Jazzbrief
aus Darmstadt Dezember 2010 |
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31. Dezember 2010 |
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--- Vorab Eigentlich sollte ein Jahresrückblick kurz und zusammenfassend sein. So nach dem Motto: Viel zu tun, aber alles geschafft, kurz verschnaufen, auf zu neuen Ufern! Das aber ist uns noch nie gelungen, und außerdem hat unser Jahresrückblick durchaus auch den Hintergrund, diejenigen unter den Nutzern des Jazzinstituts, die nur eine Seite unserer Arbeit kennen, auch mal über andere Seiten unserer Aktivitäten zu informieren. Also ist es wieder eine lange Mail geworden. Wir werden allerdings nicht abfragen beim nächsten Anruf, fühlen Sie sich also nicht genötigt jetzt alles von oben bis unten zu lesen. Picken Sie sich raus, was Sie interessiert; vielleicht waren Sie bei dem einen oder anderen Projekt ja selbst mit uns in Kontakt. Wie der Rest der Republik wurde auch Darmstadt über Weihnachten vom Schnee mit einer weißen Decke geschmückt, was sich auf dem Jagdhof vor dem Jazzinstitut besonders schön ausmacht, wo der in Bronze gegossene Little Walter auf seiner Ziegelfrisur einen zusätzlichen weißen Helm erhält, die blattlosen Platanen von einer Eisschicht überzogen und alle zufälligen Spaziergänger in dicke Wollmäntel eingemummelt sind. 2010 ist "Arbeitnehmerweihnachten", die Arbeitszeit zwischen den Jahren also länger als meist, was von Besuchern durchaus gern genutzt wird, die sonst keine Zeit finden würden, mal im Institut "hereinzuschneien". Die Kisten füllen die Flure und eigentlich sollten wir uns daran machen, sie systematisch auszupacken, zu katalogisieren und zugänglich zu machen. Aber wir sind nun mal weit mehr als "nur" Archiv, deshalb wird die reine Archivarbeit immer wieder von anderen Projekten unterbrochen. Von diesen soll unser Jahresrückblick berichten, der gute Tradition geworden ist und uns erlaubt, einen Blick darauf zu werfen, was im Jahr gelaufen ist, ob wir erreicht haben, was wir erreichen wollten, welche Projekte es uns gelang anzuschieben und welche Ergebnisse dabei herauskamen. Uns hilft dieser Jahresrückblick, den Schreibtisch im Kopf ein wenig aufzuräumen. Ihnen, geneigte Leser, gibt er vielleicht ein wenig Einblick in all das "andere", das wir auch noch so treiben hier in Darmstadt, im Bessunger Kavaliershaus mit der Wettertrompete auf dem Dach und dem in Bronze gegossenen und Mundharmonika spielenden Little Walter vor der Tür. Unsere Website <www.jazzinstitut.de> zeigt die unterschiedlichen Facetten unserer Arbeit. Unser tägliches Geschäft ist die lokale und regionale Kulturarbeit, die nationale und internationale Lobbyarbeit für den Jazz, die Jazzforschung im weitesten Sinne. Wir nehmen Beraterfunktionen für ganz unterschiedliche Gremien wahr, sind international ein gefragtes und anerkanntes Forschungszentrum und sowieso bekannt dafür, dass Antworten aus Darmstadt schnell kommen und verlässlich sind. Tatsächlich aber sind diese ganz unterschiedlichen Seiten unserer Arbeit vielen unserer Nutzer kaum bekannt -- ob dies nun Besucher unserer Konzerte sind, Musiker, Veranstalter, Musikwissenschaftler oder Forscher aus aller Welt. Oft genug hören wir die Frage: "Was macht Ihr eigentlich den ganzen Tag?" -- nicht vorwurfsvoll oder zweifelnd, ob unsere Arbeit wohl sinnvoll sei, sondern einfach nur neugierig, womit man sich wohl beschäftigt, wenn man in einer solch einmaligen Einrichtung arbeitet. Hier also sind ein paar Antworten auf diese Frage … |
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Inhalt
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Wie seit vielen Jahren gehört der Freitagabend im Jazzinstitut den Konzerten. Tatsächlich hat sich der Gewölbekeller im Bessunger Kavaliershaus zu einem der beliebtesten Jazzclubs in der Region (und darüber hinaus) entwickelt, in den die Besucher kommen, egal ob sie wissen, was sie erwartet oder ob sie sich überraschen lassen wollen. Die Konzerte im Gewölbekeller werden teils von uns, teils vom Förderverein Jazz in Darmstadt organisiert, einem von uns völlig unabhängigen Verein. Trotz Sommerpause kamen wir 2010 gemeinsam auf 40 Konzerte im Gewölbekeller, dazu drei Openair-Auftritte vor dem Jazzinstitut und verschiedene Veranstaltungen anderswo. Für uns ist die Zusammenarbeit mit dem Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V. immer noch ein gelungenes Beispiel für die Kooperation einer städtischen Institution mit einem sehr aktiven lokalen Kulturverein. Vom musikalischen Geschmack her blasen wir alle offenbar ins selbe Horn, wie wir immer wieder erfahren, wenn das Publikum nicht immer so ganz weiß, wer von beiden eigentlich der Veranstalter des besuchten Konzerts war. In den meisten Fällen, räumen wir freimütig und zugleich ein wenig stolz ein, war das der Förderverein Jazz, der uns 2010 mit den allmonatlichen Bessunger Jam Sessions beschenkte, daneben aber auch mit herausragenden Konzerten, etwa der Band Jan Klare 1000, des Christoph Thewes Quintett, einem phänomenalen Duoabend mit Peter Brötzmann und Jörg Fischer, der Band Change Request, dem Ditzner/Lömsch Duo, dem Trio Kyrill um Achim Kaufmann, Valdi Kolli und Jim Black, dem Allan Praskin Quartet featuring Wilson D'Oliveira sowie mit den in der Region aktiven Musikern um Jürgen Wuchner, Uli Partheil, Michael Bossong und all den anderen, die u.a. im Projekt "Outlook '10" gleich zweimal zu hören waren. Daneben spielte Stephanie Wagner im Duo mit der Pianistin und Sängerin Karmen Mikovich, bot Michael Boettgers Stone Circle Folk & Jazz und stellte die Black & White Cooperation ihren langjährigen Perkussionisten Tom Nicholas heraus. Unsere eigenen Konzerte umfassten diesmal sieben JazzTalk-Veranstaltungen. Im Februar begannen wir mit dem Trio des jungen Pianisten Pablo Held, der zurzeit mit seinen Veröffentlichen für Furore sorgt. Im März hatten wir das Trio Ivoire mit dem Pianisten Hans Lüdemann, dem Balafonspieler Aly Keita und dem Schlagzeuger Chander Sardoje zu Gast. Im April machten uns fast der Tod des polnischen Präsidenten bei einem Flugzeugabsturz und der Ausbruch des isländischen Vulkans unaussprechlichen Namens einen Strich durch die Rechnung, als wir (in Kooperation mit dem Deutschen Polen Institut) Adam Pieronczyks aktuelles Quartett einluden. Letztlich kamen sie pünktlich an, mussten allerdings statt mit dem Flieger mit dem Bus zurück nach Krakau reisen. Nach einer langen Sommerpause feierten wir am 1. und 2 Oktober unser 20jähriges Jubiläum mit einem Doppelkonzert des Klarinettisten Rolf Kühn, der mit seinem "Tri-O", einer Band junger Berliner Musiker nach Darmstadt kam, wunderbar spielte und im JazzTalk sowie der Vorstellung seiner von Maxi Sickert mitverfassten Autobiographie Rede und Antwort stand -- Maxi war ebenfalls mit von der Partie. Im Oktober war dann noch das Trio der Sängerin Christiina Tuomi mit Carsten Daerr am Klavier und Carlos Bica am Kontrabass beim JazzTalk zu hören. Im November luden wir das Trio 120 mit den Brüdern Wolfgang und Dietmar Fuhr sowie dem Pianisten Florian Ross ein. Und im Dezember machte das Schlippenbach Trio mit Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens auf ihrer legendären "Winterreise" Station in Darmstadt und gab bereitwillig beim JazzTalk Auskunft darüber, dass auch freie Musik swingt. Das Konzert mit Rolf Kühn wurde übrigens von unserem Medienpartner HR2 Kultur mitgeschnitten und im Dezember in zwei Sendungen ausgestrahlt, wobei unser Haussender nicht nur die Musik, sondern auch den JazzTalk und die lobenden Worte unseres Oberbürgermeisters zur 20-jährigen Arbeit des Instituts brachte. Der Gewölbekeller des Jazzinstituts wird außerhalb von Konzerten von Bands zum Proben genutzt. Uli Partheil gibt hier regelmäßig Unterricht, und die Sängerin Ulrike Leifels probt hier mit ihrem Projektchor "mixed vocals". |
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Anfang des Jahres setzten sich die Leiter der drei städtischen Musikinstitute in Darmstadt, Thomas Schäfer vom Internationalen Musikinstitut, Cord Meijering von der Akademie für Tonkunst und Wolfram Knauer vom Jazzinstitut Darmstadt zusammen und beschlossen, sich zukünftig immer mal wieder gemeinsam zu präsentieren. Die Kooperation begann mit einer neuen Vortragsreihe, den "Darmstädter Musikgesprächen". In dieser Reihe solle gezeigt werden, dass die Forschung in den städtischen Instituten keinesfalls in Elfenbeintürmen stattfände; man wolle den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt ein wenig Einblick in die Dinge geben, die in diesen Instituten das Jahr über so erforscht werden. 2010 begannen wir mit vier Musikgesprächs-Terminen, alle im Literaturhaus: Am 17. Februar berichtete Michael Custodis über Wolfgang Steinecke, den Gründer der Ferienkurse für Neue Musik. Am 15. April referierte Rüdiger Ritter über seine Forschungen zu Widerständigkeit und künstlerischer Autonomie des Jazz im Ostblock. Am 27. Oktober stellte Cord Meijering seine Arbeit mit der Kompositionsklasse für Kinder und Jugendliche an der Akademie für Tonkunst vor. Die für den 8. Dezember geplante Vorstellung gleich zweier Bücher über Louis Armstrong (Autoren: Stephan Schulz, Wolfram Knauer) musste aus persönlichen Gründen eines der Vortragenden auf den 26. Januar 2011 verschoben werden. 2011 wird es fünf bis sechs Termine der Darmstädter Musikgespräche geben, außerdem erstmals eine gemeinsame Neujahrspressekonferenz der drei städtischen Musikinstitute. |
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Die Messe JazzAhead, 2006 zum ersten Mal durchgeführt, hat sich mittlerweile als der europäische Umschlagplatz für Informationen und als Kontaktbörse etabliert, und selbstverständlich sind wir von Anfang an mit dabei. 2010 waren wir dabei gleich mehrfach präsent. Zum einen hatten wir unseren eigenen Stand, an dem man Einblicke in unsere Arbeit erhalten, mit allen Kollegen des Jazzinstituts plaudern und -- auch dank der Anwesenheit von Sara Barth und Charlotte Schick -- außerdem den "nettesten" Kaffee der Messe trinken konnte (den "besten" gab's am österreichischen Stand). Zum zweiten waren wir auch 2010 wieder Mitausrichter des German Jazz Meeting, das vom gleichnamigen Verein (www.germanjazzmeeting.de) organisiert wird, dessen Vorsitzender Arndt Weidler vom Jazzinstitut ist und der seinen Sitz im Bessunger Kavaliershaus in Darmstadt hat. In einem Vortrag vor vom Goethe-Institut eingeladenen Goethe-Mitarbeitern und Multiplikatoren aus dem Jazzbereich gab Wolfram Knauer einen Einblick in die deutsche Jazzgeschichte und das heutige Selbstverständnis des Jazz in Deutschland. Bremen ist für uns alljährlich ein wichtiger Termin, bei dem wir viele Kollegen, Musiker, Agenten, Journalisten und sonstige im Jazzgeschäft Aktive treffen, viele neue Anregungen, aber durchaus auch hilfreich-kritische Reaktionen auf unsere Arbeit erhalten. Auch 2011 werden wir vom 28. April bis 1. Mai wieder mit dabei sein in Bremen. |
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Das Jazzinstitut ist eine städtische Einrichtung, und als eine solche wirken wir selbstverständlich in der Stadt, in der wir leben und arbeiten. Das tun wir insbesondere mit den Konzerten im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut, das können wir aber nur im Rahmen von Kooperationen, die wir immer wieder anstreben, um uns auch in der Kulturszene unserer Stadt klar zu vernetzen. Der Verein zur Förderung des zeitgenössischen Jazz in Darmstadt e.V. (kurz: Förderverein Jazz) steht seit Jahren an erster Stelle unserer Kooperationspartner -- ohne den aktiven Darmstädter Verein, der nicht nur unseren Keller aktiv mit Musik füllt, sondern auch bei unseren eigenen Konzerten für das leibliche Wohl der Gäste sorgt, wären viele unsere Konzertaktivitäten nicht möglich. Zusammen mit dem Förderverein Jazz und der Stadtkirche Darmstadt veranstalteten wir am 30. Oktober einen bemerkenswerten Workshop, das "Klangbad der 100 Stimmen", bei dem die Vokalistin Gabriele Hasler mit tatsächlich fast 100 Teilnehmern, die ganz dezidiert keine große Sangeserfahrung mitzubringen hatten, einen Nachmittag lang arbeitete, um am Abend ein eindrucksvolles Konzert zu geben, bei dem improvisierte und von Hasler angeleitete Chorpartien sich mit Soloimprovisationen der Sängerin ablösten. Die Darmstädter Musikgespräche hatten wir bereits angesprochen, die als eine Kooperation der drei städtischen Musikinstitute 2010 mit vier Termine an den Start gingen. Neben dem Jazzinstitut sind dabei das Internationale Musikinstitut sowie die Akademie für Tonkunst mit an Bord. Die Darmstädter Jazz Conceptions fanden 2010 zum mittlerweile 19. Mal statt. Der künstlerische Leiter des eingespielten Workshops, der Darmstädter Kontrabassist Jürgen Wuchner, bereitete den Workshop diesmal teilweise von seiner zeitweiligen zweiten Heimat aus vor: Seit anderthalb Jahren verbringt er eine Teil des Jahres in Dakar, Senegal, von wo er oft genug, auch während des Workshops, begeistert berichtet. Wie immer fand der Workshop selbst im Kulturzentrum Bessunger Knabenschule statt, das bei dieser Kooperation ohne Zweifel der aktivste Kooperationspartner ist. Fünf Ensembles, ein Großensemble, fast 60 Teilnehmer und sechs Dozenten -- das bedarf etlicher Vorbereitungen: Von gestimmten Klavieren in allen Gruppenräumen über Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bis hin zur Organisation der abendlichen Konzerte haben die Kollegen der Knabenschule in dieser Woche alle Hände voll zu tun. Am Abend spielten die Musikerinnen und Musiker an Spielorten in ganz Darmstadt bei Sessions auf, bei denen meist bereits Zwischenergebnisse der täglichen Arbeit vorgestellt wurden; am Freitag und Samstag folgten fulminante Abschlusskonzerte sowohl der einzelnen Ensembles als auch eines mit an die 25 Musikern besetzten Großensembles sowie der Dozenten. Wir versuchen bei den Dozenten immer eine Mischung als altbekannten und neuen Gesichtern. 2010 zählten dazu Jürgen Wuchner, der Darmstädter Pianist Uli Partheil, der Gitarrist Martin LeJeune, der Trompeter Stephan Meinberg, die Saxophonistin Angelika Niescier sowie der Perkussionist Günter 'Baby' Sommer, der in diesem Jahr das Großensemble leitete sowie einen morgendlichen Rhythmikkurs für alle Teilnehmer gab. Ein wichtiger Partner bei unseren Konzertveranstaltungen ist seit vielen Jahren die Kanzlei v. Minkwitz, Erdl, Kochenburger in Frankfurt, die uns finanziell unterstützt und damit die Konzerte unserer JazzTalk-Reihe ermöglicht. In der jüngst erschienenen Online-Ausgabe von Legal Image findet sich ein Kurzportrait Christoph Kochenburgers verbunden mit einem Artikel über "Darmstadt und die Welt des Jazz", Aktivitäten also, zu denen seine Kanzlei über die letzten Jahre einiges beigetragen hat. Weitere Kooperationspartner, mit denen wir 2010 an verschiedenen Projekten eng und erfolgreich zusammenarbeiten konnten, waren das Kulturzentrum Die Fabrik in Frankfurt, das Deutsche Polen Institut, sowie der Landesmusikrat Hessen, der eines seiner Preisträgerkonzerte im April im Gewölbekeller unterm Jazzinstitut präsentierte. Allen unseren Partnern sei an dieser Stelle für die Unterstützung unserer Arbeit und die gelungene Zusammenarbeit von Herzen gedankt. |
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Die Galerie im Obergeschoss des Bessunger Kavaliershauses zeigt seit einigen Jahren regelmäßige Ausstellungen. Doris Schröder, die unsere visuelle Sammlung betreut und auch die Ausstellungen organisiert, will dabei sowohl ein eigenes Profil der Galerie verwirklichen, etwa in unserer neuen Ausstellungsreihe "Deutsche Jazzfotografen", als auch Künstlern der Region die Gelegenheit geben, sich in einem kleinen, aber angemessenen Rahmen zu präsentieren. 2010 waren hier vor allem drei Ausstellungen zu sehen: Von April bis Juni "Jazzimpressionen. Malerei von Mira und Alex Fleischer", eine Ausstellung, die zugleich einer der Programmpunkte unseres Polenschwerpunkts im April war, zu dem außerdem Rüdiger Ritter einen Vortrag hielt und Adam Pieronczyk mit seinem Quartett im Konzert zu erleben war. Fleischer hatte in den 1960er Jahren das Festival Jazz nad Odrą mitorganisiert, entsprechend zeigte das Jazzinstitut neben den Bildern der beiden Fleischers auch Programmhefte, Fotos und sonstige Dokumente über dieses legendäre Festival in Breslau. Von Oktober bis November gab es die erste Ausstellung unserer Reihe "Deutsche Jazzfotografen" mit Fotos von Jörg Becker. Zur Ausstellung erschien als erster Band einer neuen Reihe ein 48-seitiger Katalog, gesponsert von der Firma Merck und den Kulturfreunden Darmstadt. Von November bis Januar 2011 schließlich sind in der Galerie noch Bilder zu sehen, die vier Künstlerinnen während einer Musik- und Kunstperformance des Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) im November im Jazzinstitut sowie in der Kirche St. Elisabeth geschaffen hatten, eine Aktion mit dem schönen Titel "Interdisziplinäre Reaktionskette".
In der Regionalgalerie des Regierungspräsidiums Darmstadt fand von Ende Juni bis August außerdem eine Ausstellung mit Fotos von Leander Lenz und Thomas Wunsch statt, ebenfalls eine Kooperation mit dem Jazzinstitut. Doris Schröder hielt die Einführung zu den Fotos von Leander Lenz und verfasste Texte zu den Katalogen. In den letzten Jahren haben wir zwei Wanderausstellungen konzipiert, die von Clubs, Festivals und anderen Interessenten ausgeliehen werden können. Die Ausstellung "One Tension. Albert Mangelsdorff", 2009 beim 11. Darmstädter Jazzforums erstmals vorgestellt, war 2010 u.a. in Frankfurt (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst) zu sehen, die Ausstellung "Jazz Changes" in Frankfurt sowie beim Festival der Swingorchester Brandenburg. Noch immer (und wegen des großen Interesses offenbar noch auf einige Jahre) tourt unsere Ausstellung "Deutscher Jazz / German Jazz" in zwei Exemplaren für das Goethe-Institut durch die Welt und machte 2010 Station unter anderem in Kuala Lumpur (Januar), Mexiko (Januar/Februar), Bangkok (Februar), Manila (Februar/April), Jakarta (Mai/Juni), Guayaquil (August), Teheran (September), Quito (September/Oktober), Kalkutta (November), Bagalore (Dezember) und vielen anderen Regionen. Anfang 2011 wird sie unter anderem in Karachi (März/April), Lahore (April/Mai) und Ljubljana (April/Mai) zu sehen sein. Im Dezemberheft des Veranstaltungsmagazins Times Out Bengaluru findet sich ein Bericht über die Ausstellung in Bangalore (dessen Überschrift uns allerdings nicht so ganz einleuchtet). Exponate aus dem Fundus des Jazzinstituts waren von April bis August in der Ausstellung "We Want Miles" im Montreal Museum of Fine Arts zu sehen, einer exzellenten Schau zu Musik und Leben von Miles Davis, die von der Pariser Cité de la Musique konzipiert wurde. Von Mai bis Juni waren etliche Exponate aus Darmstadt, darunter viele Plakate, aber auch LP-Hüllen etc. bei einer großen Peter-Brötzmann-Ausstellung in der Galerie The Narrows in Melbourne, Australien, zu sehen. |
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2010 waren wir wieder einmal recht fleißig, was unsere eigenen Publikationen anbetraf. Unser Wegweiser Jazz, die 400-seitige Übersicht über die deutsche Jazzszene, erschien in neuester Auflage bereits im Herbst 2009, war aber auch 2010 das wohl meist-bestellte Buch des Jazzinstituts, das tatsächlich auch nur bei uns zu beziehen ist Im Herbst erschien der mittlerweile 11. Band unserer Buchreihe Darmstädter Beiträge zur Jazzforschung, in der wir die Vorträge der alle zwei Jahre stattfindenden Darmstädter Jazzforen veröffentlichen. 2009 war es um Albert Mangelsdorff gegangen; entsprechend heißt Band 11 Albert Mangelsdorff. Tension / Spannung. Es ist nicht so sehr eine Mangelsdorff-Biographie, obwohl sich auch viel Biographisches darin findet, als vielmehr eine Festschrift, Albert zu Ehren. Seiner Musik und seinem Leben widmen sich Beiträge etwa von Wolfgang Sandner, Wolfram Knauer, Harald Justin, Michael Rieth, Jürgen Schwab und Michael Rüsenberg. René Grohnert beleuchtet Jazzplakate von Günter Kieser und Niklaus Troxler; Rüdiger Ritter befasst sich mit Krzysztof Komeda und dem polnischen Jazz (im Vergleich zur Frankfurter Szene); Martin Pfleiderer untersucht vokale Expressivität im instrumentalen Jazz; Kai Stefan Lothwesen fragt nach Diversität im europäischen Jazz; Harald Kisiedu beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Musik und Politik bei Peter Brötzmann; Silvana Figueroa-Dreher fragt, was die Soziologie vom Free Jazz lernen kann, und William Bares beschäftigt sich in seinem durchaus streitbaren Beitrag mit der deutschen Jazzidentität des "Young German Jazz". Das ganze ist durchsetzt mit vielen Fotos, und wenn der Reihentitel auch etwas wissenschaftlich klingt, achten wir immer darauf, dass die Beiträge auch für den interessierten Laien lesbar bleiben. Albert Mangelsdorff. Tension / Spannung erschien im Wolke-Verlag, Hofheim, und ist über den Buchhandel zu beziehen. Zu unserem 20jährigen begannen wir eine neue Buchreihe über Deutsche Jazzfotografen, die über die nächsten Jahre ausgewählte Ausstellungen im Jazzinstitut begleiten soll. Der erste Band, herausgegeben von Doris Schröder und gestaltet von unserem Haus- und Hofgrafiker Roland Stein, ist den Bildern Jörg Beckers gewidmet. In ihm sind nicht nur sämtliche in der Ausstellung zu sehenden Fotos sehen, Becker erzählt darüber hinaus selbst Anekdoten zu den einzelnen Fotos oder den auf ihnen abgebildeten Künstlern. Das 48-seitige Buch ist im Eigenverlag des Jazzinstituts erschienen und bei direkt uns oder über den Buchhandel zu beziehen. Im Frühjahr erschien in der (ehemals gelben, jetzt für Sachbücher magenta-blauen) Reihe der Universal-Bibliothek des Reclam-Verlags Wolfram Knauers Biographie des ersten großen Jazzmusikers mit dem simplen Titel Louis Armstrong. Das über 200-seitige Büchlein begleitet Leben und Werk des Trompeters und versucht auch Biographisches immer in der Musik zu begründen. "Elegant und geschmeidig" charakterisiert Heinz Zietsch den Stil des Buchs im Darmstädter Echo; das "faktenpralle Büchlein im Oktavformat" sei "locker geschrieben und mit saftigen Anekdoten gewürzt", schreibt Hans Hielscher im Spiegel. Die Welt lobt, die Biographie sei "gleichermaßen Epochenporträt, Werkregister und die Schilderung der musikalischen Emanzipation schwarzer Amerikaner". Das Buch hat immer noch Hemdentaschenformat und ist im Buchhandel erhältlich. Doris Schröder schrieb die Einleitung zu den beiden von Claudia Greb herausgegebenen Katalogen der Regionalgalerie Darmstadt: Leander Lenz. Musikerportraits sowie Thomas Wunsch. Photography; Wolfram Knauer schrieb das Vorwort zu Richie Quirinos Buch Contemporary Jazz in the Philippines, 1970-2010. Knauer ist nach wie vor als Mitherausgeber des US-amerikanischen Fachjournals Jazz Perspectives tätig, das dreimal im Jahr erscheint. Schließlich sind auch 2010 etliche Bücher erschienen, an denen das Jazzinstitut zumindest indirekt beteiligt war, weil die Autoren selbst in Darmstadt recherchiert oder von Darmstadt aus Hilfestellungen für ihre Recherchen erhalten hatten. Zu diesen Büchern zählt beispielsweise Wolfgang Sandners Miles Davis. Eine Biographie (Rowohlt Verlag); Regine Beyers Abendkleid und Filzstiefel. Die Jazzpianistin und Diseuse Peggy Stone (Aviva); Robin D.G. Kelleys Thelonious Monk. The Life and Times of an American Original; Jørgen Mathiasens Scandinavian Wood. Niels-Henning Ørsted Pedersens musikalske løbebane i lyset af hans diskografi (Books on Demand); das von Jens Müller herausgegebene Buch Philips-Twen. Der tonangebende Realismus (Lars Müller Publications);Christian Broeckings Ornette Coleman. Klang der Freiheit. Interviews (Broecking Verlag), Herbie Hancock. Interviews (Christian Broecking Verlag) und Sonny Rollins. Improvisation und Protest. Interviews (Christian Broecking Verlag) sowie Maxi Sickerts Clarinet Bird. Rolf Kühn. Jazzgespräche (Christian Broecking Verlag), das die Autorin im Oktober zusammen mit Rolf Kühn auch im Jazzinstitut vorstellte. Des Weiteren wird das Jazzinstitut ausführlich erwähnt in der Dissertation von Juan C. Zagalaz über Innovaciones melódico armónicas en la improvisación jazzistica. Un recorrido a través de Body and Soul (1935-1945) (Universidad de Jaén/Spanien). Die hier gelisteten Bücher fielen uns auf, weil uns konkret im Vor- oder Nachwort für unsere Unterstützung gedankt wurde. Da das Jazzinstitut seit langem erste Anlaufstelle für Forscher aus aller Welt ist, ist die Liste der Publikationen, zu denen wir wenigstens ein klein wenig mit unserem Fachwissen beitragen, natürlich noch weit länger. |
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Im letzten Jahresrückblick berichteten wir davon, dass wir begonnen hatten, Teile unserer Sammlung, insbesondere die Schellackplatten, für eine Auslagerung vorzubereiten. Es hat das ganze Jahr gedauert, bis endlich ein geeigneter Lagerplatz gefunden wurde, also ein sicherer und klimatisch akzeptabler Lagerraum, an dem wir nicht nur die Schellackplatten, sondern auch etliche Videobändern und Tonbandkassetten, Teile unseres Doppelbestandes aus Schallplatten und Zeitschriften und anderes mehr unterbringen werden. Der Mietvertrag ist unterschrieben, und wir planen im Januar 2010 die ersten Kisten umzuziehen und so im Bessunger Kavaliershaus ein wenig mehr Platz in den Regalen zu schaffen. Das Material, das von unseren Besuchern regelmäßig benutzt wird, wird auch weiterhin im Jazzinstitut selbst einsehbar sein. Auslagern werden wir nur selten genutzte Archivbestände, die wir zum größten Teil erfasst haben, so dass sie wir bei Bedarf schnell abrufen können. Auch 2010 aber haben wir zusätzliche Sammlungen entgegengenommen, Schenkungen zum Teil, zum Teil auch Nachlässe, die Lücken füllten oder uns bei unserer Arbeit enorm halfen. Dazu zählten etwa Hunderte von Jazz-Videokassetten aus der Sammlung des verstorbenen Schlagzeugers Klaus Weiß, ein Sammelsurium an Jazzfilmen und Jazzsendungen, die Weiß aus dem Fernsehen überspielt und sorgfältig katalogisiert hatte. Über 550 Videobänder mit ähnlichen Mitschnitten erhielten wir aus der Sammlung des verstorbenen Sammlers Ulrich Schoenfeld, an uns übergeben durch seine Frau. Wir übernahmen die CD- und LP-Sammlung von Otmar Oed, einem Sammler, der sich vor allem auf Bigbands spezialisiert hatte und dessen Schenkung nun auch diesen Bereich in unserem Archiv recht eindrucksvoll abdeckt. Von Klaus Hartwig aus Toronto übernahmen wir etliche Tonbänder mit Mitschnitten deutscher Bigbands aus den 1950er und vor allem 1960er Jahren, außerdem viele Plakate, Fotos, Programmhefte, Bücher und anderes mehr. Alexandra von Staden übergab uns aus dem Nachlass ihres Vaters Dietrich von Staden 36 Tonbandspulen mit eigenen Konzertmitschnitten von Jazz- und vor allem Bluesmusikern. Schließlich erhielten wir aus dem Nachlass von Annalise Hauptmann, der Schwiegertochter von Gerhard Hauptmann, eine größere finanzielle Zuwendung, die wir unter anderem für eine Generalüberholung und Ergänzung unserer HiFi-Geräte benutzten. Des Weiteren erhielten wir kleinere Sammlungen, Noten, historische Programmhefte und Plakate, Bücher, Zeitschriften, Schallplatten und CDs von etlichen Sammlern und Freunden des Jazzinstituts, die wissen, dass diese bei uns gut aufgehoben sind. An dieser Stelle macht es vielleicht Sinn, noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir grundsätzlich an Dokumenten insbesondere zur deutschen Jazzgeschichte interessiert sind. Oft ist Sammlern, Musikern, Veranstaltern, Agenten oder sonst mit dem Jazz Befassten gar nicht bewusst, dass Fotos, Noten, Briefe, Programmhefte, Plakate, alte Zeitschriften, Zeitungsausschnitte oder sonstige Dokumente in ihrem Besitz für andere von Interesse sein könnten. Bevor Sie also den Papiercontainer öffnen, wenden Sie sich an uns! Und sollten Sie in Ihrem Bekanntenkreis von jemandem wissen, der solche Erinnerungsstücke besitzt, lassen Sie ihn oder sie von unserer Existenz wissen. Es ist wirklich jammerschade, wieviel spannendes Material verloren geht, weil die Besitzer der Meinung waren, das interessiere wohl eh niemanden. Unser Interesse gilt dabei auch Noten: Kompositionen, Skizzen, Arrangements, Bandbücher und vieles mehr kann Forschern im Jazzinstitut helfen, die Entwicklung der Musik mit Hilfe konkreter Dokumente nachzuvollziehen. Lassen Sie also insbesondere auch Musiker in Ihrem Umfeld von unserem Interesse wissen. |
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Wir hatten im letzten Jahresrückblick von der neuen Datenbank berichtet, die über kurz oder lang die doch noch recht selbstgestrickten Seiten des "Wegweisers Jazz" ersetzen soll. Unsere Ankunft im "Web 2.0" hatten wir großspurig fürs erste Quartal 2010 angekündigt; aber damit wurde es bislang noch nichts. Es ist aber in Arbeit, und (ein wenig verschämt) wiederholen wir einfach die Ankündigung von letztem Jahr: Der Wegweiser Jazz wird im ersten Quartal 2011 in die neue Online-Datenbank einfließen, in der dann Clubs, Initiativen, Festivals, aber auch Musiker, Journalisten, Plattenlabels und sonstige mit dem Jazz verbundene Professionelle ihre Daten selbst pflegen können. Unser digitales Archiv wächst genauso schnell wie das physische. Statt Fotokopien fertigen wir in der Regel Scans von Artikeln, die wir dann auf Nachfrage an interessierte User versenden können. Mit dieser "Puzzle"-Technik haben wir uns schon einen recht großen Bestand an wichtigen Artikeln und Informationen über den Jazz "zusammen-digitalisiert" und zugleich im Jazz-Index "verkartet", einer weltweit einzigartigen (weltweit genutzten und weltweit gelobten) bibliographischen Datenbank zum Jazz. Zu den weiteren Online-Angeboten des Jazzinstituts ist unser Jazzbrief zu zählen, der über Aktivitäten des Jazzinstituts berichtet, aber auch Fragen beantwortet, die uns so oft gestellt werden, dass wir meinen, eine "öffentliche" Beantwortung würde Sinn machen. Vor allem sind unsere Online-JazzNews weit über Deutschland hinaus beliebt -- sicher auch, weil wir sie zweisprachig, also in einer deutsch- und einer englischsprachigen Version herausbringen. 2010 haben wir das Online-Erscheinungsbild der JazzNews ein wenig modernisiert, veröffentlichen sie also jetzt in Blog-Form, und es ist uns im zweiten Halbjahr gelungen, die JazzNews regelmäßig jeden Mittwoch an mehrere Tausend Empfänger überall auf der Welt zu versenden. Hintergrund der JazzNews war ursprünglich, dass wir möglichst viele am Jazz Interessierte auf unsere vielfältigen Aktivitäten aufmerksam machen wollten. Insbesondere die internationalen Leser der JazzNews schätzen aber auch, dass sie durch unseren Newsletter beispielsweise über europäische Musiker informiert werden, die in der englischsprachigen Jazzpresse kaum vorkommen. Und tatsächlich entdecken wir oft genug in der Tages- oder Fachpresse Artikel, bei denen wir ahnen oder gar wissen, dass die Autoren durch unsere JazzNews auf das Thema aufmerksam wurden. |
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Wir hatten bereits in den letzten Jahren über eine verstärkte Lobbyarbeit für den deutschen Jazz berichtet, in die wir durch viele unsere Projekte eingebunden sind. Im Englischen, habe ich mir sagen lassen, hat das Wort "Lobby" einen etwas negativen Beigeschmack, aber was soll's: Genau darum geht es, dem Jazz auch auf politische Ebene eine Stimme zu geben, damit Entscheidungen über Fördermaßnahmen nicht an dieser Musik, die mit zu den kreativsten gehört, vorbeigeht, nur weil -- zugegebenermaßen -- der Jazz nach wie vor keine Massenmusik ist. Unser Wegweiser Jazz ist auch Teil dieser Lobbyarbeit -- wenn man das Buch durchblättert, wird einem schnell klar, wie viele Menschen tatsächlich hinter dieser oft auf ehrenamtlicher Arbeit basierenden Szene stecken. 2010 fand bei der JazzAhead in Bremen zum dritten Mal das German Jazz Meeting statt, das vom Verein Verein German Jazz Meeting organisiert wird, der seinen Sitz im Jazzinstitut hat. Die Finanzierung der Veranstaltung basierte in diesem Jahr vor allem auf Fördergeldern der Initiative Musik, einer Fördereinrichtung der Bundesregierung für die Musikwirtschaft in Deutschland. Arndt Weidler, der dem Verein vorsitzt, hatte alle Hände voll mit der Vor- und Nachbereitung der Veranstaltung zu tun, beauftragte zudem eine unabhängige Evaluation der ersten drei German Jazz Meetings, um die Bedeutung dieser Veranstaltung für die Wahrnehmung des Jazz aus Deutschland in anderen Ländern zu verdeutlichen und ihr möglichst eine finanziell etwas sicherere Zukunft zu verschaffen. Das German Jazz Meeting, soviel sei hier noch einmal erläutert, ist ein alle zwei Jahre stattfindendes Showcase-Festival, bei dem 2010 zwölf von einer unabhängigen Jury gewählten Ensembles aktuelle Jazzprojekte aus Deutschland vor einem zum Teil eingeladenen Fachpublikum aus Clubbetreibern, Festivalorganisatoren, Journalisten, Goethe-Instituts-Direktoren und anderen Multiplikatoren aus der ganzen Welt präsentieren -- jeder Set 20 Minuten lang, mit Ansage in Englisch und einem dramaturgischen Bogen, der zeigt, was in dieser Musik möglich ist. Arndt Weidler war auch sonst in Sachen Lobbyarbeit für den Jazz viel unterwegs, bei Arbeitstreffen mit den anderen Verantwortlichen des Vereins genauso wie mit den Kollegen der Bundeskonferenz Jazz (www.bkjazz.de), eines losen Zusammenschlusses, der die Lobbyarbeit im Jazzbereich bündeln will, daneben politische Hintergrundgespräche vorbereitet und führt sowie vieles mehr. Daneben saß Weidler erneut in der Jury des Neuen Deutschen Jazzpreises Mannheim, außerdem in der Jury für den renommierten SWR Jazz Preis. Wolfram Knauer saß bis zum Herbst 2010 im Jazz-Beirat des Deutschen Musikrats und ist nach wie vor Vorsitzender des Musikbeirats des Goethe-Instituts. Das klingt alles ein wenig nach Funktionärstätigkeiten, aber eine Präsenz in solchen Netzwerken ist notwendig, um etwas für den Jazz zu erreichen. Wir versehen all solche Aufgaben also in der Hoffnung, mit ihnen den Jazz und seine kreative Kraft zu stärken und der Jazzszene dort eine Stimme zu verschaffen, wo sie oft genug vergessen wurde. Darüber hinaus waren wir auch sonst außerhalb Darmstadts präsent. Doris Schröder nahm im September an einer Tagung des Lippmann+Rau-Musikarchivs in Eisenach teil, bei der es um die Probleme und um eine mögliche Vernetzung existierender Archive im Bereich Jazz und populäre Musik ging. Ein Tagungsbericht dieser Veranstaltung ist in Arbeit. Wolfram Knauer hielt im Rahmen der Ringvorlesung "Interkulturalität" an der Universität Mainz einen Vortrag zu interkulturellen Aspekten im Schaffen Peter Kowalds. |
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Auf europäischer Ebene hielten wir uns 2010 eher zurück. Im März immerhin war Wolfram Knauer eingeladen, das Schweizer Jazzarchiv SwissJazzORama zu besuchen und dort über die Arbeit des Jazzinstituts Darmstadt zu berichten. Ein Bericht dazu findet sich im SwissjazzoRama Newsletter Nr. 22. Für 2011 planen wir eine Belebung des europäischen Netzwerks von Jazzarchiven, die wir auf der Website www.jazzarchive.eu gelistet haben, ein Netzwerk, das bereits 2007 von SienaJazz und dem Jazzinstitut Darmstadt angedacht und im nächsten Jahr mit konkreten Inhalten und Diskursen gefüllt werden soll. Ziel des ganzen ist, die Arbeit dieser Archive bekanntzumachen und Nutzern von außerhalb einen Leitfaden an die Hand zu geben, wo sie wie welche Information abfragen können. |
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Das Jazzinstitut ist schon lange keine rein deutsche Angelegenheit mehr. Darmstadt ist Anlaufstelle für Forscher und Journalisten von überall her, und wir arbeiten immer wieder mit Partnern zusammen, die das Darmstädter Knowhow zu schätzen wissen. Die Columbia University in New York, deren Center for Jazz Studies wir eng verbunden sind, hat im zu Ende gehenden Jahr etwa auf ihrer Website www.jazzstudiesonline.org einen Musterplan für einen Kurs "Jazz in Europe / European Jazz" online gestellt, der auf Wolfram Knauers gleich lautender Vorlesungsveranstaltung an der Columbia University im Frühjahr 2008 basiert. Auf derselben Website is außerdem ein (etwas langes und in zwei Teile getrenntes) Video von Knauers Louis-Armstrong-Vorlesung über "Europe's Blues and Soul A Different Look at Jazz Aesthetics" zu sehen. Seit Jahren arbeiten wir immer wieder eng mit der Charleston Jazz Initiative zusammen, einer Initiative, die die lokale und regionale Jazzgeschichte in Charleston, South Carolina, erkundet und dokumentiert. Im Juni war Wolfram Knauer als Vertreter des Jazzinstituts und langjähriger Berater der Initiative beim Jazz Legends Festival in Charleston, zusammen mit den anderen Beratern Jeffrey Green, Dan Morgenstern, Larry Ridley, A.B. Spellman und namhaften weiteren Gästen wie etwa Jimmy und Albert 'Tootie' Heath, Slide Hampton, Ellis Marsalis oder Houston Person. |
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Vom 28. April bis 1. Mai 2011 wird das Jazzinstitut zum sechsten Mal mit einem eigenen Stand auf der Messe JazzAhead! in Bremen präsent sein (www.jazzahead.de). Neben dem üblichen Networking werden wir dabei auch an dem einen oder anderen Programmpunkt innerhalb des JazzAhead-Ablaufs teilnehmen. Unsere 20. Darmstädter Jazz Conceptions werden wieder am Heinerfestmontag beginnen, einem in Darmstadt so heiligen Tag wie es der Rosenmontag in Köln ist. Vom 4. bis 9. Juli 2011 werden dann wieder sechs bis sieben Dozenten im Kulturzentrum Bessunger Knabenschule den Teilnehmern die Geheimnisse der Improvisation verraten, vor allem aber sie in ihre eigenen Konzepte zum gemeinsamen Musiknehmen einweihen. Mit von der Partie sind jetzt schon der Tubaspieler Jon Sass, der Vibraphonist Christopher Dell, der Pianist Uli Partheil und unser künstlerischer Leiter Jürgen Wuchner. Weitere Dozenten werden wir Anfang des Jahres nennen können; sie, genauso wie der genaue Ablauf, Anmeldeformalitäten etc finden sich dann auf unserer Website: www.jazzinstitut.de. Das 12. Darmstädter Jazzforum wird sich vom 29. September bis 2. Oktober 2011 mit dem Thema "Jazz to the People … Jazz vermitteln" befassen. Es will dabei drei Themenfelder abdecken, die für die Vermittlung dieser kreativen Musik von besonderer Bedeutung sind: die pädagogische Vermittlung von Jazz und improvisierter Musik an Allgemeinbildenden Schulen und an Hochschulen, die mediale Vermittlung durch Presse, Rundfunk etc. sowie die Vermittlung zwischen Künstlern und ihrem Publikum. Das ganze wird in einer dreitägigen Tagung, in begleitenden Workshops und Konzerten geschehen, alles öffentlich und an weit mehr als nur ein Fachpublikum gerichtet. Ob Pädagogen, Jazzkritiker, Jazzmusiker oder Jazzfans -- wir werden aus all diesen Bereichen Referenten auf dem Podium haben, aber hoffentlich noch weit mehr als Zuhörer und Mitdiskutanten im Publikum. Das Thema, soviel ist uns jetzt schon klar, ist ein schwieriges, und scheinbar verdiente ein jeder der drei Unterabschnitte eine eigene Tagung. Wir werden aber versuchen die Verbindungen aufzuzeigen und denken, dass gerade in der Bündelung ein Schuh draus wird, dass Vermittlung eben nicht nur ein pädagogisches Problem ist, eines, das gefälligst Journalisten zu lösen hätten, oder eines, das in erster Linie die Musiker und ihr musikalisches Schaffen betrifft, sondern dass im Zusammenbringen all dieser Bereiche vielleicht Synergiemöglichkeiten zutage kommen, ein Verständnis füreinander und durchaus auch ein Bewusstsein für die noch stärkere Vermittlung des Jazz hergestellt werden kann. Auch hier gilt: Mehr in wenigen Monaten auf unserer Website www.jazzinstitut.de. Diese Website, wir hatten es bereits angedeutet, wird im nächsten Jahr einen größeren Relaunch erfahren, bei dem wir als erstes den Wegweiser Jazz auf eine Online-Datenbank umstellen werden, um danach auch andere Teile der Website einer Generalüberholung zu unterziehen. Am 21. Januar präsentiert die Bessunger Knabenschule in ihrem Saal das Wolfgang Schlüter Quartett und wir steigen mit ein bei einem JazzTalk mit dem Vibraphonisten, der seit 1950 als professioneller Musiker aktiv ist, in den 1950er und 1960er Jahren zur legendären Band von Michael Naura gehörte und später seine Klangfarbe in die NDR Big Band einfließen ließ. Mit exzellenten jungen Hamburger Musikern wird Schlüter in Darmstadt dabei eine Reise durch all die stilistischen Welten präsentieren, auf denen er seit 60 Jahren aktiv ist -- swingen wird es dabei überall. Am 11. Februar folgt ein JazzTalk im Gewölbekeller des Jazzinstituts mit der Band "fossile 3" des Kontrabassisten Sebastian Gramss. Anfang April werden wir den Schlagzeuger Tony Oxley zu Gast haben, beim JazzTalk, in einer Ausstellung seiner Malerei und im Rahmen der Vorstellung seiner Biographie, die, von Uli Kurth erstellt, Anfang des Jahres im Wolke-Verlag erscheinen wird. Die Darmstädter Musikgespräche beginnen am 26. Januar (20 Uhr, Literaturhaus, Kasinostraße 3) mit den beiden Autoren Stephan Schulz und Wolfram Knauer, die ihre jeweiligen Armstrong-Bücher vorstellen und sich miteinander über Armstrong und ihre unterschiedliche Herangehensweise an das Thema unterhalten werden. Dabei werden auch einige seltene Armstrong-Filmausschnitte zu sehen sein. Auch an fünf weiteren Mittwochen über das Jahr werden Referenten ihr Publikum ein wenig an den Forschungen teilhaben lassen, die am Internationalen Musikinstitut, an der Akademie für Tonkunst oder am Jazzinstitut Darmstadt so getrieben werden. Am 8. Juni haben wir dazu beispielsweise den Kontrabassisten Manfred Bründl eingeladen, seine Recherchen zu Peter Trunk vorzustellen und zu erzählen, und wie diese seine eigene Musik beeinflussten. Weitere Konzerte und Veranstaltungen sind in Planung und werden im Laufe des Jahres auf unserer Website veröffentlicht. |
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nun ja, zuerst einmal dem einsamen Leser, der sich tatsächlich durch diesen mal wieder etwas ausgeuferten Jahresrückblick gekämpft hat. Das Jazzinstitut ist eine städtische Einrichtung, und nach wie vor -- und gerade in schweren Zeiten wie diesen -- ist das ein außergewöhnliches Engagement einer Kommune für eine Sache, die von vielen immer noch als exotisch angesehen wird. Am 1. September 1990 wurde das Jazzinstitut offiziell gegründet, nachdem die Sammlung Joachim Ernst Berendts bereits seit den Mitt-1980er Jahren als Grundstock unseres heutigen Archivs gesichert worden war. Am 1. September 2010 feierten wir im Mitarbeiterkreis, am 1. Oktober 2010 dann offiziell und wurden im Rahmen dieses Jubiläums dankenswerterweise auch von der (internationalen) Presse und vielen unserer Nutzer gefeiert. Unser Oberbürgermeister und Kulturdezernent betonte dabei, wie wichtig diese Einrichtung für das kulturelle Gesicht der Stadt sein, und wir erfahren auch sonst immer wieder, dass die Wissenschaftsstadt Darmstadt um das Ansehen weiß, das sich mit ihrem Namen durch unsere Arbeit überall in der Welt verbindet. Wir wiederum wissen um das Engagement, das auch uns trägt und danken einmal mehr allen, die uns in unserer Arbeit tatkräftig unterstützen: den vielen Kollegen in der Stadtverwaltung (und hier insbesondere im Kulturamt); den politischen Gremien der Wissenschaftsstadt Darmstadt; unseren sechs ehrenamtlichen Kollegen, Ute Dotzert, Rainer Grobe, Alexander von Leliwa, Helmut Lücke, Katrin und Günter Schapka (und dem Verein Ehrenamt für Darmstadt e.V.), die uns insbesondere bei der Archivierung unser Bestände von unschätzbarer Hilfe sind; den 2010 bei uns tätigen Praktikantinnen und Praktikanten (und hier vor allem Yasmin Chaouli, die nicht nur die Ausstellung "Jazz nad Odrą" im April mit vorbereitete, sondern sich auch ausführlich mit einem Konzept zur Betreuung und zur Projektarbeit von Schülergruppen der Sekundar- und der Oberstufe an Allgemeinbildenden Schulen im Jazzinstitut sowie die Entwicklung eines Angebotes für die Lehrerfortbildung in Zusammenarbeit mit dem Schulamt und in Abstimmung zu den Lehrplänen des Landes Hessen befasste); den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Darmstadt, die das Jazzinstitut seit seiner Gründung tragen; den Jazzfreunden und Jazzmusikern, die sich daran gewöhnt haben, dass es in dieser Stadt ein Jazz-Zentrum gibt, das weltweit seinesgleichen sucht. Wir wissen, dass unsere Arbeit nur in diesem Klima gedeihen kann, in dem wir dauernd dazu ermuntert werden, unsere Ideen auch in Realität umzusetzen. Hier in Darmstadt geht das immer noch besser als irgendwo sonst. Und vielen Dank nicht zuletzt auch den vielen Freunden des Jazzinstituts, denjenigen, die unsere Sammlung regelmäßig durch Spenden oder Schenkungen erweitern, aber auch all denen, die uns durch Anfragen und (durchaus auch kritische) Anregungen immer wieder den Weg weisen, was noch zu tun sein könnte in diesem großen, swingenden Metier. Wer unsere Arbeit beobachtet, weiß, dass wir auf solche Anregungen meist auch reagieren, denn ohne Sie bräuchte es auch uns nicht. Ein Archiv, ein Dokumentations- und Informationszentrum legitimiert sich immer auch dadurch, dass es gebraucht wird. Und Ihr/Sie alle geben uns (weiß Gott!) dieses Gefühl. Danke! |
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Wir? Das sind Doris Schröder, Arndt Weidler und Wolfram Knauer, die Mitarbeiter des Jazzinstituts Darmstadt, einem Kulturinstitut der Wissenschaftsstadt Darmstadt, die jetzt ein wenig durchatmen, und Euch / Ihnen ein gesundes, frohes, erfolgreiches und vor allem jazz-reiches Neues Jahr wünschen. |
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