Jazz News
Jazz Nachrichten


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Jazz News, 31. Oktober 2006

Deutscher Jazz + Deutsche Politik / German jazz and German politics

Auf Einladung des Deutschen Bundestages traf sich am vergangenen Mittwoch erstmals eine Delegation der Bundeskonferenz Jazz (BKJazz) zu einem Informationsaustausch mit Vertretern des Kulturausschusses, darunter der Vorsitzende Hans-Joachim Otto (FDP) und dessen Stellvertreter Siegmund Ehrmann von der SPD. Im Mittelpunkt der Gespräche stand eine Standortbeschreibung des deutschen Jazz ebenso wie der gemeinsame Ausblick auf zukünftige Maßnahmen einer bundesweiten Förderung der Jazzaktivitäten in Deutschland. Als erfolgreiches Beispiel konnten die Vertreter der BKJazz den Abgeordneten eine durchweg positive Bilanz des im März 2006 erstmalig durchgeführten Projekts "German Jazz Meeting" in Bremen als ein Förderinstrument des Musikexports präsentieren. Das "German Jazz Meeting" war unter anderem durch Mittel der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts unterstützt worden. Den Vertretern der Jazzszene wurde dabei ein deutliches Interesse auf Seiten der Politik an der Lage des Jazz in der Bundesrepublik signalisiert, insbesondere auch an notwendigen Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Jazzmusiker und den Spielstätten des Jazz. Die BKJazz wurde gebeten, eine aktuelle Situationsbeschreibung des Jazz in Deutschland zu erstellen, mit dem Ziel, diese Evaluierung rechtzeitig in den Bericht der Enquete-Kommission des Bundestages zur "Kultur in Deutschland" einzubringen. Auch in einem anschließenden Gespräch im Bundeskanzleramt mit Kulturabteilungsleiter Prof. Dr. Hermann Schäfer wurde ausdrücklich die Initiative der BKJazz für eine Jazzförderung auf Bundesebene begrüßt. Hermann Schäfer verwies darauf, dass Jazz Bestandteil der kommenden Ausschreibung des Projektes "Netzwerk Neue Musik" der Kulturstiftung des Bundes ist. "Der Jazz finde bei der jetzigen Bundesregierung jederzeit ein offenes Ohr." Die Bundeskonferenz Jazz zeigte sich insgesamt zufrieden über die positive Resonanz zum Thema "Jazz in Deutschland" im Bundestag und Kanzleramt. Man sei nun zuversichtlich, dass durch die Unterstützung des Bundes eine Stabilisierung bestehender Projekte, wie dem German Jazz Meeting, möglich werde und freue sich über die grundsätzlich zustimmende Reaktion der Berliner Politik auf die Vorschläge der Szene für ein eigenes Konzept der Spielstättenförderung.

Invited by the German Parliament, a delegation of the Bundeskonferenz Jazz (BKJazz) met last Wednesday with representatives of the cultural commission led by chairman Hans-Joachim Otto (FDP) and vice chairman Siegmund Ehrmann (SPD). They talked about the situation of German jazz today and discussed future initiatives to boost jazz activities on a national level in Germany. A very successful example for such activities is the "German Jazz Meeting" first conducted in March 2006 as a means to help music export activities. The "German Jazz Meeting" had been financed through the Kulturstiftung des Bundes (a national fund) and the Goethe-Institut. The politicians in Berlin gave a signal of support to the representatives from the jazz scene for an advancement of the general conditions for jazz musicians and venues for jazz. The BKJazz was asked to provide a report upon the situation of the current jazz scene in Germany in order to add this to the report of the enquette commission of the German parliament on "Culture in Germany". A second meeting brought the BKJazz representatives together with Prof. Dr. Hermann Schäfer, the head of the cultural department at the Office of the Federal Chancellor who welcomed the BKJazz's initiative for a national advancement of jazz in Germany. Hermann Schäfer pointed out that jazz is part of a future project "Netzwerk Neue Musik" planned by the Kulturstiftung des Bundes. "This government has an open ear for jazz". The Bundeskonferenz Jazz was pleased with the positive reactions at the Bundestag as well as the Chancellery. They are confident that the federal government will support and thus stabilize existing projects such as the German Jazz Meeting and are pleased about the positive reactions on suggestions from the jazz scene such as a new concept of advancing support for jazz venues.

Julian Benedikt & "Play Your Own Thing" (2)

Das Jazzfest Berlin beginnt morgen abend mit der Uraufführung des neuen Films von Julian Benedikt über die Eigenständigkeit des europäischen Jazz, betitelt "Play Your Own Thing". Kai Müller hat ihn für den Tagesspiegel gesehen und verrät, dass neben europäischen Musikern wie Coco Schumann und Jan Garbarek auch Dexter Gordon kurz darin zu sehen ist, der Star aus "Round Midnight", der Tenorgigant, der lange Jahre in Kopenhagen wohnte. Berlin ist nicht der schlechteste Ort für die Premiere, meint Müller, hätten hier doch einst beim Jazzfest die Neuerer des amerikanischen Jazz ihre europäischen Kollegen inspiriert. Der Nordic Jazz von e.s.t. und Konsorten habe vielleicht nichts mehr mit den gesellschaftlichen Utopien zu tun, die noch die Freejazzer der 60er Jahre suchten, gehe aber neue Wege und sei vielleicht "das größte Zukunftspotential des Jazz". Müller wirft einen kurzen Blick auf Stuart Nicholsons Diskussionsbeitrag zur "transatlantischen Debatte", sein Buch "Is Jazz Dead?", in dem er fragt, "wie stark der Jazz noch an das afroamerikanische Erbe gebunden" sei, und auf die empörte Reaktion von amerikanischen Wortführern wie Stanley Crouch. Der Bebop in St. Germain habe halt dazu geführt, schreibt Müller, dass "europäische Musiker die Improvisation als Ausdrucksmittel bald stärker interessierte als die Spur, die sie bis ins New Orleans der Jahrhundertwende hinterlässt". Der Film Benedikts äußere kein Wort zur aktuellen Debatte, sei aber als "Reise in den Noren inszeniert. Zu den Gletscherkuppen und Fjordlandschaften Norwegens. Das ist weit weg von New Orleans." Josef Engels befasst sich in der Berliner Morgenpost übrigens auch mit Benedikts Film und identifiziert den durch Kopenhagen wandernden Saxophonisten als Ben Webster, nicht Dexter Gordon. Mal schaun, wer recht hat. Ansonsten sieht er Benedikts Film als "zutiefst bescheidenes Gegenstück zu der gigantischen Dokumentationsserie 'Jazz' bezeichnen", die Ken Burns 2001 ins US-Fernsehen brachte und in der europäische Musiker kaum vorkamen. Bei aller Selbständigkeit aber, so Engels, verneigen sich die interviewten Musiker doch laufend vor den amerikanischen Vorbildern. Die europäische Revolution ist also tatsächlich irgendwie eine fortlaufende Respektbezeugung. Engels einzige Kritik: "Was fehlt, sind Auskünfte der Jugend. Und die Provokateure." Nachtrag: Mein Kollege Arndt Weidler war bei der Premiere des Films in Berlin und versicherte mir, das beide Autoren recht hatten: Sowohl Dexter Gordon als auch Ben Webster seien in Kopenhagen zu sehen gewesen, und es seien sehr schöne Szenen gewesen.

The Jazzfest Berlin begins tomorrow with the premiere of Julian Benedikt's new film about the new independence of European jazz called "Play Your Own Thing". Kai Müller watched it for the Tagesspiegel and discloses that next to European musicians such as Coco Schumann and Jan Garbarek one also can see Dexter Gordon in a short sequence, the star from "Round Midnight", the tenor giant who used to live in Copenhagen. Berlin is a good place for the film premiere, says Müller, because it was at the Jazzfest where in the 60s many of the revolutionaries of American jazz inspired their young European colleagues. Nordic jazz as played by e.s.t. and the like may not be looking for the same utopian ideals the free jazz players were searching in the 60s, but it breaks new ground and might well hold "the biggest future potential for jazz". Müller looks shortly at the "transatlantic debate" between Stuart Nicholson whose book "Is Jazz Dead?" asks "how strong jazz is still bound to the African American heritage" and his American adversaries such as Stanley Crouch. Bebop in St. Germain, writes Müller, led European musicians to be "more interested in improvisation as a means of expression than as a trace leading back to New Orleans of the turn of the century". The film by Benedikt does not make any statements about the current debate, but it is "orchestrated like a journey to the north. To the glacial summits and the fjords of Norway. Which is far away from New Orleans." In the Berliner Morgenpost, Josef Engels, too, writes about Benedikt's film and identifies the saxophone player strolling through Copenhagen as Ben Webster. We are curious who it will really have been. Otherwise Engels sees Benedikt's film as "a deeply modest counterpart to the gigantic film documentary 'Jazz'" brought to American TV screens in 2001 in which European musicians were hardly mentioned. All their independence aside, says Engels, most of the interviewed musicians bow to their American role models. Somehow, thus, the European revolution seems to be nothing but a constant testimony of respect. Engel's only criticism: "What is lacking are statements from the youth. And the provocateurs." Postscript: My colleague Arndt Weidler saw the film's premiere in Berlin and assured me that both authors were right: Dexter Gordon as well as Ben Webster could be seen in the film, walking or being driven around Copenhagen. And it were very nice scenes, he says.


Jazz News, 30. Oktober 2006

Jan Garbarek

Ein älterer Herr steht da auf der Bühne, sein Werkzeug in eine altmodische Ledertasche gepackt, beginnt Dirk Becker in den Potsdamer Neuesten Nachrichten seinen Bericht über das Konzert des Saxophonisten Jan Garbarek im Potsdamer Nikolaisaal. Garbarek ist 59, eigentlich nicht wirklich so alt, aber natürlich ein Teil der Jazzgeschichte, insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Norweger seit den frühen 70er Jahren den europäischen Jazz prägte, dass "viele (...) mittlerweile seinen Namen" kennen, "ohne seine Musik gehört zu haben". In Potsdam spielt er mit dem Pianisten Rainer Brüninghaus, dem Bassisten Eberhard Weber und dem Schlagzeuger Manu Katché. Dabei entstünden, schreibt Becker, "längst aus der Mode gekommene Klanggemälde, selten überschaubar, oft ausufernd, sich verwerfend und neu wieder ordnend". Die Stücke gingen ineinander über, es fiele nicht immer leicht, dem zu folgen, aber Garbarek helfe den Hörern gerne wieder zurück auf die Wege durch seine musikalische Welt. Von Reizüberflutung schreibt Becker noch und davon, dass man am Ende leicht erschöpft gewesen sei, aber doch auch "ausgelassen dankbar" für die Reise.

An elderly gentleman stands on the stage, his tools in an old fashioned leather bag. This is how Dirk Becker starts his review in the Potsdamer Neueste Nachrichten about a concert by the saxophonist Jan Garbarek at the Nikolaisaal in Potsdam. Garbarek is 59, not really that old, but, of course, he is part of jazz history, and he was so enormously influential on European jazz since the early 70s that "many know his name without ever having heard his music". In Potsdam he performs with the pianist Rainer Brüninghaus, the bassist Eberhard Weber and the drummer Manu Katché. They develop, as Becker observes, "out-of-fashion sound paintings, rarely straightforward, often escalating, abandoning itself and giving itself a new order". The pieces blend into each other and it is not always easy to follow, but Garbarek helps his listeners to find back to their ways through his musical world. "Sensory overload", Becker says, and at the end he was a bit exhausted, but at the same time "exuberantly grateful" for the journey.

Mose Allison

Man habe Mose Allison schon den "William Faulkner des Jazz" genannt, schreibt Paul Clark über den Pianisten und Sänger in der Asheville Citizen-Times. Und außerdem ist er offenbar sehr freundlich, beantwortet Allison doch bereitwillig einige recht unbedarfte Fragen. Woher nähme er immer wieder die Energie für die Konzerte? Naja, es sei halt eine Herausforderung und er versuche sich eben nicht zu wiederholen. Wie verhindere er, dass er in musikalische Klischees verfalle? Hmmm... Man muss es halt jeden Abend versuchen. Was höre er in seiner Stimme, was er früher nicht gehört habe? Ehemm... Er fände, er sänge heute besser. Er habe aufgehört, das Gesicht äußerlich zu verziehen, weil es dazu führe, dass die Töne nicht ordentlich ausklingen können. Ob sich sein Stil am Klavier und im Gesang glichen? "Willst du mich veralbern? Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge!" Seine Lieder singe er meist gleich, aber am Klavier könne er eben improvisieren. Wie ist es, wenn andere Leute einen covern? Nunja, das sei doch eine Art Lob. Und wenn sie's legal machen, dann würde er schließlich auch ein paar Dollar abbekommen.

He has been called the "William Faulkner of jazz", writes Paul Clark for the Asheville Citizen-Times about the pianist and singer Mose Allison. And Allison must be a nice guy, as he is happy to answer some pretty lowbrow questions. Where does he constantly get the energy for his concerts? Well, it's a challenge and he tries not to repeat himself. How does he break himself out of formulaic playing? Hmmm... one has to try every night. What does he hear in his voice that he didn't hear when he was younger? Ehemm... he sings better today. He stopped grimacing while singing so that he can let his sinuses ring. Is his style the same for singing and piano playing? "What, are you kidding? It's two different things all together!" He sings his song pretty much the same every time, but on the piano he can improvise. How does it feel to be covered by other people? Well, isn't it some kind of compliment? And if they do it legally he gets a few dollars out of it.

James Last

Imke Staats schaut für die TAZ (Nord) zur Abschiedstournee des "Non Stop Dancing"-Kings James Last auf die Karriere des Musikers, der 1950 und 1951 zum besten Jazzbassisten Westdeutschlands gewählt wurde, 1955 beim Tanzorchester des NWDR arbeitete und 1962 für Freddy Quinn "Junge, komm bald wieder" arrangierte. 1965 erschien sene erste "Non Stop Dancing"-Platte, bei der neben der Musik auch gleich das Partygeräusch zu hören war. Aus Hansi Last wurde James Last, damit er auch in Großbritannien bessere Chancen hätte. Die hatte er und die nutzte er. Imke Staats schreibt: "Das Konzept 'Musik, die jeder kennt, aber ohne Ecken und Kanten', als Garant für Kurzweil und gute Laune, war international anwendbar." Ob die "Last Tour" aber wirklich seine letzte sein wird, steht noch nicht fest - ihm mache es viel zu viel Spaß mit seinen Musikern auf der Bühne zu stehen.

For the TAZ (Nord), Imke Staats reflects upon the career of "non stop dancing" king James Last who starts his farewell tour these days. Last was elected in jazz polls as the best jazz bassist in West Germany in 1950 and 1951, worked for the dance orchestra of the North West German Radio from 1955, and wrote the arrangement for Freddy Quinn's hit song "Junge, komm bald wieder" in 1962. In 1965 he released his first "non stop dancing" record on which the party noise already was recorded next to the music. Hansi Last became James Last so that he had better chances to sell in Britain. And sell he did. Imke Staat comments: "The concept 'music which everybody knows, but without any edges' a guarantee for diversion and cheerfulness, could be marketed internationally." Whether the "Last Tour" really will be his last, is not certain - he loves too much to be on stage with his musicians.


Jazz News, 29. Oktober 2006

Herbie Hancock

Es heißt, er sei einer der nettesten Menschen im Jazzgeschäft, warum gab ihm Miles Davis dann ausgerechnet während seiner Flitterwochen den Laufpass? Für den Independent traf Sholto Byrnes den Pianisten Herbie Hancock in seinem Haus in Hollywood. Preise und ein Oscar (für die Filmmusik zu "Round Midnight"), ein Foto, das ihn mit Bill Clinton zeigt usw. ... Byrnes ist beeindruckt. Hancock erzählt ihm von den neuesten Entwicklungen auf dem Keyboard-Markt und meint lachend, er selbst sei ja schon auf der Szene gewesen, als es noch keine handhabbaren Synthesizer gegeben habe. Er tourt wie verrückt, gestern Japan, morgen Brasilien, dann Europa, zwischendurch eine Studiositzung und der Schnitt eines Film über sein letztes Album, bei dem Sting und Christina Aguillera mitwirkten. Ja, er habe sich bei seinen Flitterwochen in Brasilien 1968 den Magen verdorben und daher einige Auftritte der Miles Davis Band verpasst. Davis habe das mit dem verdorbenen Magen aber wohl nicht so ganz geglaubt, weil auch andere Mitglieder damals seine Band verlassen wollten, und habe Chick Corea den Job angeboten. Byrnes lässt die vielen einflussreichen Kompositionen und Alben Revue passieren, spricht darüber, dass die stilistische Vielseitigkeit des Pianisten nicht immer auf Gegenliebe bei Jazzpuristen traf. Wir erfahren, dass "Maiden Voyage" ursprünglich als Auftragskomposition für eine Fernsehwerbung für ein neues Aftershave entstand. Sein buddhistischer Glaube habe ihm viel geholfen, berichtet Hancock, er habe zwar viel Stress, habe aber gelernt, diesen in etwas Positives umzulenken. Momentan arbeite er mit dem Basketball-Star Kareem Abdul-Jabbar an einer Filmdokumentation über Basketball und Jazz. Ob er sich zuerst als Jazzmusiker oder als Musiker sehe, fragt Byrnes. Nein, zuallererst sei er ein Mensch, antwortet Hancock, auch seine Musik entspringe diesem Bewusstsein, ein Mensch zu sein, der als Musiker wirke.

They say he is one of the nicest guys in the jazz business, so why did Miles Davis sack him during his honeymoon? For the Independent, Sholto Byrnes meets the pianist Herbie Hancock in his house in Hollywood and is impressed by the awards and an Oscar (for the film music to "Round Midnight"), a photo with Bill Clinton and more. Hancock tells him about new developments on the keyboard market and comments with a smile, that he himself was on the scene already before there even were synthesizers. He is constantly on tour, in Japan yesterday, tomorrow in Brasil, then Europe, in between a studio session, a cutting session for a documentary film on his last album on which he played together with Sting and Christina Aguillera. Yes, indeed, he had gotten food poisoning during his honeymoon in 1968 and thus missed some concerts of the Miles Davis band. The trumpeter must not have believed the food poisoning as there were rumors that other members of the band thought about leaving, and he offered Hancock's job to Chick Corea. Byrnes reflects about the many influential compositions and records and about the fact that Hancock's versatility was not always liked by jazz purists. We learn that "Maiden Voyage" was originally composed as the theme to a television advert for aftershave. His Buddhist religion has helped him cope with the stress, explains Hancock, he learned to turn it into something positive. At the moment he works at a film documentary with basketball star Kareem Abdul-Jabbar about basketball and jazz. Byrnes asks, whether he sees himself first as a jazz musician or a musician. No, he sees himself first as a human being, Hancock replies, and his music comes from this standpoint of a human being that functions as a musician.

 

Stuart Dempster

In den 70er Jahren habe der Posaunist Stuart Dempster mit dem Klarinettisten Bill Smith das Stück "Encouters" an der University of Washington aufgeführt, bei dem sie, der Komposition entsprechend, Tierkostüme und Holzschuhe tragen mussten. Als sie ins Foyer kamen, wurde sie erstmal von zwei Wachleuten festgehalten. Dempster wurde im Juli 70 Jahre alt und spielt dieser Tage in Seattle zusammen mit anderen Musikern, die irgendwo zwischen Jazz und experimenteller Musik arbeiten. Er habe sich seit den 50er Jahren mit experimenteller Musik befasst, erzählt der Posaunist Paul de Barros für die Seattle Times, und arbeite seit den 60er Jahren mit der Komponistin Pauline Oliveros zusammen. 1968 sei er an die University of Washington gekommen, habe seither Hunderte Studenten unterrichtet. Dempsters Kultklassiker sei "In the Great Abbey of Clement VI" von 1987, berichtet de Barros, "eine Aufnahme, in der er Soloposaune und Didgeridoo in einer Kirche in Avignon spielt, deren Nachhallzeit ganze 14 Sekunden beträgt".

In the 70s the trombonist Stuart Dempster and the clarinetist Bill Smith played the piece "Encounters" at the University of Washington, which called for them to wear animal costumes and wooden clogs. When they walked out into the foyer, two campus cops pulled them over. Dempster turned 70 in July and these days performs in Seattle together with other musicians who work somewhere between jazz and experimental music. Since the 50s he was interested in experimental music, the trombonist tells Paul de Barros in the Seattle Times, and since the 60s he works together with composer Pauline Oliveros. In 1968 he came to the University of Washington and since then taught hundreds of students. Dempster's cult classic, reports de Barros, is the recording of "In the Great Abbey of Clement VI" from 1987, "in which he plays solo trombone and didgeridu in an Avignon church where the 'hang time' for reverberating notes is a full 14 seconds".

Jazz News, 28. Oktober 2006

Sounds

Katrin Hildebrand würdigt in der Frankfurter Rundschau Deutschlands "erstes Magazin für Popkultur", die Zeitschrift Sounds, deren erste Ausgabe vor genau vierzig Jahren erschien, damals noch wie eine Schülerzeitschrift aussah, tatsächlich aber Pionierarbeit in einem Land war, in dem es keine Zeitschrift für aktuelle moderne Musik gab. Anfangs richtete sich das Blatt an Freejazz-Experten, bald aber kamen Rockstars dazu, wurde über Jimi Hendrix und Frank Zappa berichtet. Hildebrand unterhält sich mit Bernd Gockel, der 1970 zu Sounds kam und heute Chefredakteur der deutschen Ausgabe von Rolling Stone ist. Der sieht ein Verdienst des Heftes in der Entkrampfung der deutschen Sprache: "Wir haben erkannt, dass wir nicht wie Beamte schreiben müssen." Der Sounds-Stil, schreibt Hildebrand, prägt bis heute deutschsprachige Musikmagazine: "Anglizismen, lockere Sprüche, jede Menge subjektive Eindrücke". Der Verlag wechselte dreimal den Besitzer, das Programm blieb gleich: "Inhaltlich stellte Sounds alles vor, was progressiv und anspruchsvoll klang: vom Krautrock bis zum US-Underground." Ende der 70er Jahre gab es die Artikelserie "Rodenkirchen is Burning" über die deutsche Punkszene, bald darauf die Reihe "Aus grauer Städte Mauern", der Hildebrand attestiert, die erste Bestandsaufnahme der späteren Neuen Deutschen Welle gewesen zu sein. 1983 erschien die letzte Ausgabe des Heftes, das eine wichtige Zeit deutscher Popmusik kritisch begleitete.

For the Frankfurter Rundschau, Katrin Hildebrand writes about the magazine Sounds, Germany's "first magazine for pop culture", the first issue of which was published exactly 40 years ago. Then, it looked like a school paper, but actually it accomplished some pioneering feat in a country which did not possess a magazine for current modern music. In the beginning the magazine was directed towards free jazz experts, but soon it reported on rock stars like Jimi Hendrix or Frank Zappa. Hildebrand talks to Bernd Gockel who worked for Sounds from 1970 and today is editor of the German edition ot Rolling Stone magazine. Gockel sees one of Sound's merits in a loosening up of the German language: "We realized that we don't have to write like German civil servants." The Sound style, says Hildebrand, influenced German music magazines to this day: "Anglicisms, informal talk, many, many subjective impressions". The publishing company was sold three times, yet the idea did not change: "Sounds tried to present whatever sounded progressive and ambitious: be it krautrock or US underground." In the late 70s Sounds published the series "Rodenkirchen is Burning" about the German punk scene, later the series "Aus grauer Städte Mauern", which, as Hildebrand says, was the first survey of the later so-called Neue Deutsche Welle. In 1983 the magazine, which had accompanied important developments in German pop music, folded.

Jazz News, 27.Oktober 2006

McCoy Tyner

Der Pianist McCoy Tyner spielt ein Homage-Konzert an das Plattenlabel Impulse in Washington, D.C., und Richard Harrington spricht mit ihm aus diesem Anlass für die Washington Post über seine Zeit im "klassischen" John Coltrane Quartet und seine eigene Karriere. Der Produzent Bob Thiele habe 1962 zu ihm gemeint: "Meinst Du nicht, dass es an der Zeit ist, mal was Eigenes zu machen?", und die ersten sechs seiner bislang 76 Alben unter eigenem Namen erschienen auf dem Label Impulse. Er habe den Ruf, Klaviere zu vernichten, lacht Tyner, und es stimme schon, er habe einen kräftigen Anschlag und brauche ein gutes Instrument. Coltrane sei wie ein großer Bruder für ihn gewesen, erzählt der Pianist, der den Saxophonisten 1957 kennenlernte. Wo Coltrane eine ganze Generation von Saxophonisten beeinflusst hatte, da wurde Tyner zu einem Vorbild für viele Pianisten. Im Augenblick arbeite er im Trio, aber auch mit einer Septettbesetzung. Und nebenbei schreibt der bald 68-jährige an seiner Autobiographie.

The pianist McCoy Tyner will play an homage concert to the record label Impulse in Washington, D.C., and Richard Harrington uses the occasion to talk to him for the Washington Post about his time in the "classic" John Coltrane Quartet and about his own career. Producer Bob Thiele had asked him in 1962: "Look, don't you think it's time for you to do something on your own?", which resulted in 76 albums so far under his name, the first six of which were released on Impulse. He has the reputation to destroy pianos, says Tyner and laughs, and it's true, he tells Harrington, he does make demands on the instrument and needs a good piano. Coltrane was like a big brother, says the pianist who got to know the saxophonist in 1957. Where Coltrane became an influence for a whole generation of saxophonists, Tyner influenced many pianists. At the moment he mostly plays with his trio, but also with his septet. And, reports the pianist who soon will turn 68, he is working on his autobiography.

Jazz News, 26. Oktober 2006

Hamburg (2)

Stefan Hentz beleuchtet in der Welt die Hamburger Jazzszene, über die anlässlich der Verleihung dreier Stipendien der Dr. E.A. Langner Stiftung augenblicklich überregional berichtet wird. "Die Hamburger Jazzszene lebt", konstatiert Hentz, "sie arbeite auf hohem Niveau, und unter Kennern wird sie auch aus der Ferne wahrgenommen." Aber wenn die Absolventen des Jazzstudienganges ihr Studium beendet haben, würde es sie schnellstens aus der Hansestadt fortziehen, weil es in Hamburg eher schwer sei, mit Musik sein Geld zu verdienen. Dieses Problem habe die Langner-Stiftung erkannt und würde Hamburger Musiker durch ihre Stipendien ermutigen, in der Stadt zu bleiben. Die Zusicherung von Kontinuität bei der Stipendienvergabe (dotiert mit jeweils 5.000 Euro) würde gewiss Auswirkungen haben, meint Hentz, und der alle zwei Jahre vergebene Jazzpreis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, nicht minder.

For Die Welt, Stefan Hentz looks at the Hamburg jazz scene which other national papers reported upon when last weekend three jazz grants were awarded by the Dr. E.A. Langner Stiftung. "The Hamburg jazz scene is alive", writes Hentz, "it's functioning on a high level, and among connoisseurs it is appreciated from far away." But when the jazz students at the Musikhochschule have finished their studies, they often leave the Hanse city as fast as they can because it's hard to earn money with jazz in Hamburg. The Langner foundation recognized this problem and tries to encourage musicians through their grants to stay in the city. The fact that the grants (which come with an award of 5.000 Euro) will be given on a regular basis, plus the 10.000 Euro jazz award the Langner foundation plans to give away every other year will certainly have effects on the local jazz scene, says Hentz.

Jazz News, 25. Oktober 2006

Tomasz Stanko (2)

Auf seiner Tournee durch die USA ist der polnische Trompeter Tomasz Stanko mittlerweile in New York angelangt. In seinem Hotelzimmer erzählt er Nate Chinen für die New York Times, dass die Botschaft des Jazz im kommunistischen Polen die Freiheit gewesen sei. Er sähe aus wie ein wettergegerbter, aber altersloser Hipster, schreibt Chinen, und das sei er ja irgendwie auch. 12 Städte umfasst die US-Tournee, in New York nahm Stanko an einem Empfang des Polnischen Konsulats teil, bei dem er erst solo, dann mit klassischen Musikern eine Kammerkomposition spielte. Er liebe das erzählerische Moment in der Musik, sagt der Trompeter, und er liebe es, Stimmungen beizubehalten, ganz so wie im Antonioni-Film "Il Grido", in dem es dauernd geregnet habe, und von dem er sich vor allem an diese großartig melancholische Atmosphäre erinnere. Auch das italienische neo-realistische Kino habe ihn interessiert, und überhaupt ... Filme: Schließlich habe er mit Krzysztof Komeda bei Polanski-Filmmusiken mitgewirkt. Im Konzert klinge das alles dann doch wieder ganz anders als auf der CD, beschreibt Chinen: "emphatischer und weniger experimentell als auf 'Lontano'". Natürlich habe er von den amerikanischen Vorbildern gelernt, aber: "Meine Art, den Wurzeln zu folgen, ist: dass ich Ideen bekomme, nicht Sound nachahme. Ideen bekommen, aber auf meine Weise. In meiner Sprache."

One of Polish trumpeter Tomasz Stanko's stops on his US tour was New York. In his hotel room he tells Nate Chinen for the New York Times that the message which jazz gave to people in communist Poland was that of freedom. He looks like "a weathered but ageless hipster", writes Chinen, and somehow that's precisely what he is. The US tour comprises 12 cities; in New York Stanko performed at a reception organized by the Polish Consulate at which we played solo but also a chamber composition together with classical musicians. He loves the narrative element in jazz, says the trumpeter, he likes to keep moods going, a bit like in the Antonioni film "Il Grido" in which it rains constantly and which fascinated him because of this "extremely great melancholy mood". He was interested in Italian Neo-Realist cinema and, by the way ... films: he participated in Polanski film scores written by Krzysztof Komeda. In concert his music sounds different from the CD, says Chinen: "more emphatic but less experimental than on 'Lontano'". Of course, he learned from the American models, Stanko explains, but: "This is my way to follow roots: to get ideas, not sound. To get ideas, but in my way. In my language."

Jeff Cascaro

Wann gelangt ein Jazzer in die Zeitung? Ganz gewiss dann, wenn er in Stefan Raabs "TV total" auftritt. Dem Sänger Jeff Cascaro gelang beides: Er stellte in der Abendshow sein neues Album "Soul of a Singer" vor, wie die Thüringer Allgemeine berichtet. Ein Fernsehauftritt sei Werbung nicht nur für ihn, sondern auch für die Weimarer Musikhochschule, an der er seit sechs Jahren eine Professur für Jazzgesang bekleidet, sagt Cascaro. Vor einem Jahr habe er schon bei "Deutschland sucht den Superstar" als Vocalcoach mitgewirkt. Stefan Raab kenne er schon seit 20 Jahren, und seine beiden Auftritte während der Show schlugen sich sowohl in den "Amazon-Verkaufscharts" wie auch im Gästebuch seiner Website nieder.

When will a jazz musician make it into the daily newspapers? A plug on Stefan Raabs popular show "TV total" on German television certainly won't hurt. Singer Jeff Cascaro accomplished both: He was invited to present his new album "Soul of a Singer" during the show, as the Thüringer Allgemeine reports. Such a TV performance is not just promotion for himself, says Cascaro, but for the Weimarer Musikhochschule as well at which he teaches as a professor for vocal jazz. One year ago he served as vocal coach for the TV competition "Deutschland sucht den Superstar" (the German equivalent of "American Idol"). He knows the TV star Stefan Raab since 20 years, and his two performances on "TV total" showed up in the "Amazon sales charts" as well as in the guest book on his website.

Jazz News, 24. Oktober 2006

Alice Coltrane

Für die New York Times besuchte Ben Ratliff ein Konzert der Pianistin Alice Coltrane im New Jersey Performing Arts Center. Vor dem ersten Set habe die Herausgeberin des Magazins Essence Coltrane's Arbeit im Sai Anantam Ashram in Agoura, Kalifornien gewürdigt, in dem Alice "tatsächlich die nächste Welt" erschaffen habe, "die Welt, für die unsere Kinder beten". Sohn Ravi wirkte im Quartett mit, Drew Gress ersetzte den erkrankten Charlie Haden, und Jack DeJohnette spielte im ersten Stück elektronische Tablas. Alice Coltrane schaltete eine elektronische Tamboura an und ließ wellenartige Arpeggien auf einer Wurlitzer-Orgel erklingen, deren Sound irgendwie an John Coltranes Saxophonklang erinnerte. "Es wurde besser", schreibt Ratliff, als Ms Coltrane zum Klavier wechselte. "Nach dem Thema wurde es modal, erinnerte an John Coltranes späte Phase, und sie leitete das alles mit harfengleichen Arpeggien ein, während ihr Sohn lange, schnelle, blubbernde Melodielinien entwickelte." Dann kam Reggie Workman auf die Bühne und spielte zweiten Bass in Coltrane's "Africa", bei dessen Originalaufnahme er bereits mitgewirkt hatte. Im zweiten Set spielte Ms Coltrane zwei Stücke aus ihrer in Kürze erscheinenden CD "Sacred Language of Ascension". J.J. Hurtak sprach und sagte, Alice Coltrane drücke "die planetarische Menschlichkeit in ihrer Einheit aus" und das Publikum würde jetzt "Musik für die abzeichnende Spiritualität des 21. Jahrhunderts" hören. Zur Band (ohne Ravi) seien ein 17-köpfiger Chor sowie ein Tabla-Spieler gestoßen und das ganze habe dann doch eher nach einfachem Gospel-Soul geklungen mit Texten in Hebräisch, Sanskrit und Aramäisch. Dann hätte es noch eine Filmzuspielung gegeben, zuerst recht planetarisch und kosmisch, dann Szenen von Krieg, Friedenseinsätzen und religiösen Zeremonien. Am Schluss have Ravi bei "Acknowledgement" aus "A Love Supreme" mitgewirkt. Die Band hätte jetzt nicht mehr so sehr wie ein Abbild des legendären Quartetts geklungen, und die Musik sei richtig losgegangen. "Es war nur Musik, aber hier gab das Publikum den kräftigsten Beifall."

For the New York Times, Ben Ratliff attended a concert of the pianist Alice Coltrane at the New Jersey Performing Arts Center. Before the first set, the editor of Essence Magazine talked about Coltrane's work at the Sai Anantam Ashram in Agoura, California, where Alice "really created the next world", which "is the world that our children are praying for". Her son Ravi was part of the quartet, as was Drew Gress who filled in for Charlie Haden, and Jack deJohnette who played electronic tablas in the first piece. Alice Coltrane turned on an electronic tamboura and played wavelike arpeggios on a Wurlitzer organ, the sound of which reminded the reviewer somehow of the saxophone sound of John Coltrane. "Things improved", writes Ratliff, when Ms Coltrane switched to piano. "It became modal after the theme, redolent of John Coltrane's late period, and she introduced it with more harplike arpeggios; her son worked up to long, fast, bubbling lines." Then Reggie Workman came on stage and played second bass in Coltrane's "Africa", the original recording of which he had participated in. In her second set, Ms Coltrane played two pieces from her soon to be released CD "Sacred Language os Ascension. J.J. Hurtag spoke and said that Alice Coltrane "expresses planetary humanity in its oneness" and that the audience was going to hear "music for the emergent spirituality of the 21st century". The band (without Ravi) was enlarged by a 17-member choir and a tabla player and the music sounded like simple gospel-soul with lyrics in Hebrew, Sanskrit and Aramaic. Then came an accompanying film, first images of planets and the cosmos, then clips of war scenes, of war relief and of religious devotees. Finally Ravi joined the band again for "Acknowledgement" from "A Love Supreme". The band longer mimicked the father's legendary quartet, and the music really got off. "It was just music, but here the crowd cheered hardest."

Dieter Antritter

Dem 77-jährigen Saxophonisten Dieter Antritter widmet die Pforzheimer Zeitung einen ausführlichen Artikel. Er sei schon ein wenig eitel, heißt es anfangs, und habe immer dafür gesorgt, dass über ihn berichtet werde. Seiner Frau sei das manchmal etwas peinlich, und auch der Berichterstatter resigniert irgendwann vor dem dauernden Eigenlob des Saxophonisten. Zwischen den Superlativen erfährt man dann: Zum Jazz sei Antritter gekommen, weil die Nazis ihn verboten hatten - und die Musik für ihn dadurch besonders interessant wurde. Beruflich habe er als Holzfäller angefangen, dann Maschinenbau studiert, schließlich als Unternehmensberater gearbeitet. Nebenbei aber habe er immer Musik gemacht, in der Quartier Latin Jazz Band, die er selbst als die "älteste Jazzband, die noch von ihrem Gründer geführt wird" bezeichnet. Am liebsten spiele er Sopransaxophon, aber - "ungeahnte Selbstkritik", kommentiert der Berichterstatter - an sein Vorbild Sidney Bechet reiche er nicht heran. In den 60er Jahren habe die Band große Erfolge gefeiert, aber zum Überleben hätte das Musikmachen auch damals nicht gereicht.

The Pforzheimer Zeitung reports about the 77 year old saxophonist Dieter Antritter. He is a bit vain, we read, and always has made sure that the press reports about his activities. His wife feels embarrassed by it sometimes, and even the reporter seems to feel a bit awkward by the saxophonist's self praise. Between the superlatives we learn: Antritter got into jazz because the Nazis banned it which made the music the more interesting for him. He worked as a carpenter, then studied engineering and worked as a management-consultant. But he always played music in the Quartier Latin Jazz Band which he calls "the oldest jazz band still led by its founder". His favorite instrument is the soprano saxophone, but - "undreamed-of self criticism", writes the reporter - he is not as good as his role model Sidney Bechet. In the 60s his band was very successful, but the music never made enough money to live from it.

Südafrika / South Africa

Vor zwanzig Jahren organisierte Jürgen Leinhos in Frankfurt zusammen mit dem südafrikanischen Exilmusiker Johnny Dyani das erste Festival "Jazz gegen Apartheid". Dyani starb kurz darauf, erlebte nicht mehr, was sich seither alles geändert hat im ehemaligen Apartheid-Staat. Langsam kehren viele der Exilmusiker zurück in ihre Heimat, und so ist die Konzertreihe "Jazz gegen Apartheid" in diesem Jahr überschrieben mit "Zwischen Heimkehr und Exil". Christian Broecking nimmt die Konzerte zum Anlass für einen Artikel in der TAZ über den aktuellen südafrikanischen Jazz. Er schreibt über den Schlagzeuger Louis Moholo, der 2005 nach vierzig Jahren Exil zurück in sein Heimatland ging. Gwen Ansells Buch "Soweto Blues. Jazz, popular music and politics in South Africa" beschreibe in vielen Interviews die komplexe Geschichte des südafrikanischen Jazz vor und nach der Apartheid. Die Sängerin Simphiwe Dana, schreibt Broecking, singe in Xhosa, einer der elf Sprachen des Landes, weil sie sich nur so als afrikanische Frau "vollkommen" fühle. Neben den vielen Exilmusikern habe es in den 70er und 80er Jahren auch viele Musiker gegeben, die ins innere Exil gegangen seien, etwa der Tenorsaxophonist Winston Mankunku Ngozi, der einfach aufhörte zu spielen. In Südafrika seien die Wochenendzeitungen heute voll mit Berichten über Jazz, die Musik sei populär. Aber eine Jazzästhetik, "die dem Leben nach der Apartheid entsprechen könne", fehle völlig.

Twenty years ago, Jürgen Leinhos together with the South African bass player Johnny Dyani organized the first festival "Jazz against Apartheid". Dyani died the same year and did not live to see the changes in the former apartheid state. Today, many of the exiled musicians are returning to their home country, and thus, this year's edition of the Frankfurt concert series is titled "Between return and exile". Christian Broecking uses the occasion of the concerts for a report in the TAZ on the current South African jazz scene. He writes about the drummer Louis Moholo who returned to his home country in 2005 after an exile of 40 years. He quotes Gwen Ansell's book "Soweto Blues. Jazz, popular music and politics in South Africa" which in many interviews gives a description of the complex history of South African jazz before and after apartheid. The singer Simphiwe Dana, writes Broecking, sings in Xhosa, one of the eleven languages of her country, because that is the only way she can feel to be "complete" as an African woman. There were musicians in exile, but during the 70s and 80s there were also musicians who went to an "inner exile", such as the tenor saxophonist Winston Mankunku Ngozi who simply stopped playing. In South Africa the weekend papers are full with reports about jazz, the music is popular. But a jazz aesthetic "fitting the life after apartheid" is still amiss.

Jazz News, 23. Oktober 2006

Hamburg (1)

In Hamburg wurden am Wochenende erstmalig drei Jazzstipendien der Dr. E.A.-Langner-Stiftung an Hamburger Jazzmusiker vergeben, wie das Hamburger Abendblatt berichtet. Die mit je 5.000 Euro dotierten Stipendien gingen an die beiden Pianisten Boris Netsvetaev und Jörg Hochapfel sowie an den Schlagzeuger Konrad Ullrich. Der Stiftungsvorsitzende Ernst Langner findet, dass Jazz in Hamburg nicht den Platz habe, den er haben sollte und "kündigte an, die Hansestadt als Jazzstandort bekannter zumachen, sich für verbesserte Ausbildungsorte, eine stärkere Vernetzung der Jazzszene, einen zentralen Spielort und eine Imageverbesserung des Musikstils einzusetzen". Für das nächste Jahr lobt Langner einen mit 10.000 Euro dotierten Jazz-Preis an einen Hamburger Musiker aus. Schirmherr ist Posaunist Nils Landgren, der seit wenigen Tagen Professor an der Hamburger Musikhochschule ist und auch beim Preisträgerkonzert mitjammte.

The Dr. E.A.-Langner-Stiftung awarded their first jazz grants over the weekend to three Hamburg based jazz musicians as the Hamburger Abendblatt reports. The grants come with a prize of 5.000 Euro each and were given to the two pianists Boris Netsevetaev and Jörg Hochapfel and to the drummer Konrad Ullrich. The chairman of the Langner Stiftung, Ernst Langner, thinks that jazz in Hamburg does not have the place it deserves and announced that he plans to "advertise the Hanse city as a place for jazz, to campaign for a better jazz education, a better networking within the jazz scene, a central venue and for a better image of the musical genre of jazz per se". Next year the foundation will sponsor a jazz prize of 10.000 Euro for a Hamburg based musician. Its patron will be the trombonist Nils Landgren who just became professor at Hamburgs Musikhochschule a couple of days ago and who jammed with the winners of this year's jazz grants.

Marilyn Crispell

Am Samstagabend trat die Pianistin Marilyn Crispell im New Yorker Miller Theater auf. Sie spielte mit Mark Helias (b) und Paul Motian (d), mit denen sie bereits zuvor zusammengearbeitet hat, und zu denen zum ersten Mal der Saxophonist Joe Lovano stieß. Ben Ratliff berichtet in der New York Times, dass der Cecil-Taylor-Einfluss, der Crispells Klavierstil anfangs geprägt habe, mittlerweile nachgelassen habe und stattdessen der Einfluss McCoy Tyners stärker durchschiene, mit kräftigen Akkorden in der linken Hand, die die modale Grundlage akzentuierten, und kraftvollen rhythmischen Phrasen in der rechten Hand. An Tyner habe ihn insbesondere das letzte Stück erinnert, Coltranes Ballade "Dear Lord", in dem die ganze Band eine Hommage ans Coltrane-Quartett intoniert habe. Sie spielten auch Stücke von Lovano, Helias, Motian und Crispell, deren "One December" glatt als Musik für einen Hollywood-Film der 40er Jahre hätte durchgehen können, schreibt Ratliff. Das Konzert habe einige ganz unterschiedliche Versprechen der letzten 50 Jazzjahre eingelöst: formale Eleganz und abgebrühte Abstraktion, swingende Rhythmik und freier Rhythmus - und es habe alles Sinn zusammen gemacht.

Marilyn Crispell performed at New York's Miller Theater on Saturday with Mark Helias (b) and Paul Motian (d) whom she had played with before, and for the first time with the saxophonist Joe Lovano. For the New York Times, Ben Ratliff reports that the Cecil Taylor influence discernible in Criospell's earlier piano style, meanwhile has given place to a stronger influence of McCoy Tyner with heavy chords in the left hand marking the modal basis of the music and strong rhythmic phrases in the right hand. Especially the last piece of the evening, Coltrane's ballad "Dear Lord", reminded him of Tyner - the whole band seemed to play it as an homage to the Coltrane quartet. Otherwise they played originals by Lovano, Helias, Motian and Crispell. Her "One December" could have been music for a Hollywood movie from the 40s, writes Ratliff. The concert "compounded some of the widely varied promises of the last 50 years of jazz - formal elegance and hardboiled abstraction, swing rhythm and free rhythm - and it made sense together."

Michael Wollny "\[em\]"

Das Trio "\[em\]" ist auf Tournee, und Hans-Jürgen Linke hat es für die Frankfurter Rundschau in der Romanfabrik in Frankfurt gehört. Deren zweite CD würde halten, was die erste versprochen habe, meint Linke. Auf der Bühne existiere nicht mehr die klassische Rollenteilung, denn die schönsten und melodischsten Stücke stammten vom Schlagzeuger (Eric Schaefer), die dichtesten von allen dreien, die lustigsten von der Bassistin (Eva Kruse) und die straightesten vom Pianisten (Michael Wollny). Die Musik beim Konzert sei ganz schön komplex gewesen, aber dennoch eigenständig und überraschend und vor allem so intensiv, wie es nicht einmal die wunderbarste CD sein könne. Michaela Adick hört das Trio tags drauf in Heilbronn und ist in der Heilbronner Stimme verdutzt über die "verkappten Romantiker", weil die drei Mahlers "So will die Sonn' nun untergeh'n" intonierten. Sie erzählt, dass Schlagzeuger Eric Schaefer sich "als Christoph Castl-Schüler der Stockhausen-Schule verbunden fühlt" und beschreibt, dass das Trio Mahler in seine Einzelteile zerlegt habe, "ihn auf mehrere durchaus nicht immer parallel laufende Tonspuren verlegt und dabei ganz en passant eine Spannung erzeugt, wie man sie selten erlebt".

The trio "\[em\]" is on tour, and for the Frankfurter Rundschau Hans-Jürgen Linke attended its concert at the Romanfabrik in Frankfurt. Their just released second CD holds what their first CD's promises, he writes. There is not traditional distribution of roles within the band: the most beautiful and melodic pieces come from the drummer (Eric Schaefer), the densest pieces from all three musicians, the funniest from the bass player (Eva Kruse) and the most straight-ahead from the pianist (Michael Wollny). The music of the concert was quite complex, says Linke, but also completely autonomous, full of surprises and it provided an intensity which never could be achieved on a CD. Michaela Adick attends the trio's concert in Heilbronn and writes about it in the Heilbronner Stimme. She was baffled to hear "romanticists in disguise", playing Mahler's "So will die Sonn' nun untergeh'n". Drummer Eric Schaefer is a student of Christoph Castl, she informs us, and thus feels close to the Stockhausen school of music. In the Mahler piece the trio decomposed his music into its separates, "put him on sound tracks which did not always run in complete simultaneity and thus en passant created a rarely to be experienced tension".

Jazz News, 22. Oktober 2006

David Benoit

Jay Harvey spricht für den Indianapolis Star mit dem Pianisten David Benoit über die Schwierigkeit, seine neue Musik ins Radio zu bringen. Er will sein Publikum erreichen, sagt der Smooth-Jazz-Star der späten 70er und 80er Jahre, sich aber zugleich die Freiheit des Jazz bewahren. Smooth jazz, meint er, sei so langweilig geworden, der straight-ahead Jazz auf der anderen Seite zu kopflastig. Er wolle Musik spielen, die sich gut anfühlt. Es gäbe nicht so viele Musiker, die diese Mitte bedienten.

For the Indianapolis Star, Jay Harvey talks to pianist David Benoit about the difficulties to get radio airplay for his new music. He wants to reach his audience, says the smooth jazz star of the late 70s and 80s, but at the same time to keep the freedom of jazz. Smooth jazz, he says, has become so boring, straight-ahead jazz, on the other hand has become too cerebral. He wants to play music that feels good. There are not so many musicians "who like to sit in the middle".

Yassir Chadly

Carmel Wroth berichtet in den North Gate News, einem Projekt der Berkeley Graduate School of Journalism, über den in Marokko geborenen Oud-Spieler und Sänger Yassir Chadly, der kurz nach seiner Ankunft in Amerika 1977 erstmal mit dem Jazz in Berührung kam. Bald spielte er mit Musikern aus dem Großraum San Francisco, mischte deren Jazz mit nordafrikanischen Farben, komponierte für das Alvin Ailey Dance Theater und trat mit Phillip Glass auf. 1991 wurde er Imam der Moschee in Oakland, spielte nebenbei aber immer noch, insbesondere mit dem Trompeter Khalil Shaheen, mit dem er die Band Mo' Rockin' Project gegründet hat. Die Religion seiner Kindheit, der Sufi-Glauben, habe ein wenig von allem, sagt er, wie der Jazz.

In the North Gate News, a project of the Berkeley Graduate School of Journalism, Carmel Wroth reports about the Moroccan-born oud player and singer Yassir Chadly who was confronted with jazz for the first time shortly after his arrivan in the USA in 1977. Soon he played with musicians from the Bay area, mixed their jazz with his North African colors, composed for the Alvin Ailey Dance Theater and performed together with Phillip Glass. In 1991 he became the imam of a mosque in Oakland, but kept on playing on the side, especially with the trumpeter Khalil Shaheen with whom he formed the band Mo' Rockin' Project. The religion of his childhood, the Sufi-order, has a bit of everything, he says, like jazz.

Jazz News, 21. Oktober 2006

Wynton Marsalis

Paul de Barros telefoniert für die Seattle Times mit Wynton Marsalis, der dieser Tage mit kleiner Besetzung zu einem Konzert nach Seattle kommt und daneben eine Masterclass geben wird. Marsalis erzählt ihm von der Lippenverletzung, die ihn im Frühjahr fast zwei Monate lang außer Gefecht gesetzt hatte und einem eingewachsenen Haar zu verdanken gewesen war, das zu einer Entzündung geführt habe. Nie zuvor habe er Probleme beim Spielen gehabt, die Verletzung habe ihn noch mehr schätzen lassen, was es bedeutet, aktiv Musik zu machen. Gerade erst war er in Moskau, wo er unter anderem mit dem Saxophonisten Igor Butman gejammt habe.

For the Seattle Times, Paul de Barros calls Wynton Marsalis who is performing in concert these days in Seattle with a small band and also giving a master class. Marsalis talks about a lip operation which had kept him from playing for two months earlier this year. The cause was an ingrown hair that got calcified. He had never had any problems with his playing before, and the injury made him appreciate playing even more, he says. And adds that he just came back from Moscow where he jammed with saxophonist Igor Butman.

Sonny Rollins (2)

Für die New York Times besucht Nate Chinen den Tenor-Giganten Sonny Rollins in seinem Cottage Studio in Germantown, New York. Es habe sich einiges in seinem Leben geändert seit dem Tod seiner Frau Lucille vor zwei Jahren, berichtet Rollins, so habe er seinen Vertrag mit Milestone Records nicht verlängert und stattdessen sein eigenes Plattenlabel gegründet, Doxy Records, auf dem gerade seine erste neue Studio-CD seit etwa 10 Jahren erschienen ist, "Sonny Please". Die würde über Universal vertrieben, könne aber auch von seiner Website geordert werden. Rollins betont, dass er es einfach für notwendig hält, den jüngsten technologischen Entwicklungen zu folgen - obwohl er selbst keinen Computer besitzt. Zu seinem 75sten Geburtstag wurden auf der Website etwa eine Woche lang Videoclips aus verschiedenen Jahrzehnten seiner Karriere gezeigt. Die Platte "Without a Song: The 9/11 Concert" sei ursprünglich ein Bootleg-Mitschnitt gewesen, den ein Sammler dem Fantasy-Label schon länger ohne Zusatzkosten angeboten habe. Rollins Ehefrau aber war strikt gegen die Veröffentlichung illegal mitgeschnittenen Materials. Zuvor habe Rollins sich nie selbst um die Abmischung seiner Alben gekümmert, nach dem Tod seiner Frau aber habe er sich die Playbacks mit kritischem Ohr selbst angehört.

For the New York Times, Nate Chinen visits tenor giant Sonny Rollins in his cottage studio in Germantown, New York. Rollins tells him that a lot of things have changed since his wife Lucille died two years ago. He discontinued his contract with Milestone Records and founded his own record label instead, Doxy Records, which just released his first studio CD in ten years, "Sonny, Please". Is is being distributed by Universal but can also be ordered from his website. Rollins thinks it necessary to keep up with new technological developments - even though he himself does not own a computer. For his 75th birthday his website featured some concert videos from several decades for about a week. The record "Without a Song: The 9/11 Concert" had originally been a bootleg recording made by a collector who had offered it to the Fantasy label for some time. Rollins wife, though, had opposed issuing illegally recorded material of any kind. Before, Rollins never took a part in the mixing of his own records, but after the death of his wife, he started to listen to the playbacks with a critical ear.

Roswell Rudd

Im Vorfeld des Deutschen Jazzfestivals, das am nächsten Wochenende in Frankfurt stattfinden wird, berichtet Christian Broecking in der Berliner Zeitung über den Posaunisten Roswell Rudd, der dem Festivalthema "Blues and Beyond" sein ganzes musikalisches Leben lang verbunden war. In seiner Musik ginge es ihm auch darum, Teil einer Bewegung zu sein, in ihr eine Vision von Gesellschaft und Politik zu verwirklichen: "Man mag es Protest oder politisch nennen, wenn wir auf der Bühne stehen, öffnen wir uns und unser Leben, es geht in jeder Sekunde um alles, das ist die wesentliche Erfahrung, die wir machen, wenn wir gemeinsam improvisieren." Das Projekt MaliCOOL, das er seit 2002 mit Musikern aus Mali realisiere und das jetzt in Frankfurt zu hören sein wird, sei wegen der erschwerten Einreisebedingungen bislang noch nicht in New York aufgeführt worden. In einem neuen Projekt arbeite er mit mongolischen Musikern zusammen in "einem Mix aus traditionellen zentralasiatischen Sounds, amerikanischer Folklore und dem Blues".

For the Berliner Zeitung , Christian Broecking reports about the trombonist Roswell Rudd who will be playing in Frankurt next weekend at the Deutsches Jazzfestival which this year is thematically titled "Blues and Beyond" and thus features a theme song also for Rudd's musical life. It always was important for him and his music, says Rudd, to be part of a movement, to realize a vision of society and politics in his music: "You may call it protest or political, but when we stand on stage, we open up ourselves and our lives, every second is about everything, that is the essential experience we have when we improvise together." His project MaliCOOL which he started together with musicians from Mali in 2002 and which will be heard at the Frankfurt festival, has not been performed in New York yet due to heightened immigration terms. At the moment he works on a new project with Mongolian musicians in "a mix of traditional, central Asian sounds, American folklore and the blues".

Jazz News, 20. Oktober 2006

Keith Jarrett

Im San Francisco Chronicle portraitiert Charles J. Gans den Pianisten Keith Jarrett. Der habe sich enorm müde gefühlt, als er vor einem Jahr zur Carnegie Hall gefahren sei, wo er für ein Solokonzert gebucht war, dann aber eine Stimmung im Saal gespürt, die ihn an das legendären Köln Concert von 1975 erinnert habe. Bei Jarrett war 1996 ein Chronic Fatigue Syndrome diagnostiziert worden, das ihn sich für anderthalb Jahre vom öffentlichen Leben zurückziehen ließ. Danach habe er Solokonzerte als zu anstrengend empfunden und habe sich stattdessen auf die Arbeit im Trio mit Gary Peacock und Jack DeJohnette konzentriert. Er habe schließlich angefangen, sein Solokonzept zu überdenken. Für den Livemitschnitt des Carnegie-Hall-Konzerts habe er bewusst den Applaus in voller Lautstärke klingen lassen - deren Klatschen und Jubeln klinge für ihn wie moderne Musik. "Es liegt genauso viel an Leidenschaft und Farbe darin wie in vieler Musik", sagt er. Für ihn sei der "krönende Moment" des Konzerts die erste Zugabe gewesen, eine auf einem hymnischen Thema basierende Improvisation, die er später "The Good America" betitelt habe, und die ihm beim Hören immer wieder die Tränen in die Augen treibe.

For the San Francisco Chronicle, Charles J. Gans portrays the pianist Keith Jarrett. Jarrett had felt extremely tired when he drove to Carnegie Hall one year ago where he was booked for a solo concert, but then he felt the atmosphere in the room which reminded him of the legendary Köln Concert from 1975. In 1996, Jarrett was diagnosed with Chronic Fatigue Syndrome, and he had to withdraw from public life for one and a half years. After that he decided that solo concerts were too physically demanding and concentrated instead on his trio with Gary Peacock and Jack DeJohnette. Finally, he re-thought his solo concept. For the live recording of the Carnegie Hall concert he decided to keep the applause uncut, the yelling and the pounding for him sounded like modern music. "It has as much passion and color as a lot of music has", he says. The "crowning moment" of the concert for him was the first encore, an improvisation based on a hymn like theme which he later titled "The Good America" and which, whenever he listens to it, brings tears to his eyes.

Joe Kucera

Astrid Mathis stellt in der Berliner Morgenpost den Saxophonisten Joe Kucera vor, Organisator des Jazz-Meeting Berlin, dessen 10. Ausgabe heute abend beginnt. Kucera stammt aus der Tschechoslowakei, spielte in den 60er Jahren in diversen traditionellen Bands, floh 1969 nach Österreich, spielte im Bühnenorchester des Musicals "Hair", erst in Frankfurt, dann in Berlin, wo Kucera sich niederließ. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist er bemüht, Kontakte zwischen tschechischen und deutschen Musikern herzustellen, stellte die Berliner Jazzszene auf einem Festival in Karlsbad vor und sorgt dafür, dass beim Jazz Meeting immer wieder tschechisch-deutsche Kooperationen präsent sind.

For the Berliner Morgenpost, Astrid Mathis portrays the saxophonist Joe Kucera who organizes the Jazz-Meeting Berlin, the 10th edition of which starts tonight. Kucera is originally from Czechoslovakia, played in traditional bands in the 60s, escaped to Austria in 1969, then played in the stage band for the musical "Hair", first in Frankfurt, then in Berlin where he settled. After the Iron Curtain came down, Kucera tried to establish contacts between Czech and German musicians, presented the Berlin jazz scene at a festival in Karlsbad and will also present Czech-German collaborations during the Jazz Meeting.

Ray Charles

Das posthum als eine Art Geister-CD gemischte Album "Ray Sings, Basie Swings", bei dem eine Aufnahme des Sängers Ray Charles aus den 70er Jahren mit neuer Orchesterbegleitung zusammengemischt wurde, macht den Grammy-Juroren Kopfzerbrechen, wie Sue Zeidler (Reuters) für die Washington Post berichtet. Die Platte stürmte die Billboard-Charts, aber nach den Regularien des Preises ist der Gesang nun mal 30 Jahre alt und darf damit nicht nominiert werden. Für die Produktion, den Toningenieur, die Arrangements oder sogar als Album des Jahres könnte die CD für einen Grammy vorgeschlagen werden, der Gesang von Ray Charles, Gott hab ihn selig, allerdings nicht.

The posthumously produced CD "Ray Sings, Basie Swings" in which recordings of Ray Charles vocals from the 70s were mixed with new orchestral arrangements gives headaches to the Grammy jury, as Sue Zeidler (Reuters) reports in the Washington Post. The record soon topped the Billboard charts, but according to the Grammy rules the vocal parts dating back 30 years cannot be nominated. The CD may be nominated for producer, engineering, arrangements and even album of the year, but the vocals of Ray Charles, may God rest his soul, cannot not be considered.

Jazz News, 19. Oktober 2006

Jazz in Deutschland / Jazz in Germany

Martin Woltersdorf reflektiert im Kölner Stadt-Anzeiger über die aktuelle deutsche Jazzszene. 1963 habe Klaus Doldinger die Platte "Jazz Made in Germany" aufgenommen, und auch das Goethe-Institut habe dazu beigetragen, deutschen Jazz zu einem Gütezeichen zu machen. Was ist deutsch am deutschen Jazz, fragt Woltersdorf, kommt aber nicht recht zu einer Antwort und leitet schnell über auf die CD-Reihe "Young German Jazz", die für das Label ACT von dessen Produzenten Siggi Loch initiiert wurde, der schon Doldingers Platte von 1963 produziert hatte. Woltersdorf nennt ACT-Künstler wie Michael Wollny, Michael Schiefel, Daerr/Sieverts/Jütte, aber auch Bands wie Julia Hülsmann, Angelika Niescier, Der rote Bereich, Erdmann 3000, Thärichens Tentett, Christopher Dell, Florian Ross oder Nils Wogram (die übrigens alle, was Woltersdorf nicht erwähnt, im März 2006 beim German Jazz Meeting in Bremen zu hören gewesen waren) und fordert mit Loch Veranstalter öffentlich subventionierter Jazzfestivals dazu auf, "sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und den nationalen Talenten eine faire und dauerhafte Chance im internationalen Vergleich zu geben". Apropos Jazz in Germany: Vielleicht sollten wir in diesem Zusammenhang noch auf die Vorabend-Soap "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" auf RTL hinweisen, bei der heute abend folgendes geschieht: "John ist verzweifelt, weil er für sich keine berufliche Perspektive sieht. Überfordert von der Aufgabe, einen Artikel über Jazz-Musik zu schreiben, will er alles hinschmeißen: Auch dieser Job scheint nicht der Richtige zu sein. Doch dann packt ihn doch noch der Ergeiz." (...)

For the Kölner Stadt-Anzeiger Martin Woltersdorf reflects about the current German jazz scene. In 1963, Klaus Doldinger recorded his LP "Jazz Made in Germany", later the Goethe-Institut helped to make German jazz a quality brand. What is German in German jazz, Woltersdorf asks, but does not really find an answer and quickly segues into writing about the CD series "Young German Jazz" initiated for the ACT label by its producer Siggi Loch who incidentally also had produced Doldinger's 1963 record. Woltersdorf lists ACT artists such as Michael Wollny, Michael Schiefel, Daerr/Sieverts/Jütte, but also bands such as Julia Hülsmann, Angelika Niescier, Der rote Bereich, Erdmann 3000, Thärichens Tentett, Christopher Dell, Florian Ross or Nils Wogram (all of which, by the way could be heard in March 2006 at the German Jazz Meeting in Bremen, which Woldersdorf fails to mention), and together with Loch he calls for publicly funded festival organizers to "become aware of their responsibilities and give national talents a substantial chance to compare with international acts". Apropos jazz in Germany: Perhaps we should also point to today's sequence of the German TV soap "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" on RTL. Tonight: "John is in despair because he does not see a job perspective. He is unable to write an article about jazz music and is prepared to pack it all in. This job, too, seems not to be what he is looking for. But then ambition spurs him on." (...)

Phil Haynes

G. Wayne Laepple berichtet im Provinzblatt The Daily Item über den Schlagzeuger Phil Haynes, der vor einigen Jahren aus New York aufs Land gezogen sei und nun versuche, auch in Lewisburg, Pennsylvania, guten Jazz zu bieten. Viele Jazzmusiker hätten Dienstags und Mittwochs keine Gigs, meint er, und Lewisburg (Einwohnerzahl: 5.620 im Jahr 2000) sei nah genug an New York, dass sie einen Gig auf dem Lande in Erwägung ziehen würden. Er überredete den Präsidenten der Bucknell University zu einer Reihe von Mittwochskonzerten, bei denen die Musiker spielen könnten was immer sie wollten. Das sei doch wunderbar für beide, meint Haynes, das Publikum höre etwas Neues "und die Musiker spielen wie Musiker". Das sei schon manchmal recht komplexe Musik, aber wer immer zu diesen Konzerten komme, würde daraus auch etwas für sich mitnehmen. Live sei diese Musik nun mal ganz anders, weil man die Interaktion der Künstler erleben könne. Wir lernen: Auch (manche würden sagen: gerade) in Amerika ist nach wie vor viel zu tun, um zeitgenössische Strömungen des Jazz ans Publikum zu bringen.

In the newspaper The Daily Item, G. Wayne Laepple reports about the drummer Phil Haynes who moved from New York to the country a couple of years ago and now tries to bring good jazz to Lewisburg, Pennsylvania. Many jazz musicians don't work on Tuesdays and Wednesdays, he says, and Lewisburg (population: 5.620 in the year 2000) is close enough to New York for them to accept a gig in the country. He persuaded the president of Bucknell University to let him organize a series of Wednesday evening concerts inviting musicians who could play what they want to play. That's great for both, says Haynes, the audience hears something new, "and the musicians are playing like musicians". It's complex music sometimes, but whoever attends the concerts will come away with a greater understanding of jazz, he says. It's different to hear this music played live because you experience the interaction between the musicians. We see: Even (some would say: especially) in America there is still lots to do to bring together contemporary developments in jazz with their prospective audience.

Kevin Mahogany

In der Pittsburgh Post-Gazette portraitiert Nate Guidry den Sänger Kevin Mahogany. Der erzählt von Johnny Hartman, dem er gerade ein Tributalbum gewidmet habe. Hartman habe er durch seine Aufnahmen mit John Coltrane entdeckt und dann seine Witwe ausfindig gemacht, um mit ihr über ihren Mann zu sprechen. Hartman, Billy Eckstine oder Arthur Prysock seien großartige, aber im Jazz oft wenig beachtete Sänger gewesen. Im College habe er Saxophon gespielt, erzählt Mahogany, dann aber Gesangsunterricht genommen. Anfangs sei er von Al Jarreau beeinflusst gewesen, habe dann George Benson und Jon Hendricks studiert und sich schließlich mit Jimmy Rushing, Big Joe Turner und Joe Williams beschäftigt. Seine ersten drei Alben habe er für Enja aufgenommen, bevor Warner Bros. ihm einen Vertrag anbot. Als er einmal Bonnie Raitts "I Can't Make You Love Me" gesungen habe, sei jemand zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, wer ihn denn so verletzt habe, dass er das Lied auf diese Art und Weise sänge. Das sei für einen Sänger das größte Kompliment, findet Mahogany.

In the Pittsburgh Post-Gazette, Nate Guidry portrays the singer Kevin Mahogany. He tells of Johnny Hartman to whom he just dedicated his newest CD. He had discovered Hartman through his recordings with John Coltrane, then visited Hartman's widow and talked to her about him. Hartman, Billy Eckstine or Arthur Prysock had been great singers often neglected by the jazz world. In college he had played the saxophone, tells Mahogany, then had taken vocal lessons. First he was influenced by Al Jarreau, then studied George Benson and Jon Hendricks and finally discovered Jimmy Rushing, Big Joe Turner and Joe Williams. His first three records were made for Enja, and then he got a record deal with Warner Bros. When he sang Bonnie Raitt's "I Can't Make You Love Me" at a concert once, someone from the audience came up to him and asked him who had hurt him so much to sing the song the way he did. Mahogany considers that the ultimate compliment for a singer.

Jazz News, 18. Oktober 2006

Ilse Storb

Die Westfälische Rundschau berichtet über Ilse Storb, 77, "Deutschlands einzige Jazz-Professorin" (nun ja, vielleicht sollte ihr mal jemand sagen, dass es derer mittlerweile mehr gibt), die in Siegen einen Vortrag über die Friedenswirkung von Musik hielt. Der sei in Los Angeles abgelehnt worden, sagt sie, weil die Amerikaner vor einem Vortrag über Frieden und Musik offenbar Angst hätten. Hmmm... Was hat sie sonst noch zu erzählen? Naja, dass ihre Mutter schön früh gesagt hätte: "Die Kerle laufen weg, nur der Flügel bleibt dir treu", dass sie regelmäßig mit Musikern aus Tunesien, China und ihrer eigenen Band "The Satchmos" auftrete, das Debussy einer von Ellingtons Lieblingskomponisten sei. Schließlich sucht sie vergebens nach einer Palme, weil das Ambiente für das Zeitungsfoto mit Trommel doch möglichst passen solle. Lauter Klischees eben, nicht viel mehr ...

The Westfälische Rundschau reports about Ilse Storb, 77, "Germany's only female jazz professor" (well, maybe someone should tell her that by now there are more of those) who held a lecture in Siegen about the peaceful effect of music. The lecture had been rejected in Los Angeles, she says, because the Americans seem to be afraid of a lecture about peace and music. Hmmm... What else does she have to say? Well, she lets us know that her mother had told her early on: "The guys all run away, only the grand piano will stay faithful", that she regularly performs with musicians from Tunesia, China and her own band "The Satchmos", that Debussy was one of Ellington's favorite composers. And finally she searches in vain for a palm tree because the atmosphere should be right for a newspaper photo of her with her drum. Lots of clichés, not much more ...

Randy Crawford & Joe Sample (2)

Josef Engels besuchte für die Berliner Morgenpost das Berliner Konzert von Randy Crawford mit dem Jazztrio von Joe Sample und ist angetan. Sample habe in seinem 45-minütigen Set unter anderem "eine kernige Komposition im Angedenken an die Voodoo-Queen" Marie Laveau gespielt. Crawford wiederum habe die Freiheit des Jazz-Piano-Trios gut getan, sie wirkte "gesanglich überhaupt sehr souverän". Das Trio klang zwar in der bluesigen Stimmung des Konzertbeginns lockerer als in den Arrangements für die Sängerin, und gerade die Hits, "Rainy Night in Georgia" oder "Street Life" kämen etwas schwerfällig daher. Dennoch verbucht er es als "schön, dass dieser Alleinstellungsstimme endlich ein nobler und geschmackvoller Rahmen gegeben wird". Anders Ralf Dorschel, der seine Rezension des Hamburger Konzerts des Quartetts in der Hamburger Morgenpost mit "Schlappe Diva auf Autopilot" überschreibt. Er ärgert sich über das Publikum, das den Pianisten als Dreingabe missversteht, "bei dessen Alleingang man schwatzen darf und noch mal flott aufs Klo geht". Dabei war der Sample-Set für ihn offenbar der bessere Teil des Abends. Crawford selbst habe zwar eine unglaubliche Stimme, aber an diesem Abend viele Fehlstarts hingelegt. "Übles Pathos und erbärmliches Deklamieren" bescheinigt er ihr und findet, dass sie höchstens in genau den beiden Hits glänzt, die Engels in Berlin eher schwach fand.

For the Berliner Morgenpost, Josef Engels attends the Berlin concert of Randy Crawford with the jazz trio of Joe Sample and is delighted. In his 45 minute set Sample played "a pithy composition dedicated to the Voodoo queen" Marie Laveau. Crawford gained much by the freedom of the jazz trio, with an extremely confident sounding voice. The trio was a bit more loose in the bluesy mood of the concert's first half than in the arrangements for the singer, and especially her hits "Rainy Night in Georgia" and "Street Life" felt a bit heavy. Yet he considers it "wonderful that this unique voice gets such a noble and tasteful frame". Ralf Dorschel does not think so in his review of the quartet's Hamburg concert published in the Hamburger Morgenpost and titled "Dull diva on autopilot". He is annoyed by the audience which sees the pianist as added value only, "during whose solo set they were allowed to talk and go to the loo". Too bad, as he considers Sample's set the better part of the evening. Crawford, he writes, has an incredible voice, but suffered quite a number of false starts. He attests "cheesy pathos and miserable declamation" and thinks that the only numbers in which she shined were exactly those two hits which Engels considered weak in Berlin.

Sheldon Meyer

Margalit Fox berichtet in der New York Times über den Tod von Sheldon Meyer, der am 9. Oktober im Alter von 80 Jahren in New York starb. Meyer war ein einflussreicher Herausgeber, dem der Verlag Oxford University Press seinen amerikanistischen Schwerpunkt verdankt. Der studierte Historiker war für viele wichtige Bücher zur schwarzen Geschichte Amerikas verantwortlich, und profilierte seinen Verlag auch im Bereich der Jazzforschung. Hier erschienen Gunther Schullers "Early Jazz" (1968), Alec Wilders "American Popular Song" (1972), Whitney Ballietts "American Musicians" (1986), Gary Giddins' "Visions of Jazz" und andere Titel, die sich mit Jazz, seiner Geschichte und seiner Ästhetik befassten. Oxford University Press war damit einer der ersten großen amerikanischen Verlage, die einer seriösen Jazzforschung eine Stimme verliehen.

In the New York Times, Margalit Fox reports the death of Sheldon Meyer who died in New York on 9th October at the age of 80. Meyer was an influential editor who was almost single-handedly responsible for the Americanization of Oxford University Press. The historian edited many important books on Black American history and especially on jazz. Oxford published Gunther Schuller's "Early Jazz" (1968), Alec Wilder's "American Popular Song" (1972), Whitney Balliett's "American Musicians" (1986), Gary Giddins' "Visions of Jazz" and other important titles dealing with jazz history and aesthetics. With these, Oxford University was one of the first big American publishers to give a voice to serious jazz research.

Jazz News, 17. Oktober 2006

Jimmy Heath

Für den Philadelphia Inquirer portraitiert Annette John-Hall den Saxophonisten Jimmy Heath anlässlich seines 80sten Geburtstages. Er und seine Brüder Percy und Albert seien in einem Haushalt aufgewachsen, in dem immer wieder die Jazzstars vorbeigeschaut hätten, um in der Küche seiner Mutter zu essen. Neben seiner Musikerkarriere habe Jimmy Heath viel unterrichtet, und er selbst sagt: "Wenn Du unterrichtest, lernst Du." Er habe bereits in Philadelphia angefangen zu unterrichten, Bobby Timmons und Jimmy Garrison hätten von ihm gelernt, so wie er selbst von Dizzy Gillespie gelernt habe. Er sei schon als Kind nicht besonders groß gewesen, erzählt Heath, zu klein für Sport, aber als sein Vater ihm ein Saxophon gegeben habe, sei es das gewesen. Schon mit 21 Jahren habe er in Philadelphia eine Bigband gegründet, in der Musiker wie John Coltrane, Benny Golson und Ray Bryant mitgewirkt hätten, selbst Charlie Parker spielte ab und an mit und borgte sich dann Heath's Instrument. In den 50er Jahren kämpfte Heath mit seiner Drogensucht und verbrachte von 1955 bis 1959 fast viereinhalb Jahre im Gefängnis. Seither ist er clean. Er heiratete seine Frau Mona, mit der er jetzt seit 46 Jahren zusammen ist, schrieb mehr als 125 Kompositionen und gründete 1975 zusammen mit seinen Brüdern die Heath Brothers Band. Bassist Percy starb letztes Jahr, aber mit Albert spielt Jimmy nach wie vor zusammen. Er nahm gerade die CD "Turn Up the Heath" auf und wird in Kürze seine Autobiographie vorlegen, die unter dem Titel "I Walked With the Giants" bei Temple University Press erscheinen soll.

For the Philadelphia Inquirer, Annette John-Hall portrays the saxophonist Jimmy Heath who turns 80 these days. He and his brothers Percy and Albert grew up in a home visited by many jazz stars who came by to eat in his mother's kitchen. Besides his career as a musician, Heath always taught, and he comments: "When you teach, you learn". He started teaching in Philadelphia, he was mentor to Bobby Timmons and Jimmy Garrison just as Dizzy Gillespie had been his mentor. As a kid he had been too small for sports, but when his father gave him a saxophone, that was it. He formed a big band in Philadelphia when he was 21, and among its members were musicians such as John Coltrane, Benny Golson and Ray Bryant. Even Charlie Parker sat in from time to time, borrowing Jimmy's horn. In the 50s, Heath had heavy drug problems and served nearly four and a half years in prison from 1955 to 1959. Since then he is clean. He married his wife of 46 years, Mona, wrote more than 125 compositions and formed the Heath Brothers Band with his brothers in 1975. Bassist Percy died last year, but Jimmy still reunites with Albert for concerts. He just recorded a new album, "Turn Up the Heath" and soon will publish his autobiography with Temple University Press entitled "I Walked With the Giants".

Louis Sclavis

Hans-Jürgen Linke besucht für die Frankfurter Rundschau das Konzert des französischen Klarinettisten Louis Sclavis beim Enjoy Jazz-Festival in Mannheim. Die Stücke des Abends entstammten der CD "Napoli's Walls", die bereits vor vier Jahren erschienen ist, aber der Zugang der Band habe sich verändert. Mit dem "slameur" Dgiz habe ein französischer Poet-Rapper zur Besetzung gefunden, der sich einer authentischen französischen Variante des dichterischen Sprechgesangs bediene und viele Fragen stelle: "Über Tradition, Zukunft, Gegenwart, über französische Küche, Terroir, Kartoffeln und Chips; und die zwei großen Fragen, die ihn umtreiben und ratlos lassen, sind: Was wollen die von mir, und was will ich von denen?" Das neue "Big Napoli" sei keine Kammermusik mehr, sondern Gegenwart mit elektronisch erzeugtem Beat, Oberton- und Rückkopplungseffekten zwischen Cello und Gitarre, vielen störenden Ereignissen bevor das Thema wieder erklingt. Es sei ein erster und nur noch schwer zu überbietender Höhepunkt für das Festival gewesen, schreibt Linke, und kann sich "kein Festival vorstellen, auf dem Sclavis' 'Big Napoli'-Projekt nicht der Höhepunkt wäre". Georg Spindler war für den Mannheimer Morgen übrigens auch auf dem Konzert. Sclavis Konzept einer imaginären Folklore hält er für "mediterran in der Diktion, jazzgemäß vom Vokabular eines John Coltrane und Eric Dolphy beeinflusst". Den "französisch palavernden" MC Dgiz begründet er mit der Ausbreitung von Cola und Handys sogar "am Khaiber-Pass und in Kambodscha, warum also nicht auch Drum'n'Bass in 'Big Napoli'"? Dennoch hat ihm das alles gefallen, weil Sclavis' "mitreißend fabulierfreudige Improvisationsspiralen" - uns aus seiner Rezension nicht ganz ersichtlich - "ein Manifest der Menschlichkeit" gewesen seien.

For the Frankfurter Rundschau, Hans-Jürgen Linke attends the concert of the French clarinettist Louis Sclavis at the Enjoy Jazz Festival in Mannheim. The band played pieces from the CD "Napoli's Walls", released four years ago, but the approach has changed since the recording. The "slameur" Dgiz has been added to the band, a poet-rap artist cultivating an authentic French variety of lyrical sprechgesang who is asking a lot of questions: "About tradition, the future, the present, about French cuisine, terroir, potatoes and chips; and the two big questions he always thinks about which leave him at a loss: What do they want from me and what do I want from them?" The new "Big Napoli" is no chamber music, writes Linke, but represents the present with electronically generated beats, overtone and feedback effects between cello and guitar, many disturbing occurrences before the thematic recapitulation. It was a first and hard to top success for the festival, writes Linke, who finds it hard "to imagine a festival at which Sclavis' 'Big Napoli' project would not be the biggest success". Georg Spindler attended the same concert for the Mannheimer Morgen. For him, Sclavis' imaginary folklore concept is "Mediterranean in its diction, influenced by the vocabulary of John Coltrane and Eric Dolphy in its jazz content". The MC Dgiz, "palavering in French", makes sense, he writes, because: you can find Coca Cola and cell phones "on the Khyber Pass and in Cambodia, why not Drum'n'Bass in 'Big Napoli'"? Yet, he obviously liked what he heard, and - even though he does not give us an exact reason for this - he thinks that Sclavis' "thrillingly spinning improvisational spirals" stand for "a manifest of humanity".

Lars Danielsson

Norbert Krampf besucht für die FAZ das Darmstädter Konzert des schwedischen Kontrabassisten Lars Danielsson. Schlagzeuger Jon Christensen hält sich dabei eher zurück, "illustriert" mit Händen, Stöcken und Filzklöppeln "jenseits der Takte die Einfälle der anderen Musiker". Wenn es swingt, dann käme das aus den Duetten Danielssons mit dem Pianisten Leszek Mozdzer. Die beiden tendierten ein wenig zu "fragilen Motiven und Schönklang", Mozdzer deute in der Behandlung des Instruments "eine expressive Energie an, die jedoch nie ausbricht". Als vierter ist der Elektroniker Jan Bang mit von der Partie, der Themen von Klavier oder Bass zu Samples oder Loops verarbeitet. Dem Konzert, kaum länger als die neue CD "Melange Bleu", attestiert Krampf, dass es immerhin länger als jene vermocht habe "auf dem schmalen Grat zwischen Subtilität und Belanglosigkeit zu balancieren". Nicht gerade ein Lob, und so vermisst er auch die "echte Spannung", weil die Musiker zu kontrolliert blieben, "ihre ausgefeilten Klänge letztlich im vertrauten Rahmen" blieben.

For the FAZ, Norbert Krampf attends the Darmstadt concert of the Swedish double bassist Lars Danielsson. Drummer Jon Christensen stayed in the background most of the time, using his hands, sticks and mallets to "illustrate beyond the beats of the measure the ideas of the other musicians". Whatever swing there was came from the duets of Danielsson with the pianist Leszek Mozdzer. They both tend to favor "fragile motifs and beautiful sounds"; Mozdzer's instrumental approach suggests "an expressive energy which never erupts". The fourth member of the band was the electronic technician Jan Bang who worked the piano or bass themes into samples or loops. The concert lasted not much longer than the band's new CD "Melange Bleu", writes Krampf, but it succeeded better than the CD to "balance on the edge between subtleness and irrelevance". This does not really sound like praise, and thus it does not surprise that he missed the "real tension", thinks that the musicians stayed in control too much by keeping "their elaborate sounds in a familiar setting".

Jazz News, 16. Oktober 2006

Margaret Douroux

Larry Gordon portraitiert in der Los Angeles Times die Komponistin Margaret Douroux, die in Los Angeles von einem Zentrum für die Gospelmusik träumt. Jeden Sonntagmorgen sänge man in irgendeiner Kirche in den USA einen Song von Margaret Douroux, sagt die Musikethnologin Jacqueline Cogdell DjeDje. Durouxs Vater hatte einst mit Mahalia Jackson getourt, Margaret war erst Organistin, bis sie in den 60er Jahren ihren ersten Chor übernahm. 1970 schrieb sie mit "Give Me a Clean Heart" ihre erste Komposition. Der große Erfolg kam in den 80er Jahren, und bald gründete sie ihre Gospel House Stiftung. "Die klassische Musik hat die Carnegie Hall", sagte sie, "die Country-Musik hat die Grand Ole Opry. Gospelmusik braucht ein Museum und Theater: das Gospel House." Sie setzte sich für die Umwandlung eines städtischen Theaters in Los Angeles zu einem Gospelarchiv und Performance Center ein, bekam aber weder das notwendige Geld zusammen noch die Unterstützung innerhalb der Stadtverwaltung. Vor zwei Jahren dann etablierte die UCLA ein Forschungsprojekt "Gospel Archiving" in Los Angeles, das das musikethnologische Institut der Universität mit der Douroux-Stiftung verband. Die Forscher filmten ihre Workshops und Konzerte, Doroux gab ca. 400 LPs und Kassetten mit raren Aufnahmen als Dauerleihgabe an die UCLA, wo sie digitalisiert werden. Douroux aber hat den Traum eines Gospelmuseums noch nicht aufgegeben.

For the Los Angeles Times, Larry Gordon portrays the composer Margaret Douroux who dreams of a center for gospel music in Los Angeles. "Every Sunday morning some church soimewhere in the United States is singing a Magraret Douroux song", says ethnomusicologist Jacqueline Cogdell DjeDje. Duroux's father had toured with Mahalia Jackson, and Margaret had started out as an organist before taking over her first choir in the 60s. In 1970 she wrote her first composition, "Give Me a Clean Heart". The big success came in the 80s, and soon she formed her Gospel House foundation. "Classical music has Carnegie Hall," she says, "country music has the Grand Ole Opry. Gospel music needs a museum and theater: the Gospel House.". She sought to transform a municipal theater in Los Angeles into a gospel archive and performance center but found neither the necessary patrons nor the support of the city government. Two years ago, UCLA funded a research project "Gospel Archiving" in Los Angeles which brought together the ethno musicological department of the university with Douroux's foundation. The researchers videotaped her workshops and concerts, and Douroux lent them about 400 LPs and cassettes with rare recordings for digitization and on-campus use. Over all of this, Douroux has not given up her dream of a gospel museum.

Charles Davis & Minton's Playhouse

Das legendäre Minton's Playhouse wurde im Mai zum ersten Mal seit 1974 wieder als Club eröffnet, aber erst seit wenigen Wochen engagiert der Club wieder namhafte Musiker für die Wochenenden, wie Ben Ratliff für die New York Times berichtet. Der Club auf der 118. Straße in Harlem besitzt immer noch das (inzwischen restaurierte) Wandgemälde von Charles Graham mit Jazzmusikern in einer Jam Session sowie einer kurvigen Dame. Seit 1940 erklang hier Jazz: Thelonious Monk, Dizzy Gillespie, Charlie Parker und Charlie Christian experimentierten hier mit dem neuen Stil des Bebop. Der Saxophonist Charles Davis, der jetzt mit seinem Quartett auftrat, spielte hardboppige Soli über "Whisper Not" und "Love for Sale", zeigte aber auch den Einfluss Ben Websters in Balladen und den John Coltranes in seinem eigenen "J.C.". "Es war eine gemütliche, schöne Art von Modernismus, die sich im Minton's wie daheim anfühlte."

The legendary Minton's Playhouse has been reopened as a club in May for the first time since 1974, but only since a few weeks the club features better-known musicians on its weekends, as Ben Ratliff reports for the New York Times. The club on Harlem's 118th Street still has the (meanwhile restored) mural by Charles Graham showing jazz musicians in a jam session as well as a curvy lady. Since 1940 jazz was heard in this place, where Thelonious Monk, Dizzy Gillespie, Charlie Parker and Charlie Christian experimented with the new sounds of bebop. The saxophonist Charles Davis who performed together with his quartet, played hard bop tinged solos on "Whisper Not" and "Love for Sale", but also showed the influence of Ben Webster in ballads and that of John Coltrane in his original "J.C.". "It was a comfortable, beautiful kind of modernism, and it felt homey at Minton’s", concludes Ratliff.

Bebo Valdés (2)

Jon Pareles besuchte für die New York Times das Konzert des 88jährigen kubanischen Pianisten Bebo Valdés, der zusammen mit dem Afro-Latin Jazz Orchestra bei Jazz at Lincoln Center auftrat. Das Konzert stellte Valdés vor allem als Komponist und Bigband-Arrangeur heraus und brachte die US-Premiere seiner "Suite Cubana", die er 2005 bereits auf CD veröffentlicht hat. Am Anfang des Programms spielte Valdés solistisch, dann mit bis zu elf Musikern in einer Latin Jam-Session-Atmosphäre. Man höre Chopin und Mozart genauso durch in seinem Klavierspiel, meint Pareles, wie kubanische Son und Danzas. Für seine "Suite Cubana" übernahm Valdés die Dirigentenrolle, und Arturo O'Farrill, der Bandleader des Afro-Latin Jazz Orchestra, setzte sich ans Klavier. So habe man zwei durchaus unterschiedliche Klavierstilistiken erleben können. Und auch wenn einige der Sololisten bereits bei der CD-Aufnahme mit dabei gewesen waren, klang das Werk auf der Bühne doch anders: Seine "Suite Cubana" sei nicht nur die Erinnerung eines Expatriates, schreibt Pareles, sondern auch eine Art und Weise, diese Erinnerungen am Leben zu halten.

For the New York Times, Jon Pareles attends the concert of the 88 year old Cuban pianist Bebo Valdés with the Afro-Latin Jazz Orchestra at Jazz at Lincoln Center. The concert introduced Valdés mainly as a composer and big band arranger and presented the US premiere of his "Suite Cubana" which was released in 2005. Valdés started playing solo, then was joined by up to eleven musicians in a Latin jam session atmosphere. You could hear Chopin and Mozart in his playing, writes Pareles, just as well as Cuban son and danzas. For the "Suite Cubana" Valdés sat in the conductor's chair while Arturo O'Farrill, the orchestra's leader, took over the piano, thus allowing the audience to hear two very different piano styles. And even though some of the soloists had been present on the CD version of the suite, the performance sounded much different. His "Suite Cubana" is not just the remembrances of an expatriate, says Pareles, but a way to keep these alive.

Jazz News, 15. Oktober 2006

Charles Aznavour & Chucho Valdès

Seit einer Woche hält sich der 82-jährige französische Sänger Charles Aznavour in Havanna auf, um eine Platte mit dem 65-jährigen kubanischen Pianisten Chucho Valdès einzuspielen. Die elf Titel würden im kommenden Februar auf den Markt kommen, erzählt Aznavour dem Webdienst 7 sur 7. Aznavour habe 2002 schon mit dem inzwischen verstorbenen Sänger Compay Segundo zusammengearbeitet. Für die neue CD haben die beiden, erzählt Valdès, romantische Chansons aus dem Repertoire kubanischer Musik gewählt. Die Idee zu dem Album sei Aznavour zu Beginn des Jahres gekommen, als Valdès mit seinem französischen Kollegen Michel Legrand konzertiert habe.

For the last week, the 82 year old French singer Charles Aznavour was in Havana to record with the 65 year old Cuban pianist Chucho Valdès. The eleven tracks will be released next February, Aznavour tells the web service 7 sur 7. Aznavour already had worked together with the late singer Compay Segundo in 2002. For the new CD, they chose romantic chansons from the repertoire of Cuban music, Valdès says. The idea came to Aznavour when he heard Valdès in concert with Michel Legrand early this year.

Sonny Rollins (1)

Sonny Rollins spielt dieser Tage in San Francisco, und David Rubien nimmt das Konzert zum Anlass, mit ihm für den San Francisco Chronicle über seine Musik zusprechen sowie über seine Erlebnisse am 11. September 2001. Er war während des Anschlags in seiner Wohnung, die gerade mal sechs Blocks vom World Trade Center entfernt lag. Wie alle anderen sei auch er gelaufen, als die Türme zusammenbrachen. Dann sei er in seine Wohnung zurückgegangen, habe sein Saxophon genommen und geübt, bis ihm irgendwie flau im Magen wurde. Erst später begriff er, dass er beim Üben all die giftigen Dämpfe eingeatmet habe. Warum aber habe er überhaupt in einer solchen Situation zum Instrument gegriffen, fragt Rubien. "Das ist nun mal mein erster Impuls. So bin ich immer durchs Leben gegangen, indem ich mein Horn genommen habe. Ernsthaft: das ist nun mal meine Zuflucht." Sein Saxophonkollege James Carter urteilt: "Für mich ist Sonny der Inbegriff von Logik, Humor und Zärtlichkeit - all die Dinge, die etwas Göttliches personifizieren." John Coltrane und ihn, erzählt Rollins, habe man einmal als "die Leute im Birdland, die richtig lang spielen" charakterisiert, und das sei kein Kompliment gewesen. Aber das habe alles seinen Sinn gehabt, sie hätten halt versucht, beim Spielen eine neue Ebene zu erreichen. Rubien spricht mit Rollins über seine legendären Musikpausen. Die erste habe einfach mit seiner damaligen Drogensucht zusammengehangen. Die zweite, die legendäre "Bridge"-Periode, sei der Notwendigkeit zu verdanken gewesen, dass er in seinem Apartment nicht gut habe üben könnten, auf der Williamsborough Bridge aber niemanden störte. Dann sei er Ende der 60er Jahre fast ausgestiegen, habe sich intensiv mit Yoga beschäftigt und eine Weile in Indien gelebt. Sein Yoga-Lehrer aber habe ihm gesagt: "Sonny, Du solltest eigentlich arbeiten. Deine Aufgabe ist die Musik." Er habe immer noch jede Menge Musik zu spielen, resümiert Rollins, und jede Menge zu lernen. Er übe täglich und es gäbe viele Sachen, die er noch meistern müsse.

Sonny Rollins performs in San Francisco these days, and for the San Francisco Chronicle David Rubien talks to him about music and how he experienced 9/11. During the attacks, Rollins had been at his apartment, just 6 blocks from the World Trade Center. As everybody else he had run when the towers collapsed. Then he returned to his apartment, took up his saxophone and practiced until his stomach "felt kinda funny". Only later he grasped that he had inhaled toxic poison while practicing, he says. So why did he take up his instrument during such a situation in the first place, asks Rubien. "Well, that's always my impulse, to pick up my horn. That's how I've gotten through this life, by picking up my horn. I mean, seriously. That's my refuge, you know?" His saxophone colleague James Carter says: "Sonny represents the epitome of logic, humor, gentleness - all the things that make up a divine being." John Coltrane and himself, Rollins recollects, had once been characterized as "those guys from Birdland that play a long time" - and that had not been a compliment. But there was a reason for what they were playing; they were trying to reach a different level. Rubien talks to Rollins about his legendary breaks from music. The first one had to do with his drug addiction at that time. The second, the legendary "Bridge" period came out of necessity: he could not practice in his apartment without disturbing his neighbors, but on the Williamsborough Bridge he disturbed no one. Then he got into yoga in the late 60s and lived in India for a while. His yoga teacher told him: "Sonny you should be working. Your task is to do your music." He still has a lot of music to play, says Rollins, and a lot of music to learn. He practices on a daily basis and "there's a lot of things I haven't gotten to yet".

Jazz News, 14. Oktober 2006

Ornette Coleman "Sound Grammar"

Peter Kemper hört für die FAZ in die neue CD von Ornette Coleman, "Sound Grammar". Er reflektiert über Colemans Konzept der Harmolodics und die sehr unterschiedlichen Reaktionen auf diesen "radikaldemokratischen Ansatz, der jeder Stimme das gleiche Gewicht an Zusammenspiel zuerkennt". Schon der erste Ton, findet Kemper, zeige, "daß hier jemand noch einmal jene Musik neu erfindet, die er schon seit vierzig Jahren im Kopf hat" - zumal die Nummer, "Turnaround", bereits aus den späten 50er Jahren stamme. Nichts da aber mit historisch, die Musik wirke geradezu verstörend innovativ. "Nie war sein Spiel suggestiver: Er schmeichelt sich mit einem Melodiekürzel ein, schnurrt genüßlich in Vierteltonverschleifungen, fährt im nächsten Moment seine spitzen Krallen aus, stöhnt lustvoll auf und fegt mit einem Jaulen davon."

For the FAZ, Peter Kemper listens to the new CD by Ornette Coleman, "Sound Grammar". He reflects about Coleman's concept of harmolodics and the different reactions to this "radical democratic approach in which each voice is allowed the same weight in the process of interaction". The first tone, writes Kemper, already shows "that here somebody is reinventing some music which he thinks about since forty years" - the tune itself, "Turnaround", is from the late 50s. But actually, nothing on the CD sounds historical, the music is irritatingly innovative. "Never was his playing more suggestive. He flatters with a short melodic token, purrs appreciatively in sliding quarter tones, the next moment baring his sharp claws, groaning sensually and flying away with a howl."

Ed Summerlin

Don Heckman berichtet in der Los Angeles Times über den Tod des Tenorsaxophonisten, Komponisten und Pädagogen Ed Summerlin, der am 10. Oktober in Rhinebeck, New York, im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Summerlin hatte an der Eastman School of Music studiert, außerdem Komposition bei Gunther Schuller und Hall Overton. Er selbst unterrichtete seit den späten 50er Jahren, erst an der University of North Texas, dann am City College of New York. In den 50er Jahren spielte er mit verschiedenen kommerziellen Bands, wurde dann ein wichtiger Teil der experimentellen New Yorker Jazzszene, trat mit Musiker auf wie Don Ellis, Steve Swallow, Ron Carter, Sheila Jordan, Steve Kuhn, Eric Dolphy oder Slide Hampton. Er komponierte und arrangierte für Freddie Hubbard, Toshiko Akiyoshi, Lee Konitz und andere und schrieb 1959 mit "Requiem for Mary Jo" eine der ersten bedeutsamen liturgischen Jazzkompositionen, der später andere folgten.

In the Los Angeles Times, Don Heckman reports the death of tenor saxophonist, composer and educator Ed Summerlin who died of cancer 10th October, 2006 in Rhinebeck, New York, at the age of 78. Summerlin had studied at the Eastman School of music, had also studied composition with Gunther Schuller and Hall Overton. He taught at the University of North Texas from the late 50s, later at the City College of New York. In the 50s he worked with several commercial bands, then became a part of the New York experimental jazz scene, performing with Don Ellis, Steve Swallow, Ron Carter, Sheila Jordan, Steve Kuhn, Eric Dolphy or Slide Hampton. He composed and arranged for Freddie Hubbard, Toshiko Akiyoshi, Lee Konitz and others and in 1959 wrote "Requiem for Mary Jo", one of the first significant liturgical jazz compositions which he later followed with others.

Professor Fritz Rau

Die Frankfurter Rundschau berichtet darüber, dass Fritz Rau, der wohl namhafteste deutsche Konzertveranstalter, ab dem nächsten Sommersemester eine Honorarprofessur an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst übernehmen wird. Er solle die Studenten im Fach Kulturmanagement an seiner langjährigen Erfahrung teilhaben lassen. Der 76jährige Rau plant unter anderem einen Vortrag zusammen mit dem 81jährigen Altsaxophonisten Emil Mangelsdorff über 65 Jahre Hot Club Frankfurt sowie als praktische Lehrstunde ein gemeinsam mit den Studenten veranstaltetes Konzert.

The Frankfurter Rundschau reports that Fritz Rau, Germany's best-known concert impresario, will teach as an honorary professor at Frankfurt's Hochschule für Musik und Darstellende Kunst from next summer. He will share his longtime experience with students studying cultural management. The 76 year old Rau plans a lecture together with 81 year old alto saxophonist Emil Mangelsdorff about 65 years of Hot Club Frankfurt and as a practical lesson a concert which he would like to organize together with his students.


Jazz News, 13. Oktober 2006

Bebo Valdés (1)

Ben Ratliff machte sich für die New York Times auf nach Schweden, um den kubanischen Pianisten Bebo Valdés zu besuchen, der in einem Vorort Stockholms lebt. Im Musikzimmer sieht er Fotos von Rachmaninoff und Chopin, Theoriebücher, durchblätterte Popmusikalben, einige Grammys, aber auch Valdés' eigenes Buch "Cha Cha Cha & Mambo for Small Dance Bands" aus den 50er Jahren. Valdés wurde 1918 in Kuba geboren, studierte in Havanna und arbeitete bald mit den bedeutendsten kubanischen Musikern und Bands. Nach der Revolution floh er erst nach Mexiko, dann nach Spanien. 1963 verliebte er sich in eine Schwedin, die er heiratete und mit er er bis heute zusammenlebt. Er spielte 30 Jahre lang in Stockholmer Hotel-Lobbies und wurde 1994 wiederentdeckt, als Paquito D'Rivera ihn ermutigte, "Bebo Rides Again" aufzunehmen, seine erste Platte in 30 Jahren. Ratliff und Valdés hörten gemeinsam Musik, Ernesto Lecuonos "La Paloma", und Valdés erzählt, dass er Lecuono 1934 selbst gehört habe. Valdés setzt sich ans Klavier, spielt ein Stück von Ignacio Cervantes und erklärt, dass in Lecuonos Musik drei Dinge auf einmal geschähen: Rhythmus, Melodie und Improvisation. Dann hören sie Art Tatums "Without a Song". Valdés sagt, dass Tatum und Bill Evans seine Lieblingspianisten seien (und er spielt am Klavier Evans' "Waltz for Debbie"). Dizzy Gillespies Band, meint Valdés, habe die kubanischen Rhythmen perfekt beherrscht. Sein "Manteca" sei dem Mambo-Stil von Cachao verpflichtet. Sie hören Frank Sinatras "Nice 'n' Easy", und Valdés lobt, nirgendwo außer in den USA könne irgendwer diese Art von Swing spielen. Er selbst sei zwar Kubaner, verstehe sich aber als ein amerikanischer Arrangeur, sagt er. Dann spielt er ein wenig aus Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 2 vor und erzählt, wie ergriffen er davon sei, wenn die Musik langsam zu einem Crescendo ansteige. Wenn man klassische Musik kenne, dann könne man machen, was immer man tun wolle, reflektiert der 88jährige, der dieser Tage mit dem Jazz at Lincoln Center Afro-Latin Jazz Orchestra in New York auftritt.

Ben Ratliff travels to Sweden for the New York Times to visit the Cuban pianist Bebo Valdés who lives in a Stockholm suburb. In his music room he sees photos of Rachmaninoff and Chopin, theory books, well thumbed popular sheet music, some Grammies, but also Valdés' own book "Cha Cha Cha & Mambo for Small Dance Bands" from the 50s. Valdés was born in Cuba in 1918, studied in Havana and soon worked with the most important Cuban musicians and bands. After the revolution he first fled to Mexico, then moved to Spain. In 1963 he met a Swedish girl, they married and live together to this day. He played Stockholm hotel lobbies for 30 years and was rediscovered in 1994 when Paquito D'Rivera encouraged him to record "Bebo Rides Again", his first album in 30 years. Ratliff and Valdés listen to some music, Ernesto Lecuono's "La Paloma", and Valdés remembers having heard Lecuono in person in 1934. He sits down at the piano, plays a piece by Ignacio Cervantes and explains how in Lecuono's music three things happen at the same time: rhythm, melody and improvisation. They listen to Art Tatum's recording of "Without a Song". Valdés comments that Tatum and Bill Evans are his favorite pianists (and he plays Evans' "Waltz for Debbie" on the piano). Dizzy Gillespie's band, says Valdés, played the Cuban rhythms perfectly. His "Manteca" is completely in the mambo style of Cachao. They listen to Frank Sinatra's "Nice 'n' Easy", and Valdés remarks that "nobody can play music like that except in America, that kind of swing". He is Cuban, but he sees himself as an American arranger, he says. Then he plays a bit from Rachmaninoff's piano concerto no. 2 and tells Ratliff that he feels like crying when he hears the music build to a crescendo. "When you know classical music, you can do what you want to do", says the 88 year old pianist who will perform these days with the Jazz at Lincoln Center Afro-Latin Jazz Orchestra in New York.

Randy Crawford & Joe Sample (1)

Gerd Döring besuchte für die Frankfurter Rundschau das Konzert von Randy Crawford und Joe Sample in der Frankfurter Alten Oper, das ihn offenbar ziemlich langweilte. Das ganze habe instrumental hoffnungsfroh mit einer "kleinen munteren Komposition" begonnen, sei dann aber eher ohne Biss weitergegangen. Johnny Vidacovich am Schlagzeug sei "um Effekte bemüht" gewesen, habe mit dem Bassisten Nicholas Sample (ja, der Sohnemann!) ein "solides, selten aber wirklich inspiriertes Duo" abgegeben. Crawfords Stimme sei immer noch beeindruckend, aber irgendwie auch müde, was durch die "träge Begleitung" nicht großartig wettgemacht würde. Die Intensität der jüngst veröffentlichten Crawford-Sample-CD habe das alles selten erreicht, eine kurze Zugabe habe es gegeben, dann flog ein roter Schaal "als Dankeschön in die ersten Reihen. Das war's." Christian Riethmüller war für die FAZ im selben Konzert und urteilt nicht minder kritisch. Einen Job hätten die Musiker da erledigt, aber nicht viel mehr. Crawfords Vortrag tauge "eher für die vorderen Plätze in einem Belcanto-Wettbewerb", meint er und findet, selbst "Street Life" klinge in der Jazzversion, "als wären die Bürgersteige längst hochgeklappt". Aber unterhalten hätten sie dennoch, resümiert er in seiner Rezension, die den Titel "Begleitmusik für einen Fahrstuhl" trägt.

For the Frankfurter Rundschau, Gerd Döring attends the concert Randy Crawford and Joe Sample gave at the Alte Oper Frankfurt, and which proved to be quite a boring evening for him. It started hopefully, he writes, with a "small, blithesome composition", but then continued without any bite. Johnny Vidacovich on the drums anxiously strove for effects and together with the bassist Nicholas Sample (yes, the son!) formed a "solid, but rarely inspired duo". Crawford's voice still is impressive, but sounded somewhat tired, which wasn't helped by the languid accompaniment. They certainly did not reach the intensity of the recent Crawford-Sample CD, Döring writes. There was a short encore, then a red scarf "flew into the first rows as a thank you. And that was it." For the FAZ, Christian Riethmüller attended the same concert, and his judgement is not much better. The musicians merely got a job done, not much more. Crawford's voice that evening was good enough "for the first rows in a belcanto competition", he writes, and thinks that even "Street Life" in its jazz version sounded as if everybody in town has gone to sleep already. But it was entertaining, he concedes in his review which is headlined "Background Music for an Elevator".


Jazz News, 12. Oktober 2006

Leipziger Jazztage (2)

Ulrich Olshausen besuchte für die FAZ die Leipziger Jazztage. Deren Arabien-Schwerpunkt erfüllt ihn mit "erhöhtem Glücksgefühl", hörte er doch "die paradiesische Gegenwart einer Musik, in der Fanatismus und überhaupt Politik offensichtlich keine Narben hinterlassen haben". Rabih Abou-Khalil habe im Trio mit Joachim Kühn und Jarrod Gagwin ein Konzert abgeliefert, "bei dem alle Spieler ihre Eigenheiten behaupten konnten und dennoch ein bedachtsamer Umgang in modalen Skalengeflechten, aber auch krachenden Ausbrüchen herrschte". Dhafer Youssef und Nguyên Lê hätten Sonderapplaus erhalten, als sie (auf Zurufen einer Dame im Publikum) den Laptop zuklappten, der perkussive Ostinati und kleine Themenkomplexe zuspielte, um ein rein akustisches Stück zu spielen. Anouar Brahems Konzert attestiert Olshausen "stille Kammermusik mit einem merkwürdigen Charakter fast nie sich verlierender Vorläufigkeit". Olshausen berichtet weiter vom Gitarristen Michel Sajawy und dem Trompeter Jon Hassell. Er ist begeistert vom LeipJAZZig Orkester des Pianisten und Komponisten Stephan König, das unter anderem ein Stück spielte, "das wie eine Disco alkoholisierter Kosaken klang, in der ein paar Klezmermusiker für Ordnung zu sorgen versuchen". Dann gab es noch ein Konzert des Kirchenorganisten Karl Scharnweber, der mit dem Saxophonisten Thomas Klemm und dem Gitarristen Wolfgang Schmiedt zehn Choräle aus der Lutherzeit interpretierte, und zwei große Jam Sessions, bei denen zum einen der Schweizer Gitarrist Harald Haerter (den Olshausen kurzerhand zum Deutschen ernennt) Nils Petter Molvaer und Joe Lovano zusammenbrachte, sich zum anderen Bennie Wallace und Ricky Ford vor der Orgel Joey DeFrancescos zu einer Tenor Battle trafen, die Wallace offenbar leicht gewann.

For the FAZ, Ulrich Olshausen attends the Leipziger Jazztage. He enjoys the program focus on Arabia and talks glowingly of "the paradisian presence of a music in which neither fanatism nor any politics were able to leave scars". Rabih Abou-Khalil played with Joachim Kühn and Jarrod Gagwin, a set "in which all of the musicians kept their individuality and yet considerately dealt with a braiding of modal scales as well as with clashing eruptions". Dhafer Youssef and Nguyên Lê received a special applause when (after a lady in the audience asked them to) they closed their laptop computer which fed their set with percussive ostinatos and short thematic passages in order to play a purely acoustic piece. Olshausen characterizes Anouar Brahem's concert as "quiet chamber music providing the odd atmosphere of a preliminarity never in danger of losing itself". Olshausen reports on the guitarist Michel Sajawy and the trumpeter Jon Hassel. He is fascinated by the LeipJAZZig Orkester of the pianist and composer Stephan König which played a piece which sounded somewhat "like a disco full of drunk Cossacks in which a couple of klezmer musicians tried to establish some order". Then there was a concert with the church organist Karl Scharnweber who together with the saxophonist Thomas Klemm and the guitarist Wolfgang Schmiedt played ten chorales from Lutheran times, and two big jam sessions, one of which brought together the Swiss guitarist Harald Harerter (whom Olshausen single-handedly appoints as a German), Nils Petter Molvaer and Joe Lovano, the other a tenor battle with Bennie Wallace and Ricky Ford accompanied by the organist Joey DeFrancesco which apparently was easily won by Wallace.

Queen Esther Marrow

Die Frankfurter Rundschau (und etliche andere deutsche Tageszeitungen) drucken einen Bericht über die amerikanische Gospelsängerin Queen Esther Marrow, die in den 60er Jahren von Duke Ellington entdeckt wurde und heute ein Star ihres Genres ist. Dass Gospelmusik heute nicht mehr so populär ist wie früher, sieht sie unter anderem in der Normalisierung des Verhältnisses zwischen Schwarz und Weiß in den USA begründet: Früher, meint sie, sei Gospel das einzige Mittel gewesen, "aus diesem furchtbaren Alltag zu flüchten". In Europa dagegen, sagt der Pianist der Harlem Gospel Singers, Anthony Evans, sei Gospel in erster Linie Kommerz, seien die Konzerte vor allem zur Weihnachtszeit voll. Deutsche Gospelchöre irritieren ihn etwas, diese "meinen oft besser zu wissen [als er selbst], worauf es bei der Gospelmusik ankäme". Der amerikanische Gospelmusiker Kirk Franklin mischt Gospel mit Elementen aus R&B, HipHop, Dancehall und Reggae, erklärt der Bericht, und nach dem 11. September seien die Verkaufszahlen von Gospelplatten in die Höhe geschnellt. Queen Esther Marrow weiß, warum: "Wenn die Menschen nach Kraft suchen, greifen sie zum Gospel."

The Frankfurter Rundschau (and many other German daily newspapers) print a report about the American gospel singer Queen Esther Marrow who was discovered in the 60s by Duke Ellington and today is a star in her field of music. Asked why gospel music lost in popularity, she explains that one of the reasons might be the normalization in race relations in the USA. There was a time, she says, when gospel was the only means "to escape from the everyday horrors". In Europe, says the pianist of the Harlem Gospel Singers, Anthony Evans, gospel has mostly commercial aspects, and gospel concerts are best attended around christmas. He is somewhat irritated by German gospel choirs who "often think they know better what it makes to sing gospel" than himself. The American gospel musician Kirk Franklin mixes gospel with elements from R&B, hiphop, dancehall and reggae, we read, and after 9/11 the sales figures for gospel records accelerated skywards. Queen Ester Marrow knows why: "Whenever people look for strength, they reach for gospel music."

Jazz News, 11. Oktober 2006

Julian Benedikt "Play Your Own Thing" (1)

Der Filmemacher Julian Benedikt kündigt mit "Play Your Own Thing“ seinen dritten Film an, der am 2. November 2006 in die deutschen Kinos kommt. Premiere des Films ist am Eröffnungsabend des JazzFests Berlin am 1. November im Delphi Filmpalast. Nach seinen Reminiszenzen an das legendäre Schallplatten-Label "Blue Note“ und den stilprägenden Fotografen William Claxton in "Jazz Seen“ begibt sich Benedikt diesmal auf die Spuren des europäischen Jazz. Sein erzählerischer Ausgangspunkt ist das Paris der frühen 50er Jahre. Dabei versucht er als Drehbuchautor und Regisseur die dämmrig-mystische Atmosphäre der existentialistischen Künstler- und Intellektuellenszene in den Cafés von St. Germain des Près ebenso einzufangen wie - im Fortlauf der Geschichte - die kühle Ästhetik des zeitgenössischen skandinavischen Jazz. In Collagetechnik hat Benedikt zahllose bunte Farbtupfen zu einem Bild des europäischen Jazz und seiner Emanzipation von den USA montiert. Viele der Protagonisten eines selbstbewussten, europäischen Jazz lässt Benedikt in seinem Film persönlich zu Wort kommen – neben den bereits verstorbenen Heroen Niels-Henning Ørsted Pedersen oder Albert Mangelsdorff auch profilierte Zeitzeugen wie Tomasz Stanko, Joachim Kühn, Coco Schumann, Enrico Rava, Juliette Gréco, Joe Zawinul oder Jan Garbarek. Benedikt wagt sich an das Portrait einer Musik, die, so der Regisseur, in Spanien anders als in Polen klinge, in Norwegen anders als in Italien, und die geprägt sei von der Geistesgeschichte, der Mentalität, der Politik, aber auch vom Licht und von der Folklore - ein Triumph der Individualität, ein eigenes Ding. Trailer unter www.play-your-own-thing.de.

The film maker Julian Benedikt announces his third film "Play Your Own Thing" to be shown in German cinemas from 2nd November 2006. The premiere of the film will be held on the opening evening of the JazzFest Berlin, 1st November, at the Delphi Filmpalast. After his documentary films of the legendary record label "Blue Note" and of one of the most influential photographers, William Claxton, in "Jazz Seen", Benedikt now follows the tracks of European jazz. His point of departure is Paris in the early 50s which he tries to catch in its dark and mystical atmosphere of the artist and intellectual scene in the cafés of St. Germain des Près. Later he also focusses on the cool aesthetics of contemporary Scandinavian jazz. In a collage-like technique, Benedikt assembles many colorful scenes to paint a picture of European jazz and its emancipation from the US role model. Many of the protagonists of a self confident European jazz can be seen and heard in person - late heroes such as Niels-Henning Ørsted Pedersen or Albert Mangelsdorff as well as prominent contemporary witnesses such as Tomasz Stanko, Joachim Kühn, Coco Schumann, Enrico Rava, Juliette Gréco, Joe Zawinul or Jan Garbarek. Benedikt attempts the portrait of a music which sounds different in Spain and in Poland, as he says, different in Norway and in Italy, and which is deeply influenced by the intellectual history, the mentality or the politics of the respective countries, but also by light and by folklore - a triumph of individuality. A trailer can be viewed at www.play-your-own-thing.de.

Trevor Richards & New Orleans

Alexandra Welsch berichtet im Darmstädter Echo über ein Hilfsprojekt, mit dem der Schlagzeuger Trevor Richards und der Posaunist Christoph Wackerbarth Geld sammeln, das Jazzmusikern in New Orleans zugute kommen soll, die durch den Hurricane Katrina betroffen wurden. Ihr Verein "New Orleans Hilfe" hat seinen Sitz in Darmstadt und unterstützt insbesondere die "New Orleans Musicians Clinic" und die "Arabi Wrecking Krewe", letzteres ein Selbsthilfeprojekt, mit dem Musiker und ihre Freunde zerstörte Häuser wiederbewohnbar machen. Richards und Wackerbarth wollen etwas tun, weil es nun mal in den USA nicht jenes soziale Netz gibt, wie wir es in Deutschland kennen. New Orleans sei ein "völlig einzigartiger Platz auf der Welt, ein Kulturdenkmal - und zwar ein lebendes", meint Wackerbarth. Der im Schwarzwald lebende Trevor Richards allerdings hat das Haus, das er in New Orleans besaß, wieder hergerichtet und verkauft. Für ihn sei das Kapitel beendet, erklärt er, es mache keinen Sinn, vom anderen Ende der Welt aus ein Haus wiederaufzubauen. Der Verein New Orleans Hilfe konnte bereits rund 20.000 Euro in die Geburtstadt des Jazz überweisen. (Mehr auch auf der Website des Jazzinstituts)

For the Darmstädter Echo, Alexandra Welsch reports about a help project initiated by the drummer Trevor Richards and the trombonist Christoph Wackerbarth to collect money in order to help jazz musicians in New Orleans affected by hurricane Katrina. The project called "New Orleans Hilfe" is based in Darmstadt and especially supports the "New Orleans Musicians Clinic" and the "Arabi Wrecking Krewe", the latter of which being a self help project in which musicians and their friends rebuilt damaged houses. Richards and Wackerbarth want to help because the USA does not provide a social net similar to that known in Germany and other countries. New Orleans is a "singular place in the world, a cultural monument - but very much alive", says Wackerbarth. Trevor Richards, who lives in the Black Forest, meanwhile has rebuilt and sold his house in New Orleans. The chapter is closed, he says. There is no sense in rebuilding a house from the other side of the world. The "New Orleans Hilfe" project so far was able to collect 20.000 Euro to help rebuild the birthplace of jazz. (More on the website of the Jazzinstitut)

Archie Shepp (2)

Georg Spindler hat sich für den Mannheimer Morgen auf die Schulbank gesetzt, in einen Workshop, den der Saxophonist Archie Shepp während des Enjoy Jazz Festivals in Mannheim gab. Gespielt hätten sie auch, "A Night in Tunesia", und Shepp habe die teilnehmenden Musiker aufgefordert, mit über die Brücke zu kommen (womit natürlich die Bridge des Stücks gemeint ist, was aber in Mannheim immer ein wenig an Joy Flemmings "Neckarbrücken Blues" erinnern lässt). Spindler fand den ersten Teil des Workshops fast noch interessanter, bei dem Shepp aus seinem Leben plauderte und über das Gnawa-Projekt berichtete, mit dem er am Vortag zu hören gewesen war. "In Marokko würden Kranke zu den Konzerten gebracht, die Trance-Rhythmen vertrieben die Leiden", zitiert Spindler den Saxophonisten, der sich selbst auch als Prediger versteht: "Unsere Musik ist ein Aufruf, spirituell zu sein, die Welt und ihren Sinn zu begreifen."

For the Mannheimer Morgen, Georg Spindler went to school at a workshop which the saxophonist Archie Shepp gave during the Enjoy Jazz Festival in Mannheim. Everybody played "A Night in Tunesia", he reports, and Shepp summoned the participants to follow him over the bridge (by which, he of course means the bridge of the tune, but which, said in Mannheim, reminds us of Joy Flemming's hit song "Neckarbrücken Blues"). For Spindler, the first part of the workshop was the more interesting, in which Shepp spoke about his life and music, and especially about the Gnawa project with which he had performed the day before. "In Morocco the sick are being brought to concerts, and the trance rhythms drive away the pain", Spindler quotes the saxophonist who sees himself as a preacher: "Our music is an appeal for spirituality, to grasp the world and its meaning."

Jazz News, 10. Oktober 2006

Valery Ponomarev

In der New York Times berichtet Doreen Carvajal über einen Zwischenfall, dem der russisch-amerikanische Trompeter Valery Ponomarev einen gebrochenen linken Arm verdankt. Ponomarev, der in Art Blakeys Jazz Messengers bekannt wurde, wollte am 9. September in Paris seinen Air-India-Flug zurück nach New York besteigen, als eine Routine-Kontrolle in einen handgreiflichen Streit um sein Instrument ausartete. Konkret hatte offenbar ein Angestellter der Fluglinie seinen Instrumentenkoffer als Handgepäck verweigert. Ponomarev protestierte heftig, die Polizei wurde herbeigerufen. Ponomarev weigerte sich, den Sicherheitsbeamten seinen Instrumentenkoffer zu übergeben, die ihn daraufhin in Polizeigriff nahmen, wobei er sich die Armfraktur zuzog - Ponomarev zufolge durch die Gewalt der Beamten, der Polizei zufolge, weil der Trompeter sich selbst infolge seiner Gegenwehr verletzt habe. Ponomarev wurde in einem Pariser Krankenhaus behandelt und kehrte vier Tage später in die USA zurück. Die Verletzung hatte Folgen: Der Trompeter konnte kaum üben, weil der gebrochene Arm einfach zu viel Schmerzen verursachte. Ende September allerdings stand er in Russland wieder auf der Bühne.

In the New York Times Doreen Carvajal reports an incident leaving the Russian American trumpeter Valery Ponomarev with a broken left arm. Ponomarev who became known as a member of Art Blakey's Jazz Messengers, planned to get on his Air India flight back to New York on September 9th when a routine airport check erupted into a fierce dispute about his instrument. An airline employee refused to accept his trumpet case as hand luggage, Ponomarev protested vigorously, the police was summoned. Ponomarev declined to hand over his instrument case to the security officers who then used a police arm lock on him which caused the fracture. Ponomarev claims the cause to have been the officers' violent force, the police claims the fact that he put up resistance as cause of the fracture. Ponomarev was treated in a Paris hospital and returned to the USA four days later. The injury had consequences: the trumpeter had difficulties practicing as the weakened arm proved to be too painful. Luckily, in late September Ponomarev was able again to perform in Russia.

Archie Shepp (1) & Dar Gnawa

Peter Kemper besucht für die FAZ ein Konzert Archie Shepps mit Dar Gnawa beim Enjoy Jazz Festival in Mannheim und freut sich über den "vierten Frühling" des zu Free-Jazz-Zeiten so einflussreichen Tenorsaxophonisten. Der habe die Musiker aus Marokko 1999 in Tanger getroffen und sei offenbar selbst verzaubert gewesen von ihrer Musik. Im Zusammenspiel und mit Hilfe von Zirkularatmung klinge sein Sopransaxophon wie ein arabischer Dudelsack, meint Kemper, und beschreibt, wie die "nie enden wollenden Melodielinien" des Saxophonisten die "artistischen Sprungtänze der Kastagnettenspieler und den kehligen Gesang des Guimbri-Spielers" umgarnten. Der Blues ist auch mit dabei, aber er "schmiegt sich perfekt den Ruf-Antwort-Gesängen der vier Gnawa-Musiker an". Im Mannheimer Morgen erfahren wir darüber hinaus, dass Shepp im ersten Set allein mit seinem Quartett ein traditionelleres Repertoire pflegte. "GD", wie der Rezensent heißt, findet, dass Shepp dringend aufs Mikro angewiesen sei (erklärt aber nicht, warum - ist sein Sound so dünn geworden?), und lässt uns ein wenig wundern, wie man wohl "im Stil des späten Louis Armstrong die langen Gesangslinien auf dem Tenorsax mit artistischen Vokalisen" fortsetzen kann (???). "Hambone" sei nostalgisch, schreibt "GD", Coltranes Diktion beschreibt er als "hymnisch", und außerdem ist er "verblüfft" über Shepps virtuoses Spiel. Und wirklich ohne jeden Zusammenhang fügen wir an, was wir aus der FAZ vom 7. Oktober gelernt haben aber bislang nirgends unterbringen konnten: "Der typische Träger von Falke-Socken ist etwa 50 Jahre alt, liebt Jazzmusik, sammelt moderne Kunst und fühlt sich in der deutschen Provinz ebenso zu Hause wie in Paris."

For the FAZ, Peter Kemper attends a concert of Archie Shepp with Dar Gnawa at the Enjoy Jazz Festival in Mannheim and enjoys the "fourth spring" of the tenor saxophonist who had been a leading figure in the free jazz movement. Shepp had met the Moroccan musicians in Tanger in 1999 and must have been enchanted with their music. Playing with them and using circular breathing his soprano saxophone sounds like an Arabian bagpipe, writes Kemper, and describes how "the never ending melodic lines" of the saxophonist ensnared "the artistic leap dances of the castagnette player and the guttural chants of the guimbri player". Shepp is never far from the blues, but he "fits it perfectly to the call and response chants of the four gnawa musicians". In the Mannheimer Morgen we learn that during the first set Shepp and his quartet presented a more traditional repertoire. "GD", as the reviewer is identified, writes that Shepp urgently needed the microphone (but we don't really learn why, has his sound become so thin?). We also wonder what exactly "GD" means when he writes that Shepp continued "the long vocal lines on the tenor saxophone with artistic vocaleses in the style of the late Louis Armstrong" (???). "Hambone" is nostalgic, he writes, describes Coltrane's diction as "hymnal", and shows himself "amazed" by Shepp's virtuoso performance. There is no connection whatsoever, but we would like at this point to quote from the FAZ of October 7th a discovery which so far we could not place anywhere else: "The typical customer for Falke socks is about 50 years of age, loves jazz music, collects modern art and feels just as home in the German province as he does in Paris."

Leipziger Jazztage

Christian Broecking besucht für die Frankfurter Rundschau die Leipziger Jazztage, die in diesem Jahr zum 30. Mal stattfinden. Er zitiert Bert Noglik, der seit 1991 als künstlerischer Leiter fungiert und über die wechselvolle Geschichte des Festivals in DDR-Tagen und nach der Wende reflektiert. Geschäftsführer Andreas Roder nennt ein Budget von 250.000 Euro, das zur Hälfte aus öffentlichen Töpfen stamme. Zum 30jährigen musste man wegen Umbauarbeiten in der Oper ins kleinere Schauspielhaus ausweichen, wo das Festival an allen drei Tagen ausverkauft war. Der Gitarrist Joe Sachse ist im Programm, Garant für Kontinuität (er war schon 1976 mit von der Partie), Joe Lovano, Nils Petter Molvaer und Jon Hassell. Am meisten aber beeindruckt Broecking der Programmschwerpunkt "Arabian Aspects", bei dem Noglik an drei Abenden drei der bekanntesten Musiker zwischen Jazz und arabischer Tradition auf die Bühne brachte: Rabih Abou-Khalil, Dhafer Youssef und Anouar Brahem. Von diesen gefiel Broecking Abou-Khalil am besten, der im Trio mit Jarrod Gagwin und Joachim Kühn Klischees vermied. Überhaupt Kühn: Der geborene Leipziger Pianist habe nach der Wende in seinen Leipziger Konzerten immer wieder für Höhepunkte gesorgt, im Duo mit Ornette Coleman etwa oder dem Thomanerchor. Kühn aber lobt das Hier und Jetzt: das LeipJazzig-Orkester des Pianisten und Komponisten Stephan König, dessen Suite "Leipzig Tango" den Akkordeonisten Richard Galliano herausstellte.

For the Frankfurter Rundschau, Christian Broecking attends the Leipziger Jazztage which celebrate their 30th anniversary this year. He quotes Bert Noglik, the musical director who tells him about the changing history of the festival during GDR days and after the "Wende" (the political changes in 1989). Executive director Andreas Roder explains that the festival has a budget of 250.000 Euro, half of which comes from public money. For the 30th anniversary the festival had to move from the opera house to the smaller Schauspielhaus in which all three festival days were sold out. The guitarist Joe Sachse was on the program and guarantees continuity (he was already featured in 1976), Joe Lovano, Nils Petter Molvaer and Jon Hassell. Broecking is most impressed with the focus on "Arabian Aspects", though, which on three evenings presented three of the best known musicians between jazz and Arabian traditions: Rabih Abou-Khalil, Dhafer Youssef and Anouar Brahem. Broecking likes the concert with Abou-Khalil best who performed in trio with Jarrod Gagwin and Joachim Kühn. Mentioning Kühn: The Leipzig born pianist had provided many high points at the festival after the wall came down, in a duo with Ornette Coleman, for instance, or with the Thomas Choir. Kühn, though, praises the here and now: the LeipJazzig Orkester of pianist and composer Stephan König which performed the suite "Leipzig Tango" featuring the accordionist Richard Galliano.

Jazz News, 9. Oktober 2006

Bernie Primeau

Die kanadische Zeitung The Gazette berichtet vom Tod des Schlagzeugers Bernie Primeau, der am Montag in Montreal im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens starb. Primeau hatte seine Karriere 1956 begonnen und war bald zu einem der bekanntesten Musiker seiner Heimatstadt Montreal geworden. Jahrelang war er der Schlagzeuger im Trio des Pianisten Oliver Jones gewesen, spielte daneben in Show Bands, arbeitete in Bermuda und Kalifornien (um seine englischen Sprachkenntnisse aufzufrischen). 1984 gründete er das Montreal Jazz Sextet, in dem er vor allem junge Musiker um sich versammelte. Im vergangenen Jahr erhielt er für seine Verdienste um den kanadischen Jazz den Oscar Peterson Preis.

The Canadian newspaper The Gazette reports the death of drummer Bernie Primeau who died of cancer on Monday in Montreal at the age of 67. Primeau had started his career in 1956 and soon became one of the best known musicians of his home town Montreal. For years he was the drummer in the trio of pianist Oliver Jones, played in show bands on the side and worked in Bermuda and California (to improve his English skills), In 1984 he founded the Montreal Jazz Sextet for which he mainly hired young musicians. Last year he was honored with the Oscar Peterson Prize for his contributions to Canadian jazz.

Jazz News, 8. Oktober 2006

Till Brönner & Thomas Quasthoff

Die Berliner Morgenpost stellt in ihrer Sonntagsausgabe 23 Fragen an den Trompeter Till Brönner. Die Fragen sind belanglos, die Antworten nicht viel mehr. Wir erfahren, dass bei Tills Oma sonntagmorgens oft James Last lief, dass Malte Burba ihn mal vor dem technischen KO gerettet habe, dass er Politessen nicht gerade mag und dass er gerade an Album mit Thomas Quasthoff arbeite. Darüber erzählt auch Quasthoff selbst in einem offenen Interview in der Welt, bei dem er gegen Klassikevents wettert, erzählt, dass man Bach auch singen könne, ohne ein religiöser Mensch zu sein, dass er schon mal auf zwei Zigaretten pro Woche komme und dass er in Detmold genervt war von koreanischen Sängern, die nicht bereit waren, innerhalb von vier Jahren die deutsche Sprache zu lernen.

In its Sunday edition the Berliner Morgenpost poses 23 questions to the trumpeter Till Brönner. The questions are trivial, and the answers don't go much further. We learn that on Sunday mornings Till's grandmother liked to listen to James Last, that Malte Burba once saved the trumpeter when he had a technical knockout, that he does not really like meter maids ("Politessen") and that at the moment he records with Thomas Quasthoff. The latter is also reported by Quasthoff himself in a quite candid interview in Die Welt in which he rants against classic events, in which he relates that it is possible to sing Bach without being a religious human being, that sometimes he smokes up to two cigarettes a week and that in Detmold he was unnerved by Korean singers who were not willing to learn the German language within four years.

Jazz News, 7. Oktober 2006

NEA Jazz Masters 2007

Während des Duke Ellington Jazz Festivals in Washington, D.C., wurden die NEA Jazz Masters 2007 bekanntgegeben, wie die Washington Post berichtet. Der Preis der National Endowment for the Arts, der mit 25.000 Dollar dotiert ist, wird im Januar während der Konferenz der International Association for Jazz Education in New York übergeben. Die Preisträger sind: die Pianistin und Bandleaderin Toshiko Akiyoshi, der Pianist Ramsey Lewis, der Posaunist Curtis Fuller, der Saxophonist und Flötist Frank Wess, der Altsaxophonist Phil Woods, der Sänger (Little) Jimmy Scott und der Kritiker, Jazzhistoriker und Direktor des Institute of Jazz Studies, Dan Morgenstern.

During the Duke Ellington Jazz Festival in Washington, D.C., the NEA Jazz Masters 2007 were named, as the Washington Post reports. The award of the National Endowment for the Arts which comes with a 25,000 dollar fellowship will be given at a ceremony during the International Association for Jazz Education convention in New York next January. The honorees are: the pianist and band leader Toshiko Akiyoshi, the pianist Ramsey Lewis, the trombonist Curtis Fuller, the saxophonist and flutist Frank Wess, the alto saxophonist Phil Woods, the singer (Little) Jimmy Scott and the critic, jazz historian and director of the Institute of Jazz Studies, Dan Morgenstern.

Pat Metheny & Brad Mehldau

Christian Broecking befasst sich in seiner Kolumne für die Berliner Zeitung mit der neuen Produktion von Pat Metheny und Brad Mehldau. Mehldaus großes Vorbild heiße Keith Jarrett, aber er wolle diesen nicht kopieren, sondern sich selbst weiterentwickeln, erzählt ihm dieser, außerdem, dass Methenys Platten ihn einst zum Jazz gebracht hätten. Im Studio mit Metheny hätte er 20 Stücke aufgenommen, die auf 2 CDs veröffentlicht werden, von denen die erste soeben erschienen ist. Mehldau hatte sich im Wahlkampf für den Kandidaten der Demokraten engagiert, was ihm viel Kritik eingetragen habe. Und Metheny sagt, er verstehe sich auch als politischer Mensch, verweist auf die Bedeutung des Free Jazz in der DDR (und wir denken irgendwie an: "Ich bin ein Berliner") und meint, Improvisation könne durchaus politischer Akt genug sein.

For the Berliner Zeitung, Christian Broecking concerns himself with the new release of Pat Metheny and Brad Mehldau. Mehldau's role model is Keith Jarrett, whom he would not want to copy, though, but rather keep on developing his own style, he says, adding that Metheny's records once introduced him to jazz. In the studio he and Metheny recorded 20 tracks to be put out on 2 CDs the first of which just has just been released. Mehldau supported the democratic candidate during the last presidential elections which led to harsh criticism from many sides. And Metheny sees himself as a political being, he points out the importance of free jazz in the former German Democratic Republic (and we cannot but think of "Ich bin ein Berliner" here) and thinks that improvisation can be quite a political action in itself.

Ekkehard Jost

Hans-Jürgen Linke besuchte für die Frankfurter Rundschau das Gießener Auftaktkonzert des neuen musikalischen Projektes von Ekkehard Jost, dem namhaften Musikwissenschaftler und Baritonsaxophonisten, der sich in "Cantos de Libertad" mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg auseinandersetzt. Es sei aber kein "Befreiungskriegs-Nostalgie-Abend" geworden, urteilt Linke. Von Paul Dessau stammten die ersten beiden Stücke, von denen besonders sein von Picassos "Guernica" inspiriertes Klavierstück, dargeboten von Dieter Glawischnig, beeindruckt habe. Die ganze Musik sei eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Material, das Jost da erforscht habe. Die internationalen Musiker des Tentetts hätten sich der Aufgabe mehr als gewachsen gezeigt und der Vielfalt an Stimmungen -von folkloristischen Anklängen über parodistische, spottende Lieder bis zu Trauergesängen - ihren zusätzlichen improvisatorischen Stempel aufgedrückt.

For the Frankfurter Rundschau, Hans-Jürgen Linke attends the Gießen concert presenting the new musical project by noted musicologist and baritone saxophonist Ekkehard Jost who in "Cantos de Libertad" approached songs from the Spanish civil war. This was not, though, a "nostalgic war of liberation evening", writes Linke. The first two compositions were by Paul Dessau, and Linke was especially impressed by Dieter Glawischnig's rendition of his "Guernica", a piano piece inspired by Picasso's painting. All of the music is a successful interpretation of the material collected and researched by Jost, writes Linke. The international musicians of the tentet proved more than apt to it and set their own improvisatory stamp on the variety of moods, folkloristic sounds, musical parody and mockery as well as dirges.

Brandford Marsalis (2)

Nate Chinen besucht für die New York Times ein Konzert des Saxophonisten Branford Marsalis im Club Jazz Standard. Marsalis hatte am Mittwoch vor dem Spiel der Mets gegen die Dodgers im Shea Stadium die Nationalhymne gespielt und zeige sich auch auf der Bühne sportlich, beschreibt Chinen. "Jack Baker", das den Abend eröffnete, klang mit polyrhythmischem Feuer ungemein nach Coltrane, auch im Klaviersolo Joey Calderazzos (erinnert an McCoy Tyner), den Walking-Bass-Linien Eric Revis' (erninnert an Jimmy Garrison) und der Trommelarbeit von Jeff 'Tain' Watts (erinnert an Elvin Jones). Das sei alles geradezu handgreiflich physisch, meint Chinen, anders als Monks "Nutty", dem es irgendwo an einer Mitte gefehlt habe. Calderazzos "Hope" allerdings habe das dann mehr als wettgemacht: Marsalis habe sein Solo aus melodischen Motiven heraus begonnen, die klangen wie Argumentationspunkte in einer Rede oder Predigt. Dann habe die Intensität und die harmonische Spannung immer mehr zugenommen, so dass die Rückkehr zum Thema wie eine Art Triumph und Auflösung wirkte.

For the New York Times, Nate Chinen attends a concert of the saxophonist Branford Marsalis at the club Jazz Standard. On Wednesday Marsalis had played the national anthem before the game of the Mets against the Dodgers at Shea Stadium, and he is sportive on stage as well, says Chinen. "Jack Baker" opened the evening and reminded Chinen of the polyrhythmic fury of the Coltrane quartet, a comparison underlined by the piano work of Joey Calderazzo (sounds like early McCoy Tyner), the walking bass lines of Eric Revis (sounds like Jimmy Garrison) and the drum techniques of Jeff 'Tain' Watts (sounds like Elvin Jones). All of this "added up to a bruising physical exertion", writes Chinen, whereas their interpretation of Monk's "Nutty" somewhat seemed to lack a center. But Calderazzo's "Hope" made good for that: Marsalis began his solo with melodic motifs that sounded like "points in an argument or a sermon". Then the intensity and the harmonic tension rose, so that the return to the theme felt like a triumph and resolution.

Claude Luter

Die französische Tageszeitung Le Monde meldet das Ableben des Klarinettisten Claude Luter, der am Freitag im Krankenhaus von Poissy (Yvelines) im Alter von 83 Jahren verstarb. Luter war mit 15 Jahren zum Jazz gekommen, spielte während der deutschen Besatzung in den Clubs des Quartier Latin und hatte ab 1946 mit seiner Band im Lorientais in der rue des Carmes nationalen Erfolg. 1948 vertrat er sein Land beim Jazzfestival in Nizza. Ein Jahr später begleitete er Sidney Bechet beim Pariser Festival. Bald wurde Luter zu einem vielgelobten Partner des Sopransaxophonisten, der auch das Spiel des Klarinetten nachhaltig beeinflusste, der sich zuvor eher an Johnny Dodds orientiert hatte. 1997 war Luter zu den Feierlichkeiten des 100. Geburtstags von Sidney Bechet in New Orleans, und im Jahr 2000 ehrte ihn das Jazzfestival von Juan-les-Pins, bei dem er seit 1960 regelmäßig zu hören gewesen war.

The French daily newspaper Le Monde reports the death of the clarinetist Claude Luter who died on Friday in the hospital of Poissy (Yvelines) at the age of 83. Luter came to jazz at the age of 15, played in the caves of the Quartier Latin during the German occupation and had his first big successes from 1946 with his band playing at the Lorientais in the rue des Carmes. In 1948 he represented his mother county at the Nice jazz festival. One year later he accompanied Sidney Bechet at the Paris festival and soon became a celebrated partner of the soprano saxophonist who influenced his style, whereas before he had been mainly drawn to the stylistic influence of Johnny Dodds. In 1997 Luter participated in the centenary festivities for Sidney Bechet in New Orleans, and in 2000 he was honored at the jazz festival in Juan-les-Pins where he had performed regularly since 1960.

Jazz News, 6. Oktober 2006

Branford Marsalis (1)

Ben Ratliff trifft sich für die New York Times mit Branford Marsalis in dessen Haus in der Nachbarschaft eines Golfplatzes in North Carolina. Dorthin zog er vor fünf Jahren, wegen des Golfplatzes, aber auch, weil es so schön ruhig sei, es keine Ablenkung gäbe und er viel Musik hören könne. Er habe es aufgegeben, Teil des Popkultur-Mainstream sein zu wollen, sagt Marsalis, im Jazz oder anderer Musik habe er keine Geduld mehr mit Kollegen, die nicht genügend Ernst und Sorgfalt in ihre Arbeit legten. Irgendwie gäbe es da wohl eine Jazzpolizei-Tradition in der ganzen Familie, meint Ratliff. Doch wo Wynton das ganze Amerika vom Wert des Jazz überzeugen wolle, da vertrete Branford niemanden als sich selbst. Er befasse sich momentan mit langsamerer Musik und höre deutsche Kunstlieder, erzählt Brandford. Dann hören die beiden gemeinsam Musik: Marsalis ist begeistert von Coltrane live in 1961 ("unglaublich, Mann"); bewundert Louis Armstrongs Gesangssolo in "Up a Lazy River"; stellt fest, dass das Tempo, das Armstrong in "Rockin' Chair" spielt, heute im jazz kaum mehr zu finden sei. Er selbst habe in einer R&B Band in New Orleans gespielt, das Wichtigste dabei sei gewesen, die Leute zum Tanzen zu bringen. Er freut sich über Fats Wallers Unsinn in "How Can You Face Me?" ("Solange Du swingst, kannst Du das machen"). Er spricht über Authentizität und spielt Bessie Smith's "Need a Little Sugar in My Bowl". Viele junge Leute , meint er, spielten vor allem die Standards mit den meisten Chord Changes, und die hätten leider meist meist die schrecklichsten Melodien. Er spielt Strawinskis "Ebony Concerto" und verrät, dass er ein Motiv seiner neuen CD "Braggtown" aus Richard Wagners "Götterdämmerung" gestohlen habe.

For the New York Times Ben Ratliff meets Branford Marsalis in his house next to a North Carolina golf course. He moved there five years ago, because of the golf course and because it is so quiet, there is no distraction, and he can listen to music. He has given up wanting to be part of the pop culture mainstream, Marsalis says, he has no patience with musicians who don't approach their music with enough study and seriousness. Ratliff speculates that there might be a jazz police tradition running in the family. But whereas Wynton is concerned with getting all of America to care about jazz, Branford represents nobody but himself. At the moment he is fascinated by slow music and listens to Lieder. Then Ratliff and Marsalis sit down to listen to some music. He is excited about Coltrane live in 1961 ("unbelievable, man"); he admires Louis Armstrong's vocal solo in "Up a Lazy River" and finds that nobody plays tempos anymore such as can be heard in Armstrong's rendition of "Rockin' Chair". He had played in an R&B band himself in New Orleans and remembers that the most important thing was to get the people to dance. He laughs about Fats Wallers jokes in "How Can You Face Me?" ("As long as it's swinging, you can do that"). He talks about authenticity and plays Bessie Smith's "Need a Little Sugar in My Bowl". Many young musicians mainly play those standards with the most chord changes, he says, and those often have the worst melodies. He plays Stravinsky's "Ebony Concerto" and reveals that one of the motifs on his new CD "Braggtown" comes from Richard Wagner's "Götterdämmerung".

Al Jolson

Gerald Koll berichtet in den Kieler Nachrichten über zwei Kieler Studenten, die einen Dokumentarfilm über Al Jolson drehen, den Varietéstar, der nicht wirklich ein Jazzsänger war, aber als solcher in "The Jazz Singer" im ersten Tonfilm mitgewirkt hatte. Andrea Obermeier und Jens Reinke sammelten Filme, Schellack-Platten, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen, trafen einen der Söhne des Stars, Jolson-Spezialisten und planen Reisen in Jolsons Geburtsstadt in Litauen und an sein Grab in San Francisco.

For the Kieler Nachrichten, Gerald Koll reports about two Kiel students who work on a documentary film about Al Jolson, the variety star who was not really a jazz singer but starred as such in "The Jazz Singer , the first talking movie. Andrea Obermeier and Jens Reinke collected films, shellac records, TV and radio shows, met one of Jolson's sons, other Jolson experts and plan to visit Jolson's city of birth in Lithuania and the city of his death, San Francisco.

Louis Hayes

Nate Guidry portraitiert für die Pittsburgh Post-Gazette den Schlagzeuger Louis Hayes. Hayes erzählt, wie er 1956 in die Band von Horace Silver gekommen sei. Er erinnert sich an verschiedene Gigs in Pittsburgh, mit Silver, Cannonball Adderley und Freddie Hubbard. Er betont, welchen Einfluss der in Pittsburgh geborene Kenny Clarke auf ihn gehabt habe und was ihm Jo Jones beigebracht habe. "Als Schlagzeuger ist man musikalisch eigentlich immer der Bandleader", sagt er. "Wenn der Schlagzeuger nicht richtig gut ist, dann passiert auch sonst nichts."

For the Pittsburgh Post-Gazette, Nate Guidry portrays the drummer Louis Hayes. Hayes speaks about how he joined Horace Silver's band in 1956. He shares memories of Pittsburgh gigs with Silver, Cannonball Adderley and Freddie Hubbard. An important influence on him was Pittsburgh born Kenny Clarke, and one of his mentors was Jo Jones. "When you're a drummer, you are the leader of the band musically", he says. "If the drummer isn't on a high level, nothing is going to happen."

Jazz News, 5. Oktober 2006

Tomasz Stanko (1)

Tomasz Stanko, der noch letzte Woche in Deutschland unterwegs war, hat den großen Teich überquert und spielt dieser Tage in Oakland, Kalifornien. Derk Richardson unterhält sich mit ihm für den San Francisco Chronicle und portraitiert ihn als "einen der eloquentesten Protagonisten improvisierter Emotionalität" (im Original: "one of the most eloquent proponents of extemporaneous lyricism working today"). Auf der amerikanischen Szene sei Stanko erst in den letzten Jahren bekannt geworden. Er müsse melodische und lyrische Musik spielen, weil das Teil seiner selbst sei, meint Stanko, aber das träfe auch für freie Musik zu. So habe er diesen Sound zwischen Freiheit und Lyrik gefunden. Richardson schreibt über Stankos ECM-Alben, über sein junges Trio und über seine jüngsten Alben. Der Trompeter freut sich, dass seine Band sich auch in freieren Gefilden immer wohler fühlte. Konzerte seien die beste Probe, aber im Studio fiele es ihm leichter, frei zu spielen. Die Konzentration sei eine andere. Er erzählt über seine Anfänge, den Geigenunterricht in Krakau, die Voice of America, die Bedeutung des Jazz in Polen, erste Idole wie Chet Baker und Miles Davis, den Einfluss von Ornette Coleman, seine Zusammenarbeit mit Krzysztof Komeda. Elektronik fände er nicht so interessant, sein Quartett spiele anders als Musiker seines Alters, auch weil seine jungen Mitmusiker offen für andere Genres seien.

Tomasz Stanko who last week still toured Germany now has crossed the Atlantic and will play in Oakland, California, these days. Derk Richardson talks to him for the San Francisco Chronicle and portrays him as "one of the most eloquent proponents of extemporaneous lyricism working today". American listeners only recently discovered Stanko. He tells Richardson that he has to play melodic and lyrical music because that's part of himself, as is free music. And thus he has found this sound somewhere between freedom and lyricism. Richardson writes about Stanko's ECM recordings, his young trio and recent CD releases. The trumpeter is happy that his band is feeling more and more comfortable within the sphere of free improvisation. Concerts are the best rehearsals, he thinks, but for him it feels more natural to play free music within the studio. The concentration is different. He tells of his beginnings, violin lessons in Krakow, the Voice of America, the meaning of jazz in Poland, his first role models such as Chet Baker and Miles Davis, the influence of Ornette Coleman, his collaboration with Krzysztof Komeda. He is not so interested in electronics, and his quartet plays differently from musicians his age, because his young colleagues are more open to other genres.

Jazz Impresario Charlie Fishman

In der Washington Post portraitiert Darragh Johnson den Produzenten und Konzertveranstalter Charlie Fishman. Fishman war in den letzten Jahren seines Lebens Dizzy Gillespies Manager, managte einen Jazzclub in Jerusalem, diente der israelischen Regierung als Kulturberater, bekam für seine Produktion von "Dizzy Gillespie and United Nations Orchestra" einen Grammy und komponierte eine Ballettmusik für das Alvin Ailey American Dance Theater. Seit 30 Jahren lebt er in Washington, D.C., wo er seit letztem Jahr mit großem Erfolg das Duke Ellington Jazz Festival durchführt.

For the Washington Post, Daragh Johnson portrays the producer and concert promoter Charlie Fishman. Fishman was Dizzy Gillespie's manager during the trumpeter's last years, he ran a jazz club in Jerusalem, served as cultural adviser to the Israeli government, won a Grammy for his production of "Dizzy Gillespie and United Nations Orchestra" and composed ballet music for the Alvin Ailey American Dance Theater. Since 30 years he lives in Washington, D.C., where since last year he is in charge of the Duke Ellington Jazz Festival.

Stacey Kent

Stephen Holden besucht für die New York Times ein Konzert der Sängerin Stacey Kent im New Yorker Feinstein's, einem Club im Hotel Regency. "Love and the Lyric" heißt ihre neue Show, und in den ruhigeren der Titel, schreibt Holden, käme ihr "interpretatorischer Verstand" besonders zum Tragen zusammen mit ihrer "weicheren, kätzchenhaften Seite". Kent tritt seit Jahren mit ihrem Ehemann, dem Saxophonisten Jim Tomlinson, auf, der Rest der Band wechselt. Wenn sie nicht gerade Bossa Nova singt, meint Holden, sei ihre Stimme zu hell, um normale Schlagzeugbegleitung zu ertragen. Idealerweise würde man sie mit Klavier und Gitarre und ganz sanfter Perkussion begleiten. Beim Konzert am Dienstag gab es dann noch akustische (also technische?) Schwankungen, die insbesondere in einem Programm, das eigentlich den Songtexten gewidmet ist, problematisch seien. Den alten Zauber habe man immerhin stellenweise merken können.

For the New York Times, Stephen Holden attends a concert of the singer Stacey Kent at New York's Feinstein's, a club at the Hotel Regency. Her new show is entitled "Love and the Lyric", and in the quieter songs, writes Holden, her "interpretative intelligence comes to the fore, along with her softer, kittenish side". Since some years Kent performs together with saxophonist Jim Tomlinson, the rest of the band changes. Unless the groove is bossa nova, says Holden, her voice is to light to support conventional jazz drumming. An ideal accompaniment might be guitar and piano with light percussion. At Tuesday's concert a subtle acoustical (technical?) imbalance further "blurred Ms. Kent's enunciation, which is a problem in a show devoted to lyrics". Yet, the old magic was discernible at least in some places.

Toots Thielemans

Der Nachrichtendienst 7 sur 7 teilt mit, dass der belgische Mundharmonikaspieler Toots Thielemans auf Anraten seiner Ärzte aus gesundheitlichen Gründen acht anstehende Konzerte absagen musste. Die Ärzte hätten ihm geraden, bis zum Jahresende nicht mehr aufzutreten. Der 84-jährige seit körperlich gesund, leide aber unter "extremer Ermüdung", teilte seine Agentur mit. Seit einem leichten Herzanfall Anfang der 80er Jahre sei dies das erste Mal, dass Thielemans aus gesundheitlichen Gründen eine Pause einlege.

The news service 7 sur 7 reports that the Belgian harmonica player Toots Thielemans on advice of his doctors had to cancel eight concerts due to health problems. The doctors advised him not to perform until the end of the year. The 84 year-old is in good health, his management states, but suffers from "extreme fatigue". Since a minor heart attack in the early 80s this is the first time that Thielemans had to pause for health reasons.

Jazz News, 4. Oktober 2006

Dresden Dixieland Festival

Die Leipziger Volkszeitung berichtet dass das Dixieland Festival Dresden im nächsten Jahr aus finanziellen Gründen abspecken muss. Grund seien, sagt Festivalchef Joachim Schlese, steigende Preise für Hotels und Transporte, zunehmende GEMA-Gebühren und die höhere Mehrwertsteuer. Resultat: Das Festival wird um die Auftaktshow und zwei weitere Auftritte gekürzt, die Tickets kosten zwei Euro mehr. Mehr als 30 Performances aber bleiben weiterhin kostenlos. Das Festival hatte im vergangenen Jahr einen Gesamtetat von 800.000 Euro, von dem 350.000 Euro durch Sponsoren getragen wurden. Öffentliche Gelder fließen nicht ins Festival. Schließlich erfahren wir noch, dass sich rund 300 Bands aus aller Welt für einen Auftritt beworben haben und dass die Wartezeit für einen Auftritt bis zu 10 Jahre betrage. "Wartezeit"? Hmmmm ... wir sparen uns die Anspielung auf sattsam bekannte "Warten auf den Trabi"-Witze und beneiden die Macher des Dixieland Festivals ein wenig darüber, dass sie ein Programm über Wartezeit zusammenstellen können, was irgendwie impliziert, dass da offenbar unglaublich viel Qualität vorhanden sein muss.

The Leipziger Volkszeitung reports that financial reasons will cause a shortening in the program of the Dixieland Festival Dresden. Festival producer Joachim Schlese explains the causes are rising fees for hotels and transport, rising GEMA fees and the higher VAT. As as result the festival will lose its opening show and two further performances and the ticket price will be raised by two Euro. Still, more than 30 performances will be at at no charge. Last year the festival's budget comprised 800.000 Euro, 350.000 of which were raised through sponsors. The festival does not receive any public subsidies. Finally, we learn that about 300 bands from all over the world applied for a festival performance and that the waiting period for a performance amounts to ten years. "Waiting period"? Hmmmm ... let's not think of the well known "Waiting for a Trabi" jokes but rather envy the dixieland festival for having so many excellent bands that it suffices to put them on a waiting list to put together a festival program.

Jazz News, 3. Oktober 2006

Dance Halls in Sheboygan, Wisconsin

Bill Wangemann berichtet in der Sheboygan Press über die Eagles Hall und andere Tanzhallen in Sheboygan, Wisconsin, während der Swingära. Er erzählt von "hard time dances" in der Zeit der Wirtschaftskrise, bei der die Tänzerinnen und Tänzer eigens in möglichst zerlumpten Klamotten ankamen und sich damit über ihre wirtschaftliche Situation lustig machten. In der Umgebung der Kleinstadt (heute: ca. 50.000 Einwohner) gab es zeitweise mehr als 50 Tanzsäle, in denen Live-Orchester spielten, meist lokale Bands, von denen außerhalb der Region wenig bekannt ist. In der Sheboygan Armory trat 1948 aber auch Duke Ellington auf, der Eintritt kostete 1,10 Dollar, wenn man tanzen oder 67 Cents, wenn man von den Balkons nur zuhören wollte. Im Playdium (der früheren Eagles Hall) spielten Tex Beneke und Lawrence Welk, für letzteren kostete der Eintritt 1,50 Dollar. Dank des stark deutsch geprägten Bevölkerungs-Backgounds waren auch Polka Dances sehr beliebt.

In the Sheboygan Press, Bill Wangemann reports about the Eagles Hall and other Sheboygan dance halls from the swing era. He talks about "hard time dances" during the depression which dancers attended in ragged clothes ridiculing their economic situation. At times, in Sheboygan county there were more than 50 dance halls presenting live orchestras, most of them local bands hardly known outside the region. In 1948, Duke Ellington played the Sheboygan Armory, admittance was 1.10 dollars if you wished to dance, 67 cents if you stayed in the balcony and just listened to the music. At the Playdium (the former Eagles Hall), Tex Beneke and Lawrence Welk performed, the latter for an admittance fee of 1.50 dollar. Due to the German background of the local population, polka dances were highly popular as well.

Jazz News, 2. Oktober 2006

Verdi Woodward

In der Los Angeles Times stellt Al Martinez Verdi Woodwards Autobiographie "Hope to Die" vor, die Geschichte eines Kriminellen, der wegen Raubs elf Jahre lang in den Gefängnissen von Folsom und San Quentin saß. Seit früher Jugend war Woodward heroinsüchtig, und das Buch handelt von der Sucht, den damit verbundenen Verbrechen und vom Jazz. Woodward hatte sich selbst das Saxophonspiel beigebracht und seinen Lebensmut während der Haft vor allem durch die Musik behalten. Nach seiner Entlassung habe er eine Weile in Clubs gespielt, dann aber habe ihn die Arthritis dazu gezwungen, das Instrument beiseitezulegen. Er schreibe Musik im Stil der 40er und 50er Jahre mit Jazzuntertönen und habe kürzlich die Musik zu einem Film über einen japanischen Saxophonisten in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager fertiggestellt.

In the Los Angeles Times, Al Martinez presents Verdi Woodward's autobiography "Hope to Die", the story of a criminal who served eleven years for robbery in the prisons of Folsom and San Quentin. Since his early youth, Woodward was a heroin addict, and the book tells of that, of the addiction-related crimes as well as of jazz. Woodward taught himself to play the saxophone and music kept him going throughout his long imprisonment. After prison he worked the clubs for a while, but then arthritis forced him to lay his instrument aside. He now writes music with jazz overtones in the style of the 40s and 50s, and he recently wrote the music for a film about a Japanese saxophone player locked away in an U.S. internment camp.

Jazz als Weltmusik / Jazz as World Music

Auf der Website Bloomfeld.com beschäftigt sich Mike Zwerin mit der weltweiten Austrahlung des Jazz. Ist das noch afro-amerikanische Musik, fragt er, ist "Eurojazz" einfach ein anderes Wort für weiß? Er beginnt mit einer Definition: "Jazz kann man als eine Kombination europäischer Formen und Instrumente und afrikanisch-basierender Grooves definieren. Damit sie den Namen Jazz verdient, muss die Musik wenigstens ein wenig Improvisation beinhalten, und sie muss swingen." Dann erklärt er, was groove sei und was swing, dass nach dem II. Weltkrieg tausende Musiker aus der ganzen Welt am Berklee College die Vokabeln und die Grammatik des Jazz gelernt hätten, dass die afrikanischen Wurzeln der Musik viele Zweige und Blätter erhalten und einige von diesen neue Wurzeln geschlagen hätten. Er führt konkrete Beispiele für solche neuen Wurzeln an, Burhan Ocal oder Okay Temiz etwa, Nguyen Le, Enrico Rava, Carlos Nunez. Dennoch sei New York nach wie vor die Welthauptstadt des Jazz. Als vor einigen Jahren in Rom die Casa del Jazz vom Bürgermeister mit 5 Millionen Euros gefördert wurde, habe es in Italien Vorwürfe gegeben, die Stadt unterstütze den amerikanischen Kulturimperialismus. "Jazz ist eine globale Sprache geworden", habe der Bürgermeister geantwortet. "Er mag in Amerika entstanden sein, aber hat verschiedene Einflüsse absorbiert, auch italienische. Jazz gehört heute der ganzen Welt."

On the website Bloomfeld.com, Mike Zwerin discusses the worldwide reception of jazz. Is it still an African-American music, he asks, is "Eurojazz" simply another word for white? He begins with a definition: "Jazz can be defined as a combination of European forms and instruments with an African-based groove. In order to be called jazz, the music has to have at least some improvisation, and it has to swing." Then he explains about groove and swing, tells how after World War II thousands of musicians from all over the world went to Berklee College to learn the grammar and vocabulary of jazz, that the African roots of the music have meanwhile developed branches and leaves that themselves sprouted new roots. He gives specific examples like Burhan Ocal or Okay Temiz, Nguyen Le, Enrico Rava, Carlos Nunez. Yet, New York still remains the world capital of jazz, he says. When a couple of years ago, the Casa del Jazz in Rome received a 5 million Euro funding from the city, the mayor was accused of supporting American cultural imperialism. He replied: "Jazz has become a global language. It may be American in origin, but it has been absorbing different influences, including Italian. Jazz belongs to all the world now."

John Coltrane

In der Globe and Mail (Toronto) versucht J.D. Considine den "langen Schatten" zu erklären, den John Coltrane in seiner kurzen Karriere auf die Musikwelt werfen konnte. Er habe den psychedelischen Rock der 60er Jahre genauso beeinflusst wie die Fusion-Musiker in den 70ern, Post-Punks in den 80ern, die Rapper in den 90ern oder Jam Bands heutzutage - von Jazzern mal ganz abgesehen. Es habe mit seinem Sound zu tun, meint Branford Marsalis, der ihm selbst ein wenig zu hell klinge, mit dem es ihm aber irgendwie gelungen sei Emotionen aufzubauen. "Er klingt, als würde er weinen", meint Marsalis, das sei Coltranes Waffe, sein Geheimnis, das nicht durch harmonische Analysen eruierbar sei. Marsalis meint, dass einige der Coltrane-Aufnahmen, die andere Musiker am meisten beeinflusst hätten, wohl eigentlich eher als musikalische Experimente denn als musikalische Statements gedacht gewesen wären. Joe Lovano schließlich streicht den Blues-Einfluss auf Coltranes Musik heraus: "Bei Coltrane ging es immer um dieses Bluesgefühl, das seine Musik nie verlassen hat. Es ging immer um diesen Schrei und darum Geschichten zu erzählen."

In the Globe and Mail (Toronto), J.D. Considine tries to explain the "long shadow" John Coltrane during his short career cast upon the music world. He influenced psychedelic rock of the 60s, writes Considine, fusion of the 70s, post punk of the 80s, rappers in the 90s and jam bands today - and of course jazz musicians all over that time. It has to do with his sound, explains Branford Marsalis. Coltrane sounds a bit too bright for his taste, he says, but he is able to create emotion through his tone. "He sounds like he's crying", says Marsalis, that is Coltrane's weapon, his secret which is hard to explain by means of harmonic analysis. Marsalis complains that some of Coltranes recordings most influential upon other musicians were originally meant as musical experiments more than as musical statements. Finally, Joe Lovano emphasizes the blues influence on Coltrane's music: "With Coltrane, that sense of the blues and that feeling never left his playing. It was always about that cry and telling stories."

Chris Botti

Adrian Chamberlain berichtet im Ottawa Citizen über den Trompeter Chris Botti, den Jazzkritiker allein deswegen nicht ausstehen könnten, weil er blond und gutaussehend sei und Smooth Jazz spiele. "Vor allem die englische Presse hasst mich" erzählt Botti, und Chamberlain zitiert zum Beweis gleich aus einer Rezension des Daily Telegraph, in der vor allem die Backgroundmusik-Qualitäten eines seiner Alben kritisiert wird. Chamberlain kann sich dieser Argumentation nicht ganz entziehen, versucht dann aber doch eine Rechtfertigung des Phänomens Botti. Der Trompeter habe sich immer stärker zur einfacheren Lyrik Miles Davis' hingezogen gefühlt als zur Komplexität eines Dizzy Gillespie. "Ich wollte auch als Jazzmusiker immer mit Popmusikern zusammenspielen, die ich mochte", sagt Botti, und das tat er bald, mit Sting, Joni Mitchell, Paul Simon und vielen anderen.

In the Ottawa Citizen, Adrian Chamberlain reports about the trumpeter Chris Botti whom jazz critics can't stand and if only because he's blond, handsome, and plays smooth jazz. "Especially the English press - they hate me", says Botti, and as a proof Chamberlain quotes from a Daily Telegraph review singling out the mostly background music qualities of one of his last albums. Chamberlain seems not to disagree, yet he tries to explain the phenomenon Botti. The trumpeter, he writes, always felt more at home with the simple lyricism of Miles Davis as opposed to the complexity of Dizzy Gillespie. "I wanted to be the jazz musician that was used by pop musicians that I respected", says Botti, and soon he was just that, playing with the likes of Sting, Joni Mitchell, Paul Simon and many others.

Jazz News, 1. Oktober 2006

Bernd Alois Zimmermann "Die Soldaten"

Stefan Keim berichtet in der Welt über Bernd Alois Zimmermanns Oper "Die Soldaten", die am 5. Oktober während der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle Bochum aufgeführt wird. Zimmermanns Oper wurde 1960 noch für "unspielbar" gehalten, mit ihrem 120 Musiker starken Orchester, einem Schlagzeugensemble, einer Jazzcombo und Sängern, die "ständig zwischen Sprech- und Gesangsstimme wechseln und enorme Intervallsprünge bewältigen müssen". Anklänge an Barockmusik, die musikalische Avantgarde und Jazzimprovisation finden ihren Platz in dem Werk, das auf dem Schauspiel von Jakob Michael Reinhold Lenz basiert. "Die Soldaten" wurden erst 1965 in Köln uraufgeführt, den Jazzpart der Premiere spielten damals die Musiker des Manfred Schoof Quintett. Wer diesen Part in der Neuauflage 2006 übernehmen wird, erzählt uns Keim nicht, versichert aber, dass Regisseur David Pountney die Handlung eher historisch eingerichtet und keine Bezüge zu aktuellen soldatischen Einsätzen vorgenommen hat.

For Die Welt, Stefan Keim reports about Bernd Alois Zimmermann's opera "Die Soldaten" which will be performed at the Ruhrtriennale festival at Jahrhunderthalle Bochum from October 5th. For a long time, Zimmermann's opera was considered "unplayable" with its orchestra comprising 120 musicians, a percussion ensemble, a jazz combo and singers who "had to constantly change between their speaking and singing voice and cope with enormous interval leaps". The composition contains reminiscences of baroque music as well as references to the musical avantgarde or jazz improvisation. It is based on a play by Jakob Michael Reinhold Lenz. "Die Soldaten" was finally premiered in 1965 in Cologne, and the jazz part of the piece was played by musicians from the Manfred Schoof Quintet. Keim does not let us know who will take up the jazz part in the new production, but he reassures us that stage director David Pountney will keep a historical approach and not make any references to current military operations.

Esbjörn Svensson (e.s.t.)

Ulrich Olshausen blickt für die FAZ auf das Trio des schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson, der in Jazzkreisen als Vorzeige-Europäer gehandelt wird und auch selbst mit geschwollener Brust meint: "Wir brauchen die Amerikaner nicht mehr auf den europäischen Festivals. Wir haben alles gehört." Die Amerikaner ärgern sich über solches aus ihrer Sicht verqueres Selbstbewusstsein europäischer Jazzmusiker, fürchten, ihnen würde die Interpretationshoheit des Jazz genommen; viele Europäer sind andererseits genervt davon, dass selbst zweitklassige amerikanische Musiker einen enormen Bonus bei Veranstaltern und Publikum zu haben scheinen. In einer kürzlichen Ausgabe des Down Beat schaffte es e.s.t. als erste europäische Band überhaupt auf das Cover des Magazins, und Olshausen erklärt diese Wahl durch den Erfolg des Trios bei Kritik wie Publikum. "Wir spielen Pop, der auch Jazz ist", zitiert er den e.s.t.-Bassisten Dan Berglund. Klassischen Sonatenschmelz konstatiert er in der Musik des Trios, impressionistische Stimmungen, aber auch mitreißende Rock-Grooves, technische Disziplin, unbändige Spiellust. "Eine akademische Lehrstunde der Vielseitigkeit ist das Werk des Trios jedenfalls nicht", schreibt er, "sondern Ergebnis eines Lebens ausschweifender Musikbegeisterung und harter Arbeit." Und doch scheint auch Olshausen überrascht von der Tatsache, dass das e.s.t.-Konzert im Londoner Barbican Center, das zweieinhalbtausend Besucher fasst, bereits heute ausverkauft ist.

For the FAZ, Ulrich Olshausen looks at the trio of the Swedish pianist Esbjörn Svensson who is known as a showpiece-European in jazz circles and who himself states selfconfidently: "We do no longer need the Americans at European festivals. We have heard everything." The Americans feel annoyed by such overtly expressed selfconfidence of European jazz musicians, they may not always like the idea of non-Americans thinking of themselves as on par with American musicians. Many Europeans, on the other hand, are irritated by the fact that even second class American musicians seem to have an enormous bonus with concert promoters and the audience. In a recent edition of Down Beat, e.s.t. was the first European band to make the cover of the magazine, and Olshausen explains this choice by pointing to the trio's success with critics as well as with the public. "We play pop which happens to be jazz as well", he quotes e.s.t. bassist Dan Berglund. Olshausen hears classical sonata cliches in the trio's music, impressionistic moods, but also exciting rock grooves, technical discipline, rampant joie de vivre. "The oeuvre of the trio may not be an academic lesson of versatility", he comments, "but it is certainly the result of a life of excessive musical enthusiasm and hard work." And yet even Olshausen seems surprised by the fact that the e.s.t. concert in London's Barbican Center, which holds an audience of two and a half thousand, has already been sold-out.

Eddie Gale

Shelah Moody berichtet für den San Francisco Chronicle über den Trompeter Eddie Gale, der in seiner Karriere mit Kollegen wie Miles Davis, Cecil Taylor und Sun Ra gespielt hat. Der vor 65 Jahren in Brooklyn geborene Gale wurde 1974 vom Bürgermeister zum Jazzbotschafter der Stadt San Jose ernannt, in der er seit 1972 lebt und erhält jetzt den Jefferson Award für sein Lebenswerk. Er ist aktiv in der Jazzpädagogik, gibt Workshops und geht in Schulen. Gale selbst hatte Unterricht bei Kenny Dorham gehabt, zählt zu seinen Mentoren Musiker wie Taylor, Ra, Illinois Jacquet und Sonny Stitt. Dieser Kontakt zu großen Musikern sei für ihn ungemein wichtig gewesen und hierauf basiere auch seine Philosophie einer Jazzausbildung für junge Leute. Im September hatte er in San Jose ein "Concert for World Peace and Peace Poetry Contest" durchgeführt, auf das er besonders stolz ist. Es sei wichtig, dass junge Leute erführen, dass es auch in ihrer Nachbarschaft Menschen gäbe, die nicht nur über Weltfrieden reden, sondern etwas tun. Nur das könne die jungen Leute dazu ermutigen, selbst etwas zu tun in dem Feld, in dem sie später einmal wirken, wenn sie erwachsen sind.

For the San Francisco Chronicle, Shelah Moody reports about the trumpeter Eddie Gale who played with colleagues such as Miles Davis, Cecil Taylor and Sun Ra in his career. Brooklyn born 65 year old Gale was named ambassador of the city of San Jose by its mayor in 1974 and now receives the Jefferson award for his lifetime achievements. He lives in that city since 1972. Gale is active in jazz education, organizes workshops and goes into the schools. Gale himself was taught by Kenny Dorham, among his mentors are musicians such as Taylor, Ra, Illinois Jacquet and Sonny Stitt. This contact with great musicians is very important, thinks Gale, and it is at the base of his own jazz education philosophy for young people. In September he had organized a "concert for world peace and peace poetry contest" in San Jose of which he is especially proud. "The incentive is to get young people to understand that in their lives and in their communities, there are people who don't just talk about it, but do something to try to create world peace. We hope that some of the young people, when they become adults and go into their chosen fields, that they will help make better decisions about life because of having some kind of involvement."

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