Jazzbrief aus New York
Jazzletter from New YorkFebruary 2008
"Der Jazzbrief" hieß eine Publikation, die Aktivitäten des Jazzinstituts Darmstadt beleuchtete, kleinere Beiträge publizierte, die sich aus der täglichen Arbeit des Jazzinstituts ergaben. Wir haben uns entschlossen, den Jazzbrief fürs erste elektronisch fortzuführen. Hier wollen wir Gedanken und Diskussionen öffentlich machen, die wir im Jazzinstitut führen, laden alle Leser dazu ein, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen und uns ihre eigene Meinung mitzuteilen. Wir berichten über Sammlungszuwächse und sonstige Aktivitäten. Es handelt sich bei den Beiträgen auf dieser Seite nirgends um feststehende "Wahrheiten" über den Jazz, sondern um eine Sammlung von Notizen, Gedanken und Diskussionsbeiträgen.
"The Jazzletter" was a publication in which the Jazzinstitut Darmstadt reported about some of its activities and published short essays, results from the daily work at the Jazzinstitut. We decided to continue the Jazzletter electronically, publishing some of our thoughts and internal discussions and inviting everyone to participate and tell us what they think. We also report about additions to the jazz collection of the Jazzinstitut and other acitivities. This is a collection of notes, thoughts and discussions more than a statement of "truths" about jazz.
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Februar in New York (anstatt eines Tagebuchs)
von Wolfram Knauer
Die Veranstaltungen in der St. Peter's Church sind zweischneidig: auf der einen Seite wunderbar, weil sich dort die gesamte Musikercommunity versammelt, auf der anderen Seite sehr traurig, weil die Konzerte meistens als Memorials für kürzlich verstorbene Kollegen stattfinden. Am 4. Januar war Earl May verstorben, ein Bassist, der mit allen Größen des Jazz einschließlich Louis Armstrong, Charlie Parker und Dizzy Gillespie gespielt hatte. Ihm zu Ehren spielte eine ganze Armada an Musikern in der zum Bersten gefüllten Kirche. Barry Harris war zu hören, als Pianist genauso wie als (gewöhnungsbedürftiger) Sänger und mit einem ganzen Chor, der plötzlich im Publikum aufstand und aus Harris' vielfältigen pädagogischen Tätigkeiten entstanden war. Ein Basschor aus acht Bassisten unter der Leitung von Rufus Reid und mit u.a. Buster Williams spielte zwei Stücke.
Dr. Billy Taylor und Mitglieder der Familie von Earl MayDie Frank Foster Loud Minority spielte ebenfalls zwei Titel, darunter Fosters legendäres "Shiny Stockings". Foster selbst saß im Publikum. Er ist zu schwach, um selbst zu spielen oder die Band zu leiten, aber immer noch aktiv genug, um neue Kompositionen vorzulegen. Weitere Musiker, die Earl May Tribut zollten, waren u.a. die Saxophonisten Jimmy Heath und Charles Davis und der Pianist Dr. Billy Taylor.
Frank Foster Mit meinem Kollegen Lewis Porter, dem Gründer des Masters Program for Jazz Research an der Rutgers University in Newark, New Jersey, besuchte ich danach die Lenox Lounge, ein weiteres geschichtsträchtiges und wunderbares Lokal in Harlem. Im Zebra Room, dem kleinen Hinterzimmer der Lenox Lounge spielte das Quartett des Saxophonisten Patience Higgins und -- im zweiten Set -- jede Menge Einsteiger, unter ihnen der Euphonium-Spieler Kiane Zawadi (der zuvor beim Earl May Memorial gewesen war), Lewis Porter am Piano, der Bassist Phil Bowler und vor allem der Schlagzeuger Bernard 'Pretty' Purdie, der mit nur knappen Handbewegungen einen Groove zu erzeugen vermochte, der die gesamte Musik veränderte.
Patience Higgins (sax), Marcus Persiani (p), Andy McCloud (b), David Gibson (d)
David Gibson, Wolfram Knauer, Lewis Porter
Lewis Porter
Bernard 'Pretty' Purdie
James Lincoln Collier ist ein guter Freund und Kollege. Wir arbeiten seit einiger Zeit mit ihm zusammen an einem Buch über die Geschichte des Jazz in Europa. Seitdem ich in New York bin, treffe ich mich regelmäßig mit ihm, um unser weiteres strategisches Vorgehen zu besprechen. Die Colliers wohnen mitten in Greenwich Village, und Jims Frau Ida ist eine wunderbare Freundin (und außerdem eine exzellente Köchin). Jeden Mittwoch mittag spielt Jim Posaune im Greenwich Village Bistro, einer kleinen Gaststätte auf der Carmine Street. Es ist eine kleine Band, die Gotham Jazzmen, in der neben ihm u.a. der Klarinettist Sam Parkins und der Trompeter Peter Ecklund und meist der Pianist Peter Sokolow angehören. Am Donnerstag hat dieselbe Band (plus Bass und Schlagzeug einen regelmäßigen Gig in der Donnell Library, gegenüber dem Museum of Modern Art auf der 53sten Straße.
James Lincoln Collier, Sam Parkins
