm Stunden bei einem Lehrer in Chicago, der auch Louie Bellson unterrichtete. Nach dem Krieg arbeitete Rosengarden in den Rundfunk- und Fernsehstudios New Yorks, spielte nebenbei auch als Perkussionist im NBC Symphony Orchestra unter Arturo Toscanini. In den späten 60er Jahren übernahm er die Leitung der Band für die Dick Cavett Show, in die er einige der besten Jazzmusiker engagierte, unter ihnen den Trompeter Joe Wilder und den Bassisten Milt Hinton. Er tourte mit der World's Greatest Jazz Band, war in den 70er und 80er Jahren regelmäßiger Gast beim Jazzfestival in Nizza, trat mit der New York Jazz Repertory Company auf und tourte mit dem Gerry Mulligan Sextet. In den 80er und frühen 90er Jahren leitete er eine Band im New Yorker Rainbow Room. Nachrufe: The Independent, New York Times, Los Angeles Times.

The drummer and percussionist Bobby Rosengarden died February 27th in Sarasota, Florida, at the age of 82. He had started playing the drums at age 12 and took lessons from a teacher in Chicago who also taught Louie Bellson. After the war Rosengarden worked in New York's radio and TV studios, also working as a percussionist for Arturo Toscanini's NBC Symphony Orchestra. In the late 60s he led the band for the Dick Cavett Show for which he hired some of the best jazz musicians, among them the trumpeter Joe Wilder and the bassist Milt Hinton. He toured with the World's Greatest Jazz Band, was a regular guest at the Nice Jazz Festival in the 70s and 80s, performed with the New York Jazz Repertory Company and toured with the Gerry Mulligan Sextet. In the 80s and 90s he led his own band at New York's Rainbow Room. Obituaries: The Independent, New York Times, Los Angeles Times.


8. März 2007

Dave Douglas

Der Trompeter Dave Douglas hat in den letzten 10 Jahren vor allem eigene Projekte verwirklicht, erzählt er Derk Richardson (San Francisco Chronicle). Jetzt wirkt er einmal wieder an einem Gemeinschaftsprojekt mit, der SF JAZZ Collective, die sich in diesem Jahr mit der Musik von Thelonious Monk befasst. In den letzten Jahren habe er Monk-Stücke meist recht frei gespielt, berichtet Douglas. Für "Hornin' In" habe er jetzt aber ein Arrangement geschrieben, das von frühen Ellington-Stücken beeinflusst sei. Es habe eine Weile gedauert, bis er Monk richtig habe genießen können, erzählt er. Außerdem komponierte Douglas die "San Francisco Suite" für das Ensemble. Dabei habe er durchaus im Sinn gehabt, wer alles mitspielt - Musiker wie Bobby Hutcherson, Miguel Zenon, Andre Hayward, Renee Rosnes, Matt Penman, Eric Harland und Joe Lovano.

The trumpeter Dave Douglas mostly worked on his own projects during the last 10 years, as he tells Derk Richardson (San Francisco Chronicle). Now he collaborates in a joined project with the SF JAZZ Collective performing the music of Thelonious Monk. In recent years he tended to play Monk's pieces in a pretty free context, Douglas reports. For "Hornin' In", though, he wrote an arrangement influenced by early Ellington pieces. It took him a while to be able to really appreciate Monk's music, he says. For the Collective Douglas also composed the "San Francisco Suite". For it he was aware of who is playing in the band - musicians such as Bobby Hutcherson, Miguel Zenon, Andre Hayward, Renee Rosnes, Matt Penman, Eric Harland and Joe Lovano.

Paul deLay

Der Bluessänger und Mundharmonikaspieler Paul deLay starb am 6. März in Portland, Oregon, an den Folgen von Leukämie im Alter von 55 Jahren. Seit 1978 spielte er mit seiner eigenen Band mehrere Alben auf seinem eigenen Label ein. Anfang der 90er Jahre musste er eine 41-monatige Haftstrafe wegen Kokainhandels verbüßen. Danach war er regelmäßiger Gast bei internationalen Bluesfestivals. Nachruf: Seattle Times.

The blues singer and harp player Paul deLay died March 6th in Portland, Oregon, of leukemia at the age of 55. Since 1978 he had performed with his own band, recording several albums on his own record label. In the early 90s he had to serve a 41-month sentence for dealing cocaine. After prison he was a regular performer at international blues festivals. Obituary: Seattle Times.


6. März 2007

Tarik Shah

Der Bassist Tarik Shah, der bereits mit Betty Carter, Ahmad Jamal, Abbey Lincoln und Art Taylor spielte, sitzt seit Mai 2005 im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess wegen terroristischer Aktivitäten, berichtet Corey Kilgannon (New York Times). Jede zweite Woche erhält Tarik Besuch von seinem Bruder, dem Pianisten Antoine Dowdell. Die beiden sprechen über Jazztheorie und singen sich gegenseitig Phrasen zu. Dowdell haben diese Stunden im Besucherzimmer des Gefängnisses enorm weitergeholfen, erzählt er. Er habe das Gefühl, dass er der Öffentlichkeit die Musik seines Bruders spielen müsse. "Ich spiele jetzt für ihn, spiele seinen Schmerz." Für seinen Bruder seien die Stunden eine willkommene Abwechslung. "Immer wenn wir musikalisch an einem Höhepunkt sind, kommt eine Wache und sagt, 'Okay, Eure Zeit ist rum'. Ich gehe dann nach Hause um zu üben, und Tarik geht zurück in seine Zelle.

The bassist Tarik Shah who had played with Betty Carter, Ahmad Jamal, Abbey Lincoln and Art Taylor, is in jail since May 2005 and waits for his trial for terrorist activities, as Corey Kilgannon reports (New York Times). Every other week, Tarik meets with his brother, the pianist Antoine Dowdell, in an isolated visiting area. They talk about jazz theory and sing passages to each other. These visits in jail helped Dowdell a lot, as he says. He feels that he has to play his brother's music for the public. "I’m playing for him now, playing his pain." His brother sees these meetings as a welcome distraction. "But just when we’ll be peaking musically, a guard will say, ‘O.K., your time’s up.’ Then I go home to practice, and Tarik goes back to his cell.”


5. März 2007

Paul Burwell

Der britische Perkussionist Paul Burwell starb am 4. Februar im Alter von 57 Jahren in Hull, England. Er hatte Unterricht beim Dance-Band-Schlagzeuger Max Abrahams genommen, wurde dann durch Free-Jazz-Drummer wie Milford Graves, Sunny Murray oder Ed Blackwell beeinflusst. In seinem Bow Gamelan Ensemble erfand er neue, manchmal gerade skulpturenhafte Perkussionsinstrumente, die ein sich gefährlich anhörendes Spektakel von Krach, Licht, Feuer und Explosionen heraufbeschworen. Nachruf: Guardian.

The British percussionist Paul Burwell died February 4th at the age of 57 years in Hull England. He first took lessons with the dance band drummer Max Abrahams, but soon was influenced by free jazz drummers such as Milford Graves, Sunny Murray or Ed Blackwell. For his Bow Gamelan Ensemble he invented new instruments which often tended to look like sculptures and were integrated into a sometimes dangerous spectacle of noise, light, fire and explosions. Obituary: Guardian.


4. März 2007

Niklaus Troxler

1975 gründete Niklaus Troxler das Festival Jazz in Willisau, wie Alice Rawsthorn berichtet (International Herald Tribune). Alle Plakate, die dieses Festival, das zu den renommiertesten in Europa gehört, ankündigen, stammen aus seiner Feder, denn Troxler ist nicht nur Jazzliebhaber, sondern auch ein international anerkannter Grafiker. Seine Einflüsse stammten aus der Popart, sagt er, aber auch aus anderen Kunstrichtungen und aus der Musik. Er arbeite mit grafischen Elementen und Typographie, nie aber mit Fotos, weil die zu stark ins Klischee gehen würden.

Niklaus Troxler founded the festival Jazz in Willisau in 1975, as Alice Rawsthorn reports (International Herald Tribune). All posters announcing this festival which belongs to the most renowned in Europe, come from his hand, as Troxler is not only a lover of jazz but also an internationally known graphic artist. He has been influenced by Pop Art and other artistic developments, but also by music. He works with graphic elements and typography, but never with photos which he considers to be clichéd.


3. März 2007

Uschi Brüning

Birgit Walter gratuliert der Sängerin Uschi Brüning zum 60. Geburtstag (Berliner Zeitung). Klaus Lenz habe sie entdeckt, als sie eine schüchterne Gerichtssekretärin war. In seiner Bigband habe sie an der Seite von Manfred Krug gesungen. Bald war sie die wohl wichtigste Jazzsängerin der DDR und sei noch heute eine der wenigen großen Stimmen in Deutschland. Sie sei selbst erstaunt, sagt Brüning, dass ihre Stimme über die Jahre nicht merklich gealtert sei. Sie sei seit 25 Jahren mit dem Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky verheiratet. Die Jazzer seien "seltsam unpolitisch durchs DDR-Leben" gekommen, meint Walter und fügt hinzu: "Anders als im Rock entwickelte sich nie so etwas wie DDR-Jazz" (wir allerdings sehen das ein wenig anders). Nach der Wende habe sich der Konkurrenzkampf verstärkt. Sie merke "immer mehr, was mir die DDR alles verbaut hat, vor allem durch die Denk-Mauern, die vor uns aufgestellt waren, die wir damals so nicht wahrgenommen haben", resümiert Brüning, die sich noch lange nicht am Ende ihres Berufslebens sehe: "Ach wo, ich reife ja noch!"

Birgit Walter congratulates the singer Uschi Brüning who celebrates her 60th birthday (Berliner Zeitung). She was discovered by Klaus Lenz while she worked as a court secretary. She sang in his big band, side to side with Manfred Krug. Soon she became the most important jazz singer in the German Democratic Republic (GDR); and to this day she remains one of the really great voices in Germany. She is herself a bit surprised that her voice did not age much through the years. Since 25 years she is married to the saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky. Jazz musicians made it "in an eerily unpolitical fashion through the GDR life", Walter states and adds, "unlike rock music a specific GDR jazz never really came into being" (we take the liberty to disagree). After the political changes the competition became harder. Today she more and more realizes "what obstacles the GDR had put in my way, especially by erecting thought walls which we never really perceived as such" Brüning sums up. She is far from retiring: "By no means! I am still developing, after all!"


2. März 2007

Madeleine Pexroux

Die Sängerin Madeleine Peyroux ist zufrieden damit, "nur" Sängerin zu sein und nicht als Singer-Songwriter aufzutreten, wie sie Nekesa Mumbi Moody erzählt (San Francisco Chronicle). Ihr Debutalbum machte sie 1996 einer größeren Öffentlichkeit bekannt, danach allerdings dauerte es acht Jahre, bis sie mit einem weiteren Album nachzog. Sie ist so zurückhaltend in ihrer Persönlichkeit, dass im letzten Jahr Gerüchte die Runde machten, ihre Plattenfirma ließe sie durch einen Privatdetektiv suchen und befürchte, sie sei gekidnappt worden. Da sei nichts dran - "Ich glaube nicht, dass irgendjemand mich kidnappen würde", lacht sie.

The singer Madeleine Peyroux is content with being "just" a singer and not a singer-songwriter, as she tells Nekesa Mumbi Moody (San Francisco Chronicle). She became known to a broader public with her debut album in 1996; then it took eight years to follow with a second album. She is shy and soft-spoken, so much so that last year rumors circulated that her record company hired a private detective to search for her and thought she may have been kidnapped. Not true, says Peyroux and jokes, "I don't think anyone would want to kidnap me."


1. März 2007

Deutschland / Germany

16 Hochschulen in Deutschland bilden heute Jazzmusiker aus, berichtet Rainer Schulze (FAZ), das mache ca. 150 Absolventen im Jahr. Von ihnen aber würden nur wenigen eine wirkliche Jazzkarriere gelingen; die meisten müssten "spielen auf Sektempfängen und an Messeständen, komponieren Werbejingles oder begleiten Musicals". Der Markt sei gesättigt, in Berlin gingen Jazzmusiker schon mal mit gerade mal 30 Euro nach einem mehrstündigen Clubgig nach Hause. Jazzmusiker sind meist ihre eigenen Manager, was in Zeiten eines "kulturellen Overkills" alles andere als leicht sei. "Wir sind alle Callboys geworden", resümiert der Schlagzeuger Janusz Stefanski und erklärt, er spiele jede Menge Konzerte, die eigentlich weit unter seinem Niveau seien. Das, aber, so sagt er, sei nun mal der Blues.

16 music academies offer degrees for jazz musicians in Germany, as Rainer Schulze reports (FAZ). That's about 150 graduates every year. Only some of those really succeed in jazz, though; most of them have to "play for champagne receptions and trade fair events, compose commercial jingles or accompany musicals". The market is saturated; in Berlin some musicians return home from a club gig having earned no more than 30 Euro. Jazz musicians often are their own manager which is far from easy in times of "cultural overkill". "We all have become callboys", the drummer Janusz Stefanski sums up and explains that he has to play many concerts far beneath his standards. That, though, he says, is nothing but the blues.


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